Bausparvertrag sinnvoll?

    Bausparen ist vielleicht die älteste und beliebteste Form der Vermögensbildung in Deutschland. Schon im 19. Jahrhundert konnten Bausparverträge abgeschlossen werden.

    Seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland sollen über 1 Billion € von den Bausparkassen ausgezahlt worden sein.

    Und der Trend zum Bauspardarlehen scheint ungebrochen; trotz relativ geringer Renditen. Viele Sparer schätzen Bausparverträge, weil sie als besonders risikoarm und solide gelten.

    Unterdessen werden Bausparverträge nicht mehr wie früher ausschließlich abgeschlossen, um in ferner Zukunft ein eigenes Haus zu finanzieren. Bausparen kann jetzt unterschiedlichen Zwecken dienen, beispielsweise auch der reinen Kapitalbildung.

    Dementsprechend haben sich die unterschiedlichen Produkte stark verändert. Sie sind variabler geworden aber auch viel komplizierter als in früheren Zeiten.

    Ob ein Bausparvertrag sich rechnet, richtet sich häufig nach dem mit dieser Form der Kapitalanlage verfolgten Zweck.

    Ob ein Bausparvertrag sinnvoll ist, kann wohl nicht nur nach Ertragsgesichtspunkten beurteilt werden.

    Auch andere Faktoren spielen eine Rolle wie die persönliche Risikobereitschaft bei Geldanlagen oder die ganz individuellen Lebensumstände.

    Bausparen für einen späteren Immobilienerwerb, Zielsparen

    Der Abschluss eines Bausparvertrages, um damit teilweise einen in der Zukunft liegenden Immobilienerwerb zu finanzieren, ist sicherlich keine schlechte Sache.

    Ein Pluspunkt ist der garantierte Zinssatz nach Ablösung des Bausparvertrages. Daneben kann es noch staatliche Förderung geben, sofern die persönlichen Voraussetzungen dafür erfüllt werden können.

    Zu bedenken ist aber, dass die Tilgungsraten oft höher sind als bei anderen Darlehen und das häufig lange Wartezeiten einkalkuliert werden müssen.

    Deswegen wird empfohlen, neben Bausparverträgen auch andere Finanzierungsformen, zum Beispiel herkömmliche Hypothekenkredite, in die Immobilienfinanzierung mit einzubeziehen.

    Das Problem bei Bausparverträgen ist die lange Ansparphase. Während dieser Zeit ist die Verzinsung des eingesetzten Kapitals jedenfalls gegenwärtig sehr gering.

    Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung anhand des so genannten Grenzzinses ergibt deswegen in vielen Fällen, dass ein vergleichbares im Grundbuch abgesichertes Bankdarlehen die bessere Lösung ist.

    Bausparverträge können allerdings durch variable Konditionen an die Bedürfnisse des Einzelfalles angepasst werden und deshalb für den Zielsparer attraktiv sein.

    Beispielsweise erlaubt eine Zuteilung die Auszahlung eines Betrages der über der vereinbarten Bausparsumme liegt.

    Der überschießende Darlehensanteil muss jedoch schneller zurückgeführt werden. Die Vereinbarung einer vorzeitigen Zuteilung verkürzt die Mindestlaufzeit des Bausparvertrages.

    Jedoch muss der Bausparer sich mit kleineren Bausparsummen, höheren Zinsen und höheren Tilgungssätzen zufrieden geben.

    Bausparen zur Finanzierung von Renovierungsmaßnahmen

    Wer bereits Eigentümer einer Immobilie ist und sichere Rücklagen für Renovierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen bilden möchte, für den sind Bausparverträge ideal.

    Sie können Verträge über geringe Bausparsummen abschließen, sichern sich ein günstiges Zinsniveau auf viele Jahre und profitieren von einer kostengünstigen Auszahlung.

    Die relativ geringen Darlehensbeträge werden in der Regel nicht einmal durch eine Grundschuld abgesichert. Das erspart zusätzlich Kosten.

    Auf der anderen Seite sind Banken nur ungern bereit, kleinere Kreditbeträge zu bei Hausfinanzierungen üblichen günstigen Zinskonditionen zu vergeben.

    Häufig werden hohe Zinsaufschläge verlangt, weil die Bearbeitung solcher Kleindarlehen für Banken zu aufwändig erscheint.

    Zur Finanzierung von zukünftigen Renovierungen ist ein Bausparvertrag also immer sinnvoll.

    Vorfinanzierte Bausparverträge

    Banken und Versicherungen empfehlen gerne eine Kombination aus Bausparvertrag und Bankkredit, wenn eine unmittelbar bevorstehende Maßnahme finanziert werden soll. Kunden werden mit dem Hinweis auf den späteren geringen Darlehenszins geködert.

    Bei dieser Finanzierungsform werden zwei Verträge abgeschlossen, ein Bausparvertrag und eine Vereinbarung über ein endfälliges Darlehen.

    Das endfällige oder tilgungsfreie Darlehen dient als eine Art Zwischenfinanzierung und wird mit dem Bausparvertrag abgelöst, sobald dieser meistens nach zehn Jahren zuteilungsreif geworden ist.

    Das Problem dabei sind die hohen Abschlusskosten des Bausparvertrages und die geringe steuerpflichtige Verzinsung der Bausparguthaben, die deutlich niedriger ausfällt, als der Effektivzins des Zwischenkredits.

    Dadurch sind die Gesamtkosten für vorfinanzierte Bausparverträge in der Regel höher als die Kreditkosten eines herkömmlichen Hypothekendarlehens. Eine Kombination aus Zwischenkredit und Bausparvertrag ist also nicht sinnvoll.

    Bausparvertrag zur reinen Kapitalbildung

    Besonders jungen Berufstätigen wird sehr oft empfohlen, einen Bausparvertrag als Sparanlage abzuschließen. Ob dafür ein Bausparvertrag sinnvoll ist, hängt im Grunde von den staatlichen Leistungen ab, die nur unter bestimmten Voraussetzungen gewährt werden.

    Die Wohnungsbauprämie in Höhe von 8,8 % jährlich wird auf eigene Sparleistungen ausgezahlt aber nur bis zu einer Höhe von 512 € bei Alleinstehenden und 1024 € bei Verheirateten.

    Vermögenswirksame Leistungen gibt es in Höhe von 9 % auf jährliche Zahlungen von 470 €, wenn das zu versteuernde ein Jahreseinkommen nicht höher als 17.900 € bei Alleinstehenden und 35.800 € bei Verheirateten ist.

    Außerdem muss eine so genannte Sperrfrist von sieben Jahren eingehalten werden. Unter der Voraussetzung, dass die staatlichen Fördermaßnahmen in Anspruch genommen werden können, ist also ein Bausparvertrag sinnvoll.

    Die Rendite kann sehr attraktiv sein, vor allem wenn neben den Zinsen noch Bonizahlungen geleistet werden.

    Allerdings können hohe Abschlussgebühren den Ertrag deutlich schmälern. Deswegen sind möglichst niedrige Bausparsumme, etwa 10.000 €, zu empfehlen.