Fonds: Welche sind besser als der Index?

    Anleger, die ETFs kaufen (passiv gemanagte Fonds die einen bestimmten Index nachbilden), setzen auf das Mittelmaß, so tönen manche Experten der Investmentgesellschaften.

    Solche Aussagen mögen geschickte Werbeschachzüge sein. Denn welcher Anleger möchte schon in mittelmäßige Wertpapiere investieren und auf hohe Renditen verzichten, die clevere Fondsmanager mit überlegenen Anlagestrategien erwirtschaften? Die harte Realität hingegen sieht anders aus.

    Die überwiegende Anzahl aktiv gemanagter Fonds erreicht nicht annähernd die Renditen vergleichbarer Indices. Von Mehrrendite kann dann nicht die Rede sein, dafür aber von Mehrkosten. Fondsmanager lassen sich ihren Misserfolg teuer bezahlen. Ausgabeaufschläge von bis zu 5 % und zusätzlich noch Verwaltungsgebühren von 2 % oder 3 % sind keine Seltenheit.

    Statistiken sprechen eine klare Sprache. Bestenfalls durchschnittlich 20 % der aktiv gemanagten Fonds könnten die vergleichbaren Benchmarks schlagen. Je länger der Vergleichszeitraum angesetzt wird, desto verheerender sind die Ergebnisse. Das zeigt erneut eine Untersuchung des Indexanbieters S&P Dow Jones Indices.

    So schnitten 91,95 % aller in Aktien aus dem Euroraum investierende Fonds über 10 Jahre schlechter ab als der Vergleichsindex S&P Eurozone, über ein Jahr sind es 59 %, über 3 Jahre 85,6 % und über 5 Jahre 87,5 %.

    Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Fonds, die in US-amerikanische Aktien investieren. Über einen Zeitraum von 10 Jahren blieben 98,38 % hinter der Benchmark des S&P 500 zurück. In deutsche Aktien investierende Fonds schnitten etwas besser ab. Hier konnte der Vergleichsindex S&P Germany BMI 83,33 % aller Investmentfonds schlagen, ebenfalls über 10 Jahre.

    Andere Statistiken kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Das Bild ist immer gleich. Über kurze Zeiträume betrachtet, ist es Fondsmanagern eher möglich, mit der Benchmark mitzuhalten. Je länger der Zeitraum ist, desto schwieriger wird es für aktiv gemanagte Fonds und desto weniger Fonds können den zugrunde gelegten Index schlagen.

    Kriterien für die Fondsauswahl

    Besonders Investoren mit langem Anlagehorizont wird es demnach schwer fallen, einen aktiv gemanagten Fonds zu finden, der wegen einer außergewöhnlichen Rendite seine Kosten wert ist. Fondspicking ist für Privatanleger tatsächlich fast ebenso kompliziert, wie die Investition in werthaltige Einzelaktien.

    Wer sich mit dem angeblichen Mittelmaß nicht zufrieden geben möchte, lässt sich im Grunde auf einer Art Glücksspiel ein. Allerdings mag es einige Beurteilungskriterien geben, bei deren Befolgung aus einem Glücksspiel ein weniger riskantes Geschicklichkeitsspiel werden kann.

    Performance

    Die obigen Beispiele zeigen, nur wenn ein Fonds über wenigstens 5 bis 10 Jahre im Verhältnis zu einem Vergleichsindex besser abschneidet oder doch wenigstens gleich gut, lohnt sich eine Investition für seriöse Privatanleger. Zwar sagt die Vergangenheit nichts über Renditen in der Zukunft. Aber eine lang andauernde außergewöhnliche Performance über 10 Jahre ist doch ein Indiz dafür, dass der Fonds auch in Zukunft vernünftige Renditen erwirtschaften wird.

    Allerdings sollte nicht nur die Gesamtperformance betrachtet werden. Interessant ist zudem, wie sich der Fonds in Krisenzeiten verhalten hat. Konnten die Verluste im Vergleich zum Index in Grenzen gehalten werden, spricht das für ein gutes aktives Fondsmanagement.

    Eine weitere Kennzahl ist nach Auffassung vieler Experten ebenfalls wichtig: die Outperformance-Ratio. Damit wird festgestellt, in wie viel Monaten der Fonds besser abschnitt als der Vergleichsindex. Liegt diese Zahl über 50 %, ist das ein gutes Zeichen. Eine solche Zahl deutet darauf hin, dass der Fondsmanager über ein außergewöhnliches Anlagegeschick verfügt.

