Gibt es die richtige Anlagestrategie?

    Wie man sein Geld an der Börse am besten anlegt, darüber gibt es unendlich viele Theorien. Manchmal scheint es so, dass jede Krise und jeder Boom eine neue Anlagestrategie hervorbringen, oder durch sie eine andere Börsenstrategie in Mode kommt.

    Die Wahrheit ist wohl, dass keine Börsenstrategie auf Dauer die Rendite des Gesamtmarktes schlägt, auch wenn im Einzelfall kurzfristig überdurchschnittliche Gewinne möglich sind.

    Während des Technologiebooms boomte auch die Theorie der Wachstumspropheten. Was interessieren schon so langweilige Kennzahlen günstiges KGV, Eigenkapitalquote oder Dividendenrendite.

    Hauptsache das Unternehmen produziert Produkte oder bietet Dienstleistungen an, denen nach Auffassung irgendeines Gurus die Zukunft gehören. Da stört es nicht, dass gegenwärtig überhaupt keine Gewinne erwirtschaftet werden und noch kein Produkt marktreif ist.

    Wie fantasielos langweilig dagegen stellt sich die Value-Theorie eines Warren Buffett dar, der zu allem Überfluss auch noch nur in Unternehmen investiert, die am Markt etabliert sind und deren Geschäfte er versteht?

    Allerdings waren Wachstumstheoretiker nach dem Platzen der Technologieblase häufig ziemlich pleite, während Warren Buffett nach wie vor der gegenwärtig erfolgreichste Investor ist.

    Die folgenden Ausführungen richten sich an private Investoren, die Vermögen aufbauen wollen, nicht an Spekulanten. Es geht um die richtige Anlagestrategie, wie ein Wertpapierdepot zusammengesetzt werden sollte und um gängige Börsenstrategien für die Investition in Aktien.

    Was ist eine Anlagestrategie?

    Eine Anlagestrategie ist ein systematisches Vorgehen, mit dem unter Einhaltung von zuvor festgesetzten Rahmenbedingungen versucht wird, die bestmögliche Rendite zu erwirtschaften.

    Zu berücksichtigende Bedingungen sind die Risikobereitschaft des Anlegers, sein finanzieller Handlungsspielraum, das Alter, die geplante Anlagedauer und der mit der Geldanlage verfolgte Zweck.

    Die Renditemöglichkeiten stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den gesetzten Bedingungen. Letztere können die Renditechancen von vornherein begrenzen. Beispiele:

    • Ein risikobewusster, spekulativ veranlagter, gut verdienender Berufsanfänger hat bereits Anfangskapital angespart und möchte sich nach einem Anlagezeitraum von zehn Jahren auf einen hohen Gewinnzuwachs freuen. Der Aktienanteil muss deshalb hoch sein (beispielsweise 70 % der Gesamtanlage), und der Anleger wird möglicherweise versuchen, die Rendite durch ständiges Traden überdurchschnittlich zu erhöhen.
    • Anders bei einem 60 jährigen Angestellten, der bereits über ein umfangreiches Wertpapierdepot verfügt und die Mittel zur laufenden Aufbesserung seiner Rente einsetzen möchte. In diesem Fall können gute Börsenzeiten genutzt werden, um vorhandene Aktien schrittweise in kursunabhängige Geldanlagen umzuwandeln, die gegebenenfalls ohne Kursrisiko zu Cash gemacht werden können oder die eine regelmäßige Verzinsung gewährleisten.

    Vermögensaufbau mit der Portfoliostrategie

    Die Portfoliostrategie wurde vom amerikanischen Ökonomen und Nobelpreisträger Harry M. Markowitz entwickelt. Sie eignet sich vornehmlich für den langfristigen Vermögensaufbau.

    Der Grundgedanke ist einfach: das Vermögen wird möglichst breit gestreut und in Anlageklassen mit unterschiedlichem Risiko angelegt. Auf lange Sicht reduziert sich dadurch das Anlagerisiko, und es wird trotzdem eine gute Rendite erwirtschaftet.

    Das Anlagerisiko wird minimiert, weil sich regelmäßig (es gibt Ausnahmen: siehe Finanzkrise) verschiedene Anlageklassen gegenläufig entwickeln. Fallen beispielsweise Aktien, steigen in der Regel die Anleihen und umgekehrt.

