Finanztipps für Frischverheiratete

    Unmittelbar nach der Hochzeit über finanzielle Dinge nachzudenken, für viele frisch vermählte Paare mag das eher ungewöhnlich klingen. Gelddinge stehen in den ersten Wochen und Monaten nach dem Ja-Wort nicht unbedingt im Mittelpunkt.

    Dennoch ist es empfehlenswert, sich möglichst bald mit finanziellen Themen auseinander zu setzen. Eine Heirat kann finanzielle Vorteile mit sich bringen, aber häufig müssen die Ehepartner von sich aus tätig werden, um davon zu profitieren.

    Auf der anderen Seite müssen bestehende Versicherungen oder Verträge geändert und an die neue Situation angepasst werden, damit den Ehepartnern keine finanziellen Nachteile entstehen.

    Ehevertrag schließen

    Nichts ist für viele Ehepaare abwegiger, als gleich nach der Hochzeit an eine Trennung zu denken. Dennoch kann es sinnvoll sein, im Zuge einer Heirat einen Ehevertrag zu schließen, um die wichtigsten vermögensrechtlichen, unterhaltsrechtlichen und versorgungsrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit einer Ehe vernünftig zu regeln.

    Ein Ehevertrag ist sicher erwägenswert, wenn ein Partner oder beide Partner nennenswertes Vermögen mitbringen. Gleiches gilt, wenn beide Partner oder ein Partner selbstständig sind und ihr eigenes Geschäft betreiben.

    Vorsicht mit Krediten

    Jungvermählte Paare benötigen häufig Darlehen, um einen eigenen Hausstand zu finanzieren. Damit der finanzielle Handlungsspielraum nicht von vornherein eingeschränkt wird, sollte die Kreditbelastung so gering wie möglich gehalten werden.

    Vorsicht ist geboten bei Darlehen mit langen Laufzeiten. Auf den ersten Blick wirken sie wegen der geringen Raten gerade für junge Leute attraktiv. Die Gesamtkosten solcher Kredite sind jedoch hoch. Laufzeit und Nutzungsdauer der fremdfinanzierten Gegenstände sollten miteinander korrespondieren. Wer einen Kühlschrank über einen Zeitraum von zehn Jahren fremdfinanziert, macht einen Fehler.

    Wichtig ist schließlich, sich bei einer Kreditaufnahme nicht zu verausgaben. Nach Abzug der Kreditkosten sollte noch genügend Geld vorhanden sein, um die sonstigen Lebenshaltungskosten nebst Urlaub und Hobby bestreiten und noch etwas Geld für einen Notgroschen und wenn möglich für die private Altersvorsorge zurücklegen zu können.

    Private Altersvorsorge frühzeitig ansparen

    Die gesetzlichen Rentenleistungen reichen zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten im nicht mehr aus. Ohne eine zusätzliche private Altersvorsorge droht in vielen Fällen Altersarmut.

    Je früher Geld für die private Altersvorsorge in regelmäßigen Abständen zurückgelegt wird, desto geringer kann der Sparbetrag sein und desto höher ist die Rendite auf das angesparte Kapital. Die vorhandenen gesetzlichen Fördermaßnahmen sollten junge Ehepaare in Anspruch nehmen und nicht verfallen lassen.

    Es gibt eine Reihe riesterfähige Finanzprodukte unterschiedlicher Risikoklasse. Allgemeine Ratschläge sind schwer zu erteilen. Aber Anleger sollten, wenn möglich, in die unterschiedlichen Finanzprodukte direkt investieren und nicht über den Umweg von Kapitallebensversicherungen oder Rentenversicherungen.

    Bei der Kapitalanlage ist eine Mischung zwischen risikoarmen Geldanlagen und renditestarken Kapitalanlagen sinnvoll.

    Versicherungen überprüfen und kündigen

    Doppelte Versicherungen sollten gekündigt werden. Gleiches gilt für überflüssige Versicherungen. Manchmal ist es möglich, Policen zusammenzulegen. In diesen Fällen wird empfohlen, den jüngeren Vertrag oder den Vertrag mit dem geringeren Versicherungsschutz aufzuheben und den Partner dann in die Bestandspolice aufzunehmen.

