Italiens Regierung bangt vor dem Euro Gipfel
Im Zuge der Eurokrise hat es nun auch ein weiteres südeuropäisches Land erwischt. Die Rede ist von Italien. Der Finanzhaushalt der Italiener sieht alles andere als gut aus und nun tat die italienische Regierung unter Silvio Berlusconi auch noch ihr Bestes, um eine Entscheidung zur Reform des Rentensystems so lange wie möglich heraus zu zögern. Immerhin steht an diesem Mittwoch die nächste Runde im Euro Gipfel der EU und Euroländer Regierungschefs in Brüssel an, bei dem man erwartet, dass die italienische Regierung endlich mit konstruktiven Plänen anreist. Lange sah es so aus, als würde die Regierung um Berlusconi diese Anforderung nicht erfüllen können. Jetzt wurde tatsächlich in letzter Minute eine Lösung gefunden.
Die Eurokrise dauert nun mehr seit mehreren Monaten an. Erst ging es nur um Griechenland. Der südeuropäische Staat ist so gut wie bankrott und soll mit Hilfe der restlichen Eurostaaten aus der Klemme gezogen werden. Doch dabei blieb es nicht. Denn neben Portugal und Irland meldeten im Laufe des Sommers auch Spanien und Italien erhebliche Probleme bezüglich ihres Finanzhaushaltes an. Wenn Jürg Zeltner, Wealth Management CEO bei UBS, zu Beginn des Jahres von einem anstehenden Währungskonflikt sprach, so sollte er damit Recht behalten. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass Italien gleich nach Griechenland mit dem höchsten Schuldenberg zu kämpfen hat. Dieser beläuft sich auf rund 1,9 Billionen Euro, das entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Lage ist also dramatisch und es ist fraglich, ob Berlusconi mit einer, dazu noch umstrittenen, Rentenreform in der Tasche, seine Regierung noch retten kann, wenn er am Mittwoch in Brüssel Rede und Antwort stehen soll.
Die Reform sieht vor, dass das Rentenalter von 65 auf 67 Jahre angehoben wird. Ob dies jedoch reicht, um auch nur annähernd den gigantischen Schuldenberg zu dezimieren, darüber ist man sich in Brüssel alles andere als sicher. Man verlangt von Berlusconi, dass er sich langsam einmal einen konkreten Zeitplan für Entscheidungen bereit legen sollte und endgültige Zweifel am Reform- und Sparwillen einzuräumen seien. Berlusconi beschwert sich wiederum darüber, dass sich andere Euroländer wie Deutschland oder Frankreich „zum Lehrmeister aufschwingen“ und anderen Ländern Lektionen erteilen. An diesem Mittwoch wird sich zeigen, wie fundiert seine Pläne wirklich sind.
Verantwortlich für diesen Beitrag: Bastian Weber


