Eheringe nutzen sich ab
Uromas Ehering existiert noch. Er ist ganz dünn und fragil. War das Mode zu Beginn des 20. Jahrhunderts? War nicht genug Geld da für einen solideren Goldreif? Jetzt ist es wissenschaftlich untermauert: Die Zeichen „ewiger Liebe“ – rund, kein Ende – unterliegen im Laufe eines Ehelebens einer Abnutzung. Der Wiener Wissenschaftler Georg Steinhauser hat seinen 18karätigen Ehering ein Jahr lang untersucht und diese ungewöhnliche Studie seiner Frau zum ersten Hochzeitstag gewidmet. Ein gutes oder schlechtes Omen?
Zunächst nahm Steinhauser an, dass bei seinen wöchentlichen Untersuchungen kaum Unterschiede festzustellen wären. Es zeigte sich jedoch ein klarer Trend im Gewichtsverlust. Während Schweiß und Temperaturen dem Ring kaum schaden, sorgen Strandurlaub, Gartenarbeit, Skifahren und sogar der kräftige Applaus bei einem Rockkonzert für erhöhte Abnutzung. Goldspuren von den Ringen bleiben an den Fingern und an Gegenständen, die diese Finger berühren. Schließlich landen sie beim Händewaschen im Abwasser. Steinhauser rät seinen Laborkollegen, die Ringe vor der Arbeit abzunehmen und die Hände zu waschen. Um die Ringe zu schonen? Nein, vielmehr, weil die Mikromengen Gold die Untersuchungsergebnisse im Labor verfälschen können. Das ist eigentlich das viel wichtigere Ergebnis dieser Studie und führt zu einer erhöhten Qualitätssicherung bei chemischen Analysen.
Und die Ringe, die Symbole der Ehe, soll man sie schonen? Nach der Studie wäre der Ring von Steinhauser in 907 Jahren aufgelöst. Bei der goldenen Hochzeit in 50 Jahren wäre der Ring demnach nur etwa um ein Achtzehntel reduziert. Eine Ehe mit so wenig Verschleiß kann man wohl als gelungen und glücklich bezeichnen. Ein gutes Omen also, und viel Glück für das junge Paar Steinhauser.
Verantwortlich für diesen Beitrag: Wilma Lojewski


