Aktienhandel: drei unterschiedliche Formen

    Wer verkauft Ihnen Aktien? Jedenfalls nicht Ihre Bank, wie manche glauben.

    Auch wenn Sie die Aktienorder bei Ihrer Hausbank abgeben, erhalten Sie die Aktien nicht etwa aus deren Bestand. Wie funktioniert der Aktienhandel also?

    Die Bank leitet Ihre Order an die Börse weiter, genauer an einen zugelassenen Händler oder Börsenmakler.

    Elektronischer Aktienhandel ersetzt Parkett

    Haben Sie schon einmal einen Spielfilm gesehen, in dem Börsengeschäfte eine Rolle spielen?

    Tumultartige Szenen auf dem Parkett werden da gezeigt; Kaufangebote und Verkaufsangebote werden wild durcheinandergebrüllt. Solche Szenen gehören der Vergangenheit an, wenn es sie denn je in dieser Form gegeben hat.

    An den meisten Börsen sitzen die Händler recht gesittet vor ihren Bildschirmen und Telefonen. Der Handel läuft weitgehend elektronisch, was den Händlern aber genauso wie früher höchste Konzentration abverlangt.

    Elektronische Börsen wie das Handelssystem Xetra oder die Nasdaq machen das Parkett zunehmend überflüssig. Die Orders können manchmal sogar automatisch durch Computerprogramme in Bruchteilen von Sekunden ausgeführt werden.

    Sekundärhandel der Normalfall

    Wurde Ihre Order von einem Börsenmakler ausgeführt, bucht Ihre Bank die Wertpapiere ein bzw. aus. Sie erhalten eine Abrechnung.

    Die Aktien selbst bleiben grundsätzlich in der Sammelstelle und werden nur virtuell dem betreffenden Depot zugeordnet.

    So ein normaler Wertpapierhandel heißt Sekundärhandel. Der Börsenmakler führt dabei Käufer und Verkäufer zusammen. Er vermittelt das Geschäft und erhält dafür eine Provision.

    Der Sekundärhandel bezieht sich also auf Wertpapiere, die es bereits an der Börse gibt.

    Primärhandel

    Werden die Aktien eines Unternehmens neu an die Börse gebracht, findet also eine neue Immission statt, oder gibt ein bereits börsennotiertes Unternehmen neue Aktien aus, spricht man von Primärhandel.

    Wollen Sie Aktien im Rahmen des Primärhandel erwerben, ordern Sie ebenfalls über die Bank. Bei Neuemissionen erhalten Sie jedoch keineswegs in jedem Fall alle georderten Aktien.

    Die Ausgabe von Aktien im Rahmen von Neuemissionen ist besonders organisiert. Es werden bestimmte Banken als Emissionsbanken bestimmt. Es gibt Zeichnungsfristen, während der die Aktien vor dem ersten Handelstag geordert werden können.

    Die Aktien werden in einem vorher festgelegten Zuteilungsverfahren vergeben. Ist die neue Aktie überzeichnet, liegen also mehr Aktienorders vor als Aktien vorhanden sind, erhalten Anleger nur einen Bruchteil der gezeichneten Aktien, manchmal gehen sie auch leer aus.

    Tertiärhandel

    Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom so genannten Dritten Markt. Am Dritten Markt, andere Bezeichnungen dafür sind Grauer Markt oder Freiverkehrsmarkt, tummeln sich meist Papiere mit hohem Risiko.

    Hier wird der Aktienhandel unmittelbar durch einen Vertrag mit dem Händler oder einem Brokerhaus abgeschlossen. Das Brokerhaus stellt die Kurse, zu denen er Aktien verkauft oder kauft.

    Im Tertiärhandel werden Wertpapiere gehandelt, die zum offiziellen Börsenhandel nicht zugelassen sind. Dennoch kann es für den Freiverkehrsmarkt gesetzliche Zulassungsvoraussetzungen geben. Der Graue Markt ist die Spezialbezeichnung für den nicht staatlich kontrollierten Teil des Kapitalmarktes.

    Vorsicht bei OTC Aktien

    Der Begriff OTC bedeutet „over the counter“ also „über den Schalter“. In der Börsensprache werden damit Aktien bezeichnet, die im amerikanischen Freiverkehr gehandelt werden. OTC-Aktien sind also amerikanische Aktien, die nicht zum offiziellen Börsenhandel zugelassen sind.

    Auch in Deutschland werden OTC-Aktien auf Eurobasis gehandelt. Am besten erkennt man diese amerikanischen Aktien am Preis.

    Die Wertpapiere sind ausgesprochen billig. Die Kurse betragen oft nur wenige Dollar bzw. Euro. Deshalb nennt man OTC-Aktien auch „Penny .Stocks“.

    Mag man an anderen Weltbörsen solide Aktien für geringe Beträge ordern können, in den USA ist das nicht so. In aller Regel sind solche Aktien hoch spekulativ: Je billiger die Aktie, desto höher ist das Risiko.

    Privatanlegern kann man nur raten: Finger weg von OTC-Aktien. Mag sein, dass die eine oder andere Spekulation glückt. Unter dem Strich auf lange Sicht kann man nur verlieren. Wie in einer Spielbank stecken die Gewinne andere ein.

    Der OTC-Handel ist am besten mit dem geregelten Freiverkehr und dem ungeregelten Freisverkehr vergleichbar.

    Der geregelte Freiverkehr oder Open Market ist ein Börsensegment nach § 48 Börsengesetz. Das Börsensegment unterliegt gewissen Regeln, ist aber nicht amtlich reguliert.