    Die gegenläufige Wertentwicklung führt dazu, dass das Risiko des Gesamtdepots geringer ist als das Risiko der einzelnen, im Depot enthaltenden, Anlageklassen.

    Die Risikostreuung bezieht sich nicht nur auf die Anlageklassen, sondern darüber hinaus ist eine Streuung nach Sektoren (bei Aktienbranchen) und Regionen anzustreben.

    Die Gewichtung der einzelnen Anlageklassen hängt auch maßgeblich vom Alter des Investors ab. Für private Investoren empfiehlt Markowitz Fonds (besonders Indexfonds und ETFs) nicht unbedingt Einzelwerte. Beispiele:

    • Alter 30 Jahre oder jünger, gutes Einkommen: 5 % Barmittel (zum Beispiel Tagesgeld) 30 % Anleihen, davon 5 bis 10 % inflationsgeschützt, 55 % Aktien (wenn möglich regionale Streuung zum Beispiel MSCI World, S & P 500, DAX oder Euro Stoxx 50 Indexfonds), 10 % Immobilien (Reits, offene Immobilienfonds).
    • Alter 45-55 Jahre: Barmittel 5 %, Anleihen 37,5 %, Aktien 45 %, Immobilien 12,5 %.
    • Alter 65 Jahre und älter: Barmittel 10 %, Anleihen 50 %, Aktien 25 %, Immobilien 15 %.

    Mit der richtigen Börsenstrategie zum Erfolg

    Aktien sollten in keinem Depot fehlen. Für Privatanleger und Anfänger dürfte eine Investition in Indexfonds die richtige Anlagestrategie sein.

    Wer aber dennoch in Einzelaktien investieren möchte, kann sich hier über die gängigen Börsenstrategien einen ersten Überblick verschaffen. Manche sind einfach, andere so kompliziert, dass sie für private Investoren eher nicht infrage kommen.

    Viele Börsenstrategien sind nur für spekulativ veranlagte Investoren geeignet, und einige sind einfach nur komisch und ineffektiv.

    Value Anlagestrategie

    Die Value Strategie geht auf den Amerikaner Benjamin Graham zurück. Ihr folgen so bekannte und erfolgreiche Investoren wie Warren Buffett, Peter Lynch oder John Templeton.

    Der Eingang New York Stock Exchange

    New York Stock Exchange

    Vertreter dieser Strategie verstehen sich als Investoren in ein bestimmtes Unternehmen nicht als Aktienspekulanten. Bei der Investition in ein Unternehmen durch Aktienkauf oder auf eine andere Weise gehen sie zweistufig vor.

    Zunächst wird nach Unternehmen gesucht, die aufgrund ihrer Werthaltigkeit in der Zukunft überdurchschnittliche Erträge versprechen.

    Das Geschäft muss für den Investor verständlich sein, Wertentwicklung und Erträge müssen kontinuierlich in der Vergangenheit gestiegen sein (bewährtes Geschäftsmodell) und eine gute Eigenkapitalausstattung ist ebenso wichtig wie ein stetiger Anstieg des Börsenkurses. Schließlich ist ein solides, erfolgreiches Management von Bedeutung.

    In einem zweiten Schritt wird die Bewertung des Substanz-Unternehmens analysiert. Geachtet wird auf ein hohes Verhältnis zwischen Buchwert per Aktie und Aktienkurs. Im Verhältnis zu ihrem inneren Wert muss eine deutliche Unterbewertung der Aktie vorliegen.

    Anders ausgedrückt: die Aktie muss mit einem deutlichen Abschlag zum fairen Wert an der Börse notieren. Je höher diese Sicherheitsmarge ist, desto besser. Value Investoren gehen davon aus, das unterbewertete Substanz-Unternehmen früher oder später an der Börse fair bewertet werden und dann mit einer überdurchschnittlichen Rendite zu rechnen ist.

    Value Investoren sind Anhänger der “ Buy and Hold“ Theorie. Einmal gekaufte Aktien werden lange gehalten. Allerdings werden Aktien, die den Value-Kriterien nicht mehr genügen, sofort abgestoßen.

    Ein Verkauf kommt auch in Betracht, wenn die entsprechende Aktie zuvor außergewöhnlich hohe Rendite erbracht hat und nun eher mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen ist.

