Aktien mit hohen Dividendenrenditen kaufen?

    Niedrige Zinsen, kaum Renditen auf risikoarme Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder auf Anleihen – da fragen sich viele private Investoren, ob sie ihr Kapital nicht in Aktien mit hohen Dividenden anlegen sollten.

    Sicher ist die Dividendenrendite ein wichtiger Indikator beim Aktienkauf, aber keinesfalls der einzige. Wer nur auf die Höhe der Dividende schaut, kann schwer enttäuscht werden.

    Denn die Dividende allein sagt nur wenig über die Wertbeständigkeit einer Aktie aus. Mindestens ebenso wichtig ist eine positive Kursentwicklung. Zwar kann die Dividende langfristig betrachtet durchaus 40 % der Gesamtrendite ausmachen.

    Was nutzt aber eine überdurchschnittliche Dividendenrendite, wenn der Wert eines Aktiendepots an der Börse nachhaltig um 60 % sinkt, weil auf Aktien ohne Kurspotenzial gesetzt wurde?

    Dividende, was ist das?

    Die Dividende ist der Gewinnanteil, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Der gesetzliche Begriff lautet „auszuschüttender Betrag“, Paragraph 174 des Aktiengesetzes. Der gesetzliche Begriff ist weit gefasst. Theoretisch können Dividenden auch ausgeschüttet werden, wenn ein Gewinn aus dem operativen Geschäft in dem betreffenden Jahr gar nicht entstanden ist.

    Über die Höhe der Dividende entscheidet die Hauptversammlung auf Vorschlag des Vorstandes. In der Regel wird nicht der gesamte Gewinn ausgeschüttet, sondern nur ein prozentualer Anteil, der meistens zwischen 30 und 45 % beträgt. Im Ausland sind Ausschüttungen in Höhe von etwa 50 % des Gewinns eher die Regel. Der Prozentsatz ist die Ausschüttungsquote.

    An die Aktionäre ausgeschüttet wird die Bardividende nach Steuern und Abgaben. Die Bruttodividende hingegen gibt den Betrag vor Abzug aller Abgaben an.

    Dividendenberechtigt ist, wer Aktien des betreffenden Unternehmens am so genannten Ex Tag hält. Das ist in der Regel der Tag nach der Hauptversammlung. Am Ex Tag erfolgt ein Kursabschlag in Höhe der Bruttodividende.

    In Deutschland unterliegt die Bardividende erneut der Versteuerung beim Aktionär (Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag).

    Dividendenrendite

    Die Dividendenrendite ist der Prozentsatz, den die Dividende am Aktienkurs ausmacht: Dividende : Aktienkurs X 100.

    Es handelt sich grundsätzlich um einen Schätzwert, dem die letzte Dividende und/oder Dividendenprognosen für die kommenden Jahre zugrunde liegen.

    Die Bezugsgröße, der Kaufpreis einer Aktie, steht fest. Aber die Höhe der Dividende und damit die Höhe der Dividendenrendite lassen sich nur grob einschätzen.

    Häufig wird von der Vergangenheit auf die Zukunft geschlossen. Üblich ist die Betrachtung eines Zehnjahreszeitraums. Wie oft wurde während dieses Zeitraums die Dividende erhöht, und um welche durchschnittliche Prozentzahl? Je besser diese Daten sind, desto zuverlässiger lassen sich überdurchschnittliche Dividenden für die Zukunft prognostizieren.

    Dividenden-Strategien

    Vermögensverwalter und professionelle Anleger haben unterschiedliche Formeln zur Entdeckung besonders dividendenstarker Aktien entwickelt. Diese Theorien sind verblüffend einfach aber nicht ohne Risiken, verlässt man sich allein auf sie.

    Gemeinsam ist den Theorien, dass die Dividendenrendite zu einem bestimmten Stichtag festgestellt wird und dann Kauf- und Verkaufssignale auslöst.

    O‘ Higgins Methode

    Aus einem Index wird Anfang des Jahres eine bestimmte Anzahl (zum Beispiel zehn) Aktien mit den gegenwärtig höchsten Dividendenrenditen herausgesucht. Gekauft wird aber nur die Hälfte (zum Beispiel fünf) dieser Aktien, nämlich diejenigen mit den niedrigsten Kursen.

    Die Kombination aus niedrigem Kurs und hoher Dividende ist das einzige Auswahlkriterium. Gekauft werden also billige Aktien ohne Rücksicht auf ihre tatsächliche Werthaltigkeit.

    Einer Aktie kann aber wenig kosten, weil sie nichts wert ist, trotz hoher Dividendenrendite. Offenbar wird vorausgesetzt, dass alle Aktien eines bestimmten Blue Chip Indexes in etwa gleich werthaltig sind, eine These, die keinesfalls zutreffen muss.

    Trotz der etwas dubiosen Methode hatte O‘ Higgins, ein amerikanischer Vermögensverwalter, in der Vergangenheit mit seiner Methode Erfolg und konnte die Wertentwicklung des Dow-Jones bisweilen sogar schlagen.

    Top-12-Dividenden

    Diese Theorie geht auf den amerikanischen Aktienanalytiker Benjamin Graham zurück. Sie soll in Deutschland bei Anhängern des Kaufs von Aktien mit hohen Dividendenrenditen vorherrschend sein.

    Zum Jahresanfang und zur Jahresmitte werden die zwölf Aktien eines Indexes (zum Beispiel des DAX) mit der höchsten Dividendenrendite festgestellt. Diese Aktien werden gekauft. Befinden sich einige Werte im Depot, die nicht mehr zu den Topaktien gehören, werden sie verkauft.

