Reverse Split gut oder schlecht?

    Aktienzusammenlegungen sind relativ selten. Doch wenn diese Maßnahme von einer Aktiengesellschaft durchgeführt wird, geschieht dies oft unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit.

    Hier wird kurz erklärt, was unter einer Aktienzusammenlegung zu verstehen ist, zu welchen Zwecken sie durchgeführt wird und welche Auswirkungen sie auf Aktionäre hat.

    Was bedeutet Aktienzusammenlegung?

    Mit einer Aktienzusammenlegung wird die Anzahl der bisherigen Aktien in einem bestimmten, vorgegebenen Verhältnis vermindert. Wird sie beispielsweise in einem Verhältnis 1:5 durchgeführt, erhält der Aktionär für fünf alte Aktien ein neues Anteilspapier.

    Die Zusammenlegung selbst ändert nichts an den Beteiligungsverhältnissen oder am Gesamtwert der Aktiengesellschaft. Das Eigenkapital bleibt unberührt.

    Jede Aktienzusammenlegung muss von der Hauptversammlung unter einem entsprechenden Tagesordnungspunkt beschlossen werden.

    In manchen Fällen sind Aktienzusammenlegungen nicht unbedingt ein Zeichen für die Werthaltigkeit des betroffenen Unternehmens. Vielleicht deswegen gehört sehr häufig die nach ökonomischer Kompetenz klingende englische Bezeichnung gewählt. Sie lautet Reverse Split.

    Reverse Split lässt sich in etwa mit umgekehrter (Aktien)-teilung übersetzen. In der Tat ist ja die Aktienzusammenlegung das Gegenteil vom Aktiensplit.

    Durchführung

    Bei Nennbetragsaktien werden die alten Papiere eingezogen und durch neue Aktien mit einem entsprechend höheren Nennwert ersetzt.

    Bei Stückaktien ist das Verfahren einfacher. Nachdem die Satzung der Aktiengesellschaft entsprechend dem Zusammenlegungsbeschluss der Hauptversammlung geändert wurde, wird die Zahl der Aktien im beschlossenen Verhältnis verringert. Aktionäre haben nach Durchführung der Aktion im Ergebnis weniger Aktien, ohne dass sich allerdings ihr Anteil am Unternehmen ändert.

    Aktiencharts, wie sie etwa Finanzdienstleister im Internet oder Fachzeitschriften zur Verfügung stellen, werden automatisch angepasst, um Anlegern kein falsches Bild von der Kursentwicklung zu vermitteln.

    Die Aktiencharts werden so dargestellt, als hätte es immer die neu beschlossene Aktienanzahl gegeben. Allerdings sollten seriöse Charts einen Hinweis auf die Aktienzusammenlegung enthalten.

    Mit Wirksamwerden ändert sich der Aktienkurs im Verhältnis der beschlossenen Zusammenlegung. Der Kurs unterliegt natürlich im darauf folgenden Handel sofort Angebot und Nachfrage und ändert sich entsprechend. Grundsätzlich kann die Aktie weiter unter der gleichen WKN oder ISIN notieren.

    Gründe

    Aktienzusammenlegungen können aus optischen Gründen durchgeführt werden, wenn die Papiere einen geringen Kurswert haben, was bei Penny Stocks in der Regel der Fall ist. Sie dienen in solchen Fällen allein der Kurspflege. Viele Anleger meiden Aktien mit niedrigen Kursen, weil ihnen der Geruch von Ramschaktien anhaftet. Höhere Werte können zum Kauf animieren und dadurch den Kurs der betreffenden Aktie stimulieren.

    Allerdings sind Reverse Splits allein zur Kurspflege eher selten. Meistens kommen handfeste wirtschaftliche Anlässe hinzu. So kann die Aktie unter ihren Nennwert gefallen sein, so dass eine Emission neuer Aktien zur notwendigen Verbesserung der Kapitalausstattung aktienrechtlich ausgeschlossen ist.

    Aktienzusammenlegungen sind außerdem im Zusammenhang von Kapitalherabsetzungen zur Unternehmenssanierung bei Schulden vorzufinden. Ein Beispiel:

    Nach einem Beschluss der Hauptversammlung mit wenigstens einer Dreiviertelmehrheit wird eine einfache Kapitalherabsetzung zum Zweck der Sanierung durchgeführt. In einem ersten Schritt wird der Nennwert jeder Aktie halbiert. In einem zweiten Schritt werden die so entwerteten Aktien in einem bestimmten Verhältnis, beispielsweise 1:4 zusammengefasst.

    Sodann erfolgt eine Eigenkapitalerhöhung durch Ausgabe von jungen Aktien zum durch die Kapitalherabsetzung abgespeckten Nennwert.

    Eine einfache Kapitalherabsetzung ist nur unter strenger Berücksichtigung der Gläubigerrechte möglich. Parallel zu den Kapitalmaßnahmen muss deswegen in der Regel eine Übereinkunft mit den Gläubigern über die Verbindlichkeiten gefunden werden.

