Fehler bei der Fondsanlage: Wie Anleger sich um den Erfolg bringen

Aktiv gemanagte Fonds – was bringt Anleger dazu, in Finanzprodukte zu investieren, deren Renditen durch so viel Kosten geschmälert werden: Ausgabeaufschläge, laufende Verwaltungsgebühren, zusätzliche Transaktionskosten oder gewinnabhängige Sonderprovisionen für die Fondsmanager?

Die Antwort liegt auf der Hand. Sie erwarten von professionellen Investoren etwas, von dem sie glauben, dass sie es selbst nicht leisten können.

Sie erwarten mit einem gewissen Recht, dass aktiv gemanagte Fonds bessere Ergebnisse zeigen als der Markt und dank der Kompetenz der Fondsmanager trotz aller Kosten die Renditen höher sind als bei einer Geldanlage in ETFs.

Es ist kein Geheimnis, dass sich diese Erwartung in vielen Fällen nicht erfüllt.

Ein sehr hoher Prozentsatz aktiv gemanagter Fonds erreicht nicht einmal die Performance der angegebenen Benchmark, ganz zu schweigen davon, dass das Werbeversprechen, den Markt zu schlagen, nicht eingehalten wird.

Privatanleger, die dennoch nicht der Versuchung widerstehen können und statt in ETFs in aktiv gemanagte Fonds investieren, bringen sich noch zusätzlich nicht selten selbst um Renditechancen.

Diese drei häufig vorzufinden Fehler garantieren einen Misserfolg bei Geldanlagen in Fonds.

Die Jagd nach außerordentlichen Gewinnen bei der Fondsanlage

Unser Fonds hat den Markt in den letzten beiden Jahren um 10 % outperformt. Solche Argumente sind bei Anlageberatern nicht unbeliebt.

Sie wissen, dass die Versuchung ihrer Kunden groß ist, einen Fonds zu kaufen, der in der Vergangenheit besonders gut gelaufen ist. Was gut war, wird auch in Zukunft gut sein, so das Argument. Also einfach mal zuschlagen.

Einen Fonds kaufen oder verkaufen allein mit Blick auf die Wertentwicklung in der Vergangenheit, kann sich jedoch als schwerer Fehler herausstellen.

Die Performance der letzten Jahre kann ein Indiz für die Qualität des Fonds sein, muss es aber keinesfalls.

Vergangene Fonds-Performance richtig einordnen

Entscheidend ist die Frage, warum sich ein Fonds in eine bestimmte Richtung entwickelt hat und wie kontinuierlich diese Entwicklung über lange Zeiträume hinaus war.

Das Fondsmanagement kann einfach ein oder zwei Jahre Glück gehabt haben, trotz einer unzureichenden Anlagestrategie.

Vielleicht wurde auch nur, bewusst oder unbewusst, der Nerv der Zeit getroffen. Doch Anlagetrends können sich von heute auf morgen ändern.

War es gestern noch „in“, Aktien von Drittländern zu kaufen, kann diese Mode heute schon zu Ende sein.

Wie sich der Wert eines Fonds in der Vergangenheit entwickelt hat, ist isoliert betrachtet von geringer Bedeutung.

Ein gewisser Aussagewert ergibt sich nur, wenn die Daten über die frühere Performance in einen Zusammenhang mit weiteren Fakten gestellt werden.

Zunächst einmal muss ein sehr langer Zeitraum betrachtet werden. Zehn Jahre sind unseres Erachtens angemessen. Hat der Fonds dieses Lebensalter noch nicht erreicht, können Daten aus der Vergangenheit nur sehr bedingt zur Qualitätsbeurteilung herangezogen werden.

Wordcloud mit den Aufschriften Fonds und positiv

Investmentfonds: Vorsicht vor zu hohen Renditeerwartungen

Unterstellt, die Wertentwicklung ist positiv im Vergleich zum Markt. Dann stellt sich die Frage nach der Kontinuität.

Man spricht in diesem Zusammenhang von risikoadjustierten Renditen, die mit der Kennzahl Sharpe-Ratio eingeschätzt werden können.

Diese Kennzahl misst die Überrendite. Das ist die Rendite einer Geldanlage, soweit sie den risikofreien Zinssatz übersteigt. Risikofrei ist ein Zinssatz, der mit einer Geldanlage ohne Ausfallrisiko erwirtschaftet werden kann.

