Aktien: In welche Branchen investieren?

    Ohne eine ausreichende Diversifikation kein Erfolg bei der Aktienanlage. Wer alles auf eine Karte setzt, der kann nur verlieren.

    Einsteigern, die sich zum ersten Mal mit der gängigen Fachliteratur beschäftigen, begegnet dieser Rat immer wieder – zusammen mit der Empfehlung, auf Valueaktien zu setzen.

    Diversifizierung bedeutet, in einem ausgewogenen Verhältnis Aktien aus unterschiedlichen Branchen und aus unterschiedlichen Regionen zu kaufen.

    Die Berücksichtigung verschiedener Regionen ist heutzutage vielleicht nicht mehr ganz so wichtig, sofern in Papiere marktführender Unternehmen investiert wird.

    Branchenführer setzen ihre Dienstleistungen und Produkte in der Regel weltweit auf allen relevanten Märkten ab.

    Entscheidender ist die Diversifikation nach unterschiedlichen Branchen.

    Am einfachsten erreichen Anleger eine solide Branchenmischung, indem sie ETFs kaufen, die mit einem soliden Leitindex unterlegt sind. Infrage kommen vor allem der MSCI World und der S&P 500.

    Diese Methode empfiehlt der gegenwärtig wohl bekannteste und vielleicht auch erfolgreichste Investor, Warren Buffett, Privatanlegern.

    Anleger, die sich für eine Direktinvestition in einzelne Papiere entscheiden und ein übersichtliches Depot bestehend aus 10 bis 20 Einzelaktien aufbauen möchten, werden erst einmal vor ein scheinbar unlösbares Problem gestellt.

    Sie werden mit einer hohen sind es hat dann zusammen beides nicht 18 Anzahl an Branchen konfrontiert. Börse.de beispielsweise führt knapp 80 Sektoren auf, während Finanzen.net Aktiengesellschaften in ca. 100 Branchen einteilt.

    Auf den ersten Blick erscheint es kaum möglich, mit einer übersichtlichen Anzahl an Einzelwerten alle Branchen abzudecken.

    Erforderlich ist also, die vielen einzelnen Sektoren in übergeordnete Branchen zusammenzufassen. Hierzu machen wir einen Vorschlag und sagen gleichzeitig, welche Branchen sich für einen kontinuierlichen Vermögensaufbau am besten eignen.

    Wie fasse ich die über 100 Sektoren in übergeordnete Branchen zusammen, sodass mein Depot übersichtlich bleibt? Und welche Branchen sind für einen kontinuierlichen Vermögensaufbau die besten?

    Hier einige Informationen, Beispiele und Tipps. Alle zur Illustration herangezogenen Charts sind der Webseite der Börse Frankfurt entnommen.

    Zyklische oder defensive Branchen?

    Wie reagieren bestimmte Branchen auf konjunkturelle Veränderungen? Unterschieden werden zyklische Branchen von defensiven Branchen.

    Die Wertentwicklung von zyklischen Aktien ist stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängig. Läuft die Konjunktur gut, verdienen Unternehmen dieser Branche ebenfalls gut.

    Die Aktienkurse steigen heftig, häufig überproportional zum Gesamtmarkt. Kursaufschläge in Höhe von 60 % gegenüber Nicht-Zyklikern sind keine Ausnahme.

    Kühlt die Konjunktur ab, oder kommt es gar zu einer Rezession, wirkt sich die Krise überproportional auf die Erträge aus und die Aktienkurse fallen oft deutlich drastischer als der Gesamtmarkt.

    Kurse zyklischer Aktien bewegen sich über lange Zeiträume typischerweise seitwärts. Ein Beispiel sind die Vorzugsaktien der Volkswagen AG:

     

    Quelle: Börse Frankfurt

     

     

    Neben der Autoindustrie gehören zu den zyklischen Branchen beispielsweise: Maschinenbau, Baugewerbe, Stahl und Chemie.