    Neben Kapitalmaßnahmen zur Stabilität ins Straucheln geratener Unternehmen können Aktienzusammenlegungen in Betracht kommen, wenn Stamm- und Vorzugsaktien zu einer Aktienart – entweder Stämme oder Vorzüge – zusammengefasst werden sollen.

    Beispiele

    Aufsehen erregt haben Aktienzusammenlegungen bei Banken im Gefolge der Finanzkrise. Ende Mai 2005 beschloss die Hauptversammlung der Royal Bank of Scotland eine Zusammenlegung im Verhältnis 1:10.

    Die Commerzbank führte eine solche Maßnahme Ende April 2013 durch, ebenfalls im Verhältnis 1:10. Zuvor war der Kurs auf fast einen Euro zusammengebrochen. Die stark durch die Finanzkrise gebeutelte Bank war im Rahmen des Bankenrettungsfonds unterstützt worden und benötigte für weitere Sanierungsmaßnahmen frisches Kapital.

    Das sollte durch die Ausgabe junger Aktien akquiriert werden. Ohne eine Zusammenlegung hätte die Transaktion gefährdet werden können, weil neue Aktien nach deutschem Recht immer zu einem Mindestkurs von einem Euro ausgegeben werden müssen, und diese Grenze drohte der Aktienkurs der Commerzbank zu erreichen.

    Ein länger zurückliegendes Beispiel aus Zeiten des Technologiebooms ist Intershop. Das Unternehmen war zunächst der Star unter den vielen Neugründungen in den 1990iger Jahren. Der Börsenwert erreichte astronomische Höhen und der Aktienkurs war durch nichts anderes gerechtfertigt als die Hoffnung, das Unternehmen würde zukünftig wachsen wie zuvor Microsoft, Intel oder Cisco.

    Tatsächlich versuchte Intershop in Amerika (Silicon Valley) Fuß zu fassen. Doch die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht. Hinzu kam das Ende der Technologieblase und der Kurs des Unternehmens brach drastisch ein.

    Ende Oktober 2002 kam es im Rahmen einer vereinfachten Kapitalherabsetzung zur ersten Zusammenlegung im Verhältnis 1:5. Im Jahr 2005 war nach einem hohen Verlust im vorangegangenen Jahr ein weiterer Kapitalschnitt beim Softwareanbieter fällig, nachdem der Kurs unter einen Euro gefallen war. So ist der Kurs auch heute noch. Am 13. März 2015 lag er bei 0,99 €.

    Auswirkungen für Anleger

    Sind Aktienzusammenlegungen für Anleger gut oder schlecht oder sind sie neutral zu beurteilen? Neutral, vielleicht sogar positiv im Einzelfall, sind Reverse Splits, wenn sie zur Vereinheitlichung der Aktienarten durchgeführt werden. Auch Zusammenlegungen allein aus optischen Gründen können für Anleger, die sich an einen Penny Stock heran gewagt haben und investiert sind, positive Auswirkungen haben.

    In allen anderen Fällen sind Aktienzusammenlegungen alles andere als ein gutes Signal. Die oben genannten Beispiele zeigen, wie wichtig es für Privatanleger ist, ausschließlich in werthaltige Aktien mit kontinuierlicher positiver Kursentwicklung zu investieren, wenn es schon Einzelaktien sein sollen.

    Jedenfalls die Commerzbank oder Intershop gehörten niemals in diese Aktienkategorie, eher schon die Royal Bank of Scotland. Dieses Beispiel zeigt, dass selbst Value Aktien in den Strudel von Krisen geraten können. Private Anleger, die in einzelne Aktien investieren, können solche Risiken niemals vollständig ausschließen und müssen den Aktienmarkt immer im Auge behalten.

    Auch werthaltige Aktien schützen nicht vor herben Verlusten. Kommt ein zwar eigentlich gesundes Unternehmen aus unternehmensbezogenen Gründen ernsthaft ins Trudeln, sollte unseres Erachtens sofort verkauft werden.

    Penny Stocks sind nach unserer Meinung niemals eine vernünftige Geldanlage für private Investoren. Wurde der richtige Zeitpunkt zum Verkauf solcher Aktien verpasst und würde ein Verkauf praktisch einen Totalverlust bedeuten, dann allerdings spielt es keine Rolle mehr, ob die Aktie verkauft oder mit der Hoffnung auf Kurserholung gehalten wird.

    In solchen Fällen kann die Aktienzusammenlegung im Rahmen der Sanierung eigentlich abgewartet werden. Klappt die Sanierung, können Verluste eventuell doch noch begrenzt werden.

    Allerdings ist es unseres Erachtens wenig empfehlenswert, gestrauchelte Aktien nach Inkrafttreten von Sanierungsmaßnahmen einschließlich einer Aktienzusammenlegung zu kaufen, weil auf außergewöhnliche Kursgewinne nach erfolgreicher Sanierung spekuliert wird. Die Investition in „Turn-Around“ Aktien erweist sich als zu oft als Fehlspekulation.