Geld anlegen: Tipps zum Vermögensaufbau für Einsteiger

Sie haben sich entschlossen, Geld beiseite zu legen und Schritt für Schritt ein Vermögen aufzubauen. Jetzt fragen Sie sich, wie Sie die vorgesehenen Sparbeträge sinnvoll und sicher aber auch gewinnbringend anlegen können.

Bei Ihrer Recherche werden sie auf eine fast unübersehbare Anzahl von Kapitalanlagemöglichkeiten stoßen:

Einfache Spareinlagen, Tagesgeld oder Festgeld, Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen, Aktien oder Rohstoffe wie Gold, Derivate, Zertifikate, Optionen oder Optionsscheine und anderes.

Sie werden die Webseiten von Finanzdienstleistern finden, die Sparpläne auf alle möglichen Finanzprodukte, Fonds oder ETFs als das Nonplusultra empfehlen, weil sie daran verdienen.

Welches ist die beste Geldanlage momentan? Viele Fachleute bemühen sich, diese Frage zu beantworten. Ebenso die Frage, mit welchen Geldanlagen gegenwärtig überhaupt kein Staat zu machen ist.

Wer auf eine erfolgreiche Geldanlage aus ist, der kommt nicht umhin, sich mit all diesen Kapitalanlage-Angeboten und Finanzthemen besser früher als später auseinanderzusetzen. Aber das ist der zweite Schritt.

Bevor Sie einen einzigen Euro in irgendein Finanzprodukt investieren, sollten Sie sich über einige wenige Prinzipien bei der Geldanlage Klarheit verschaffen.

Die Definition des Anlageziels

Überlegen Sie sich genau, welchen Zweck sie mit der Geldanlage erreichen möchten.

Geht es Ihnen um allgemeinen Vermögensaufbau oder wollen Sie sparen, um ein bestimmtes Projekt, beispielsweise den Kauf einer Immobilie, zu finanzieren?

Wie sieht es mit dem Zeithorizont aus? Geht es um ein kurzfristiges Investment oder ist Ihr Anlagehorizont mittelfristig bzw. langfristig.

Von Ihrer Zielvorgabe hängt die Art der Geldanlage ab.

Haben Sie beispielsweise einen Anlagehorizont von nur zwei oder drei Jahren oder benötigen Sie das angesparte Geld zu einem festgelegten, bestimmten Zeitpunkt in nicht allzu ferner Zukunft, sind Anlageprodukte mit fester Verzinsung und weitgehend garantiertem Erhalt des eingesetzten Kapitalstocks unseres Erachtens die richtige Wahl.

Haben Sie hingegen einen längeren Anlagehorizont von fünf Jahren und darüber, sollte Ihr Portfolio vornehmlich Geldanlagen mit höheren Renditeerwartungen bei etwas höherem Anlagerisiko enthalten.

Erst informieren, dann investieren

Sie entschließen sich, Ihre Geldanlagen vollständig in die eigenen Hände zu nehmen? Oder Sie möchten sich auf einen Berater verlassen, dem Sie vertrauen?

Gleichgültig, wie Sie sich entscheiden, über zwei Problemkreise müssen Sie sich genau informieren, bevor sie eine bestimmte Investition in Angriff nehmen.

Jedes Finanzprodukt ist einer bestimmten Assetklasse zugeordnet. Erkundigen Sie sich genau, zu welcher Risikoklasse es gehört.

Informieren Sie sich gründlich darüber, wie die Wertpapierart, in die sie möglicherweise investieren werden, funktioniert.

Beispiel: Sie möchten in einen ETF investieren. ETFs sind passiv gemanagte Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden. Mit Indexfonds investieren Sie in einem bestimmten Markt. Diese Fondsart versucht, die Wertentwicklung einer ausgewählten Benchmark, eines Indexes, abzubilden.

Sie sollten beispielsweise wissen, dass ETFs unterschiedliche Methoden bei der Replikation des unterlegten Indexes anwenden und welche Vorteile und Nachteile die einzelnen Replikationsmethoden haben:

  1. Vollständige physische Replikation – es werden alle Wertpapiere im Index im gleichen Verhältnis gehalten, wie sie im Index gewichtet sind.
  2. Partielle Replikation – mit der Sampling Methode wird versucht, die Wertentwicklung abzubilden, in dem nur die wichtigsten Wertpapiere eines Indexes gehalten werden. Diese Methode wird häufig bei sehr umfangreichen Indices wie der MSCI World und bei Rohstoffindices angewandt.
  3. Synthetische Replikation mit Swaps – auf eine körperliche Abbildung des unterlegten Indexes wird vollständig verzichtet. Stattdessen schließt der Herausgeber des ETFs mit einem Drittpartner, meistens handelt es sich dabei um die Muttergesellschaft, eine Swap-Vereinbarung.

