Bilanztricks und Bilanzkosmetik

    Vorweg: Die überwiegende Anzahl aller Unternehmen stellt ihre Bilanzen gesetzestreu auf. Das bedeutet nicht, dass auf legale Gestaltungsmöglichkeiten verzichtet wird, um das Unternehmen in dem gewünschten Licht erscheinen zu lassen.

    Beispiele für Bilanzkosmetik

    Wer zum Beispiel einen hohen Wert für die Anschaffung von Sachgütern in der Bilanz ausweisen möchte, wird alle erlaubten Gemeinkosten zusätzlich zu den Einkaufspreisen ansetzen.

    In den USA dürfen alle Gemeinkosten einbezogen werden, in Deutschland nur bestimmte Gemeinkosten. Gleichzeitig wird versucht werden, die AfA so weit wie möglich zu strecken.

    Beliebt sind auch die verfrühte Buchung von Umsätzen bei Dauerleistungen oder kosmetische Veränderungen beim operativen Gewinn, indem normale Kosten zu außerordentlichen Kosten erklärt werden.

    Einkaufsrabatte werden bisweilen als Umsatz gebucht oder es wird Umsatz gemacht mit Tochtergesellschaften, deren einziger Zweck darin besteht, gegen Ende eines Quartals „Geschäfte“ mit der Mutter zu machen.

    Hin und wieder wird auch versucht, alle nur erdenklichen Kosten in die Bilanz zu schreiben, um das Unternehmen in der darauf folgenden Bilanzierungsperiode besser aussehen zu lassen.

    Aussagewert von Bilanzen & Bilanzanalyse

    Sich anhand von Bilanzen einen realistischen Überblick über den Stand eines Unternehmens zu verschaffen, ist schwierig.

    Eigentlich ist das nur mit Hilfe einer umfassenden Bilanzanalyse möglich, in deren Rahmen eine Vielzahl von Kennzahlen über Jahre miteinander verglichen werden. Je mehr Jahresbilanzen dafür verwendet werden, desto besser geht es.

    Bilanzvorschriften der Länder unterschiedlich

    Dabei müssen natürlich die unterschiedlichen Bilanzvorschriften berücksichtigt werden. Das deutsche Bilanzrecht ist gläubigerfreundlich. In der Tendenz wird deshalb Vermögen eher unterbewertet.

    In angelsächsischen Ländern wird versucht, den aktuellen Marktwert des Vermögens anzusetzen (US-GAAP Standard). Der International Accounting Standard (IAS) versucht, beide Elemente zu berücksichtigen.

    Free Cash Flow die bessere Kennzahl

    Egal ob legale Bilanzkosmetik oder illegale Börsentricks, der beliebte Börsenspruch „Gewinn ist nur eine Meinung“ trifft wegen des breiten Ermessensspielraums bei der Aufstellung der Bilanz wohl recht häufig zu.

    Anleger sollten sich deshalb weniger mit den Gewinnen befassen, sondern sich den Free Cash Flow genau ansehen. Der ist nur schwer durch Börsenkosmetik zu manipulieren.

    Free Cash Flow ist der operative Cash Flow abzüglich des Cash Flows aus Investitionen. Aus dem Free Cash Flow können Dividenden gezahlt oder Aktienrückkaufprogramme gestartet werden. Die Kennziffer gibt an, wie viel Geld für die Aktionäre tatsächlich übrig bleibt.