Die Geschichte der Börse

    Wann wurde die erste Börse gegründet und welches war die erste Aktie der Welt. Hier eine kurze Chronik.

    Es begann in Brügge

    Die erste Börse der Welt öffnete ihre Tore im Jahr 1409 in Brügge. Sie wurde nach der Kaufmannsfamilie van der Buerse benannt.

    1540 entstanden die ersten deutschen Börsen in den zu damaliger Zeit wichtigsten Handelszentren Nürnberg und Augsburg, dem Sitz der Familie Fugger. 1554 folgte die Londoner Börse (Royal Exchange).

    Amsterdam war wichtigste Börse

    Zum wichtigsten Börsenstandort in jener Zeit entwickelte sich jedoch Amsterdam. Dort wurde etwa ab 1602 die wahrscheinlich erste Aktie der Welt gehandelt, das Wertpapier der Niederländischen Ostindischen Kompagnie. Dort ereignete sich auch der allererste Börsencrash.

    Der erste in Dokumenten festgehaltene Börsencrash ereignete sich 1720. Er wurde ausgelöst durch zu hohe Staatsschulden in England. Dadurch kam es zu einer Überbewertung der South Sea Company, weil ein Teil der Staatsschulden in Aktien dieser Gesellschaft umgewandelt wurde.

    Tulpenzwiebelskandal sorgt für ersten Crash

    1593 brachte ein Wiener Botanikprofessor eine Sammlung von Tulpenzwiebeln nach Leiden. Die Pflanzen hatte er zuvor in der Türkei entdeckt.

    Die Holländer mochten die Blumen. Leider verlangte der Professor Wucherpreise für die Zwiebeln. Das hätte er nicht tun sollen, denn nach einiger Zeit wurden ihm die Zwiebeln gestohlen. Dadurch gab es sie woanders zu einem niedrigeren Preis.

    Trotzdem war die Gewinnspanne höher. Die Tulpen waren also beliebt, nachgefragt und teuer. Den Kick aber brachte ein Virus. Der sorgte für kontrastreiche Streifen in den Blütenblättern. Das mochten die Holländer, denn es sah exotisch und bizarr aus.

    Sie nannten diese Streifen „Flammen“. Je mehr Flammen umso teurer war die Tulpenzwiebel.

    Hysterie macht erfinderisch

    Nun setzte langsam die Spekulation ein. Zunächst versuchten Händler vorherzusagen, welche Tulpenvariation in der kommenden Saison „in“ sein würde.

    Sie deckten sich mit der entsprechenden Sorte ein. Die Preise stiegen. Nach und nach entstand eine wahre Hysterie. Die Gier trieb bedächtige und solide Bürger aller Schichten ins lukrative Tulpengeschäft.

    Sie vernachlässigten sogar ihre eigentlichen Geschäfte, versilberten alles, was sie hatten, damit sie beim Tulpenboom nicht zu spät kamen. Um den Gewinn zu steigern, wurden neue Finanzinstrumente entwickelt – Call Optionen.

    Der Tulpenboom dauerte etwa von 1634 bis 1637. Im Januar 1637 stieg der Preis für Tulpenzwiebeln um das 24fache.

    Auf den Boom folgt der Absturz

    Im Februar erfolgte dann der plötzliche Absturz. Die Preise waren so hoch gestiegen, dass nun jeder die Gewinne mitnehmen wollte. Es kam nach dem Schneeballprinzip zu einer regelrechten Verkaufsorgie.

    Jeder wollte schließlich retten, was noch zu retten war. Hollands Regierung versuchte, die wirtschaftliche Katastrophe aufzufangen. Hilflos und natürlich ohne Erfolg erklärte sie den Verfall der Preise für grundlos.

    Alle Auffangmaßnahmen scheiterten am rasanten Preisverfall der Tulpenzwiebeln, die zum Schluss weniger als Gemüsezwiebeln wert waren.

    Nach dem Zerplatzen der Spekulationsblase folgte eine tief greifende Depression. Die ruinierte auch alle, die noch rechtzeitig und mit Gewinn verkauft hatten.

    Der Seemann und die Zwiebel

    Manche bizarre Geschichten ranken sich um die bizarren Tulpengewächse. So sollte ein Seemann für das Heimbringen einer wertvollen Schiffsladung mit einem Fischfrühstück belohnt werden.

    Er fand auf der Anrichte im Speiseraum seines Auftraggebers eine Zwiebel, eingebettet in Samt und Seide.

    Damit konnte er nichts anfangen und so verspeiste er sie zusammen mit dem Fisch. Das brachte ihm mehrere Monate Gefängnis ein. Er hatte nämlich die äußerst wertvolle Zwiebel der Semper Augusta Tulpe aufgegessen.

    Erster Handel deutscher Aktien in Berlin

    Berliner Börse um 1890 Illustration


    Berliner Börse ca 1890

    Die ersten deutschen Aktien wurden 1756 in Berlin gehandelt und im Jahre 1820 begann der Aktienhandel in Frankfurt, heute eine er wichtigsten Börsen der Welt. 1840 gab es in Deutschland den ersten Börsenboom, ausgelöst durch den großen Geldbedarf für den Eisenbahnbau.

    Die New Yorker Börse (Stock Exchange) öffnete 1792 ihre Tore. Die wohl erste tief greifende Krise erlebte die heute wichtigste Börse der Welt 1873, als mehrere Eisenbahngesellschaften zahlungsunfähig wurden, und es in New York zur ersten Börsenschließung der Geschichte kommt.

    Schwarzer Freitag & Montag in New York

    Auch der größte Börsencrash in der Geschichte des Aktienhandels begann in New York. 1929 ereignete sich der „Schwarze Freitag“. Der Dow Jones Index fällt in den folgenden 3 Jahren um 900 %, alle Börsen geraten mit in den Abwärtsstrudel. Der Schwarze Freitag war Auslöser der Weltwirtschaftskrise.

    1987 im Oktober gab es dann den „Schwarzen Montag“. Der überhitzte Markt in New York brach zusammen. Die Aktien fielen innerhalb weniger Wochen um 25 %. Die Auswirkungen waren weltweit. Durch die kluge Politik der amerikanischen Notenbank FED konnte die Krise aber bald überwunden werden.

    Das Computerzeitalter begann 1971

    1971 hielt der Computer Einzug in die Börsenwelt. In New York wird die National Association of Deales Automated Quotation System kurz NASDQ gegründet. 1997 folgte Frankfurt mit der Einführung von Exchange Electronic Trading, bekannt als Xetra.

    Gegenwärtig werden die Börsengeschäfte ganz überwiegend computergestützt abgewickelt. Neue Technologien machen es professionellen Brokern aber auch Privatpersonen möglich, Aktien zu Echtzeitkursen an allen wichtigen Börsenplätzen der Welt zu handeln.

    Selbst kleinste Kursunterschiede an den verschiedenen Börsen können zur Spekulation genutzt werden. Dadurch werden die Ertragschancen erhöht, aber auch die Verlustrisiken steigen.

    Insgesamt wird der Markt durch die neuen Techniken volatiler. Auf Krisensituationen reagieren Kurse schneller als früher, und dadurch steigt das Risiko spektakulärer Kurseinbrüche.