Begegnungen mit Quallen beim Baden vor Sylt

    Flutsaum, wenige stehen im Wasser, manche zeigen mit den Fingern hinein, hier und da hört man jemanden quieken, „da“ rufen oder „igitt“ – Quallen sind da. Niemand liebt Quallen. Weltweit gibt es sogar Sorten, deren Gift tödlich ist.

    Über die Quallen auf Sylt, die Flora und Fauna in der Nordsee und im Wattenmeer, über das Klima, die Sturmfluten und die Entstehung Sylts sowie über vieles mehr finden Besucher wertvolle Informationen im Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt.

    Das Ausstellungsgebäude befindet sich in List nördlich des Hafens. Das Erlebniszentrum ist in jedem Fall einen Besuch wert.

    Fünf Quallenarten in der Nordsee

    Wie ist es mit den Quallen, die man auf Sylt trifft. Sind die wirklich gefährlich? Diese Frage kann man ganz klar mit nein beantworten, auch wenn einige Quallenarten nesseln.

    Übrigens schwimmen Quallen niemals bewusst auf Menschen zu oder attackieren sie. Für Quallen ist eine Begegnung mit Menschen immer „zufällig“.

    Man vermeidet unnötige Panik und ist auf die Begegnung mit Quallen besser vorbereitet, wenn man die Arten kennt. Im Wesentlichen sind es fünf. Schöne Naturgeschöpfe sind sie alle.

    Harmlose Quallen

    Alle Quallen haben Tentakel und Nesselkapseln. Bei manchen Sorten können die Nesselkapseln die menschliche Haut jedoch nicht durchdringen oder nur an besonders empfindlichen Stellen wie im Gesicht.

    Aber selbst auf dünnen Hautpartien spürt man die Nessel meistens überhaupt nicht oder nur wenig.

    Zwei dieser harmlosen Sorten findet man am Sylter Strand, häufiger die Ohrenqualle, seltener die Wurzelmundqualle.

    Die lila schimmernde Ohrenqualle: Sie ist ganz glasig und hat in der Mitte vier runde zart lila Organe. Das sind die Geschlechtsorgane der Qualle, die durch einen milchig-bläulich gefärbten Schirm hindurchscheinen.

    Die Schirme der Ohrenqualle haben in der Regel einen Durchmesser zwischen 20 und 40 cm.

    Ohrenqualle (2)

    Die blaue Wurzelmundqualle: Sie ist zart bläulich mit einem dunkleren Rand. Sie verfügt über einen glockenförmigen, meist sehr festen Schirm, der einen Durchmesser von bis zu 60 cm haben kann.

    Unter dem Schirm befinden sich acht kurze, gekräuselte und ziemlich massiv aussehende Tentakel.

    Der feste Schirm gibt der Qualle ein Aussehen, das etwas an einen Blumenkohl erinnert. Deswegen hat sie einen Spitznamen: „Blumenkohlqualle“.

    Wurzel (2)

    Wie gesagt, beide Quallenarten nesseln nicht spürbar und fühlen sich an wie ein Wackelpudding.

    Nesselnde Quallen

    An Tagen wie oben geschildert, ist meistens die Kompassqualle da. Sie ist durchsichtig, hat eine bräunliche Zeichnung, die an einen Kompass erinnert, und meistens lange Nesselfäden.

    Sie können eine Länge von mehreren Metern erreichen. Damit nesselt sie natürlich, wenn man daran kommt. Das fühlt sich etwa wie bei Brennesseln an, unangenehm aber nicht gefährlich.

    Kompass (2)

    Ihr Schirm kann einen Durchmesser von 50 cm erreichen. Sie wird oft als „Feuerqualle“ bezeichnet, ist es aber nicht. Ihr Nesselgift ist viel weniger intensiv als das der echten Feuerqualle.

    Die auf Sylt eher selten auftauchende „Feuerqualle“ heißt eigentlich Gelbe Haarqualle oder Nesselqualle. Es gibt sie auch in blauer Ausfertigung (Blaue Nesselqualle).

    Der Schirm der gelben Unterart ist gelblich bis rotbräunlich, und sie hat eine dichte Masse Nesselfäden, mit denen sie einem heftig zusetzen kann. Die Nesselfäden können eine Länge von bis zu 5 m erreichen.

    Der Schirm der gelben-Nesselqualle kann einen Durchmesser bis zu 1 m haben. Die Gelbe Haarqualle ist ein echtes Raubtier. Mit ihren Tentakeln kann sie sogar Fische fangen.

    Feuerquallen (2)

    Die Blaue Nesselqualle ist hingegen klein. Ihr Schirm erreicht meistens nur einen Durchmesser von höchstens 20 cm.

    Besonders die Gelbe Haarqualle kann heftig brennen. Lebensgefahr ruft das Nesselgift aber nicht hervor.

    Trotzdem gilt: Vorsicht! – Besonders für Allergiker. Das gilt auch für die Blaue Nesselqualle. Abgesehen von ihrer schönen blauen Farbe, hat sie die gleichen unangenehmen Eigenschaften wie die Gelbe Haarqualle.

    Erste Hilfe und weitere Behandlung

    Was tun, wenn man von einer Qualle genesselt wird? Ruhig bleiben, denn es ist ja normalerweise nicht gefährlich.

    Die Symptome wie Rötungen, Brennen oder Jucken verschwinden in der Regel in wenigen Stunden, spätestens jedoch nach einem Tag.

    In sehr seltenen Einzelfällen jedoch kann das Nesselgift der Qualle spürbare Kreislaufprobleme oder Allergieattacken auslösen.

    In schweren Fällen muss natürlich so rasch wie möglich ärztliche Hilfe her. Gegebenenfalls helfen die Rettungsschwimmer am Schwimmerwagen weiter.

    In vielen Fällen ist überhaupt keine Behandlung erforderlich. Leichte allergische Reaktionen der Haut oder starkes Brennen und Jucken können mit Mitteln aus der Apotheke behandelt werden.

    In Betracht kommen antiallergische Tabletten, Brand- und Kortisonsalben oder Antihistaminika.

    Wer Opfer einer „Quallenattacke“ geworden ist, kann aber sofort etwas zur Eindämmung der Symptome tun.

    Dazu muss verhindert werden, dass die noch intakten Nesselkapseln auf der Haut nicht aufspringen und ihr Gift in die Haut verteilen.

    Sylter empfehlen: Vorsichtig trockenen Sand auftragen und warten, bis er von selbst abfällt. Diese Methode soll die Nesselkapseln austrocknen.

    Später kann man den Sand mit Salzwasser abwaschen oder Essig verwenden.

    Manchmal wird Rasierschaum empfohlen, der aber selten am Strand greifbar sein wird.

    Empfohlen wird außerdem, die befallene Hautpartie mit Kompressen zu kühlen.

    Nach neuesten Erkenntnissen soll gegen das Nesselgift auch eine Wärmetherapie helfen. Dazu muss beispielsweise der betroffene Körperteil etwa eine halbe Stunde lang in 42° warmes Wasser getaucht werden.

    Auf keinen Fall dürfen befallene Hautpartien mit Süßwasser oder Alkohol abgespült werden. Dadurch springen die noch geschlossenen Nesselkapseln auf. Auch Reiben führt zu einer Verstärkung der Symptome.