Im Alter clever Geld anlegen

    Eine Geldanlage im Alter unterliegt anderen Erfordernissen als eine Kapitalanlage von jüngeren Menschen, die noch am Anfang ihrer Berufskarriere stehen.

    Wer im Rentenalter oder noch kurz vor Renteneintritt Kapital anlegt, wird in der Regel so wenig Risiko wie möglich eingehen wollen, aber gleichzeitig eine vernünftige Verzinsung anstreben, mit der er seinen Lebensunterhalt zu einem gewissen Teil bestreiten kann.

    Im Folgenden werden einige Vorschläge unterbreitet, welche Möglichkeiten es gibt, Geld im Alter sicher und ertragreich anzulegen.

    Die passende Strategie hängt jedoch immer von den konkreten Umständen ab. Soll eine fällig werdende Ablaufleistung aus einem Sparprodukte erneut angelegt werden oder wird erst jetzt mit dem Ansparen von Kapital begonnen?

    Ist der Investor nach Rentenantritt auf eine Zusatzrente zur Bestreitung des Lebensunterhalts in jedem Fall angewiesen oder genügt die bereits bestehende Altersvorsorge? Gibt es erben, zu deren Gunsten das Kapital weitgehend erhalten werden soll oder ist geplant, den Kapitalstocks ganz oder teilweise Schritt für Schritt zur Bestreitung der Lebenshaltung einzusetzen?

    Und schließlich: wie hoch ist das Vermögen, welches erneut angelegt werden soll oder in welcher Höhe können Beträge aus den laufenden Einkünften noch vor Rentenantritt regelmäßig gespart werden?

     

    Verbindlichkeiten tilgen

     

    Bestehen größere Verbindlichkeiten kann deren (schnellere) Tilgung einer Geldanlage vorzuziehen sein. Ob das sinnvoll ist, ergibt eine einfache Rechnung. Übersteigen die Schuldzinsen die mit einer geplanten Geldanlage mögliche Rendite?

    Wird diese Frage bejaht, ist der Schuldenabbau vorzuziehen. Dabei ist es gleichgültig, ob ein größerer Betrag zur Verfügung steht, oder ob monatliche Raten abgezweigt werden können. Allerdings sollte nicht das gesamte Kapital zur Schuldentilgung eingesetzt werden. Vielmehr ist der Erhalt einer Kapitalreserve in Höhe von mehreren Monatseinkünften sinnvoll.

     

    Aktienanteil anpassen

     

    Im Alter stehen grundsätzlich Sicherheit und Verfügbarkeit im Vordergrund. Aktien sind eine sinnvolle Geldanlage mit hoher Rendite bei vertretbarem Risiko, sofern langfristig investiert werden kann. Eine Aktienanlage ist zwar immer auch kurzfristig verfügbar, aber dadurch können durch Kursrückgänge verursachte, erhebliche Verluste entstehen.

    Wer mit 60 oder 65 Jahren noch Geld anlegen möchte, sollte höchstens 20 % des zur Verfügung stehenden Kapitals in Aktien investieren. Viele Fachleute empfehlen die Faustformel: 100 minus Lebensalter gleich Aktienanteil.

    Ist ein Aktiendepot beim Eintritt des Rentenalters vorhanden, sollte in sicherere Anlagen umgeschichtet werden, gleichgültig ob in Fonds, Zertifikaten oder direkt in Aktien investiert wurde.

    Gleiches gilt, wenn eine fondsgebundene Kapitallebensversicherung mit Aktienanteil noch besteht, jedoch in naher Zukunft abläuft. Viele Versicherungsgesellschaften lassen eine Umschichtung in andere Fonds innerhalb der letzten Jahre der Laufzeit zu.

    Die 20 % Regelung mag nicht gelten, wenn das Vermögen weitgehend nicht angetastet, sondern erhalten und gestärkt werden soll. Ist das geplant, sind ein hoher Aktienanteil neben Wertpapieren geringerer Risikoklasse oder eine neue Anlage in Aktien sogar empfehlenswert.

     

    Langfristige Sparprodukte vermeiden

     

    Wenig Sinn macht es, noch kurz vor Rentenbeginn einen Bausparvertrag abzuschließen. Weder können die Anleger während der Laufzeit die Erträge wirklich verwerten, noch ist es möglich, ohne wirtschaftliche Nachteile an den Kapitalstocks zu kommen.

    Gleiches gilt für den Abschluss von Kapitallebensversicherungen, egal ob klassisch oder fondsgebunden und in bestimmtem Umfang auch für besonders langlaufendes Festgeld. Geschlossene Fonds, zum Beispiel geschlossene Immobilienfonds, sind ebenfalls ungeeignet.

    Reinvestierende Sparprodukte versprechen eine höhere Rendite als ausschüttende Kapitalanlagen. Wer aber auf regelmäßige Zinszahlungen angewiesen ist, sollte solche Finanzprodukte ebenfalls nicht abschließen.

     

    Auf Verfügbarkeit bei angemessener Rendite achten

     

    Für eine Geldanlage im Alter eignen sich besonders die Formen einer Kapitalanlage, die ohne nennenswerte Verluste kurzfristig aufgelöst werden können, aber dennoch eine halbwegs vernünftige Rendite versprechen.

    Sparbücher mit gesetzlicher Kündigung oder das Parken von Vermögen auf Girokonten und wegen der Kursschwankungen Geldanlagen in körperliche Edelmetalle, die keine Zinsen bringen, sind deshalb nicht unbedingt gute Ideen einer Geldanlage.

    In Betracht kommen Sparverträge aller Art und Sparentnahmeverträge, sofern der Kapitalstock angegriffen werden soll oder muss. Auch Fondssparen ist sinnvoll, wenn in sichere Renten und Anleihen investiert wird.

    Außerdem kommen Direktinvestitionen infrage beispielsweise in Tagesgeld, kurz- und mittelfristiges Festgeld, an der Börse handelbare Pfandbriefe, Rentenpapiere aller Art, Kommunalobligationen oder Bundesschatzbriefe.

    Sofortrenten sind eher ein gutes Geschäft für die Versicherer als für die Versicherten. Sie rentieren sich am Ende nur bei langer Lebensdauer. Wenn die Vererbung von Ansprüchen vertraglich vorgesehen ist, müssen regelmäßig Leistungseinschränkungen in Kauf genommen werden.

    Weitere Anregungen sind in dem Artikel über die Wiederanlage von Einmalzahlungen aus einer Lebensversicherung enthalten.

     

    Beraten lassen und vergleichen

     

    Erfahrene Berater können bei der Geldanlage im Alter helfen, Lösungen zu finden, die auf die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Investors zugeschnitten sind.

    Wichtig ist eine objektive und unabhängige Beratung. Diese besondere Dienstleistung bieten Bankberater häufig leider nicht an. Oft favorisieren sie die eigenen Bankprodukte oder Kapitalanlagen, bei denen sie Provisionen verdienen.

    Die Einschaltung eines unabhängigen Beraters ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn größere Beträge angelegt werden sollen. Ansonsten helfen auch die örtlichen Verbraucherberatungsstellen bei der Auswahl der passenden Geldanlage und der Beurteilung der vom Bankberater vorgeschlagenen Lösungen.

    In jedem Fall ist die Einholung mehrerer Angebote von unterschiedlichen Dienstleistern empfehlenswert. Je nach Anbieter können beispielsweise Sparentnahmeverträge bei sonst gleichen Rahmenbedingungen unterschiedlich hohe Renditen abwerfen.