Beispielsweise sind die Renditen für Staatsanleihen solider Länder risikofrei.

Ein Fonds kann einige Jahre hintereinander bis zur Gegenwart beispielsweise 6 % Rendite erwirtschaften. Aber in anderen Jahren wurden erhebliche Verluste eingefahren, zum Beispiel in einem Jahr 10 % und in einem anderen Jahr sogar 30 %.

Ein anderer Fonds kann nicht mit einer Rendite in Höhe von 6 % glänzen. Die Wertentwicklung ist aber kontinuierlich. Sie betrug über viele Jahre zwischen 3 % und 4 %.

Dieser Fonds kann eine höhere Sharpe-Ratio haben als der erste Fonds, obwohl dessen Performance auf den ersten Blick besser aussieht.

Qualität des Managements und Anlagestrategie entscheidend

Erfolgreiche Investmentfirmen und Vermögensberater begnügen sich niemals allein mit der Analyse vergangener Wertentwicklungen.

Sie untersuchen die Tragfähigkeit der Anlagestrategie genau und informieren sich ausführlich über die Qualität des Managements, bevor sie sich zu einer Kapitalanlage in einem bestimmten Fonds entschließen.

Sie nutzen dazu umfangreiche Kriterienkataloge.

Privatinvestoren stehen diese Instrumente nicht zur Verfügung. Sie sind auf öffentlich zugängliche Quellen wie Fachzeitschriften und Prospekte angewiesen.

Ratings von Agenturen wie Standard & Poor’s , Morningstar, Lipper oder Feri können ebenfalls hilfreich sein.

Bevor eine Anlageentscheidung getroffen wird, sollten Anleger wenigstens auf folgende Punkte achten:

  1. Ist der Fondsherausgeber seriös und kapitalkräftig? Wie lange agiert er am Markt und wie viel Fonds verwaltet er sonst noch?
  2. Wie ist die Performance anderer Fonds, die von der Fondsgesellschaft aufgelegt wurden?
  3. Welche Anlagestrategie wird verfolgt? Ist die Strategie geeignet, langfristig gute Renditen zu erzielen und wird die Strategie vom Management konsequent eingehalten?
  4. Sind die Renditeerwartungen realistisch?
  5. Wie aussagefähig sind die Prospekte? Ergibt sich aus ihnen klar eine bestimmte Anlagestrategie? Wird aufgeführt, in welche Wertpapiere mit welcher Gewichtung investiert wird?
  6. Handelt es sich um Qualitätspapiere? Passen sie zur Anlagestrategie und können sie für sich gesehen die mit der Strategie verbundenen Erwartungen erfüllen?
  7. Wie lange ist das Management bei der Fondsgesellschaft tätig? Besteht beim Management eine bestimmte Kontinuität? Welchen Ruf genießt das Management bei den Marktteilnehmern?
  8. Hat sich der Fonds besser entwickelt als Konkurrenzprodukte mit der gleichen Anlagestrategie und der gleichen oder einer ähnlichen Fondszusammensetzung?
  9. Wie wurde mit Krisen umgegangen? Wurden in der Vergangenheit Fehler bei der Kapitalanlage konsequent korrigiert? Konnten Verluste besser eingegrenzt werden als bei anderen, vergleichbaren Fonds?

Panik bei Underperformance

Gier ist ein Grund, weswegen Anleger scheitern. Panik ist nicht minder gefährlich.

Wer sich selbst unter Druck setzt, wer immer eine überdurchschnittliche Performance erwartet, der ist für Panik besonders anfällig.

Selbst der professionellste Fondsmanager wird es nicht schaffen, in jedem Jahr eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen. In manchen Jahren wird es vielleicht sogar Verluste geben.

In solchen Situationen panisch zu reagieren, kopflos den Investmentfonds womöglich mit großen Verlusten zu verkaufen, um sich irgendwo anders neu zu engagieren, ein solches Verhalten, ist ein sicherer Renditekiller.

Fonds sind Geldanlagen für Investoren, die langfristig oder doch wenigstens mittelfristig denken. In besonderem Maße gilt dies für Aktienfonds.

Wer auf jede „Performance-Krise“ mit panischem Verkaufen und Kaufen reagiert, erreicht nur eines: er füllt die Kassen derer, die von den Handels- und Spekulationskosten profitieren.

