Cost-Average-Effekt: Rendite-Booster?

    Sparpläne, vor allem Aktiensparpläne, haben Konjunktur. Ist es mit ihnen doch möglich, über lange Perioden Vermögen aufzubauen, indem regelmäßig kleine Beträge gleicher Höhe beispielsweise in Fonds auf Aktienindices investiert werden.

    Schon mit Kleinstbeträgen, 25 € monatlich, soll man über die Jahre eine schöne Summe für die Altersvorsorge zusammen sparen können. Die Zauberformel: hohe Renditen ohne Timing-Risiko. Der Cost-Average-Effekt, zu Deutsch Durchschnittskosteneffekt, macht Gedanken über den richtigen Einstiegszeitpunkt überflüssig und sorgt immer für außergewöhnliche Erträge, so jedenfalls die Werbung der Finanzbranche.

    Handelt es sich dabei nur um Kundenfang, oder stehen Rendite und Durchschnittskosteneffekt tatsächlich in einem ursächlichen Zusammenhang zueinander? Die Verkäufer von Sparplänen behaupten das manchmal und versuchen, den Renditevorteil mit Rechenbeispielen zu belegen.

    Was ist der Cost-Average-Effekt?

    Ein Durchschnittskosteneffekt entsteht, wenn eine Investition in kursbildende Wertpapiere über einen bestimmten Zeitraum in Raten vorgenommen wird. Dabei sind die Teilbeträge gleich hoch und idealerweise (nicht zwingend) die Zeitabstände zwischen zwei Raten gleich lang.

    Sinken die Kurse, erwirbt der Anleger mit der gleichen Raten mehr Stücke; bei steigenden Kursen werden hingegen weniger Anteile erworben. Dadurch entsteht ein durchschnittlicher Einstiegspreis bei schwankenden Kursen, der immer niedriger ist als der Durchschnittspreis eines Anteils.

    Dieser Effekt schwächt sich mit zunehmender Dauer der Ansparphase allerdings ab. Rechnerisch verringert sich der Cost-Average-Effekt mit jeder angelegten Rate, die zu einem höheren Kapitalstock führt. Denn im Verhältnis zum angesparten Kapitalstock macht die Rate einen immer geringer werdenden Anteil aus.

    Der Durchschnittskosteneffekt selbst folgt aus einem mathematischen Gesetz und wird von niemandem bestritten. Ob der Cost-Average-Effekt jedoch tatsächlich zu einer messbaren Erhöhung der Rendite führt, steht auf einem anderen Blatt.

    Rendite und Durchschnittskosteneffekt

    Bewirkt auch der Cost-Average-Effekt einen strukturellen Renditevorteil gegenüber Einmalanlagen oder regelmäßigen Investitionen in immer die gleiche Anzahl von Fondsanteilen bzw. Einzelpapieren? Die Verkäufer von Sparplänen behaupten das manchmal und versuchen, die Extrarendite mit Rechenbeispielen zu belegen.

    Beispielrechnungen

    Beliebt sind folgende Aufstellungen:

    1. Ein Wertpapier kostet im ersten Monat 5 Euro, im zweiten 10 und im dritten 2,50 Euro.
    2. A kauft Wertpapiere immer für denselben Betrag, zum Beispiel 50 €. A hat dann 10 + 5 + 20 = 35 Anteile zu einem Gesamtpreis von 150 € gekauft. Der Durchschnittspreis ist ca. 4,29 €.
    3. B investiert bei den gleichen Ankaufspreisen immer in dieselbe Stückzahl. Er kauft beispielsweise zehn Anteile. Nach drei Monaten besitzt er 30 Anteile. Im ersten Monat muss er 50 €, im zweiten Monat 100 € und im dritten Monat 25 € investieren. Der Gesamtpreis beläuft sich auf 175 €. Pro Anteil sind das ca. 5,83 €.

    Ist A der cleverere Anleger? Rein rechnerisch scheint das zweifellos der Fall zu sein. Aber trotzdem führen solche Beispielsrechnungen in die Irre.

    Denn sie lassen sich nur durchführen, wenn alle Daten vorgegeben sind. Das gilt besonders für die Einkaufspreise. Doch abgesehen vom ersten Kurs kennen die Anleger alle anderen Einkaufspreise nicht. Kurse von Wertpapieren lassen sich niemals im Vorhinein einschätzen. Auch professionelle Anleger sind keine Hellseher.

    Jede Beispielsrechnung basiert deshalb auf Zahlenwerken, die konstruiert sind und der Realität nicht entsprechen. Selbst wenn echte Kursentwicklungen herangezogen werden, handelt es sich immer um rückblickende Betrachtungen, die für eine tatsächliche Geldanlage keinen praktischen Wert haben.

    Ob sich die Erwartungen des Ratensparens erfüllen, hängt weniger vom rechnerischen Cost-Average-Effekt ab. Viel entscheidender ist die nicht vorhersehbare zukünftige Kursentwicklung der Anteile während der Ansparphase. Darüber hinaus spielt der ebenfalls nicht vorhersehbare Ausstiegskurs eine Rolle.

    Keine strukturell bedingte Extrarendite

    Eine Investition immer der gleichen Rate führt nicht notwendigerweise zu Renditevorteilen gegenüber Einmalinvestitionen oder gegenüber dem Kauf immer derselben Stückzahl. Vielmehr können die Renditen gleich hoch sein, aber auch höher oder niedriger. Die Entwicklung der Erträge hängt immer entscheidend vom Kursverlauf ab.