    Die Anhänger der Value-Theorie investieren außerdem antizyklisch. Unterbewertete Substanzaktien findet man vor allem in Krisenzeiten, wenn die Kurse zusammengebrochen sind oder wenn Aktien „zu Unrecht“ abgestraft wurden.

    Die Value-Strategie ist die solideste Börsentheorie. Das Problem ist, dass sie eine Reihe sehr spezieller Kenntnisse voraussetzt. Das Auffinden von Substanzaktien ist noch relativ einfach. Aber die Feststellung einer so genannten Überrendite durch deutliche Unterbewertung an der Börse dürfte viele Privatanleger überfordern.

    Wenn schon in Einzelaktien investiert wird, sollten dies aber auf jeden Fall Qualitätsaktien nach dem Warren Buffett Prinzip sein, selbst wenn die Feststellung einer deutlichen Unterbewertung unterbleibt.

    Antizyklische Strategie

    Der Grundgedanke ist einfach. Kaufe, wenn alle verkaufen und verkaufe, wenn alle kaufen. Überverkaufte Märkte haben regelmäßig eine Hausse zur Folge. Wer zum Beispiel 2008 in Fonds auf bekannte Aktienindices gesetzt hat, der kann jetzt dicke Gewinne verbuchen.

    Vielleicht ist der Zeitpunkt sogar nahe, einen Teil der Gewinne zu realisieren und in Produkte die Anleihen zu investieren.

    Anhänger der Value-Strategie und der buy and hold Strategie investieren in der Regel antizyklisch.

    Buy and Hold

    Der vielleicht bekannteste Vertreter dieser Strategie ist die Börsenlegende André Kostolany. Er investierte auch antizyklisch und versuchte, Qualitätsaktien herauszufinden.

    Bekannt ist sein Ausspruch, Anleger sollten sich nach der Investition schlafen legen, notfalls mithilfe von Schlaftabletten. Allerdings ist ein allzu langer Tiefschlaf nicht immer sehr empfehlenswert, wie die mehrfachen Pleiten Kostolanys vermuten lassen.

    Buy and Hold bedeutet, auf permanente Spekulation zu verzichten. Keinesfalls schließen die Anhänger dieser Strategie den Verkauf von Aktien unter allen Umständen aus.

    Dividendenstrategie

    Beispielsweise wird in die zehn dividendenstärksten Aktien eines bestimmten Indexes investiert. Das Produkt wird in regelmäßigen Abständen überprüft, meistens jährlich oder halbjährlich. Je nach dem Ergebnis der Überprüfung wird umgeschichtet.

    Diese Strategie ist solide, wenn die Auswahl unter Qualitätsaktien stattfindet, die nicht unbedingt nur einem Index angehören müssen. Die laufenden Transaktionskosten verringern die Rendite.

    Averaging Strategie

    Die Anleger investieren in Raten entweder in bestimmte Aktien oder in den Gesamtmarkt über Fonds. Die auf lange Zeit angelegte Strategie geht davon aus, dass durch ein solches Investitionsverhalten die Anschaffungskosten im Durchschnitt reduziert werden, weil mal zu einem hohen Preis und ein anderes Mal zu einem niedrigen Kurs eingekauft wird.

    Fondssparpläne beispielsweise folgen dieser Strategie. Sie sind für langfristig orientierte Anleger geeignet. Anleger können auch bei Kurseinbrüchen Qualitätsaktien oder Indexfonds einfach nur nachkaufen, um die Kosten der Aktie zu verringern.

    Drei Filter Strategie

    Die Kaufentscheidung wird von drei Kriterien abhängig gemacht: niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis, konstantes Gewinnwachstum und relative Stärke.

    Mit dem Begriff „relative Stärke“ ist gemeint, dass die Aktie den Vergleichsmarkt outperformt.

    Top Down – Bottom Up

    Top Down: Zunächst werden volkswirtschaftliche Daten wie Inflation, Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt ausgewertet, dann das Branchenumfeld (Branchenindikatoren), und schließlich werden das Wachstumspotenzial und die Fundamentaldaten der einzelnen Unternehmen analysiert.

    Diese Theorie wird vor allem von Investmentfonds-Managern als Entscheidungshilfe angewandt.

