Geld anlegen mit Köpfchen

    In Deutschland wird viel gespart. Manche wollen nur einen Notgroschen zur Verfügung haben, andere streben den Aufbau eines Vermögens an.

    Welche Gründe auch immer dafür ausschlaggebend sind, Geld zurückzulegen, es gibt eine Frage, die sich jeder Geldanleger stellen sollte: Spare ich mit der richtigen Strategie oder vernichte ich nicht Vermögen durch eine Geldanlage in falsche Produkte.

    Manche Privatanleger neigen dazu, ihr Kapital hektisch hin und her zu schaufeln oder sich von Modetrends leiten zu lassen. Andere lassen ihr Kapital auf Girokonten oder Sparkonten ohne eine echte Rendite versauern. Hektik und Verlustängste sind aber die größten Feinde eines kontinuierlichen Vermögensaufbaus.

    Privatanleger sind hingegen gut beraten, so zu handeln wie Profis. Deren Investitionsverhalten wird von dem Ziel eines langfristigen Kapitalerhalts geprägt.

    Es gibt eine Reihe von Theorien, wie sich das Ziel eines optimalen Vermögensaufbaus erreichen lässt. Beispiele sind das „auf Markowitz-Paradigma“ oder das „Merton-Paradigma“.

    Diese Theorien sind für Privatanleger, die sich mit der Materie nicht schwerpunktmäßig befassen können, allerdings nur schwer ohne fachlichen Rat nachzuvollziehen. Sie sollen hier nicht dargestellt werden. Im Folgenden aber einige praktische Tipps für eine rationale Anlagestrategie.

     

    1. Schritt: Bestandsaufnahme über Einkünfte, Vermögen und Schulden

     

    Am Anfang einer jeden Anlagestrategie steht die Bestandsaufnahme. Welche Geldanlage die richtige ist, richtet sich nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

    Wie hoch ist der Betrag, den ich neben der Bestreitung meines Lebensunterhalts zum Geld anlegen verwenden kann? Wie hoch sind die Verbindlichkeiten und welche Vermögenswerte sind schon vorhanden? Ist beispielsweise ein wenig belastetes Eigenheim bereits vorhanden, kann eine Geldanlage in Immobilienfonds zurückgestellt werden.

    Welcher Zweck wird mit dem Vermögensaufbau verfolgt? Sollen die angesparten Kapitalanlagen der Altersversorgung dienen? Wie sind die persönlichen Verhältnisse? In welchem Lebensabschnitt wird mit dem Kapitalaufbau begonnen?

     

    2. Schritt: Liquiditätsreserve schaffen

     

    Bevor an langfristige Geldanlagen und Vermögensaufbau gedacht werden kann, ist der Aufbau einer Liquiditätsreserve empfehlenswert. Ihre Höhe hängt von der Beantwortung der unter Schritt 1 aufgeführten Fragen ab.

    Eine Familie mit minderjährigen Kindern und nur einem Alleinverdiener benötigt eine höhere Reserve als eine Familie mit erwachsenen Kindern oder ein Alleinstehender. Auch für den Unterhalt der eigenen Immobilie muss eine angemessene Reserve gebildet werden.

    Oft wird das zwei bis fünf fache eines Nettomonatsentgelts als Reserve empfohlen. Die Höhe sollte aber individuell nach den persönlichen Verhältnissen bestimmt werden.

    Für die Liquiditätsreserve kommen risikoarme Geldanlagen infrage, die kurzfristig ohne oder ohne nennenswerte Verluste aufgelöst werden können: Spareinlagen, Tagesgeld, Festgeld mit kurzen Laufzeiten sowie an der Börse handelbare kurzfristige Staatsanleihen oder besser Indexfonds darauf.

    Ziel ist es, solche kurzfristig verfügbaren Geldanlagen zu wählen, die einen Inflationsausgleich garantieren oder doch wenigstens die Inflationsverluste so gering wie möglich halten.

     

    3. Schritt: Einschätzung des eigenen Risikoprofils

     

    Ohne Risikobereitschaft ist ein Vermögensaufbau nur schwer möglich. Risiko und Rendite sind untrennbar miteinander verbunden. Je höher das Risiko desto größer sind die Renditechancen. Kein professioneller Anleger versucht, vollständig auf die Investition in Unternehmen, also in Aktien, zu verzichten.

    Eine Frage ist, wie viel Risiko kann man als Anleger vertragen, ohne um den Schlaf gebracht zu werden und in schwierigen Zeiten panisch alles zu verkaufen.

    Die wichtigere Frage ist aber, welches Risiko ist in meiner konkreten Lebenssituation sinnvoll? Man mag eine Spielernatur sein und Risiko seinen zweiten Vornamen nennen, für einen vernünftigen Vermögensbau ist es einfach nicht sinnvoll, noch mit 70 Jahren nur in Aktien zu investieren.

