Geschlossene Fonds & Nachrangdarlehen: spekulativ mit hohem Risiko

    Anleger in Deutschland setzen auf risikoarme Geldanlagen. Das ist bekannt. Sie verzichten lieber auf eine anständige Rendite, als dass sie ihr Geld in Qualitätsaktien mit überschaubarem Risiko anlegen.

    Warum investieren dann gerade Privatanleger in geschlossene Fonds oder Nachrangdarlehen?

    Offenbar verkennen sie den spekulativen Charakter dieser Geldanlagen und deren immense Risiken.

    Schließlich handelt es sich nicht um Aktien deren Auf und Ab man täglich im Börsenteil der Zeitungen oder in den Nachrichten verfolgen kann.

    Stattdessen wird augenscheinlich solide investiert – in lukrative Immobilien, Schiffe oder, besonders beruhigend für das gute Gewissen, in Windkraft.

    Und in seriös aussehenden Produktprospekten mit ausführlichen Beschreibungen und Kalkulationen werden zusätzlich weitaus bessere Renditen als beim Tagesgeld oder Festgeld versprochen.

    Aber die Realität sieht oft ganz anders aus. Häufig lösen sich die vollmundigen Renditeversprechungen in Schall und Rauch auf.

    Geschlossene Fonds können ganz in Ruhe das Geld ihrer Anleger verbrennen, ohne dass es ungeübten Anlegern zunächst auffallen muss.

    Wer sich auf eine Investition in geschlossene Fonds oder Nachrangdarlehen eingelassen hat, dem ist deshalb dringend zu empfehlen, sich eines zu Herzen zu nehmen: eine kontinuierliche und enge Kontrolle der geschäftlichen Aktivitäten und der Betriebsergebnisse.

    Geschlossene Fonds und Nachrangdarlehen: Definitionen

    Anleger in geschlossene Fonds und in (partiarische) Nachrangdarlehen müssen sich dessen bewusst sein:

    Sie sind Unternehmer (geschlossene Fonds) oder wenigstens ist ein Teil ihrer Rendite vom Wohl und Wehe des darlehensnehmenden Unternehmens abhängig.

    Das Unternehmen kann lange Zeit jedenfalls nach außen erfolgreich am Markt tätig sein und dann plötzlich geht etwas schief.

    Das ist nicht in jedem Fall so, aber sie tragen immer das unternehmerische Risiko.

    Nachrangdarlehen und partiarische Nachrangdarlehen

    Nachrangdarlehen sind eine Form der Geldbeschaffung für Unternehmen. Der erste Wortteil „Nachrang“ macht deutlich, worum es sich handelt.

    Wer einem Unternehmen ein Nachrangdarlehen zur Verfügung stellt, der muss allen anderen Gläubigern Vorrang einräumen, bevor seine Darlehensforderung befriedigt wird.

    Das ist schlecht, denn ob es überhaupt im Falle einer Insolvenz Geld gibt, ist mehr als fraglich. Häufig müssen Gläubiger von Nachrangdarlehen ihre Forderung ganz oder doch wenigstens teilweise abschreiben.

    Aber es gibt einen Risikoausgleich, der für manche Anleger attraktiv erscheint. Nachrangdarlehen werden höher verzinst, und das häufig deutlich, als andere Darlehen.

    Eine Möglichkeit, Nachrangdarlehen zu gewähren, ist der Erwerb von Nachranganleihen. Der Nennbetrag ist in der Regel der zur Verfügung gestellte Darlehensbetrag.

    Nachranganleihen sind oft börsennotiert, aber nicht immer. Sie gehören regelmäßig in den grauen Kapitalmarkt. Dieses Marktsegment unterliegt keiner staatlichen Aufsicht und damit auch keiner mehr oder weniger umfassenden Reglementierung, die mit anderen Marktsegmenten vergleichbar wären.

    Oft sind Anleger von der relativ hohen Verzinsung der Nachranganleihen oder des Nachrangdarlehens beeindruckt. Der Zinssatz liegt regelmäßig deutlich über dem normaler Anleihen.

    Je mehr Risiken die Darlehensvergabe an ein bestimmtes Unternehmen beinhaltet, desto höher fällt der Zinssatz aus. Die Höhe des Zinssatzes ist abhängig von der Bonität und der Solidität des Unternehmens.

    Natürlich ist nicht jede Nachranganleihen eine von vornherein schlechte Geldanlage.

    Ist der Herausgeber einer Anlage ein in einem anerkannten Börsensegment notiertes solventes Unternehmen, ist auch bei einem Nachrangdarlehen das Risiko gering und gering ist auch der Zinszuschlag gegenüber herkömmlichen Anleihen.

