Rezessionen sind nicht ungewöhnlich
Die Angst geht um in Deutschlands Medien. Unter den Stichworten Rezession, Bankenkrise, Deflation, gar Depression werden immer neue Schreckensszenarien an die Wand gemalt. Manch ein bekannter Volkswirt lässt verlauten, die Wirtschaft in Deutschland werde im nächsten Jahr um 4 % einbrechen – natürlich nur schlimmstenfalls – aber die „schlimme“ Zahl steht erstmals im Raum. Die Bundesbank rechnet realistischer mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 0,8 % im Jahr 2009. Das ist ohne Frage ein ernstes Problem. Aber eines, das keinen, der mit Wirtschaft zu tun hat, unvorbereitet treffen dürfte. Denn Rezessionen sind in einer modernen Volkswirtschaft nicht ungewöhnlich. Wirtschaftschwankungen – Hochkonjunktur und dann wieder Rezessionen – sind ein Teil der normalen Wirtschaftsentwicklung.
Rezession bedeutet Abschwung der Wirtschaft. Wann Rezessionen beginnen, ist eine schwierige Frage. Als Faustregel gilt, dass eine Rezession vorliegt, wenn die Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt, in zwei aufeinander folgenden Quartalen schrumpft. Kennzeichen einer Rezession sind fehlende Investitionen oder sogar Stilllegung von Produktionsanlagen und überfüllte Warenlager. Die Auftragseingänge gehen deutlich zurück. Die Wirtschaftslage wird – wie zurzeit in der Presse – zunehmend pessimistisch beurteilt. Die aufkeimende Angst ist ein wesentlicher Grund für ein deutliches Nachlassen der (Verbraucher-) Nachfrage. Überhaupt spielen psychologische Gründe eine wichtige Rolle beim Entstehen und Fortbestehen von Wirtschaftskrisen. Das Vertrauen in das Funktionieren der Wirtschaft geht verloren. Den Unternehmern fehlt der Mut zu investieren, die Verbraucher fragen keine Güter oder Dienstleistungen mehr nach – aus Angst vor bevorstehenden Einkommensverlusten. Gravierende Arbeitsplatzverluste und stagnierende Löhne und Preise sind die Folge. Und natürlich brechen die Börsenkurse ein.
Wie schwer eine Rezession werden wird und wie lange sie dauert, kann keiner voraussagen. Seit Anfang der 70er Jahre gab es 6 Rezessionen, die jetzige mit eingerechnet. Die vergangenen Rezessionen dauerten zwischen 18 Monaten und einem halben Jahr. Experten halten die Wirtschaftskrise im Jahre 1982 für die schärfste seit der Weltwirtschaftskrise. 1982 schrumpfte die US-Wirtschaft über 2 %. Ein Grund: Die Notenbank schränkte die Geldmenge wegen der hohen Inflation drastisch ein. Auch während der Weltwirtschaftskrise 1929 wurden schwere Fehler gemacht. So erhöhte die deutsche Reichsregierung die Steuern und senkte die Ausgaben. Diese Maßnahmen vertieften die Rezession. Überdies weigerte sich die Reichsbank, die in Schwierigkeit geratenen Banken zu stützen. Die dadurch ausgelöste Kreditklemme trieb viele Unternehmen in den Konkurs.
Heute ist die Situation eine andere. Die Notenbanken der wichtigen Industrieländer haben konzertiert umfassende Zinssenkungen eingeleitet. Finanzhilfe und Konjunkturprogramme sorgen dafür, dass es zu keinem Flächenbrand kommt. Allein die EZB senkte den Leitzins dreimal hintereinander auf 2,5 %. Die Folge aller Maßnahmen: Ein flächendeckender Zusammenbruch des Finanzsystems ist praktisch ausgeschlossen. Eher sieht es so aus, als wäre das Schlimmste bei der Finanzkrise überstanden. Durch die Zinssenkungen verbilligen sich die Kredite und die Habenzinsen fallen. Das dürfte über kurz oder lang zu mehr Nachfrage und neuen Investitionen führen. Wenn man die gegenwärtige Rezession auch nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte, die Chancen für eine mittelfristige Überwindung des Abschwungs sind gut.
Verantwortlich für diesen Beitrag: Andreas Lojewski


