Fintech Startup: Angriff auf die Banken

Fintech Startups schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie treten an, die behäbige Finanzdienstleistungsindustrie aufzumischen. Eines Tages könnten sie eine dominierende Rolle in der Finanzbranche einnehmen.

Doch bisher ist es weitgehend bei diesem Traum geblieben. Wenige Finanztechnologie Unternehmen konnten in wenigen Nischen Fuß fassen. Die großen Player in der Finanzbranche blicken relativ gelassen auf ihre neue Konkurrenz. Jedenfalls in Deutschland wissen sie den Gesetzgeber auf ihrer Seite.

Hohe Markteintrittshürden machen es Fintechs schwer. Kreditmarktplätze wie smava kommen beispielsweise nicht ohne die Kooperation mit Banken aus. Denn sie selbst erhalten keine Lizenz. Auch einige Vorschriften zum Verbraucherschutz, etwa bei der Anlageberatung, stehen dem optimalen Einsatz von Finanztechnologien entgegen.

Deshalb findet der Fintech Boom vor allem in angelsächsischen Ländern statt. Deutschland stellt lediglich ungefähr ein Prozent aller nennenswerten Fintech Unternehmen.

Definition

Mit Finanztechnologien werden automatisch finanzielle Dienstleistungen im weitesten Sinne bereitgestellt. Traditionelle Dienstleistungen können ganz ersetzt werden, oder sie können eine bestimmte Technologie nutzen, um ihr bestehendes Angebot zu erweitern und zu verbessern.

Eingesetzt werden Finanztechnologien vor allem in den Bereichen Crowdlending und Crowdinvesting, E-Commerce, Mobile Payment, Business Intelligence und zunehmend auch in den Bereichen Anlageberatung sowie Versicherungen.

Fintech Startups versuchen häufig, sich in Nischen zu etablieren, die von anderen Finanzdienstleistern überhaupt nicht abgedeckt oder vernachlässigt werden. Beispiele sind die Vergabe kleiner Kurzzeitkredite oder das Kreditgeschäft mit Selbstständigen und Freiberuflern, die in ihrem Betrieb kleinere Investitionen fremdfinanzieren möchten.

Andere Startups setzen auf eine deutliche Verbesserung eines gängigen Dienstleistungsangebots durch den Einsatz moderner Technologien. Beispiele sind Onlineplattformen, die die Geldanlage für private Investoren verbilligen und einfacher machen oder den professionellen Handel mit Währungen revolutionieren.

Fintech Startups profitieren von den jüngeren Entwicklungen in der Technologiebranche wie Cloud Computing oder Big Data. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tabletts ist für Unternehmen der Finanztechnologie ebenfalls von Nutzen.

Ursprünglich stammt die Idee, moderne Finanztechnologien einzusetzen, aus England. Aus Großbritannien kommen ungefähr 35 % aller Fintech Unternehmen. Führend sind unterdessen die USA mit 60 %.

In Deutschland hat sich vor allem das Berliner Unternehmen Rocket Internet als Inkubator für Fintech Startups einen Namen gemacht. Das Unternehmen stellt Risikokapital und organisatorische Starthilfe zur Verfügung.

Dabei liegt der Fokus auf Finanztechnologie-Unternehmen, die nicht nur in Deutschland sondern auch international außerhalb der USA tätig werden wollen. Beispiele sind Lendico, Zencap oder Zalando. Ein anderer Inkubator ist Project A Ventures, ebenfalls in Berlin ansässig.

Nachfolgend eine Aufstellung wichtiger Fintech Startups und Trends bei Finanztechnologien.

Business Intelligence

Diese Startups beschäftigen sich mit Methoden zur automatisierten Auswertung von Unternehmensdaten und Marktdaten. Die gewonnenen Ergebnisse können der Vorbereitung von Unternehmensentscheidungen, Unternehmensgründungen oder Kreditentscheidungen dienen.

Ein Beispiel für Business Intelligence Startups ist eMarketer. Eine Aufstellung von Business Intelligence Startups ist auf der Webseite CrunchBase.com zu finden.

Mobile Payment

Unter Mobile Payment werden unterschiedliche Bezahlmethoden zusammengefasst, bei denen mobile elektronische Techniken eingesetzt werden. Sie sollen das Bezahlen mit Bargeld, Kreditkarte oder Schecks ersetzen können.

Auf neuen iPhones kann beispielsweise die Technologie „Apple Pay“ eingesetzt werden. Google Wallet ist ein weiteres Beispiel.

Crowdfunding

Über Internetplattformen wird von einer Vielzahl von Geldgebern Kapital eingesammelt, um damit einen bestimmten Zweck zu verfolgen.

Bei Crowdfunding tritt die Gegenleistung für das eingesetzte Kapital in den Hintergrund. Gefördert werden oder ermöglicht werden sollen meistens soziale oder kulturelle Projekte. Entweder es wird für einen guten Zweck gespendet oder die Gegenleistung besteht in Sachleistungen wie Eintrittskarten für alternative Konzerte.

