Dachfonds: wenig beeindruckende Renditen

    Dachfonds gibt es in Deutschland eine Menge. Über 900 sind gegenwärtig zugelassen. Jede Unterart ist dabei: ETF Dachfonds, gemischte Dachfonds, Immobilien Dachfonds und solche, die ausschließlich in Aktien bestimmter Regionen und Branchen oder nur in Hedgefonds investieren.

    Doch trotz aller Anstrengungen der Fondsmanager und des Einsatzes moderner Technologien erreichen nur verschwindend wenige Produkte eine beständige Rendite, die die Wertentwicklung der unterlegten Wertpapierklassen schlägt.

    Dieses Schicksal teilen sie mit den Produkten, in die sie ausschließlich investieren, nämlich mit herkömmlichen Fonds. Gegenüber einfachen Fonds gibt es aber eine Besonderheit. In den meisten Fällen sind die Kosten deutlich höher.

     

    Dachfonds, was ist das?

    Dachfonds legen das Geld ihrer Kunden ausschließlich in andere Investmentfonds an, die selbst keine Dachfonds sein dürfen. Im Unterschied dazu investieren Superfonds nicht nur in Investmentfonds unterschiedlicher Asset-Klassen, sondern auch direkt in Wertpapiere wie Aktien, Renten oder Optionsscheine.

    In Deutschland gibt es für Dachfonds besondere Regeln. Sie dürfen in alle zugelassenen Investmentfonds Geld anlegen, aber nicht in Spezialfonds oder geschlossene Fonds. Diejenigen Fonds, in die investiert wird, werden als Zielfonds bezeichnet.

    Ein einzelner Zielfonds darf 20 % des Gesamtvermögens des Dachfonds nicht übersteigen. Andererseits darf der Dachfonds nicht mehr als 25 % des Zielfonds-Vermögens halten.

    Neben diesen gesetzlichen Anforderungen sind noch weitere Merkmale wichtig. Anleger sollten auf ein unabhängiges Management achten. Es muss sichergestellt sein, dass nicht Fonds eines bestimmten Geldhauses über Gebühr berücksichtigt werden.

    Darüber hinaus ist eine effektive Diversifikation wichtig. Das Management muss sicherstellen, dass es nicht zu Überschneidungen und Klumpenrisiken kommt.

     

    Geschichte

    Dachfonds sind eine relativ neue Geldanlage. Die Idee wurde Mitte des letzten Jahrhunderts zunächst in den USA umgesetzt. Nach Deutschland kam der erste Dachfonds im Jahr 1962 und das war alles andere als ein erfolgreicher Beginn.

    Das Produkt wurde von der Investors Overseas Services (IOS) herausgegeben und über Partnerbanken vermarktet. In den 1970er Jahren kam es zum Bankrott des Dachfonds. Vorausgegangen waren jahrelange Veruntreuungen, Verschleierungen und Scheingewinne durch eine Art Schneeballsystem.

    Nach diesem Aufsehen erregenden Betrugsfall wurden Dachfonds in Deutschland verboten und auch nicht sonderlich vermisst. Erst am 1. April 1998 wurden sie unter bestimmten Bedingungen wieder erlaubt.

     

    Chancen der Dachfonds

    Die Befürworter dieser Anlageform verweisen auf eine Reihe von Vorteilen, die mit Dachfonds angeblich verbunden sind. Professionelles Management ermöglicht ein Höchstmaß an Diversifikation.

    Mit modernster computergestützter Technik werden sowohl Kaufsignale als auch Verkaufssignale frühzeitig erkannt, und durch entsprechende Umschichtungen können Verluste vermieden und Renditen verbessert werden (was jedoch lange nicht immer klappt).

    Ins Gewicht kann ein steuerlicher Vorteil fallen. Gewinne, die durch den An- und Verkauf von Zielfonds durch das Management entstehen, bleiben steuerfrei. Steuern können erst anfangen, wenn durch Verkauf Erträge aus dem Dachfonds selbst realisiert werden. Wird direkt in viele Einzelfonds investiert, fallen bei jeder gewinnbringenden Transaktion Steuern an.

    Schließlich eröffnen sich, so die Herausgeber von Dachfonds, für Privatanleger Investitionsmöglichkeiten, die ihnen sonst nicht zur Verfügung stehen. Privatanleger können beispielsweise an den Erträgen lukrativer Fonds teilhaben, die für neue Investoren geschlossen sind, weil das Fondsvolumen erreicht ist.

    Für umfangreiche Vermögen sollen Dachfonds eine preisgünstige Alternative zur herkömmlichen Vermögensverwaltung sein. Denn genau wie ein Vermögensverwalter investieren die Fondsmanager in eine breite Produktpalette. Dadurch soll das Risiko minimiert und der Ertrag erhöht werden. Nur sollen die Kosten für einen Dachfonds geringer sein als für eine Vermögensverwaltung.

     

    Nachteile überwiegen

    Für Privatanleger entstehen aber eher Nachteile als Vorteile. Ein gravierender Nachteil sind die hohen Kosten. Anleger bezahlen doppelte Gebühren und Ausgabeaufschläge für die einzelnen Zielfonds und den aktiv gemanagten Dachfonds.

    Zwar kann man mit vielen Herausgebern von Dachfonds Rabatte aushandeln und auch die Manager mögen Gebührenvorteile mit den Zielfonds vereinbaren können, generell sind aber die Kosten um 50 % höher als bei anderen Fonds. Während der Dachfonds durchschnittlich 2,4 % kostet, liegen die Gebühren bei normalen Fonds nur bei 1,6 %.