    Bei Haftpflichtversicherungen wird eine Heirat manchmal als vorzeitiger Kündigungsgrund anerkannt. Bei Hausratsversicherungen muss die Versicherungsgesellschaft eine Kündigung oder Reduzierung des Vertragsumfanges hinnehmen, sofern die Police nach 2008 abgeschlossen wurde.

    Neben dem ordentlichen Kündigungsrecht besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht, wenn die Prämie nach einem Umzug oder aus anderen Gründen sich aus Anlass der Heirat erhöht.

    Bezugsrechte anpassen

    Bei bestehenden Lebensversicherungen oder Unfallversicherungen müssen die Bezugsberechtigungen angepasst werden. Haben beide Partner eine eigene Versicherungspolice, können sie sich wechselseitig als Begünstigte einsetzen.

    Eine Anpassung der Bezugsberechtigung ist vor allem dann wichtig, wenn ein Partner oder wenn beide Partner bereits verheiratet waren. Andernfalls ist möglicherweise der frühere Ehepartner der Bezugsberechtigte.

    Krankenversicherung

    Eine Änderung in der Krankenversicherung tritt jedenfalls dann ein, wenn ein Partner nach der Hochzeit nicht mehr beruflich tätig ist. Hat der andere Partner eine gesetzliche Krankenversicherung, ist der nicht berufstätige Partner dort mitversichert.

    Anders sieht es aus, wenn der berufstätige Partner privat versichert ist. Hier muss entweder eine eigene private Krankenversicherung abgeschlossen werden, oder der nicht berufstätige Partner muss sich freiwillig gesetzlich versichern.

    Bei jungen Ehepaaren stellt sich manchmal die Frage, ob eine gesetzliche Krankenversicherung (eventuell auf freiwilliger Basis) oder eine private Krankenversicherung die richtige Lösung ist. Eine Beratung bei einem unabhängigen Versicherungsfachmann ist in diesen Fällen immer empfehlenswert, bevor man sich auf eine Lösung festgelegt.

    Steuervorteile und Steuerklasse

    Steuervorteile können entstehen, wenn ein Ehepartner deutlich mehr verdient als der andere. Bei gleich hohen Einkünften sind die Steuervorteile eher unbedeutend. Der Grund ist das so genannte Ehegatten Splitting.

    Viele Leute können getrennt oder zusammen steuerrechtlich veranlagt werden. Sie haben ein Wahlrecht. Bei einer Zusammenveranlagung können Verluste aus der Tätigkeit eines Ehepartners mit den Einkünften eines anderen Ehepartners verrechnet werden. Macht ein Partner mit einem neu eingerichteten Geschäft Verluste, kann eine Zusammenveranlagung die Steuerlast erheblich senken.

    Ob eine gemeinsame oder getrennte Veranlagung sinnvoller ist, kann ein Steuerberater beurteilen. Auch Lohnsteuerhilfevereine unterstützen bei der Auswahl der richtigen Veranlagungsart und der günstigsten Steuerklasse.

    Welche Kombination bei den Steuerklassen die meisten Vorteile bringt, entscheidet sich nach der Höhe der Einkünfte beider Ehepartner.

    Verdienen beide Partner in etwa gleich, ist in der Regel für beide Partner die Steuerklasse vier die beste Lösung. Verdient ein Partner wenigstens 60 % des gemeinsamen Einkommens, ist eine Kombination aus den Steuerklassen drei und fünf empfehlenswert.

    Eine weitere Möglichkeit ist die Steuerklasse vier für beide Partner mit Faktor. Sie bietet sich ebenfalls für Verheiratete mit etwa gleich hohen Einkünften an. Der Faktor bewirkt, dass sich der Splittingvorteil schon während des Jahres bemerkbar macht und dadurch Steuernachzahlungen vermieden werden.

    Die Wahl der günstigsten Kombination hat keine Auswirkungen auf die gesamte Steuerbelastung. Die bleibt immer gleich. Die optimale Kombination hat aber den Vorteil, dass Nachzahlungen und auch Überzahlungen vermieden werden.

    Steuerklassen können jederzeit beim zuständigen Finanzamt geändert werden. Der Antrag muss jedoch spätestens zum 30. November eines Jahres gestellt werden.