Ölaktien
Sind Ölaktien out? Geht nicht der Trend weg vom Öl und hin zu so genannter alternativer Energie? Die Entwicklung des Ölpreises in den letzten Monaten spricht eine andere Sprache. Trotz der weltweiten Rezession ist der Ölpreis kontinuierlich gestiegen und mit ihm die meisten Ölaktien. Seit dem Tief vor einigen Monaten hat der Ölpreis kräftig zugelegt um etwa 100 %.
Diese auf den ersten Blick absurde Entwicklung hat wohl zwei Gründe: Ebenso wie bei Ölaktien und allen anderen Aktien wird beim Öl die Zukunft gehandelt. Und offensichtlich ist es so, dass der Markt – ausgehend von der Hoffnung dass das Wirtschaftswachstum zurückkehrt – mit mehr Nachfrage rechnet, die schon im Vorhinein eingepreist wird. Ein weiterer Grund liegt in der (Preis-)Politik der OPEC. Nachdem der Ölpreis von knapp 150 Dollar auf ca. 30 Dollar abgestürzt war, hat die OPEC die Ölproduktion so stark gedrosselt wie noch nie – um ca. 4,2 Millionen Barrel pro Tag. Und wo die Preispolitik hingehen könnte, machte kürzlich Saudi Arabien deutlich. Der wichtigste Ölproduzent hält einen Preis von 80 Dollar für angemessen.
Mögen hohe Energiekosten die Erholung der Weltwirtschaft auch bremsen, ein Ende der Rezession wird kommen, und damit auch der Hunger nach Öl, vor allen bei den Schwellenländern Indien und China. Mit erneuerbarer Energie wird sich dieser Hunger auf absehbare Zeit kaum stillen lassen.
Viele Faktoren sprechen für einen langfristigen Anstieg des Ölpreises. Mit zunehmender Nachfrage werden auch die Gewinne der Ölmultis wieder sprudeln und Ölaktien weiter im Preis zulegen. Abgesehen von der Politik der OPEC und steigender Nachfrage gibt es noch einen weiteren Grund, der diese Annahme erhärtet: Zur Befriedigung der wieder anziehenden Nachfrage nach Öl werden über kurz oder lang neue Ölfelder erschlossen werden müssen. Reicht auch der Ölvorrat länger, als oft behauptet wird, die Ausbeutung neuer Ölvorräte ist technisch schwierig und deshalb teuer. Abgesehen davon, werden während der Krise viele Investitionen zurückgeschraubt und neue Projekte auf Eis gelegt. Auch das kann zu einer Verknappung des Ölangebotes bei zunehmender Nachfrage führen. Die Folge: Preissteigerungen.
Profitieren werden vor allem die Ölmultis, deren Aktien schon in der Vergangenheit eine vernünftige Performance aufwiesen. Diese Ölmultis sind am Markt am besten aufgestellt. Wer langfristig in Ölaktien investieren möchte, sollte sich mit Exxon, BP, Royal Dutch und Total auseinandersetzen. Übrigens verstehen sich diese Ölmultis zunehmend nicht mehr nur als Öllieferanten, sondern als Lieferanten von Energie ganz allgemein. So investiert beispielsweise BP zunehmend in die Entwicklung von Sonnenenergie. Daneben sind einige Ölservicegesellschaften interessant, z.B. Schlumberger und Apache. Diese Gesellschaften befassen sich entweder nur mit der Förderung von Öl und Gas oder auch (Schlumberger) mit der Erschließung neuer Ölfelder. Sie betreiben kein Raffineriegeschäft. Dadurch ist die Kursentwicklung dieser Ölaktien im hohen Maße von der Entwicklung des Ölpreises abhängig. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Ölpreis und die Kurse dieser Ölaktien fast im Gleichklang verlaufen.
Verantwortlich für diesen Beitrag: Andreas Lojewski