    Liegt die Kennzahl genau bei 50 %, deutet das schon eher auf Glück als auf Können hin. 50 %, das ist auch die durchschnittliche Quote bei einem Münzwurf. Werte darunter sind natürlich besonders problematisch.

    Anlagestrategie

    Die Art der Aktien, in die investiert wird, ist von besonderer Bedeutung. Unter den erfolgreichen Fonds sind viele, die mehr oder weniger der Value Strategie des Börsengurus Warren Buffett folgen. Ein Beispiel ist der Fonds Robeco BP Global Premium Equities. Fondsmanager Hart hat es immerhin geschafft, seit 2010 eine jährliche Rendite in Höhe von knapp 17 % zu erzielen (vergleichbare Indexfonds: 13,5 %).

    Sinnvoll ist außerdem ein nach Branchen und Regionen gut verifiziertes Portfolio. Branchenfonds oder Regionalfonds sind häufig besonders krisenanfällig. Langfristig gesehen leidet die Rendite darunter. Beispiele sind die vielen Technologiefonds, die im Zuge des Platzens der Technologieblase Anfang 2000 häufig praktisch wertlos wurden.

    Der Fondsmanager

    Das Können des Fondsmanagers ist bei wirklich aktiv gemanagten Fonds für die Performance entscheidend. Fondsmanager sollten über eine lange Erfahrung verfügen und ihre Kompetenz durch überdurchschnittliche Ergebnisse in der Vergangenheit belegen können.

    Einschätzungen über Wertpapiere und über die dahinter stehenden Unternehmen sind zu einem gewissen Teil immer subjektiv. Gleiches gilt für die Einschätzung von Marktentwicklungen. Hatte ein Fondsmanager in der Vergangenheit überdurchschnittliche Erfolge, so ist das ein Zeichen für richtiges Gespür und für zutreffende Beurteilungskriterien.

    Anleger sollten nach Möglichkeit die Performance aller von einem bestimmten Manager betreuten Fonds betrachten, um sich ein Gesamtbild zu machen. Ist nur ein einziger Fonds herausragend oder überwiegen die Flops die Tops, spricht das eher für Glück denn für Können.

    Kritisch ist immer, wenn ein erfolgreicher Manager den Investmentfonds verlässt. Solch ein Wechsel wirkt sich statistisch gesehen eher negativ auf die Rendite aus. Ein bis zwei Prozent können verloren gehen. Hat der Fonds wegen des Erfolgs seines Managers in der Vergangenheit einen besonderen Zulauf erfahren, können die Einbußen sogar zwischen drei und vier Prozent liegen, weil viele Anleger ihre Fondsanteile verkaufen – so jedenfalls einige Statistiken.

    Wenigstens ebenso entscheidend ist, welche Qualitäten der neue Manager besitzt. Anleger sollten also versuchen herauszufinden, wie erfolgreich der neue Fondsmanager bisher gearbeitet hat und wie lange er im Geschäft ist.

    Leider teilen lange nicht alle Fondsgesellschaften ihren Kunden einen Managerwechsel mit. In solchen Fällen hilft wahrscheinlich nur eine konkrete Nachfrage, entweder in regelmäßigen Zeitabständen oder wenn ein bestimmter Anlass besteht, zum Beispiel ein ungewöhnlicher Kursverlust.

    Aktives Management beim Wort nehmen

    Überdurchschnittliche Wertentwicklungen, die die Performance von Vergleichsindizes tatsächlich schlagen, setzen in der Regel ein aktives Fondsmanagement voraus, welches diesen Namen tatsächlich verdient.

    Viele Fondsmanager orientieren sich viel zu sehr an bestimmte Vergleichsindices. Beispielsweise bilden sie mit 70 % ihres Fondsvermögens den Dow Jones oder den Dax ab, nur 30 % werden in ausgewählte Einzelpapiere angelegt. Ein solches Verfahren hat mit aktivem Fondsmanagement nicht sehr viel zu tun. Es verwundert nicht, dass die Performance weniger überzeugend ausfällt.

    Wichtig ist eine fundierte Anlagestrategie jenseits der, wenn auch nur teilweisen, Nachbildung von Indices. Stockpicking unter Anwendung einer ausgefeilten Strategie, das ist der Garant für einen außergewöhnlichen Anlageerfolg.