Warum hat man als Anleger einen bestimmten Fonds gekauft? Nach angemessener Recherche ist man zu der Überzeugung gelangt, dass dieser bestimmte Fonds das Zeug hat, auf längere Sicht eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen.

Ein paar Verlustjahre sind kein Grund, von der ursprünglichen Überzeugung abzuweichen.

Einer der weltweit größten Vermögensverwalter, das amerikanische Unternehmen Vanguard, hat in einem Zeitraum von 2001 bis 2015 etwa 2200 aktiv gemanagte Fonds untersucht. Davon entwickelten sich 476 Fonds besser als der Vergleichsmarkt.

 Würfel mit der Aufschrift ETF

ETFs als Alternative zu aktiv gemanagten Fonds

98 % dieser Fonds mussten innerhalb dieser 15-jährigen Zeitspanne wenigstens für vier Jahre gegenüber dem Markt Verluste hinnehmen.

Die Daten zeigen: Ungeduld und übereilte Verkäufe, wenn der ausgewählte Fonds den Markt einmal nicht schlägt, zahlen sich nicht aus.

Die Daten zeigen aber auch: nur knapp 22 % der von Vanguard untersuchten Fonds konnten den Markt schlagen. Eigentlich ein überzeugendes Argument für ETFs oder Indexfonds.

Eine ruhige Hand bei der Geldanlage zu haben, ist das eine, sich überhaupt nicht um seine Geldanlage zu kümmern oder nötige Verkaufsentscheidungen hinauszuzögern ist das andere.

Ein Verkauf kommt in Betracht, wenn die Qualität des Fonds nicht mehr den Anforderungen des Anlegers entspricht.

Einige Beispiele: Das Management hat gewechselt, und danach bleibt der Erfolg nachhaltig aus. Oder der Fonds verfolgt plötzlich eine andere Anlagestrategie, die sich als ineffektiv herausstellt.

Investieren in Fonds mit hohen Gebühren

Was teuer ist, muss auch gut sein. Manche Anleger akzeptieren hohe Fondskosten, weil sie darin ein Qualitätsmerkmal sehen.

Wer es sich leisten kann, hohe Gebühren zu erheben und seinen Fonds dennoch an den Markt bringt, der muss für eine außergewöhnliche Performance stehen.

Das mag sein, aber Kosten haben spürbar negative Auswirkungen auf die Performance. Das macht die folgende Beispielrechnung von Vanguard deutlich.

Das Schaubild stellt zwei Modelle gegenüber. In beiden Fällen werden 100.000 Dollar zu 6 % über 25 Jahre angelegt.

Aber die Kosten unterscheiden sich. Im linken Beispiel entstehen keine Kosten, während im rechten Beispiel 2 % an Kosten und Gebühren erhoben werden.

Der Unterschied ist beeindruckend. Während im linken Beispiel am Ende der Laufzeit aus 100.000 Dollar 430.000 Dollar geworden sind, beträgt das Endvermögen im rechten Beispiel (2 % Kosten) nur 260.000 Dollar.

Regelmäßig sind Fonds mit geringen Kosten und Gebühren ertragsstärker als solche, die viel kosten.

Hochpreisige Fonds müssen sich deutlich besser entwickeln, wenn sie bei sonst gleichen Fondsmerkmalen einen Konkurrenten, der geringere Gebühren erhebt, schlagen wollen.

Oft bleibt aber dieser besondere Erfolg, der den höheren Preis rechtfertigen würde, aus.

Fazit:

Überzogene Renditeerwartungen, die Jagd nach Fonds, die den Markt outperformen, die Panik wenn sich die Erwartungen nicht erfüllen und die Investition in Produkte, die zu hohe Gebühren verlangen, dies sind gravierende Fehler, die angemessene Erträge vernichten können.

Werden diese Fehler vermieden, sind deshalb keinesfalls außergewöhnliche Erträge garantiert. Anleger haben aber das Ihrige getan, um unnötige Vermögensverluste zu vermeiden.

Mit Fonds besser abzuschneiden als der Markt, gelingt selbst Profis nicht allzu oft. Outperformance ist zu einem guten Teil Glückssache. Für den Vermögensaufbau wichtig ist ein entsprechend dem Risikoprofil gut diversifiziertes Portfolio.

Es sollte aus Aktien, Anleihen, Cashbeständen und gegebenenfalls aus Anteilen an Immobilien (Reits) bestehen.