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Andreas Lojewski

Inflationsgeschützte Anleihen

Inflationsgeschützte Anleihen, auch Inflationsindexierte Anleihen genannt, waren in Deutschland und in der Eurozone, anders als in den USA, lange kein Thema. Das hat sich jetzt geändert, seitdem eine wahre Inflationshysterie ausgebrochen zu sein scheint. Täglich werden Nachrichten verbreitet, nach denen Fachleute ein Explodieren der Preise nach dem Ende der Krise, wenn nicht eine Hyperinflation, so doch außergewöhnlich hohe Inflationsraten, erwarten. Andere wiederum glauben, dass eben das nicht eintritt. Manche verweisen auf Japan. Auch dort hat es keine schwere Inflation gegeben, obwohl der Staat jede Menge Liquidität zur Verfügung gestellt hatte. Zur Zeit ist die Inflationsrate übrigens auf einem historischen Tief.

Wie auch immer: Geldentwertung in angemessener Höhe gehört zu jedem gesunden Wachstum dazu und ist global und über längere Zeiträume gesehen der Normalfall. Jeder Anleger, der langfristig denkt, muss also dafür sorgen, dass die Inflation die Rendite nicht auffrisst. Das passiert regelmäßig mit normalen Sparbüchern. Die erste Vorsorge gegen Inflationsauswirkungen ist bei längeren Anlagen eine Rendite von wenigstens 4 – 5 %. Allerdings sind selbst bei solchen Renditen schon gewisse Risiken vorhanden Es ist deshalb nicht unvernünftig, vor allem für sehr sicherheitsorientierte Anleger, einen Teil des Geldes in Inflationsgeschützte Anleihen anzulegen. Dabei handelt es sich um Wertpapiere, die mit der Geldwertentwicklung gekoppelt sind. Kommt es zu einer Deflation, ein Schreckgespenst, das noch bis vor kurzem durch die Medien geisterte, wird deshalb auch der Wert der Anleihe entsprechend „nach unten“ angepasst.

Bei Inflationsgeschützten Anleihen gibt es zwei Anleihetypen. Bei dem ersten Typ wird der investierte Betrag über einen Referenzindex an die Inflationsentwicklung angepasst. Der Nominalbetrag wird also mit der Zeit modifiziert. Das kann Auswirkungen auf den Kaufpreis haben. Nicht nur der Kurs samt Zinsen und Spesen ist entscheidend, zusätzlich wird auch noch mit dem so genannten Indexierungskoeffizienten multipliziert. Wer diese Form Inflationsindexierter Anleihen wählt, sollte sich genau nach dem Indexierungskoeffizienten erkundigen, da er den Abrechnungsbetrag bisweilen um bis zu 10 % beeinflussen kann.

Bei der zweiten Form der Inflationsgeschützten Anleihe bleibt der Kapitalwert gleich. Stattdessen wird auf den Basiszins ein indexabhängiger Indexkoeffizient hinzugerechnet. Das geschieht zu jedem Kupontermin, in der Regel einmal jährlich.

Inflationsgeschützte Anleihen sind in der Eurozone, vor allem in Deutschland relativ neu und noch nicht weit verbreitet. Anders in den USA. Dort sind sie als Treasury Inflation Protected Securities (TIPS) seit 1997 im Umlauf und verhältnismäßig populär. Laufzeiten von 5, 10 und 20 Jahren sind üblich.

In Deutschland werden Inflationsgeschützte Anleihen mit Laufzeiten von in der Regel 5 und 10 Jahren angeboten. Experten raten von einer Direktinvestition ab, da dann sowohl der Zinskupon als auch der Inflationsausgleich besteuert werden kann. Um diese Steuernachteile zu vermeiden, wird die Investition in Fonds empfohlen. Bei Fonds spielen aber grundsätzlich die Kosten eine Rolle, die einen verhältnismäßig großen Anteil der Rendite auffressen können. Deshalb sollten nur kostengünstige Fonds in Erwägung gezogen werden, wie sie z.B. Vanguard bietet. Wichtig ist selbstverständlich auch der Referenzindex. Bei deutschen Papieren wird meistens der HVPI (unrevidierter harmonisierter Verbraucherpreisindex in der Eurozone, ohne Tabak) genutzt. Wissen muss man auch, dass die Basiszinsen geringer als bei normalen Anleihen sind; der Preis für die Sicherheit und der Hauptnachteil der Inflationsgeschützten Anleihen.


Verantwortlich für diesen Beitrag: Andreas Lojewski