    Wertpapiere gleich welcher Art aus exotischen Ländern der Dritten Welt oder irgendwelche von Banken angepriesene Optionen oder so genannte moderne Finanzprodukte haben in einem Portfolio, das dem langfristigen Kapitalaufbau dient, nichts zu suchen. Das gilt jedenfalls immer, wenn ein Privatanleger seine Finanzangelegenheiten in die eigenen Hände nimmt.

    Die subjektive Risikobereitschaft lässt sich schwer testen, aber vielleicht hilft eine Fragen: wie viel Prozent darf der Wert meines Portfolios im Falle einer Wirtschaftskrise einbrechen, ohne dass ich panisch verkaufen werde?

    Diese Frage sollte vor dem Hintergrund beantwortet werden, das Kapitalaufbau eine langfristige Angelegenheit ist, und man eine ausreichende Liquiditätsreserve geschaffen hat.

     

    4. Schritt: Portfolio richtig diversifizieren

     

    Gemeint ist damit in erster Linie eine Aufteilung der Kapitalanlage auf unterschiedliche Anlageklassen unter Berücksichtigung des Risikoprofils.

    Ist genügend Kapital vorhanden, können Anleger außerdem noch das Kapital einer bestimmten Risikoklasse auf unterschiedliche Produkte aufteilen. Beispiel: das für die Risikoklasse Aktien zur Verfügung stehende Kapital kann auf Indexfonds auf den S&P 500 und auf den DAX aufgeteilt werden.

    Oder es werden Einzelaktien aus unterschiedlichen Branchen und von Unternehmen, deren Hauptsitz sich in unterschiedlichen Ländern befindet, gekauft. Bei Einzelaktien muss auf Werthaltigkeit geachtet werden und darauf, dass die Unternehmen in ihren Branchen Marktführer sind.

    Mischung nach Risikoklassen

    Ist die persönliche Risikobereitschaft sehr gering, besteht das Portfolio vielleicht am besten aus 80 % sicherer Geldanlagen (öffentliche Anleihen, inflationsgeschützte Anleihen, Festgeld, Sparverträge, Pfandbriefe und anderes) und zu 20 % aus Aktien.

    Bei durchschnittlicher oder hoher Risikobereitschaft kann sich das Verhältnis zwischen Aktien und weniger kursanfälligen Wertpapieren annähernd umdrehen. Der Anteil sicherer Geldanlagen sollte aber nicht unter 30 % liegen. Der Aktienanteil sollte immer mindestens 20 % betragen.

    Lebensalter und Diversifikation

    Von Bedeutung ist das Alter des Anlegers. Je jünger der Investor ist und je mehr Geld zur Verfügung steht, desto höher kann der Anteil an risikoreichen Wertpapieren sein. Ältere Anleger hingegen sollten auf einem hohen Barbestand achten und in erster Linie Wertpapiere im Portfolio haben, die keinen großen Wertschwankungen unterliegen.

    Beispiel 1: Alter etwa 28 Jahre, gutes Einkommen in gesicherter Stellung: 5 % Barbestand zum Nachkaufen, 55 % Aktien, 10 % Immobilienfonds (REIT), 30 % Anleihen, Pfandbriefe, Rentenpapiere oder ähnliche Wertpapiere.

    Beispiel 2: Alter Anfang 60, mittelständisches Einkommen, Rente mit 65 wird in Aussicht genommen: 10 % Barbestand (Festgeld, Tagesgeld, kurzfristige Anleihen und anderes), 30 % Aktien, 50 % Anleihen und andere Wertpapiere dieser Risikoklasse, 10 % Immobilienfonds (REIT).

     

    5. Schritt: Geld anlegen nur in solide Produkte

     

    Emerging Market Aktien, Anleihen aus Ländern wie Südafrika oder osteuropäischen bzw. südamerikanischen Ländern, solche Kapitalanlagen werden häufig als besonders chancenreich angepriesen. Sie eignen sich aber nicht für einen langfristigen Vermögensaufbau.

    Bedeutsam ist die Auswahl solider Finanzprodukte innerhalb der gewünschten Anlageklasse: europäische Aktien oder Aktien aus den USA und Anleihen von soliden Unternehmen oder von gut aufgestellten EU-Ländern beispielsweise.

    Privatanleger haben häufig weder die Zeit noch die Kenntnisse, die chancenreichsten Einzelaktien oder Anleihen auszuwählen. Indexfonds bzw. ETFs sind eine lukrative Alternative, sofern die zu Grunde liegenden Indices selbst solide und nicht exotisch sind.

    Indexfonds gibt es auf Wertpapiere fast aller Risikoklassen, von Pfandbriefen bis hin zu Aktien. Sinnvoll sind Fonds, die einen bestimmten Index so genau wie möglich abbilden. Reinvestierende Fonds sind besonders vorteilhaft, weil der Zinseszinseffekt ohne eigenes Zutun sofort genutzt wird.

    Die Wertentwicklung von Indices und damit der entsprechenden Indexfonds lässt sich am besten mithilfe von Langzeitcharts feststellen. Die Performance in der Vergangenheit ist keine Garantie für eine gute Wertentwicklung in der Zukunft, aber doch ein starkes Indiz.