    Nicht nur Darlehen und Anleihen werden nachrangig angeboten, es gibt auch nachrangige Sparbriefe.

    Partiarisch ist ein Nachrangdarlehen dann, wenn die Gegenleistung für die Darlehensüberlassung in Form eines Anteils am Gewinn oder am Umsatz des Unternehmens erfolgt. Partiarisch bedeutet im engeren Sinne gewinnabhängig.

    Zwar kann daneben eine normale Verzinsung des Darlehensbetrages vereinbart werden, der Schwerpunkt muss aber immer auf der Gewinnbeteiligung liegen.

    An Verlusten ist der Darlehensgeber eines partiarischen Darlehens nicht beteiligt. Aber natürlich können dadurch die Renditen ganz oder teilweise entfallen.

    Keine Zahlungen werden an den Darlehensgeber geleistet, wenn und soweit dadurch eine Insolvenz oder ein Insolvenzgrund herbeigeführt wird.

    Partiarische Nachrangdarlehen werden oft im Rahmen des sogenannten Crowdinvestings vergeben.

    Geschlossene Fonds: Geldanlage als Glücksspiel

    Mit geschlossenen Fonds wird fast alles finanziert. Besonders populär sind geschlossene Fonds in Immobilien, Windparkanlagen, Flugzeuge, Schiffe und Container.

    „Geschlossen“ heißen diese Fonds, weil keine Beteiligungen mehr möglich sind, sobald das benötigte Geld eingesammelt wurde.

    Wer in geschlossene Fonds investiert ist Unternehmer, ohne dass ihm echte Mitbestimmungsrechte zur Verfügung stehen. Der Investor darf alle Risiken teilen und erhält dafür recht eingeschränkte Vorteile.

    Oft wird Geld nur für ein bestimmtes Geschäftsvorhaben eingesammelt, zum Beispiel für einen bestimmten Windpark oder ein bestimmtes Einkaufszentrum. Diese mangelnde Diversifikation der Geldanlage erhöht das Risiko zusätzlich.

    Investoren verpflichten sich in der Regel, ihre Einlage für eine bestimmte, sehr lange Zeit, häufig 10 bis 25 Jahre, zur Verfügung zu stellen.

    Vor Ende der Laufzeit kann die Beteiligung weder an die ausgebende Kapitalverwaltungsgesellschaft zurückgegeben, noch an einer staatlich überwachten Börse verkauft werden.

    Eine Veräußerung ist aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen, sie kann aber durch vertragliche Regelungen erschwert werden.

    Gewinne werden oft erst zum Ende der langen Laufzeit ausgeschüttet. Geht das finanzierte Vorhaben schief, ist die Geldanlage möglicherweise in voller Höhe verloren.

    Anleger haften mit ihrer gesamten Einlage. Wurden Erträge während der Laufzeit ausgeschüttet, müssen diese unter Umständen zurückgeführt werden, wenn das Geschäftsmodell scheitert. Manchmal gibt es sogar Nachschusspflichten.

    Die in den Prospekten versprochene Rendite wird oft unterschritten oder sie ist sogar negativ. Besonders Schiffsfonds gelten als risikoreich.

    Aber auch bei den häufig als relativ sicher und ertragsstark angesehenen Container-Fonds gibt es ein Totalverlustrisiko, wie die kürzliche Insolvenz von P&R gezeigt hat.

    Verkauf von geschlossenen Fonds

    Ein Verkauf ist grundsätzlich möglich aber schwierig. Zunächst müssen mögliche vertragliche Beschränkungen beachtet werden.

    Einen passenden Käufer zu finden, das ist eine weitere Herausforderung. Für geschlossene Fonds gibt es keinen Markt, der wirklich liquide ist.

    Der Verkauf über eine Fondsbörse im Zweitmarkt ist die einzige realistische Möglichkeit. In Deutschland gibt es unterdessen einige Online-Plattformen, über die der Handel mit geschlossenen Fonds möglich ist.

    Die bekannteste Plattform ist die Fondsbörse Deutschland, ein Handelsportal der Regionalbörsen Hamburg, Hannover und Düsseldorf.

    Allerdings ist der Markt selbst auf der bekanntesten deutschen Fondsbörse nicht übermäßig liquide. Verkäufer müssen deshalb damit rechnen, dass sie einen fairen Marktwert nicht erzielen können.

    Während Privatanleger an dem Verkauf ihrer geschlossenen Fonds oft wenig Freude haben, können Profis, wie die Betreiber von Zweitmarkt Fonds, richtig profitieren. Sie kaufen die Fonds unter Wert und verkaufen sie zu einem höheren Preis oder halten Sie bis zum Ende der jeweiligen Laufzeit.