    Anleger bringen die hohen Kosten für aktiv gemanagte Fonds auf, weil die Manager über Instrumente und Möglichkeiten verfügen, die Privatanleger selbst nicht haben. Dazu gehören computergestützte Auswertungsprogramme, mit denen hunderte von Wertpapieren nach zuvor festgelegten Kriterien untersucht werden können.

    Dazu gehört allerdings auch die Möglichkeit, das hinter der Aktie stehende Unternehmen anhand von einschlägigen Unterlagen genau zu analysieren und mit den Vorständen Konferenzen durchzuführen, um sich ein endgültiges Bild über die Werthaltigkeit des Anteilsscheins zu machen. Leider macht sich nicht jeder Fondsmanager diese Mühe. Anleger sollten herausfinden, auf welche Weise Manager ihre Investitionsentscheidungen treffen.

    ETFs oder aktiv gemanagte Qualitätsfonds?

    Diese Entscheidung muss natürlich jeder für sich selbst treffen. Allgemeine Empfehlungen kann es nicht geben. Wer Glück hat findet tatsächlich einen Qualitätsfonds, der die Performance seiner Vergleichsindizes um Längen schlägt.

    Natürlich können private Investoren auch versuchen, die Anlagestrategie eines besonders erfolgreichen Fonds nachzubilden, und direkt in Einzelwerte beispielsweise nach der Value Strategie zu investieren. Damit können erhebliche Kosten gespart werden.

    Allerdings ist das für viele Anleger eher eine theoretische Möglichkeit. Meistens fehlt die Zeit, die Kenntnis und vor allem sind die Instrumente nicht vorhanden, die für die Umsetzung einer erfolgversprechenden Strategie erforderlich sind. Einige solide Finanzdienstleister bringen Informationsblätter mit Empfehlungen heraus, an die sich Privatanleger halten können. Ob damit jedoch Indices geschlagen werden können, ist eine andere Frage.

    Ein Vorteil aktiv gemanagter Qualitätsfonds ist, dass in Krisenzeiten Kursverluste durch vorausschauendes Anlageverhalten in Grenzen gehalten werden können. Davon profitieren vor allem Anleger mit kurzem oder mittelfristigem Anlagehorizont. Langfristig denkende Investoren brauchen sich um Kurseinbrüche weniger Sorgen zu machen.

    ETFs auf Indices mögen Mittelmaß sein, sie sorgen aber auf lange Sicht für gute Renditen, die bei aktiv gemanagten Fonds durchaus nicht sicher sind. Ein weiterer Vorteil ist die Verkehrsfähigkeit. ETFs werden an der Börse gehandelt, und können praktisch jederzeit gekauft und zeitnah verkauft werden.

    Das ist bei Fonds anders. Der Handel klassischer Fonds wird über die Fondsgesellschaft unter Einschaltung der Depotbank abgewickelt. Die Depotbank sammelt alle Orders und schickt sie meistens einmal täglich an die Fondsgesellschaft. Dort werden die Orders abgerechnet, meistens mit einer eintägigen oder zweitägigen Verzögerung zu den dann gültigen Kursen. Anleger können deshalb weder Kaufkurse noch Verkaufskurse genau kalkulieren.

    Märkte und Kursentwicklung beobachten

    Ob ETFs oder aktiv gemanagte Fonds, Investoren sollten die Entwicklung der Wertpapiermärkte und die Kursentwicklung ihrer Fonds immer im Auge behalten.

    Das gilt vor allem für aktiv gemanagte Fonds. Auch die Manager von Qualitätsfonds können sich in der Zukunft verkalkulieren. Aus einem Gewinner wird dann schnell ein Verlierer. Geschieht dies, muss der betreffende Fonds sofort verkauft und umgeschichtet werden, wenn die Verluste sich nicht aus den allgemeinen Marktentwicklungen rechtfertigen.

    Schließlich gilt für alle Fondsarten: antizyklisch investieren. Viele Verluste am Wertpapiermarkt entstehen dadurch, dass Investoren der Herde hinterher laufen. Viele haben dann nicht den Nerv oder die Möglichkeit, Kurseinbrüche einfach auszusitzen. Wer auf dem Höhepunkt einer Hausse Fonds erwirbt, muss mittelfristig immer mit Verlusten rechnen.