Der Vorteil der physischen Replikation liegt in der Transparenz. Die Nachteile bestehen in etwas höheren Kosten. Manchmal sind die Wertabweichungen im Verhältnis zur Benchmark etwas höher.

Informieren Sie sich außerdem genau über die Eigenschaften des konkreten Wertpapiers, in das sie investieren möchten.

In welche Produkte wird investiert? Wer managed den Fonds? Welche Erfolge hatte das Management in der Vergangenheit aufzuweisen?

Wenn Sie in Einzelwerte investieren wollen: Wie sind die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens? Handelt es sich um einen Marktführer? Wie war die Kursentwicklung in der Vergangenheit? Bei Staatsanleihen: Wie fällt das Rating für das betreffende Land aus?

Um bei unserem ETF Beispiel zu bleiben:

Wie sieht es bei einem konkreten ETF mit dem Tracking Error aus? Nach welcher Methode wird die Benchmarkt abgebildet? Welche laufenden Kosten entstehen (TER)?

Ist der Herausgeber ein anerkannter Finanzdienstleister mit einem guten Namen? Wie liquide ist der ETF? Besteht ein Fremdwährungsrisiko?

Herausgeber von ETFs und anderen Fonds sind verpflichtet, Produktinformationen in sogenannten Factsheets zur Verfügung zu stellen. Vor jeder Investition ist das genaue Studium der Produktinformationen Pflicht!

Angst und Übermut: schlechte Ratgeber

Panik, Gier und unnötige Angst vor angeblich risikoreichen Wertpapieren führen unweigerlich zu signifikanten Verlusten.

Angeblich werden in Deutschland über 2 Billionen Euro auf Girokonten, niedrigverzinsten Sparkonten, Tagesgeldkonten oder Festgeldkonten geparkt.

Der Grund ist wohl die Angst vieler Anleger vor Investitionen in angeblich extrem risikoreiche Aktien oder Anleihen.

Jeder Anleger kommt um eine grundlegende Wahrheit nicht herum: Es gibt keine Geldanlage ohne Risiko. Ein Verlustrisiko besteht selbst bei den angeblich sicheren Geldanlagen.

Bleibt die Rendite von Tagesgeld oder von Spareinlagen hinter der Inflationsrate zurück, muss der Anleger sich an anhaltende Verluste gewöhnen. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn zusätzlich zu den Inflationsverlusten noch Einbußen durch Steuern entstehen.

Übermut und Gier sind die anderen Renditekiller. Wer ständig auf der Jagd nach der momentan besten Geldanlage ist und deshalb sein Depot laufend umschichtet, vernichtet mit den dadurch entstehenden Kosten Rendite und wird wahrscheinlich niemals die beste Kapitalanlage erwischen.

 Zwei Hände greifen nach einem ungeordneten Haufen Geldscheine

Gier bei der Geldanlage kann zu erheblichen Verlusten führen

Was heute besonders empfohlen wird, kann morgen ein Verlierer sein. Wer ständig auf die höchste Rendite Jagd macht, der landet häufig bei fragwürdigen und unsoliden Finanzprodukten mit extrem hohem Verlustrisiko.

Gerade Einsteiger mit wenig Erfahrung in der Geldanlage sollten versuchen, Emotionen so weit wie möglich außen vor zu lassen.

Haben Sie beispielsweise in die Aktie eines bestimmten Unternehmens investiert und erfüllt dieses Unternehmen nach einer bestimmten Zeit die von Ihnen gesetzten Qualitätsanforderungen nicht mehr, müssen Sie die Aktie verkaufen.

Viele Einsteiger verlieren Geld, weil sie in solchen Situationen versuchen, Verluste auszusitzen.

Andererseits ist es falsch, panikartig alles zu verkaufen, wenn „die Kanonen donnern“ und die Märkte nachgeben. Dies sind Gelegenheiten, um günstig in Qualitätsaktien oder ETFs auf solide Indices zu investieren.

Widerstehen Sie der Versuchung, mit hochspekulativen Wertpapieren schnelle Gewinne zu machen. Selten klappt das und auf Dauer fast nie. Gewinne machen die Herausgeber von Optionsscheinen oder spekulativen anderen Derivaten.

