Was ist der DAX? Definitionen und eine Beschreibung der DAX-Familie

In den Nachrichten, dem Wirtschaftsteil fast aller Zeitungen und online auf den einschlägigen Plattformen, täglich wird der Punktestand des DAX einem breiten Publikum mitgeteilt.

Internetplattformen versorgen ihre Leser sogar mit den Kursen des deutschen Leitindexes in Realtime.

Fällt der DAX einmal signifikant, ist dies immer eine Schlagzeile wert, wie heute, am 1. Februar 2018. Der DAX fiel um 185 Punkte und konnte sich nur knapp über der magischen Marke von 13.000 Punkten halten, hieß es in der Presse.

Der DAX ist also in aller Munde, vor allem seit der nach der Finanzkrise einsetzenden Kursrallye an den weltweiten Aktienmärkten.

Weit weniger bekannt ist, was der DAX genau bedeutet. Seit wann gibt es ihn überhaupt? Welche Kriterien müssen Aktiengesellschaften erfüllen, um in den deutschen Leitindex aufgenommen zu werden?

Was hat es mit den wahrscheinlich fast 1000 Indices auf sich, die sich unter dem Dach der sogenannten DAX-Familie versammelt haben.

Auf die unserer Meinung nach für deutsche Anleger wichtigsten Mitglieder der DAX Familie wollen wir kurz eingehen.

Der DAX: eine Definition

DAX ist die Abkürzung für Deutscher Aktienindex. Der Index ist eine urheberrechtlich geschützte Marke der Deutschen Börse AG.

Im DAX versammeln sich die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften mit Sitz in Deutschland.

Es reicht aber auch, wenn der Schwerpunkt des Handelsumsatzes in Frankfurt ist und der Firmensitz in der EU angesiedelt ist.

Erste Voraussetzung für die Aufnahme in den DAX ist die Listung im Prime Standard Marktsegment der Deutschen Börse.

Unternehmen im Prime Standard müssen internationalen Transparenzanforderungen genügen.

Das gilt beispielsweise für Quartalsberichte, Anforderungen an die Durchführung der Jahreshauptversammlung und ad hoc Veröffentlichungen sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache.

Die Erfüllung internationaler Transparenzanforderungen ist unabdingbar, damit der DAX als deutscher Leitindex international anerkannt wird.

Eine weitere Grundvoraussetzung ist ein Streubesitz von mindestens 10 %.

Erfüllt ein Unternehmen diese Voraussetzungen, nimmt es an einem zusätzlichen Auswahlverfahren teil. Kriterien dafür sind die Umsätze auf Xetra und im Frankfurter Parketthandel sowie die Streubesitz (Freefloat)-Marktkapitalisierung.

Die Marktkapitalisierung wird also nur insoweit berücksichtigt, wie sie sich im Streubesitz befindet.

Die auf den Streubesitz bezogene Marktkapitalisierung ist die entscheidende Größe für die Gewichtung einer Aktie innerhalb des DAX.

Das Gewicht jeder Aktie im DAX richtet sich nach ihrem Anteil an der gesamten Marktkapitalisierung im DAX.

Die Berechnung erfolgt nach der sogenannten Laspeyres-Formel.

Regelmäßig einmal jährlich im September findet eine reguläre Anpassung in der Zusammensetzung statt.

Die entscheidenden Größen sind Börsenumsatz und die Freefloat-Marktkapitalisierung.

Die Anpassung wird nach vier Regeln durchgeführt:

Fast-Exit: Ein Unternehmen, das nach beiden Kriterien nicht mehr zu den 45 größten gehört, fliegt raus. Ein anderes wird aufgenommen, wenn bei der Marktkapitalisierung mindestens Rang 35 und beim Börsenumsatz mindestens Rang 45 erreicht wird.

Regular-Exit: Ein Unternehmen, welches nach einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 40 größten gehört wird ersetzt durch ein Unternehmen welches in beiden Kriterien wenigstens Rang 35 hat.

Fast-Entry: Ein Unternehmen wird Mitglied des DAX, wenn es nach beiden Kriterien zu den 25 größten gehört. Ein Unternehmen muss Platz machen, das bei wenigstens einem Kriterium schlechter als Rang 35 ist und zudem die niedrigste Marktkapitalisierung aufweist.

Regulär-Entry: Ein Wert wird Mitglied des DAX, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 30 größten gehört. Außerdem muss ein DAX Mitglied nach mindestens einem Kriterium nicht mehr zu den 35 größten Werten gehören, um ausgewechselt zu werden.

Bei der regulären Anpassung werden alle Regeln beachtet.

Darüber hinaus gibt es außerordentliche Anpassungstermine, die im März, Juni und Dezember eines Jahres stattfinden. Bei außerordentlichen Terminen werden nur die Regeln Fast-Exit und Fast-Entry berücksichtigt.

Der DAX als Leitindex

Der DAX ist international als deutscher Leitindex anerkannt. In ihm sind gegenwärtig etwa 80 % der deutschen Marktkapitalisierung vertreten.