P2P Anbieter

Die Unternehmen stellen Internetplattformen zur Verfügung, auf denen private Geldgeber unter Einschaltung von Banken in Kreditprojekte investieren können. Auf der Geldgeberseite handelt es sich um Crowdinvesting, weil die Kapitalgeber für ihr Geld eine Rendite erhalten. Auf Seiten der Kreditnehmer handelt es sich um Crowdlending, weil die Darlehen von einer unbestimmten Vielzahl von Geldgebern finanziert werden.

Kreditplattformen bieten eine Reihe von Dienstleistungen, mit deren Hilfe die Darlehen ordnungsgemäß bei überschaubaren Risiken für die Geldgeber abgewickelt werden können. Beispiele für Peer to Peer Portale sind smava, Lendico oder Auxmoney.

Risikokapital

Sind P2P Plattformen mehr auf die Finanzierung von Privatkrediten spezialisiert, können bei Zencap Unternehmenskredite und die Vergabe von Risikokapital online finanziert werden. Das Unternehmen bringt über eine Internetplattform Anleger und Kreditsuchende zusammen.

Die Plattform richtet sich vor allem an Mittelständler die Betriebserweiterungen und Innovationen fremdfinanzieren möchten oder die eine Neugründung beabsichtigen. Dieses Marktsegment ist eigentlich traditionell von Banken besetzt.

Deren Vergaberichtlinien erweisen sich allerdings in vielen Fällen zu schwerfällig, um angemessene Finanzierungslösungen für Mittelständler bieten zu können. Zencap ist ein Startup. Ähnliche Plattformen arbeiten bereits in den USA und in Großbritannien erfolgreich.

Versicherungen und Kurzzeitkredite

Ein interessantes Fintech Unternehmen ist Schutzklick. Das Unternehmen ist in der Marktlücke der Versicherung einzelner Geräte und von Kurzzeitversicherungen tätig.

Neben der Versicherung von Geräten aller Art insbesondere von elektronischen Geräten, mobilen Telefonen, Tabletts und Laptops können auch Risiken während eines bestimmten Events, beispielsweise eines Fußballspiels, versichert werden.

Vexcash bietet Kurzzeitkredite an mit Laufzeiten von 30 Tagen. Der Höchstbetrag für Erstkunden beläuft sich auf 500 €. Sonst sind bis zu 3.000 € möglich. Die Kredite müssen in ein oder zwei Raten unmittelbar nach Laufzeitende zurückgezahlt werden.

Die Darlehen sind in etwa so teuer wie Überziehungskredite. Kurzzeitkredite werden von herkömmlichen Banken überhaupt nicht angeboten.

Online Anlageplattformen

Diese Portale versuchen, pauschalierte Anlageberatungen, beispielsweise nach Risikoklassen auf der Grundlage von Selbsteinschätzungen, mit günstigen Finanzprodukten zu verknüpfen.

  1. Quirion ist nach eigenen Aussagen eine online Plattform für professionelle Vermögensverwaltung. Sie richtet sich vor allem an Anleger mit kleineren Portfolios. Das Beratungshonorar wird gegenwärtig in Höhe von 0,48 % vom Anlagevermögen berechnet. Anleger können unter elf Anlageklassen auswählen. Telefonische Beratung ist möglich.
  2. Vaamo funktioniert ähnlich. Es stehen drei Risikoklassen zur Verfügung. Die Anlagestrategie setzt auf breite weltweite Streuung nach einem zusammen mit einem Hochschullehrer entwickelten Konzept. Dabei wird offenbar auf die Fonds einer Investmentgesellschaft aus den USA zurückgegriffen, die dem Anlagekonzept folgt. Die Kosten betragen in der Regel unter 0,5 % des Anlagevermögens.
  3. Wikifolio ist ein Portal für „Social Trading“. Jeder kann auf der Plattform seine private Anlagestrategie darstellen. Anleger können dieser Strategien folgen und sie kopieren. Mit einem umfangreichen Filter suchen sich Anleger das passende Portfolio heraus. Die Anlagestrategie wird genau beschrieben, einschließlich der Kosten und Gebühren und der Produkte, in die investiert wird. Zu jeder erfolgreichen Vorlage gibt es ein besonderes Wikifolio-Indexzertifikat, welches direkt über empfohlene Broker oder über die Börse Stuttgart gehandelt werden kann.
  4. Moneymeets bietet Finanzprodukte ohne Ausgabeaufschlag an, sofern online investiert wird. Die vermittelten Depots sind kostenlos. Der Finanzmarktplatz teilt außerdem die Bestandsprovision mit seinen Kunden. Die Plattform vermittelt günstige Finanzprodukte und Versicherungen von neun Partnerbanken und 154 Versicherungsgesellschaften.

Devisenhandel

Ein Beispiel für ein besonders erfolgreiches Fintech Startup ist die Devisenplattform 360 T. Gründer ist Carlo Kölzer. Das Unternehmen machte kürzlich Schlagzeilen, weil es für 725 Millionen € von der Deutschen Bank übernommen wird.

Die Plattform stellt Dienstleistungen für professionelle Devisenhändler zur Verfügung. Kunden können Preisanfragen bei mehreren Banken starten und dann das günstigste Devisengeschäft abschließen. Gegenwärtig soll das tägliche Handelsvolumen etwa 90 Milliarden € betragen.

Neben professionellen Devisenhändler können auch institutionelle Anleger, die Währungsabteilungen großer Unternehmen und Banken die Dienstleistungen nutzen.