Bleiben Sie also bei der Geldanlage rational. 3 % bis 6 % Rendite jährlich je nach der Zusammensetzung Ihres Depots sind machbar, wenn in solide Finanzprodukte wie in ETFs auf die großen Indices investiert wird.

Balance zwischen Rendite und Risiko

Verschaffen Sie sich Klarheit, mit wie viel Risiko sie noch ruhig schlafen können. Bei einem langfristigen Anlagehorizont können Sie mit soliden Aktien und soliden Anleihen kein Geld verlieren.

Wenn Sie aber mit den teilweise erheblichen kurzfristigen Kursausschlägen einer Aktienanlage überhaupt nicht leben können, verzichten Sie entweder ganz auf einen Aktienanteil in Ihrem Depot oder halten den Anteil sehr klein.

Balance zwischen Rendite und Risiko bedeutet auch, auf exorbitante Gewinnchancen bewusst zu verzichten.

Es mag sein, dass mit OTC Aktien oder mit bestimmten Nebenwerten hohe Gewinnchancen bestehen. Aber selbst diese hohen Gewinnchancen stehen niemals in einem angemessenen Verhältnis zu den eingegangenen Risiken.

Achten Sie bei Ihrer Geldanlage auf Produkte, die eine solide langjährige Wertsteigerung aufweisen können, selbst wenn diese Wertentwicklung nach der Einschätzung einiger angeblicher Fachleute zu gering ist.

Wertpapierdepot diversifizieren

Eine optimale Diversifikation geschieht nach Assetklassen und unter regionalen Gesichtspunkten. Eine solche Diversifikation setzt allerdings ein größeres Vermögen voraus.

Aber selbst wer zunächst nur wenig Geld investieren kann, sollte niemals auf eine Diversifikation verzichten und alles auf eine Karte setzen.

In der Regel entwickeln sich unterschiedliche Assetklassen in bestimmten Wirtschaftszyklen unterschiedlich.

Wenn beispielsweise die Aktienkurse steigen, fallen in der Regel (nicht in jedem Fall) die Renditen bei den Anleihen und umgekehrt.

Untersuchungen haben ergeben, dass auf Dauer Depots mit einer guten Mischung nach Assetklassen besser abschneiden als zum Beispiel reine Aktiendepots.

In jedes Wertpapierdepot gehört ein Cashanteil, selbst wenn damit wenig zu verdienen ist. In Deutschland wird der Cashanteil am besten mit Tagesgeld dargestellt.

Renditebringer sind Aktien, am besten ETFs auf große Aktienindizes wie MSCI World, S&P 500, Euro Stoxx oder auch Dax.

Wer die Investition in Einzelwerte riskieren möchte, sollte darauf achten, nur in Valueaktien zu investieren.

Der Anleiheanteil dient der Depotabsicherung. Am besten eignen sich unseres Erachtens erstrangige Staatsanleihen, wegen des Fremdwährungsrisikos nur aus Euro-Ländern.

Steht ein größeres Vermögen zur Verfügung, können diese drei Komponenten mit Investitionen in Immobilien und Rohstoffe ergänzt werden. Für die Investition in Immobilien eignen sich Reits unseres Erachtens am besten und geschlossene Immobilienfonds am wenigsten.

10.000 Euro anlegen: ein Beispiel

Sie haben 10.000 Euro zur Verfügung und möchten damit Ihren Vermögensaufbau beginnen. Hier ist ein Beispiel, wie Sie Ihr „Anfangsdepot“ aufbauen könnten.

Der Cashanteil wird in unserem Beispiel durch Tagesgeld in Höhe von 2.000 Euro dargestellt.

Für den Renditebaustein nutzen wir einen Aktien ETF auf den MSCI World oder den S&P 500. Natürlich ist der DAX auch eine Möglichkeit. Für den Aktienanteil stellen wir 6.000 Euro zur Verfügung.

Der MSCI World ist ein breit aufgestellter Index, der die wichtigsten Aktienwerte aus den entwickelten Industrieländern berücksichtigt. Nicht berücksichtigt werden Emerging Markets.

Anleger sollten wissen, dass der MSCI World zu über 50 % aus Aktien des S&P 500 zusammengesetzt sind.

Probleme bereitet uns gegenwärtig (Stand: Februar 2018) der Anleihe-Anteil. Wegen der immer noch extrem niedrigen Renditen bei Anleihen wird bisweilen empfohlen, den Sicherheitsbaustein nur mit Tagesgeld darzustellen.

Da wir den Cashanteil mit 2.000 Euro relativ hoch angesetzt haben, würden wir trotz aller gegenwärtigen Probleme die verbleibenden 2.000 Euro in Staatsanleihen-ETFs investieren und dabei auf kurz- oder mittelfristige Anleihen setzen.