    Die Aktie von ThyssenKrupp ist ein typischer Zykliker:

     

    Quelle: Börse Frankfurt

     

    Defensive Branchen sind weniger stark konjunkturabhängig. In einigen Fällen entwickeln sich Aktien defensiver Branchen sogar unabhängig von jeder Konjunkturentwicklung.

    Aktien aus defensiven Branchen erkennt man daran, wie sie sich in Zeiten fallender Aktienmärkte verhalten. Der Chartverlauf ist deutlich stabiler als bei zyklischen Werten.

    Typisch für Qualitätsaktien aus defensiven Sektoren ist eine kontinuierliche, positive Wertentwicklung über lange Zeiträume. Nestlé ist ein gutes Beispiel:

     

     

    Die Einteilung der Branchen in defensive Sektoren und Zykliker wird nicht immer einheitlich vorgenommen. Beispielsweise wird die Frage, wie Finanzaktien oder Telekommunikationsaktien einzuordnen sind, unterschiedlich beantwortet.

    Manche halten diese Branchen für zyklisch, andere Autoren Stufen diese Sektoren als antizyklisch ein.

    Folgen wir einmal der Auffassung einiger Fachautoren, dass der Bankensektor zyklisch ist. Dann ist der Chart von Wells Fargo interessant:

     

    Quelle: Börse Frankfurt

     

    Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten hat Wells Fargo die Finanzkrise hervorragend gemeistert.

    Im Grunde zeigt der Chart, dass sich der Aktienkurs über einen Zeitraum von zehn Jahren verhält wie bei einem defensiven Wert.

    In den letzten Jahren allerdings zeigt der Chart eine Seitwärtsbewegung. Der Kursrückgang des letzten Jahres hat einen konkreten Grund:

    Wells Fargo war in einen Skandal verwickelt. Um Provisionen zu generieren, hatten Mitarbeiter unter anderem Scheinkonten für Bankkunden angelegt.

    Der Skandal und die damit verbundene Rufschädigung mussten kostenträchtig bereinigt werden.

    An der Stabilität des Geschäftsmodells sowie an den langfristigen Ertragsaussichten hat sich aber nichts geändert.

    Skandale, wie die, unter denen gegenwärtig Wells Fargo leidet, führen immer zu Kursrückgängen und damit zu Kaufgelegenheiten.

    Fazit:

    Prinzipiell eignen sich für einen langfristig angelegten Vermögensaufbau defensive Werte eher als zyklische Aktien. Es gibt aber Ausnahmen.

    Anleger sollten unseres Erachtens deswegen nicht ausschließlich in defensive Branchen investieren, sondern auch die Qualität der Einzelwerte im Blick haben, gleichgültig ob sie antizyklisch oder zyklisch sind.

    Für den Vermögensaufbau geeignete Branchen

    Unser Vorschlag lautet, ein Depot aus acht Branchengruppen zu bilden.

    Jeder Branche ordnen wir beispielhaft einige Aktien zu, die gegenwärtig unserer Meinung nach zu den Qualitätsaktien gehören.

    Es handelt sich um Beispiele, nicht um Empfehlungen.

    Langfristig investieren bedeutet nicht, dass Anleger sich um ihr einmal zusammengestelltes Depot nicht mehr zu kümmern brauchen.

    Vielmehr ist eine ständige Überprüfung erforderlich, ob die gekauften Aktien noch die Merkmale einer Valueaktie erfüllen.

    Konglomerate

    Mischkonzerne lassen sich nur schwer einer bestimmten Branche zuordnen. Manche Geschäftsfelder gehören zu den defensiven Bereichen, andere sind zyklisch.

    Ein Beispiel ist der große amerikanische Mischkonzern 3M. Das Unternehmen vertreibt Produkte unter anderem in folgenden Sektoren:

    Verkehr, Elektronik und Telekommunikation, Industrie, Haushalt und Freizeit, Büro und Kommunikation, Medizin und Gesundheit, Werbung und Design.

    Vom Klebestreifen für den Haushalt bis zu Gesamtlösungen für die Modernisierung von Computernetzwerken.

