Arbeitslosigkeit in Deutschland
Die OECD, sonst eher kritisch, musste eines konzedieren: Die Arbeitsmarktsituation in Deutschland hat sich verbessert. Die Beschäftigtenquote – der Anteil der Beschäftigten an der Summe aller Erwerbsfähigen – ist auf 69 % gestiegen und liegt damit über dem OECD-Durchschnitt, der 67 % beträgt. Allerdings, so die Studie der OECD, ist das Wachstum der Beschäftigung zu einem überdurchschnittlichen Maß auf die Schaffung neuer Teilzeitarbeitsplätze zurückzuführen. Etwa 22 % der Beschäftigten arbeiten Teilzeit, mehr als in den meisten anderen OECD Staaten.
Der Bericht der OECD weist auch auf ein wirklich ernsthaftes Problem hin: Die hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen. 56 % der Arbeitslosen suchten 2007 länger als ein Jahr eine Arbeitsstelle. Getoppt wird dies nur noch von der Slowakei. Kritisiert wird weiterhin, dass Frauen und Ausländer auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden, und das, obwohl die deutsche Antidiskriminierungsgesetzgebung im OECD Vergleich sehr fortschrittlich ist.
Die Zahl der Arbeitslosen ist immer noch viel zu hoch, auch wenn die Bundesagentur für Arbeit im Juni erneut eine leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt melden konnte. Danach sind in Deutschland 3.160 Mio. Menschen arbeitslos, gegenüber dem Vorjahr 528 000 weniger. Zum ersten Mal seit 15 Jahren fiel die Zahl der Arbeitslosen unter 3,2 Millionen. Die Arbeitslosenquote beträgt nun 7,5 %. Trotz Konjunkturabschwächung ist das Angebot an Arbeitsplätzen weiter hoch. Die Gründe dafür seien die übliche Frühjahrsbelebung, die immer noch recht stabile Konjunktur und die Wirkung der Arbeitsmarktreformen, so die Bundesagentur für Arbeit. Allerdings ist auch das Arbeitskräfteangebot im Vergleich zum Vorjahr um 70 000 bis 90 000 gesunken. Es gibt über eine Million offene Stellen, 84 % davon auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbstätigen, eine Kennzahl, die in der Diskussion oft vernachlässigt wird, ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 % auf 40,19 Millionen gestiegen.
Die Bundesagentur erwartet, dass sich der positive Trend – allerdings leicht abgeschwächt – fortsetzen wird. Diese Feststellung deckt sich mit den Vermutungen im OECD-Bericht. Danach wird das schwächere Weltwirtschaftswachstum merkliche Auswirkungen auf das Beschäftigungswachstum in den OECD Staaten haben. Die OECD rechnet für 2008 mit einem Zuwachs der Beschäftigung um 0,7 % (bei 5,7 % Arbeitslosenquote) für 2009 um 0,5 % (6 % Arbeitslosenquote).
Verantwortlich für diesen Beitrag: Andreas Lojewski