    Verkäufer können nicht in jedem Fall damit rechnen, dass sie den ungeliebten Fonds mit dem Verkauf total loswerden. Beispielsweise können Nachschusspflichten für etwaige Verluste weiterbestehen, weil eine Übertragung auf den Käufer ausgeschlossen ist.

    Bei einer Insolvenz kann es zur Rückforderung erhaltener Ausschüttungen kommen.

    Der Verkauf kann schließlich steuerliche Nachteile zur Folge haben. Deshalb ist es wichtig, dass Anleger die steuerlichen Konsequenzen genau prüfen, bevor sie sich von einem Anteil trennen.

    Geschlossene Fonds eng überwachen.

    Eine Geldanlage in geschlossene Fonds kann man nicht unbeachtet zur Seite legen, weil die Laufzeiten der Kapitalanlage relativ lang sind.

    Notwendig ist stattdessen eine enge Überwachung des Fonds.

    Anleger sollten zunächst feststellen, ob der Fonds auf einem Zweitmarkt-Handelsplatz gelistet ist. Die beste Plattform, dies festzustellen, ist sicherlich die Fondsbörse Deutschland (Zweitmarkt.de).

    Die Fondslisten enthalten einige relevante Angaben: den letzte Kurs, den Kaufkurs und den Briefkurs sowie die Umsätze der letzten zwölf Monate mit dem Höchstkurs und dem Tiefstkurs.

    Mit einem Klick auf die Lupe gelangen sie zu den Details. Interessant ist der Unterpunkt „Nachrichten“, mit Informationen zum Handelsvolumen und den erzielten Kursen. Unter „Statistiken“ können Charts zum Kursverlauf aufgerufen werden.

    Privatkunden können einen Maklerauftrag erteilen. Den Vordruck dafür findet man im Downloadcenter unter „Handelsinformationen“.

    Ist der geschlossene Fonds gelistet, können Anleger auf diese Weise feststellen, wie viel der Fondsanteil nach Auffassung des allerdings sehr eingeschränkten Marktes wert ist.

    Außerdem sollte regelmäßig überprüft werden, ob die Prognosen eingehalten wurden. Welche Beträge wurden tatsächlich ausgeschüttet?

    Welche Rückschlüsse auf die Geschäftsentwicklung ergeben sich aus den Jahresberichten (Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnung, Aufstellung der Vermögensbestände).

    Um die Geschäftsentwicklung einschätzen zu können, müssen immer mehrere Jahresberichte miteinander verglichen werden.

    Manche Anleger werden nicht über das nötige Fachwissen verfügen, um die Jahresberichte zu analysieren.

    Wurden Prognosen nicht eingehalten oder bestehen sonst Zweifel über die Geschäftsentwicklung und die Werthaltigkeit des Fonds, sollte fachliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

    Fazit:

    Geschlossene Fonds und in eingeschränktem Umfang auch Nachranganleihen oder nachrangige Sparbriefe sind spekulative Kapitalanlagen mit hohem Risiko.

    Sie sind spekulativ, weil jede Einschätzung von Erfolg und Misserfolg extrem schwierig ist. Möglich sind hohe Gewinne ebenso wie hohe Verluste bis hin zum Totalverlust.

    Sie verfügen über ein hohes Risiko, weil die Möglichkeit von Verlusten im Vergleich zu anderen Anlageformen deutlich höher ist.

    Neben einem Zinsrisiko und einem Kursrisiko besteht außerdem noch ein überdurchschnittliches Risiko auf Totalverlust. Geschlossene Fonds und selbst nachrangige Sparbriefe werden regelmäßig in die höchste Risikoklasse eingestuft.

    Um ein Verlustrisiko möglichst rechtzeitig zu erkennen, sollten die Geschäftsentwicklung und die Einhaltung von Prognosen regelmäßig überwacht werden.

    Zeichnen sich Probleme ab, kann ein Verkauf am Zweitmarkt erwogen werden. Allerdings ist ein Verkauf schwierig. Manchmal ist ein Markt für einen bestimmten Fonds überhaupt nicht vorhanden. Oft ist ein Verkauf mit Verlusten verbunden.

    Fehlt einem Anleger das nötige Fachwissen zur Überwachung der Geldanlage oder besteht ein Verdacht auf Rechtsverstößen, ist rechtzeitige Einholung von fachlichem Rat, beispielsweise bei einem Anwalt für Anlagerech, Voraussetzung für eine eventuell noch mögliche Verlustbegrenzung.