    Bottom Up: das Gegenteil von Top Down. Im Vordergrund steht die Fundamentalanalyse der einzelnen Unternehmen. Volkswirtschaftliche Rahmendaten und Branchenprobleme spielen keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

    Anhänger der Value Strategie folgen in der Regel dem Bottom Up Ansatz, weil sie glauben, dass werthaltige Unternehmen das Potenzial haben, sich auch in schlechtem wirtschaftlichem Umfeld zu behaupten.

    3:1 Regel

    Diese Regel soll dazu dienen, Verluste zu begrenzen aber gleichzeitig Gewinne laufen zu lassen. Die Einhaltung der Regeln setzt hohe Disziplin beim Kauf und beim Verkauf voraus.

    Der Anleger legt selbst in einem ersten Schritt seine individuelle Schmerzgrenze für Verluste fest, beispielsweise 10 % des Gesamtvermögens.

    Danach wird nach Aktien gesucht, deren mögliche Kursgewinne dreimal so hoch wie der erträgliche Verlust sind, also 30 %. In diesen Aktien wird investiert.

    Der zentrale Punkt ist, dass sofort verkauft werden muss, wenn der erträgliche Verlust (10 % vom Anschaffungspreis) erreicht ist.

    Mit der 3:1 Regel soll das Risiko begrenzt werden. Anleger erwirtschaften Gewinne, sobald jede zweite Aktie das prognostizierte Kursziel erreicht. Das Problem: Genau diese Vorgabe ist ebenso unsicher wie jede andere Prognose auch.

    Ausgewogene Strategie

    Fondsanbieter werben häufig damit, dass ihre Produkte „ausgewogen“ sind. Bei der so genannten ausgewogenen Strategie sind die Anlageprodukte ähnlich wie bei der Portfoliostrategie breit gestreut.

    Häufig geschieht dies aber in der Weise, dass tendenziell in Kapitalanlagen investiert wird, die bei hohem Risiko überdurchschnittliche Gewinne versprechen. Der Aktienanteil beträgt deshalb meistens 50 %.

    Der Anleger muss also Kursschwankungen in Kauf nehmen. Andererseits ist die Strategie aber darauf angelegt, wenigstens das Vermögen zu erhalten und Erträge durch regelmäßige Einkünfte aus Kurs- sowie Währungsgewinnen zu erzielen.

    Prozyklische Anlagestrategie

    Gekauft werden Aktien, die bereits eine Zeit lang (zum Beispiel einen Monat) gut gelaufen sind. Die Vertreter dieser Strategie glauben, dass sich positive Trends verstärken, weil alle Marktteilnehmer an außerordentlichen Kurssteigungen profitieren möchten und deshalb vornehmlich in Aktien einsteigen, deren Kursperformance überdurchschnittlich ist.

    Aktien, die „in“ sind, versprechen nach dieser Auffassung also besonders hohe Gewinne. Die Strategie ist eher kurzfristig angelegt und eignet sich in erster Linie für Spekulanten.

    Prozyklische Anlagestrategien können sich auch auf den Gesamtmarkt beziehen. Man steigt in den Gesamtmarkt etwa über Fonds erst ein, wenn die Kurse eine Zeit lang gestiegen sind. Das Gegenstück zur prozyklischen Anlagestrategie ist die antizyklische Strategie.

    Wachstumsstrategie

    Investiert wird in Unternehmen mit außergewöhnlich hoher Wachstumsfantasie. Auf die gegenwärtigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, wie Dividende oder auf die gegenwärtige Stärke der Marktstellung, kommt es weniger an.

    Investiert wird außerdem in Unternehmen, die nach Auffassung des Investors in ihrer Branche zukünftig ein besonders hohes Wachstumspotenzial haben werden oder gleich in ganze so genannte zukunftsorientierte Branchen.

    Das Gegenteil der Wachstumsstrategie ist die Value Strategie.

    Die Wachstumsstrategie war während des Technologiebooms besonders „in“, als oft nur vage Wachstumsaussichten gehandelt wurden ohne auf den inneren Wert eines Unternehmens zu achten. In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstand ein neuer Technologiemarkt, praktisch eine völlig neue Branche.

