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Andreas Lojewski

Bauzinsen steigen wieder

Wer gegenwärtig um einen Baukredit oder Hauskredit nachsucht, hat mit aller Wahrscheinlichkeit den günstigsten Zeitpunkt verpasst. Die aktuellen Bauzinsen sind etwas höher als noch vor kurzer Zeit. Bauzinsen steigen also wieder etwas. Als Grund geben die Banken an, dass es für sie teuerer geworden ist, am Kapitalmarkt Geld zur Refinanzierung zu beschaffen. Und das, obwohl die Leitzinsen weiterhin auf einem Rekordtief verharren.

Wie sich die Bauzinsen in naher und ferner Zukunft entwickeln werden, ist kaum vorherzusagen. Möglich ist ein rascher Anstieg, ebenso möglich ist, dass die Bauzinsen noch einmal zurückkommen. Feststellen lässt sich aber: Die Zinsen sind auf einem historischen Tief und sie scheinen etwas in Bewegung gekommen zu sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bauzinsen jedenfalls mittelfristig ihre historischen Tiefststände verlassen und wieder steigen, ist groß. Allgemein wird von einer wirtschaftlichen Erholung spätestens im nächsten Jahr ausgegangen. Manche erwarten dann sogar eine Hyperinflation.

Was soll man in einer solchen Situation tun, wenn eine Hausfinanzierung bevorsteht? Das hängt auch von der eigenen Risikobereitschaft ab.

Wer auf Sicherheit wert legt, ist mit einem normalen Hauskredit mit sehr langer Zinsbindung gut beraten. Eigentlich kann man damit in der gegenwärtigen Situation nichts falsch machen. Dabei ist im Hinterkopf zu behalten, dass jeder langfristige Hauskredit nach 10 Jahren ordentlich kündbar ist. Steht mittelfristig ein Anschlusskredit an oder wird der Hauskredit erst in einiger Zeit benötigt, ist ein Forwarddarlehen überlegenswert.

Spekulativ veranlagte Hausfinanzierer gehen eine Zinswette auf die Bauzinsen ein. Sie wählen Darlehen mit variablem Zinssatz, die zurzeit kaum mehr als 2 % kosten, wenigstens als Beimischung für einen Teil des Hauskredits. Das mag sich eventuell trotz der zurzeit leider ansteigenden Bauzinsen noch lohnen. Für variable Kredite orientiert sich der Zinssatz in der Regel am Drei-Monats-Euribor, der derzeit bei nur etwa 1,3 % liegt. Wer seinen Spieltrieb ausleben aber dennoch ruhiger schlafen möchte, kann einen Kompromiss eingehen: den so genannten Cap-Dredit. Bei Cap-Krediten wird eine Zinsobergrenze für die Vertragsdauer festgelegt – gegen einen Zinsaufschlag, der in etwa 0,2 % beträgt. Der Aufschlag variiert je nach Obergrenze und Laufzeit. Variable Kredite mit oder ohne Cap lohnen sich vor allem, wenn eine Rückführung jederzeit oder wenigstens in absehbarer Zeit möglich ist; entweder weil gut angelegtes Vermögen vorhanden ist oder größere Geldbeträge sicher erwartet werden können.

Schließlich kann man noch in die Vollen gehen und zur Hausfinanzierung eine so genannte Vollfinanzierung, 100 % Finanzierung oder 120 % Finanzierung abschließen. Auch das ist natürlich nicht ohne Risiko. Wer aber von einer anständigen Inflationsrate in der Zukunft ausgeht und glaubt, seine Einkünfte steigen schneller als die Inflation, der findet wegen der niedrigen Bauzinsen für eine Vollfinanzierung ideale Bedingungen. Vollfinanzierungen können nicht grundsätzlich negativ gesehen werden. Für junge Menschen die gut verdienen und über genügend frei verfügbares Einkommen verfügen, kann eine Vollfinanzierung durchaus Sinn machen. Allerdings sind die Bauzinsen hier etwas höher als bei normalen Krediten.


Verantwortlich für diesen Beitrag: Andreas Lojewski