    Diese Methode wird in der Regel zu einer ständigen Veränderung der Depotzusammensetzung führen.

    Vorteile und Kritik

    Mit beiden Methoden können zeitweise überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet werden, aber vor allem in Krisenzeiten auch überdurchschnittliche Verluste entstehen.

    Der Vorteil der Dividenden-Strategie liegt darin, dass die regelmäßige Ausschüttung hoher Dividenden, die sich kontinuierlich Jahr für Jahr erhöhen, auf Aktien solider, sehr werthaltiger Unternehmen hindeuten, die sich auch in Krisenzeiten behaupten können.

    Oft handelt es sich um Marktführer die seit Jahrzehnten mit guten Ergebnissen aufwarten, wie Johnson & Johnson, Exxon und Procter & Gamble aus den USA, Novo Nordisk aus Dänemark oder E.On aus Deutschland.

    Allerdings ist die Höhe der Dividende kein verlässliches Kriterium für die Werthaltigkeit bei Aktien. Unternehmen wie Microsoft oder Amgen haben jahrelang überhaupt keine Dividende ausgeschüttet, sondern Gewinne reinvestiert. Gerade während dieser Zeit wurden aber durch Kurssteigerungen erhebliche Renditen erwirtschaftet.

    Auf der anderen Seite zahlen manche Unternehmen hohe Dividenden, ohne die entsprechenden Erträge zu erwirtschaften. Die deutsche Telekom und Telefonica gehören dazu. Es ist fraglich, ob private Investoren tatsächlich in solche Unternehmen investieren sollten.

    Kombinierte Strategie

    Dividenden haben an der Gesamtperformance einen hohen Anteil. Deswegen ist es nicht falsch, der Dividendenrendite beim Kauf einen Stellenwert einzuräumen.

    Kursgewinne kann man stehen lassen oder realisieren. Man kann sie aber nicht reinvestieren und gleichzeitig die Aktie behalten. Das ist bei Dividenden anders. Wer sofort reinvestiert verbessert seine Gesamtrendite auf lange Sicht drastisch, muss aber eine Aktie, die an der Börse gut läuft, nicht verkaufen.

    Wird in dividendenstarke Valueaktien investiert, ist auf lange Sicht eine solide Wertentwicklung des Depots gewährleistet. Sinnvoll ist also eine Kombination beider Strategien: der Value-Strategie mit der Dividenden-Strategie.

    Unseres Erachtens ist das Auffinden von Valueaktien der erste Schritt. Hierbei kommt es unter anderem auf Kriterien wie Marktführerschaft, in der Vergangenheit unter Beweis gestellte Krisenfestigkeit, Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells und auf eine Anzahl betriebswirtschaftlicher Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote und kontinuierliches Gewinnwachstum an.

    Eine Valueaktie sollte sich darüber hinaus in den vergangenen Jahren durch überdurchschnittliche Performance an der Börse bewährt haben.

    In einem zweiten Schritt werden diejenigen Valueaktien herausgesucht, die die gegenwärtig höchsten Dividendenrenditen bei gleichzeitiger Kontinuität der Dividendenentwicklung aufweisen.

    Beispiele für Topaktien mit hoher Dividende und Fonds

    Bei den folgenden Vorschlägen handelt es sich nicht um Empfehlungen sondern lediglich um Beispiele. Die Angaben werden nicht aktualisiert. Eine Garantie für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. Alle Daten zu Aktien und Fonds unterliegen dem ständigen Wandel.

    Aufgeführt werden Beispiele für sichere, stabile Aktien mit hoher Dividendenrendite:

    • Deutsche Dividendenaktien: E.ON, Fuchs Petrolub, BASF, Fresenius, Linde,
    • Europäische Aktien: Total, Fortum, Royal Dutch Petroleum, Novo Nordisk, Nestle, Astra Zeneca, Reckit Benckiser, Roche.
    • Amerikanische Aktien: 3M, Altria, Exxon, McDonald’s, Microsoft, Intel, IBM, Procter & Gamble, Colgate, Wells Fargo, Norfolk Southern, Bank of Nova Scotia (Kanada).

    Unter den dividendenstarken Qualitätsaktien befinden sich viele defensive Werte etwa aus der Pharmabranche, aus dem Energiesektor und der Finanzbranche. Außerdem gehören Konsumaktien von Marktführern mit überdurchschnittlich vielen bekannten Markennamen dazu.

    Der Stuttgarter Dividendenfonds (WKN: A1CXWP) kombiniert die Value Strategie mit der Dividendenstrategie in geschickter Weise. Der Fonds wird börsengehandelt, und nach Angaben des Ausgebers fallen keine Ausgabeaufschläge an. Gezahlt wird nur ein Spread in Höhe von ca. 0,4 %.

    Darüber hinaus gibt es eine Reihe von ETFs und Indexfonds. Sie verursachen wenig Kosten, da sie nicht aktiv gemanagt werden. Die Fonds orientierten sich an unterschiedlichen Indices, die nur dividendenstarke Papiere enthalten. Ein Beispiel ist der SPDR S&P US DIVIDEND ARISTOCRATS ETF (WKN: A1JKS0).

    Fonds eignen sich für Privatanleger besonders, weil ein aufwändiges Stock Picking entfällt und das Risiko gleichzeitig breit gestreut wird.

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