Er gilt als wichtigstes Marktbarometer für den deutschen Aktienmarkt und ist das Schwergewicht unter den Länderindices in Europa.

Weltweit gehört er neben den großen amerikanischen und japanischen Indices zu den einflussreichsten Aktienindices.

Im DAX bildet sich zudem die Entwicklung der deutschen Wirtschaft ab. Die d eutsche Volkswirtschaft gehört bekanntlich zu den bedeutendsten in der Welt.

Er dient als viel genutzte Benchmark (Vergleichsmaßstab) und als Underlying für alle möglichen Finanzprodukte wie Derivate.

Performanceindex und Kursindex

Der DAX wird sowohl als Performanceindex als auch als Kursindex berechnet.

Veröffentlicht wird allerdings häufig nur der Performanceindex.

Bei einem Performanceindex werden Dividenden, Bonuszahlungen, Bezugsrechte und Sonderzahlungen reinvestiert.

Dadurch wird jeder Chart deutlich beeindruckender als bei einem Kursindex, der im Ergebnis nur den reinen Kursverlauf des DAX ohne zusätzliche Berücksichtigung der Sonderelemente wiedergibt.

Der Performanceindex hat die Kennziffern WKN: 846900 / ISIN DE0008469008.

Der Kursindex ist unter WKN: 846744 / ISIN: DE0008467440 zu finden.

DAX-Geschichte

Im Jahr 2018 feiert der DAX seinen 30-jährigen Geburtstag. Die erste Veröffentlichung datiert vom 1.7.1988.

Allerdings wurde der DAX auf den 31. Dezember 1987 als Stichtag mit 1000 Indexpunkten zurückgerechnet (Indexbasis). Die erste Notierung am 1.7.1988 zeigte einen Indexstand von 1163,52 Punkten.

Der DAX hatte einige Vorgänger: den Hardy-Index (benannt nach dem Bankhaus Hardy und Co) und den Index der Börsenzeitung (BZ-Index).

Der DAX wurde von Frank Mella, einem Redakteur Börsenzeitung, auf der Grundlage seiner Vorgänger entwickelt und bis ins Jahr 1959 zurückgerechnet.

Andere Rückrechnungen gehen noch weiter zurück. Das Institut für Konjunkturforschung hat eine Rückrechnung bis 1840 veröffentlicht.

Rückrechnungen sind sinnvoll, um den DAX mit anderen, älteren Leitindices vergleichen zu können.

Wichtige Mitglieder der DAX Familie

Alle Mitglieder der DAX Familie aufzuführen, ist angesichts der Zahl der Indices praktisch unmöglich. Aber hier ist ein Link, der zu einer Aufstellung führt.

Die Seite hat eine Suchfunktion

Im Folgenden beschreiben wir kurz eine Auswahl der aus unserer Sicht wichtigsten DAX-Indices für Deutschland.

MDAX: der zweitwichtigste deutsche Index

Der MDAX enthält die nach den bedeutendsten 30 Unternehmen größten 50 Aktiengesellschaften, gemessen nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz. Der Buchstabe M steht für Mid Cap.

Der Index enthält meist Aktien in klassischen Branchen. Es handelt sich um Aktien von soliden Unternehmen, die sich in der Regel durch gute Dividendenzahlungen auszeichnen.

Ähnlich wie beim DAX verändert sich die Zusammensetzung regelmäßig, hier nach der sogenannten 60/60 Regel.

Zunächst wird eine Rangliste der 60 größten den DAX Unternehmen folgenden Unternehmen aufgestellt.

Verliert ein Unternehmen an Marktkapitalisierung, wird es mit einem anderen Unternehmen aus der Rangliste ausgetauscht.

Mid Cap Indices, auch Nebenwerte-Indices genannt, verzeichnen oft eine bessere Performance als der Leitindex. Allerdings sind sie deutlich volatiler.

Der gegenüber von Leitindices etwas höheren Ertragschance stehen größere Risiken gegenüber.

Wie der DAX, so wird auch der MDAX als Performanceindex und als Kursindex angegeben.

TecDAX: der deutsche Technologie Index

Im TecDAX sind die 30 größten deutschen Technologiewerte versammelt. Der Index ist der Nachfolger des nach dem Platzen der Technologieblase Anfang 2003 aufgelösten Nemax 50.

Die Zusammensetzung wird zweimal jährlich im März und im September überprüft.

Es gilt die sogenannte 35/35 Regel. Maßstäbe sind Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz, deren Werte quartalsmäßig erfasst werden.

Der TecDAX wird sowohl als Performanceindex als auch als Kursindex berechnet.

SDAX: der deutsche Small Cap Index

Der SDAX besteht wie der MDAX aus 50 Werten. Es handelt sich um die Aktien von Unternehmen, die nach Marktkapitalisierung und Umsatz den Unternehmen aus dem MDAX folgen.