Für den Vermögensaufbau eignen sich reinvestierende ETFs. Auch die Erträge aus dem Cashanteil sollten natürlich sofort wieder investiert werden.

Nach einiger Zeit wird sich die ursprüngliche Risikoaufteilung des Depots verschieben. In aller Regel erhöht sich mit der Zeit der Aktienanteil.

Es stellt sich dann die Frage, ob man das Depot „laufen lässt“ oder es auf die ursprüngliche Zusammensetzung durch Umschichtung zurückführt.

Entscheiden Sie sich für eine Umschichtung, vergessen Sie die Kosten nicht. Eine Umschichtung sollte unseres Erachtens deswegen nicht sehr häufig vorgenommen werden.

Mehr Rendite durch niedrige Kosten

Kosten wirken sich immer negativ auf Renditen aus. Deswegen sollten Gebühren und Kosten so gering wie möglich gehalten werden.

Online Broker und viele Direktbanken bieten gebührenfreie Depots an. Zudem sind die mit dem Wertpapierhandel verbundenen Gebühren bei Onlinebrokern besonders niedrig.

Tagesgeldkonten sollten immer gebührenfrei sein.

Viele Einsteiger übersehen den Spread. Spread bedeutet, dass der Käufer eines Wertpapiers immer etwas mehr bezahlt, als der Verkaufspreis zur gleichen Zeit beträgt.

Bei liquiden Wertpapieren ist der Spread in der Regel sehr gering.

Der Zeitpunkt, zu dem ein bestimmtes Wertpapier gehandelt wird, kann ebenfalls Bedeutung haben. Regelmäßig ist der Spread zu Beginn des Handelstages am höchsten, während er gegen Mitte des Handelstages am niedrigsten ist.

Bei ETFs gibt es keine Ausgabeaufschläge, aber diverse Verwaltungsgebühren. Die Verwaltungsgebühren liegen in der Regel unter einem Prozent jährlich. Bei ETFs auf große Indices sollten die Gebühren nicht mehr als wenige Zehntel Prozentpunkte betragen.

Allerdings sollten Anleger niedrige Kosten bei ETFs nicht zum alleinigen Entscheidungskriterium machen. Kosten spielen vor allem eine Rolle, wenn die Kostendifferenz zwischen zwei Wertpapieren sonst gleicher Kategorie 40 oder 50 Basispunkte beträgt.

Bei sehr geringen Kostendifferenzen steht die Qualität des ETFs im Vordergrund. Dazu gehören beispielsweise geringe Wertabweichungen gegenüber der Benchmarkt.

Sparpläne oder einmalige Investition?

Sparpläne werden bisweilen mit dem Argument verkauft, dass mit ihnen der Cost Average Effekt ausgenutzt wird. Anleger bezahlen mal mehr oder mal weniger für ein bestimmtes Produkt und sollen auf Dauer auf diese Weise besser fahren als bei einer Einmalanlage.

Der Cost Average Effekt ist nicht unumstritten. Unabhängig davon, ob dieser Effekt besteht oder nicht, die meisten Privatanleger werden nur die Möglichkeit haben „in Raten zu sparen“.

Achten Sie besonders auf die Kosten, wenn sie sich für Fondssparpläne oder andere Sparpläne entscheiden. Bei kleinen Sparbeiträgen können selbst gering erscheinende Kosten große negative Auswirkungen auf die Rendite haben.

Viele Onlinebroker bieten kostenlose Fondssparpläne an. Häufig ist dabei aber die Produktauswahl eingeschränkt. Unserer Meinung nach sollte bei der Auswahl eines Sparplans niemals die Kostenfrage im Vordergrund stehen, sondern die Qualität des Produkts.

Überhaupt stellt sich die Frage, ob Sparpläne tatsächlich sinnvoll sind. Verfügt der Anleger über die nötige Selbstdisziplin, kann er sich seinen individuellen Sparplan zusammenstellen und dabei flexibel bleiben.

Zunächst wird ein größerer Betrag angespart und gegebenenfalls auf ein Tagesgeldkonto gelegt. Nach einer Weile wird in einen ETF umgeschichtet.

Je nach angespartem Betrag und vielleicht sogar unter Berücksichtigung der jeweiligen Marktlage kann dies jährlich, vierteljährlich oder alle zwei Jahre geschehen. Die Handelskosten können durch die Auswahl eines günstigen Brokers niedrig gehalten werden.