    Kostentreibend wirken sich auch versteckte Kosten wie Erfolgsgebühren aus. Was genau als Erfolg gilt, wird häufig nur schwammig definiert. Erfolgshonorare werden bisweilen auf ein Jahr bezogen. Hat der Fonds in der ersten Jahreshälfte gut verdient, sich in der zweiten Jahreshälfte jedoch nur seitwärts bewegt, fallen in diesen Fällen Erfolgsgebühren für alle Anleger an, also auch für diejenigen, die erst in der zweiten Jahreshälfte eingestiegen sind.

    Die hohen Kosten werden keinesfalls durch besonders gute Anlageerfolge gerechtfertigt. Es gibt nur wenige gute, aber sehr viele schlechte Dachfonds. Nicht selten wird nicht in die besten Produkte investiert, sondern in Fonds, die aus demselben Geldhaus stammen. Das können durchaus drittklassige Produkte sein.

    Die Entscheidungen der Dachfondsmanager sind wenig transparent. Informationen zu den einzelnen Transaktionen gibt es in der Regel nur alle sechs Monate. Meistens weiß der Anleger über die Qualität der Anlageentscheidungen erst im Nachhinein Bescheid.

     

    ETF Dachfonds

    Sie sind eine Kombination aus passiv gemanagten Indexfonds unterschiedlicher Anlageklassen mit aktiv gemanagte Dachfonds. Es handelt sich keineswegs um kostenarme Geldanlagen. Denn das permanente Umschichten der ETFs im Rahmen des „Themas“ des Dachfonds hat natürlich seinen Preis.

    Theoretisch sollten sich ETF Dachfonds besser oder doch wenigstens gleich gut entwickeln wie die unterlegten Indexfonds. Erreicht werden soll dies durch vorzeitiges Erkennen von Trends und rechtzeitigem Umschichten. Auf diese Weise ist der Dachfonds, theoretisch, immer auf der Gewinnerseite

    Erwarten beispielsweise die Manager eines gemischten Dachfonds Einbrüche am Aktienmarkt dafür Kursgewinne bei den Renten können sie Zusammensetzung des Fonds rechtzeitig zu Gunsten der Renten umschichten.

    Leider lassen sich Kursentwicklungen aber niemals genau voraussagen, selbst mit moderner Technik nicht. Der Wertverlust vieler Dachfonds im Zuge der Finanzkrise ist ein Beispiel dafür. Darüber hinaus verfolgen manche Dachfonds exotische und risikoreiche Anlagestrategien. Investiert wird beispielsweise in ETFs auf Hedgefonds oder auf Indizes von Schwellenländern.

    Langfristig orientierte Privatanleger brauchen ETF Dachfonds nicht. Sie können direkt und kostengünstig in verschiedene seriöse Indexfonds investieren und dadurch die nötige Streuung leicht erreichen.

    Eine interessante Alternative allerdings ist der Arero Weltfonds. Es handelt sich um einen passiv gemanagten Dachfonds, der mit einer Kostenpauschale von 0,45 Cent auskommt. Entwickelt wurde die Anlagestrategie des Fonds von Professor Martin Weber von der Universität Mannheim.

    Das Fondsvermögen besteht aus 60 % weltweiter Aktienindizes, 25 % Rentenindizes und 15 % ETFs auf Rohstoffe. Es wird nicht permanent umgeschichtet, sondern die Anlagestrategie nur einmal jährlich anhand von fundamentalen Kennzahlen überprüft.

     

    Besteuerung von Dachfonds

    Kapitalerträge (Zinsen und Dividenden) unterliegen der Abgeltungssteuer, sofern der Pauschbetrag überschritten wird. Der Steuersatz beträgt 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventueller Kirchensteuer.

    Entstehen durch Umschichtungen Erträge, sind diese jedoch steuerfrei. Eine Abgeltungssteuer wird nicht erhoben. Verkauft das Management beispielsweise einen Aktienfonds mit Gewinn und legt das Geld in einen Rentenfonds an, muss der beim Zielfonds (dem Aktienfonds) realisierte Ertrag nicht versteuert werden.

     

    Kriterien für einen Vergleich

    Ein erfolgsorientierter Vergleich von Dachfonds lässt sich nur schwer durchführen. Kaum ein Produkt wird dieselbe Zusammensetzung haben wie ein anderes. Ganz zu schweigen, dass sich das Portfolio jederzeit durch Umschichtungen ändern kann.

    Dennoch gibt es Kriterien wie für normale Investmentfonds auch. Wie hat sich die Performance des Fonds im Vergleich zu anderen ähnlich strukturierten Produkten entwickelt? Wie ist die Gebührenstruktur und wie hoch sind die Gesamtkosten der Geldanlage?

    Hilfreich sind auch Fondsrankings und Fondsratings, sofern man deren Bewertungskriterien kennt.

     

    Verkaufsargumente beurteilen

    Den Empfehlungen eines Anlageberaters unkritisch zu folgen, ist niemals empfehlenswert. Jede Geldanlage setzt voraus, dass der Anleger das angebotene Produkt genau kennt und sich selbst ein Bild von der Qualität macht.

    Dazu gehört, sich mit den einzelnen Zielfonds vertraut zu machen und sich eine Meinung darüber zu bilden, ob das Gesamtpaket des Dachfonds tatsächlich bessere Renditechancen hat als die einzelnen Fonds für sich gesehen.

    Werden Informationen nur zögerlich gegeben oder gar zurückgehalten, ist das angebotene Produkt für Privatanleger nicht geeignet.

    Verbraucherschützer empfehlen, das geführte Beratungsgespräch zu dokumentieren und vom Berater gegenzeichnen zu lassen. Dadurch verbessert sich die Rechtsposition des Anlegers im Falle einer Falschberatung mit unzutreffenden Verkaufsargumenten.