Die Zusammensetzung des Indexes wird vierteljährlich jeweils Anfang März, Juni, September und Dezember überprüft. Dabei gilt die 110/110 Regel.

In die Überprüfung einbezogen werden nur Unternehmen, die nach Umsatz und Marktkapitalisierung zu den nach dem DAX 110 größten deutschen Unternehmen gehören.

Wie DAX, TecDAX und MDAX gehört der SDAX zum sogenannten Prime Standard.

ShortDAX: von negativen Kursentwicklungen profitieren

Der ShortDAX ist ein sogenannter Strategie Index. Er wird umgekehrt proportional zur Entwicklung des DAX berechnet.

Angenommen, der DAX verliert an einem Tag 100 Punkte, dann gewinnt der ShortDAX die gleiche Punktzahl.

Von dieser Grundregel gibt es jedoch Abweichungen.

Der Grund ist die tägliche Anpassung. Dadurch entsteht ein geometrischer Mittelwert. Die Abweichungen werden umso größer, je höher die Kursschwankungen sind.

Interessant ist die Entwicklung der Rendite. Die ShortDAX Rendite bleibt immer etwas hinter dem Verlust des DAX zurück. Andererseits ist der Verlust immer etwas größer als der Gewinn im DAX.

Beide Entwicklungen addieren sich mit dem Zeitablauf, sodass der ShortDAX Verluste einfährt, obwohl der DAX selbst immer um den gleichen Wert herum pendelt und am Ende praktisch genauso notiert wie am Anfang.

Mit dem ShortDAX lässt sich also nur Geld verdienen, wenn die DAX Werte kontinuierlich und relativ drastisch über längere Zeiträume fallen.

Insofern ist der ShortDAX die Grundlage für spekulative Börsengeschäfte.

DAX Future: Termingeschäft auf den DAX

Der DAX Future oder FDAX ist ein unbedingtes Termingeschäft (Option) auf den DAX. Er ist eine Wette darauf, dass der DAX zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Punktestand aufweist.

Der Wert eines jeden Kontrakts soll um 25 € pro DAX-Punkt schwanken. Die Laufzeit eines Kontrakts beträgt neun Monate. Gehandelt werden jeweils die nächsten drei Fälligkeitsmonate.

Gehandelt wird der FDAX an der EUREX. Die Kurse richten sich nach Angebot und Nachfrage. Der FDAX notiert grundsätzlich höher als der DAX.

Die Differenz zum DAX ist umso höher, je weiter der Verfallstermin entfernt ist und je höher das Geldmarktzinsniveau ist. Am Verfallstermin entspricht der FDAX dem DAX.

Branchenindices

In der DAX Familie findet man eine Anzahl von Branchenindices. Ein Beispiel ist der ÖkoDAX.

Der ÖkoDAX besteht aus zehn Prime Standard Unternehmen, die der Branche der erneuerbaren Energien angehören.

Dargestellt wird er als Performanceindex und als Kursindex. Die Zusammensetzung wird vierteljährlich zum März, Juni, September und Dezember überprüft.

Branchenindices wie der ÖkoDAX gelten vor allem als Grundlage für Derivate und andere Finanzprodukte.

Weitere Indices der DAX Familie

Von den Strategieindices ist DivDAX erwähnenswert. Dieser Index umfasst die dividendenstärksten DAX Unternehmen.

Strategieindices dienen vornehmlich als Underlying für ETFs, Indexfonds oder Zertifikate.

Die Zusammensetzung wird jährlich im September überprüft.

Berücksichtigt werden diejenigen 15 Unternehmen aus dem DAX, die am Stichtag die höchste Dividendenrendite ausweisen.

Neben dem Septembertermin finden je nach Situation weitere Anpassungen statt.

Der DIVDAX wird sowohl als Kursindex als auch als Performanceindex berechnet.

Zu erwähnen ist noch der sogenannte CDAX.

Der Index umfasst alle an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelten deutschen Aktien im Prime Standard und im General Standard.

Der General Standard umfasst alle in Frankfurt notierten Aktien des regulierten Marktes, die nicht die Zulassungsvoraussetzungen des Prime Standards erfüllen.

Der CDAX wird sowohl als Performance Index als auch als Kursindex angegeben.

In die DAX Familie investieren

Ist es möglich, Geld in einen DAX-Index zu investieren? Der DAX direkt kann nicht gekauft werden.

Aber Anleger können in Finanzprodukte investieren, die irgendeinen der vielen DAX Indices nachbilden.

Angeboten werden viele Zertifikate und andere exotische Finanzprodukte.

Am besten eignen sich jedoch Indexzertifikate, die an der Börse frei gehandelt werden können. Solche Papiere werden ETFs genannt.

ETFs sind kostengünstige, passiv gemanagte Fonds.

Wer sich zu einer Investition in ETFs entschließt, der sollte nicht nur auf möglichst wenig Kosten achten.

Bedeutend ist auch, dass die Performance nur geringfügig oder so gut wie überhaupt nicht von der Indexentwicklung abweicht.