    Die Produktpalette umfasst mehr als 50.000 unterschiedliche Produkte mit bekannten Markennamen wie Scotch.

     

    Quelle: Börse Frankfurt

     

    Andere Beispiele sind General Electric oder BASF, vielleicht auch Siemens.

    Konglomerate sollten möglichst weltweit agieren und über bekannte Marken verfügen.

    Konsum und Markenartikel

    Konsumaktien werden manchmal als defensiv, ein anderes Mal als zyklisch eingestuft. Letztlich kommt es auf diese Einordnung nicht entscheidend an.

    Ausschlaggebend ist, ob die Unternehmen Produkte herstellen, die unabhängig von wirtschaftlichen Zyklen immer nachgefragt werden.

    Dazu gehören sicherlich Produkte des täglichen Lebens, ohne die Verbraucher nicht auskommen.

    Luxusprodukte oder Kultprodukte können ebenfalls weitgehend konjunkturunabhängig sein.

    Die Aktie von Colgate-Palmolive ist ein oft genanntes Beispiel:

     

    Quelle: Börse Frankfurt

     

    Andere Beispiele sind Beiersdorf oder Henkel.

    Nahrung und Genuss

    Nestlé, Coca-Cola, McDonald‘s oder Starbucks gehören zu den Qualitätsaktien in diesem Sektor.

    Alle genannten Unternehmen expandieren ständig, verfügen über weltbekannte Marken und stellen sich flexibel auf ein verändertes Konsumverhalten ein.

    Pharma und Medizintechnik

    Diese Branche ist ein typischer defensiver Sektor.

    Den Insulinhersteller Novo Nordisk haben wir bereits erwähnt. Astra Zeneca und Roche sind weitere europäische Pharmaunternehmen.

    Johnson & Johnson gehört zu den wertvollsten Unternehmen der Welt und ist in den Branchen Medizin und Konsum tätig. Der Aktienchart zeigt eine sehr kontinuierliche Wertentwicklung:

     

    Quelle: Börse Frankfurt

     

    Interessant sind auch Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik. Beispiele sind Medtronic (Herzschrittmacher) oder Stryker.

    Technologie

    Um die Jahrtausendwende waren Technologieaktien der große Renner. Dann platzte die Technologieblase und viele damals totgesagte Branchen erlebten ihre Wiedergeburt.

    Heute wird im Technologiesektor nicht unbedingt mehr eine Wachstumsbranche gesehen. Manche Werte haben zyklischen Charakter.

    Dennoch wäre es ein Fehler die Technologiebranche vollständig abzuschreiben. Microsoft, Cisco, Intel und SAP sind Aktien, in die sich eine Investition lohnen kann.

    Banken und Versicherungen

    Während der Finanzkrise wurde dieser Sektor von vielen Analysten abgeschrieben. Seitdem gilt die Branche als besonders zyklisch.

    Die Nachwehen der Krise sind selbst heute noch spürbar.

    Nur wenige Unternehmen drängen sich auf. Wells Fargo gehört dazu und vielleicht auch HSBC.

    Energie und Versorger

    Die Energiewende hat Versorgern wie E.ON oder RWE stark zu schaffen gemacht. Unserer Meinung nach sind die Aktien dieser Unternehmen gegenwärtig kein Kauf.

    Eher dürfte sich eine Investition in Ölkonzerne und Zulieferer lohnen: Exxon, Chevron, Total und BP sind Beispiele. Halliburton ist ein bekannter Ausrüster.

    Viele große Energieunternehmen diversifizieren und engagieren sich seit Jahren in die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien wie Solarenergie. Ein Beispiel ist BP.

    Medien und Entertainment

    Für Anleger ist Walt Disney sicherlich das interessanteste Medienunternehmen der Welt.

     

     

    Das Unternehmen betreibt Freizeitparks und produziert Filme. Zur Walt Disney Motion Pictures Group gehören beispielsweise Touchstone Pictures und Lucasfilm (Krieg der Sterne).

    Daneben betreibt Disney mit ABC eines der größten amerikanischen TV Netzwerke.