    Kein Investor konnte wirklich beurteilen, ob sich ein Produkt in dieser neuen Branche durchsetzen würde oder nicht. Viel Kapital wurde verbrannt, weil in aussichtslose Technologien investiert wurde. Nach dem Platzen der Technologieblase waren nur sehr wenige Vertreter der Wachstumsstrategie noch einigermaßen glücklich.

    Strategie der relativen Stärke

    Was sechs oder zwölf Monate durch überdurchschnittlich gute Kursentwicklungen glänzt, wird es auch in Zukunft tun. Das jedenfalls halten die Befürworter dieser Strategie für belegt.

    Dabei ist gleichgültig, ob es sich um Einzelaktien, Branchen oder Indices bzw. Länder handelt. Investiert wird in Produkte, die im Vergleich zum dem Gesamtmarkt die höchsten Kurssteigerungen aufweisen. Die besten 10 % der Performer werden gekauft.

    Turnaround-Strategie

    Diese Strategie wird vor allem von Spekulanten angewendet. Es werden Aktien von angeschlagenen Unternehmen gekauft, sofern diese nach Auffassung der Investoren das Zeug haben, wieder Tritt zu fassen.

    Tritt diese Hoffnung ein, passiert nicht sehr oft, können beachtliche Kursgewinne eingefahren werden. Im umgekehrten Fall droht Gesamtverlust.

    Umkehrstrategie

    Investiert wird „gegen den relativen Trend“. Aktien, die eine Zeit lang gut gelaufen sind, werden links liegen gelassen. Die Vertreter dieser Theorie stürzen sich stattdessen auf Aktien, die in vorhergehenden Monaten am schlechtesten abschnitten.

    Der Unterschied zur antizyklischen Theorie ist, dass keine wirkliche Beurteilung der Qualität eines Unternehmens erfolgt oder Bärenmärkte zur Eindeckung mit Qualitätsaktien genutzt werden.

    Investiert wird schlichtweg in Aktien, die in letzter Zeit hinter der Performance des Gesamtmarktes deutlich zurückgeblieben sind.

    Buy On Rumors

    Anleger nutzen bestimmte voraus geahnte Ereignisse und Gerüchte. Die Gerüchte können sich auf einen Index, ein Unternehmen oder auf einen ganzen Markt beziehen.

    Beispiel: Gerüchte über Übernahme eines Unternehmens durch ein anderes (besonders lukrativ: feindliche Übernahme) oder die Ausgliederung von Betriebsteilen in selbstständige Unternehmen, die bevorstehende neue Gewichtung von Aktien in einem Index.

    Bewahrheiten sich die Gerüchte, wird beispielsweise eine Aktie neu in einen Index aufgenommen, führt dies oft kurzfristig zu Kursgewinnen.

    Momentum nutzen

    Ziel dieser Strategie ist, nur in Phasen beschleunigter Kursgewinne investiert zu sein, und Phasen der Seitwärtsbewegung auszusparen.

    Die Theorie geht davon aus, dass auf kurze Beschleunigungsphasen über die Zeit lange Seitwärtsbewegungen folgen.

    Sommersaison meiden

    „Sell in May and go away“, die Vertreter dieser Strategie sparen die Sommermonate aus, weil während des Sommers mit Kursgewinnen angeblich nicht zu rechnen ist. Erst ab September wird erneut investiert.

    Diese Auffassung lässt sich statistisch belegen, allerdings soll die Durststrecke jetzt schon im April anfangen. Allzu oft aber wird diese Statistik widerlegt.

    Absolute und Total Return

    Beide Begriffe werden im Zusammenhang mit der Fonds- und Vermögensverwaltung verwandt. Sie werden bisweilen unterschiedlich verstanden, bedeuten aber niemals die Garantie einer bestimmten Rendite.

    Die Absolute Return Strategie hat zum Ziel, sowohl in fallenden als auch in steigenden Märkten Gewinne zu erwirtschaften. Dabei wird aber der Ertrag nicht an einer bestimmten Benchmark gemessen, etwa im Vergleich zu der Wertentwicklung eines Indexes.

    Die Rendite orientiert sich in der Regel an den Geldmarktzinsen zuzüglich eines Aufschlags. Es wird ein geringes Risiko eingegangen durch die Kapitalanlage in wenig volatile Märkte. Angemessene Gewinne können eher auf lange Sicht erwirtschaftet werden.

