BRIC und Next Eleven

    Spekulanten an der Börse sind immer auf der Suche nach den sagenhaften Aktien, die schnell ungeheure Gewinne versprechen.

    Gern werden mit diesen Hoffnungen Begriffe in Verbindung gebracht, wie BRIC und Next Eleven.

    Schöpfer beider Wortgebilde ist der clevere Chefvolkswirt von Goldman & Sachs, Jim O’Neill. BRIC stammt aus dem Jahr 2003, die Wortschöpfung Next Eleven wurde Ende 2005 geboren.

    Beide Begriffe umschreiben eine besondere „Staatenfamilie“. Gemeint sind die Schwellenländer mit den besten Wirtschaftsaussichten in näherer Zukunft (BRIG) und in fernerer Zukunft (Next Eleven).

    Wer heute so weitsichtig ist, in Aktien dieser Länder zu investieren, dem sind angeblich satte Gewinne in der Zukunft sicher.

    BRIC Länder

    Den BRIC Ländern gehört also angeblich die nahe Zukunft. Das sind Brasilien, Russland, Indien und China. In diesen Ländern lebt die Hälfte der Weltbevölkerung.

    Grundsätzlich weisen sie ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum auf (Brasilien allerdings nur 3 % im letzten Jahr), und vor allem in China gibt es Anzeichen für ein auch durch zunehmende Binnennachfrage gestütztes langfristiges strukturelles Wirtschaftswachstum.

    Jedes dieser Länder hat „seinen“ Sektor, in dem es besonders stark ist: China als Werkbank der Welt, Indien als Softwareentwickler und größter Generika Hersteller der Welt, Russland als starker Energieproduzent und Brasilien als Rohstofflieferant und Erzeuger von Agrarprodukten.

    BRIC: Hohe Risiken

    Doch die Risiken sind unübersehbar. Die krassen Unterschiede zwischen arm und reich gefährden die politische Stabilität in diesen Ländern.

    Verbreitete Korruption und Skandale wie Yukos machen deutlich, wie labil die politischen Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum sind.

    In Brasilien ist die Inflation außerordentlich hoch, ebenso wie mit 17 Prozent die Zinsen. Indien leidet besonders unter Massenarmut, hoher Inflationsgefahr und schlechter Infrastruktur.

    Nach wie vor sind die Motoren für das Wirtschaftswachstum dieser Länder Billiglohn, Rohstoffe und Energie. Was, wenn sich das Wachstum in den Industrieländern deutlich abkühlt?

    Die Wahrheit ist: Wer in Aktien der BRIC Länder gegenwärtig investiert, geht mehr Risiken ein, als er Chancen hat.

    Ein Beispiel ist das Platzen der Spekulationsblase in China. Der Schanghai Index brach innerhalb eines halben Jahres um die Hälfte ein.

    Überhaupt kommt es nicht entscheidend darauf an, in eine Region zu investieren, sondern in die richtigen nämlich werthaltigen Aktien, und die sind in den Schwellenländern dünn gesät.

    Branchenfonds, Länderfonds und Regionalfonds sind deshalb für Langfristanleger weniger interessant als vielleicht für spekulativ veranlagte Investoren.

    Next Eleven

    Die gleichen Probleme bestehen bei den Next Eleven Ländern. Das sind Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Südkorea, Türkei und Vietnam.

    Die Volkswirte von Goldman Sachs haben sich mit der Auswahl dieser elf Länder viel Mühe gegeben und 170 Länder anhand verschiedener Kriterien auf ihre nachhaltige Wachstumsfähigkeit geprüft.

    Manche Experten bescheinigen Vietnam besondere Wachstumschancen. Die sozialistische Republik ist der WTO beigetreten und öffnet sich schrittweise den westlichen Industrienationen.

    Die 84 Millionen Einwohner erwirtschaften ein Wirtschaftswachstum von 8 Prozent. Der Export soll sich zuletzt verdreifacht haben.