Aberglaube und Börse

    Auf der Jagd nach überdurchschnittlichen Renditen versuchen Börsianer die Kursentwicklung der Aktien , die Zukunft also, vorherzusagen. Die Erfolgsaussichten sind dabei oft nicht größer als beim Glücksspiel.

    Und wie alle Spieler sind Börsianer oft abergläubisch. Sie greifen da gern auf Indikatoren außerhalb der „drögen“ Börsenwelt zurück Hier einige Beispiele:

    Bild-Index

    In Deutschland spielt der Bild-Index eine Rolle. Berichtet Bild vom großen Geldverdienen an der Börse – verkaufen. Berichtet Bild vom Zusammenbruch der Börse – kaufen.

    Also antizyklisch handeln. Da mag ein Körnchen Wahrheit dran sein. Erst wenn die Börsenentwicklung sich im Bewusstsein der Mehrheit verankert hat, erscheinen in Massenzeitungen solche Berichte .Dann steht die Wende aber meistens bevor.

    Super Bowl Index

    International bekannt ist der Super Bowl Index. Die Endrunde der amerikanischen Football-Meisterschaft wird von den Siegern der beiden Verbände AFC und NFC bestritten.

    Gewinnt das Team der NFC, dann steht ein Börsenhoch vor der Tür. Siegt die Mannschaft der AFC, haben die Bären das Sagen.

    Skirt Length Theory

    Beliebt ist auch die „Skirt Length Theory“. Sind Miniröcke „in“, steigen die Aktien. Fallen die Rocksäume wieder, droht eine Baisse.

    Diese Theorie stammt aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Kniefreie Röcke setzten sich durch, als seinerzeit die Wirtschaft brummte. Nach dem Crash von 1929 waren wieder längere Kleider angesagt. Das hat sich bei den Börsianern eingeprägt.

    Presidential Election Cycle

    Ähnlich exotisch ist der „Presidential Election Cycle“, sogar wissenschaftlich untermauert vom Finanzhistoriker Yale Hirsch.

    Danach fallen die Börsen im ersten Amtsjahr eines neuen Präsidenten nachhaltig, weil die Anleger von der Wirkungskraft eines neuen Präsidenten regelmäßig enttäuscht werden. Stimmte z.B. bei Roosevelt und Eisenhower, nicht aber bei Bush Sr. und Clinton.

    Butter in Bangladesch und Standard & Poors 500

    Besonders exotisch wirken einige Untersuchungen Prof. Leinwebers vom California Institute of Technology.

    Der hat nach Überprüfung ungeheurer Datenmengen mit Hilfe eine Computers festgestellt, dass angeblich ein Zusammenhang besteht zwischen der Entwicklung des Standard & Poors 500 und der Erzeugung von Butter in Bangladesch.

    Stieg die Butterproduktion um 1 %, folgte der S&P im nächsten Jahr mit 2%; fiel die Butter um 10%, verlor der S&P 20 %. Jedenfalls soll das für die Jahre 1983 – 1993 gegolten haben.

    Freitag, der 13.

    Es wäre geradezu ein Wunder, würde Freitag der 13. beim Aberglauben rund um die Börse nicht eine besondere Rolle spielen. Auslöser war wahrscheinlich ein Buch des zweifelhaften amerikanischen Finanzmoguls Thomas W. Lawson, der sein Geld in erster Linie mit Kupfer gemacht hatte.

    Lawson schrieb 1907 ein Buch mit eben jenem Titel: „Freitag der 13.“. In dem Buch sagte er voraus, dass irgendein dunkler Broker an irgendeinem Freitag dem 13. die Börse ins Chaos stürzen wird. Seitdem geht die Angst vor dem großen Börsenkrach um.

    Der Aberglaube geht sogar so weit, dass schlichtweg Daten gefälscht werden, um dessen Richtigkeit zu bestätigen. So wird behauptet, dass der Crash vom 19. Oktober 1987 an einem Freitag stattgefunden hätte. Das ist jedoch nachweislich und leicht feststellbar Blödsinn. Der 19. Oktober 1987 war nun einmal ein Montag.

    Auch die Mutter aller Börsencrashs, der Schwarze Freitag 1929, fand nicht an einem 13. statt, wie immer wieder gerne behauptet wird. Eigentlich brach die Panik an der New Yorker Börse überhaupt nicht an einem Freitag sondern am 24. Oktober 1929, in Amerika einen Donnerstag, aus.

    Der Begriff „Schwarzer Freitag“ hat sich bei uns eingebürgert, weil die Börsenkrise wegen der Zeitverschiebung in Europa erst am Freitag um sich griff.

    Menschen suchen eben gern nach irgendwelchen Regeln, um rationale Entscheidungen treffen zu können, vor allem, wenn sich die Umstände so schwer einschätzen lassen wie an den Börsen.