    Total Return wird als Strategie insbesondere bei der Verwaltung von Anleihefonds eingesetzt. Das Minimalziel ist die Erhaltung des eingesetzten Kapitals unter allen, auch negativen Umständen.

    Angestrebt wird aber eine stetige Rendite bei geringer Schwankungsbreite unabhängig von jeder Börsenentwicklung und auch unabhängig vom Zeitfaktor.

    Marktneutrale Anlagestrategie

    Bei dieser Strategie werden Long Positionen mit Short Positionen im Idealfall so verknüpft (Hedging), dass Risiken minimiert und unabhängig von der Marktsituation wenigstens der Erhalt des eingesetzten Kapitals gewährleistet wird.

    Findet die Long-/Short-Kombination in einem Sektor statt, spricht man von sektorneutraler Anlagestrategie.

    Beispiel für marktneutral: Kauf einer Deutsche Bank Aktie und gleichzeitig Verkauf eines DAX Futures. Es wird darauf spekuliert, dass die Aktie besser läuft als der DAX. Im umgekehrten Fall wird auf eine schlechte Entwicklung der Einzelaktie gesetzt.

    Beispiel für sektorneutral: Die Long-/Short-Kombination wird durch eine Einzelaktie und einen entsprechenden Branchenindex dargestellt.

    Bewertung der Anlagestrategien

    Keine Börsenstrategie schützt vor wenigstens zeitweisen Verlusten. Werden Anlagestrategien verfolgt, die den inneren Wert einer Aktie außer Betracht lassen, ist das Verlustrisiko bis hin zum Totalverlust besonders hoch. Solche Anlagestrategien sind eher etwas für Spekulanten als für Privatanleger, die Vermögen aufbauen wollen.

    Wer relativ spät im Alter mit dem Aufbau von Vermögen beginnt, für den ist eine Anlagestrategie, die auf Sicherheit setzt, am ehesten zu empfehlen.

    Der Aktienanteil sollte vielleicht nicht über 20 % betragen. Insgesamt sollte die Geldanlage ohne Kursverluste im Großen und Ganzen jederzeit realisiert werden können. Gegebenenfalls ist auf die regelmäßige Ausschüttung der Erträge zu achten, sofern der Investor seine Rente aufbessern möchte.

    Je weniger Geld für die Kapitalanlage vorhanden ist, desto sicherer sollte die Geldanlage sein. Bei geringen Beträgen lässt sich die Portfoliotheorie, also die risikominimierende Diversifikation der Geldanlage, nur schwer durchhalten.

    Sind 2.000 € vorhanden, so kann man diesen Betrag kaum sinnvoll in Aktien, Anleihen oder Tagesgeld aufteilen. Möglich ist aber der Kauf eines diversifizierten Indexfonds, der beispielsweise sowohl in Aktienindices als auch in Rentenindices investiert. Das geht vor allem dann sehr gut, wenn gleichzeitig ein Fondssparplan abgeschlossen wird.

    Wer in Einzelwerte investieren möchte, sollte vielleicht am besten auf die Value Strategie setzen, die Aktien lange halten, antizyklisch investieren und auf Dividenden starke Qualitätsaktien setzen. Wenn möglich, sollte von vornherein ein Nachkauf in börsenschwachen Zeiten eingeplant werden, oder man sollte einfach in regelmäßigen Abständen investieren.

    Das Problem der Value Theorie liegt weniger in der Aktienauswahl. Anleger können dem Beispiel anderer Value Anlagestrategen folgen. Schwierig für Privatanleger dürfte aber oft die Feststellung der Unterbewertung mit der Chance auf eine Überrendite sein.

    Ein Ausweg, der gute Renditen verspricht, ist die Investition in Indexfonds oder börsennotierte ETFs.

    Privatanleger sollten im Blick behalten, dass kaum 20 % der aktiv gemanagten Fonds auf lange Sicht die Wertentwicklung vergleichbarer Indices erreichen, obwohl sie irgendeiner angeblich besonders ausgeklügelten Anlagestrategie folgen.

    Empfehlenswert sind Indexfonds, die breit aufgestellt sind und einen seriösen Index mit konstanter Wertentwicklung abbilden. Es gibt auch Indices, die nur dividendenstarke Aktien werthaltiger Unternehmen beinhalten.

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