    Ist beispielsweise die mittlere Rendite der Einmalanlage positiv, wird man mit dieser Anlageform mehr verdienen können als mit einer Geldanlage in immer gleichen Raten.

    Anders kann es aussehen, wenn die Kurse am Anfang der Sparphase kräftig einbrechen, um dann später wieder anzuziehen. Ergibt sich ein solcher Kursverlauf, ist die Rendite von Sparplänen der von Einmalanlagen überlegen.

    Über die Auswirkungen des Durchschnittskosteneffekts auf die Höhe der Rendite gibt es unterdessen eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen. Soweit ersichtlich, kommen die neueren Untersuchungen fast einhellig zu dem Ergebnis, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den Cost-Average-Effekt und der Rendite nicht nachzuweisen ist.

    Zum Beispiel belegen die Untersuchungen von Langer/Nauhauser, Universität Mannheim, dass der Durchschnittskosteneffekt keine praktische Relevanz für die Rendite hat. Nach Langer/Nauhauser ist es sogar lukrativer, immer die gleiche Anzahl von Wertpapieren zu kaufen. Im Vergleich zur Geldanlage in gleich bleibenden Raten gilt danach: Steigen die Kurse, können daran mehr Anteile teilhaben. Fallen die Kurse, nehmen weniger Anteile am Kursverlust teil.

    Nachteile und Chancen

    Bei der Abwägung von Vorteilen und Risiken geht es eigentlich mehr um die Sparplänen selbst und weniger um den Cost-Average-Effekt, den die Sparpläne auslösen können.

    Werden regelmäßig gleichbleibende Summen investiert, spielt das Timing-Risiko keine entscheidende Rolle mehr. Es geht nicht um einen einzigen besonders günstigen Einstiegszeitpunkt, sondern das Einstiegsrisiko wird über einen längeren Zeitraum verteilt. Gekauft wird mal zu höheren und mal zu niedrigeren Einstiegskursen.

    Allerdings ist das Timing-Risiko bei Einmalanlagen ebenfalls zu vernachlässigen, sofern in werthaltige Wertpapiere nach der Buy and Hold Strategie investiert wird. Lange Laufzeiten nivellieren das Timing-Risiko. Natürlich sollte man keine Wertpapiere, Aktien, kaufen, die total überbewertet sind.

    Das sind die wahrscheinlichsten praktischen Auswirkungen von Sparplänen mit gleich hoher Rate, die einen Cost-Average-Effekt auslösen: Das Risiko wird minimiert bei gleichzeitiger Reduzierung der Ertragschancen. Der Ertrag wird sich irgendwo zwischen dem einer Einmalinvestition zum günstigsten und zum ungünstigsten Einstiegszeitpunkt bewegen.

    Für Privatanleger sind Sparpläne also keine schlechte Sache, sofern die Qualität des Produkts stimmt. Sie zwingen zur Disziplin und machen das Durchhalten in der Ansparphase einfacher. Abgesehen davon haben Privatanleger in der Praxis keine andere Chance. Wer Vermögen für die Altersvorsorge aufbaut, ist in der Regel wirtschaftlich nicht in der Lage, einen angemessenen Einmalbetrag darzustellen.

    Allerdings sollte auf die Kosten geachtet werden. Kosten können die Rendite erheblich minimieren. Unserer Meinung nach ist es deshalb vielleicht nicht unbedingt sinnvoll, jeden Monat Kleinstbeträge über 25 € oder 50 € anzusparen.

    Ein ähnlicher Effekt kann erreicht werden, wenn nur ein- bis viermal jährlich investiert wird. Ein Kosten-Average-Effekt entsteht dann auch.

    Häufig werden Anleger ein diversifiziertes Portfolio aufbauen wollen, in dem die einzelnen Anlageklassen entsprechend des persönlichen Risikoprofils gewichtet sind.

    In der Regel entwickeln sich die Werte der Anlageklassen unterschiedlich. Wer Sparpläne nicht sklavisch einhält, sondern zunächst größere Beträge als cash ansammelt, kann damit die ursprüngliche Gewichtung im Portfolio wiederherstellen.

    Was sollten Anleger tun, die das Kapital für eine große Einmalanlage zur Verfügung haben? Unseres Erachtens sollte der Betrag sofort angelegt werden, allerdings diversifiziert nach der Risikobereitschaft des Investors. Sparpläne sind in solchen Fällen nicht zu empfehlen.

    Negativer Cost-Average-Effekt

    Mit dem Begriff negativer Durchschnittskosteneffekt (Reverse Cost-Average-Effekt) werden Anleger konfrontiert, wenn Sparprodukte mit Entnahmeplänen abgeschlossen werden.

    Konstante Entnahmen aus einem bestehenden Depot durch Auszahlungen sollen nachteilig gegenüber dem Verkauf einer konkreten Anzahl von einzelnen Wertpapieren oder Fondsanteilen aus dem Depot sein.

    Wie beim „positiven Cost-Average-Effekt“ lässt sich diese Annahme nicht wirklich belegen. Wichtiger sind die Höhe der jährlichen Entnahmesumme, der Gesamtwert des Depots und die Depotzusammensetzung. Diese Werte müssen zueinander passen.

    Ist das Depot risikoorientiert (hoher Aktienanteil), sollte der prozentuale Anteil der Entnahmen am Gesamtwert des Depots nicht zu hoch sein. Eine gute Richtschnur dürften jährliche Entnahmen in Höhe von 5 bis 7 % des Depotwertes sein.