Goldzertifikate: Spekulation auf den Goldpreis

    Geld in Gold anlegen, diese Empfehlung hört man besonders oft, seit die Finanzkrise ihre Spuren hinterlassen hat. Wenn schon nicht Goldbarren oder Münzen, dann sollte man wenigstens Ersatzprodukte wie beispielsweise Goldzertifikate erwerben, wird gesagt.

    Gold ist eine krisensichere Kapitalanlage, so argumentieren diejenigen, die an den unterschiedlichen Produkten rund ums Gold verdienen.

    Bei genauem Hinsehen ist eine Geldanlage in Gold oder Finanzprodukte, deren Basis Gold ist, allerdings eine höchst spekulative Angelegenheit.

     

    Goldchart zeigt volatile Kurse

    Ein Blick in den Langzeitchart gibt Aufschluss über die immensen Kursschwankungen des Rohstoffes Gold. Lange Zeit dümpelte der Kurs für Gold auf niedrigem Niveau vor sich hin.

    Etwa zu Beginn des Jahrtausends änderte sich die Situation. Bis die Finanzkrise in 2008 einsetzte, hatte sich der Goldpreis auf etwa 800 $ hochgearbeitet.

    Für den Kursanstieg war in erster Linie die erhöhte Nachfrage nach dem Edelmetall in den Schwellenländern (China) verantwortlich, der ein zu geringes Angebot gegenüberstand. Ein weiterer Grund mögen die sich schon abzeichnenden Verwerfungen auf den Finanzmärkten gewesen sein.

    Im Zuge der Finanzkrise kam es dann zu einer Kursexplosion oder besser ausgedrückt, es entstand eine Spekulationsblase, die wahrscheinlich bis heute (Oktober 2013) noch nicht geplatzt ist.

    Mitte 2011 betrug der Kurs ca. 1.850 $ und erreichte damit einen Höchststand. Danach ging es deutlich bergab. Zurzeit beträgt der Kurs ca. 1.300 $.

     

    Mit Goldzertifikaten Verlustrisiko begrenzen?

    Manche meinen, der Goldpreis könnte wieder mehr oder weniger kräftig steigen. Mittelfristig betrachtet, ist das eher eine kühne Prognose. Dennoch scheint das Geschäft mit Finanzprodukten rund um das Edelmetall Gold weiter ganz gut zu laufen.

    Emittenten bieten beispielsweise Zertifikate auf Gold unter anderem mit dem Argument an, dass mit manchen Produkten das Verlustrisiko begrenzt werden kann.

    Ein weiteres Verkaufsargument: man kann an Kursgewinnen teilhaben, ohne Goldbarren oder Münzen teuer einlagern zu müssen.

    Angeboten werden unterschiedliche Formen von Goldzertifikaten. Hier eine kurze Beschreibung der gängigsten Produkte.

    Optionsscheine auf Gold

    Wenn schon spekulieren mit hohem Risiko, dann richtig. Wer es unterdessen langweilig findet, sein Geld in einer Spielbank oder im Lotto zu verlieren, für den mögen Hebelzertifikate das richtige sein.

    Optionsscheine sind für Privatanleger grundsätzlich nicht zu empfehlen. Sie können bestenfalls eine Depotbeimischung sein für Personen mit ungewöhnlich stark entwickeltem Risikobewusstsein und viel Geld.

    Optionsscheine sind eine Wette auf steigende oder fallende Goldkurse. Sie verfügen über einen so genannten Hebel, durch den Gewinne und Verluste vervielfacht werden. Beispiel: bei einem Hebel von fünf verringert sich der Wert eines Optionsscheins um 50 %, wenn der Goldkurs um 10 % fällt.

    In der Regel verfügen Hebelzertifikate über eine so genannte Knock-Out-Schwelle, die vom Emittenten festgelegt wird. Fällt der Goldkurs unter diesem Wert, bedeutet das für den Anleger Totalverlust.

    Garantiezertifikate

    Anders als Optionsscheine werden Garantiezertifikate, auch Kapitalschutzzertifikate genannt, gern sicherheitsbewussten Anlegern empfohlen.

    Wer in Garantiezertifikate investiert, kann das eingesetzte Kapital abzüglich der durch den Erwerb entstandenen Kosten nicht verlieren.

    Andererseits nehmen Sie an einer positiven Kursentwicklung des Goldes aber nur in eingeschränktem Umfang teil. Häufig werden ein Schwellenwert und ein bestimmter Beteiligungsfaktor vereinbart.

    Beispiel: der Schwellenwert beträgt 1300 $. Außerdem wird ein Faktor von 0,9 vereinbart. Der Anleger erhält 90 % aller Kursgewinne, die 1300 $ übersteigen.

    Bonuszertifikate

    Bonuszertifikate sind eine Spekulation darauf, dass sich der Basiswert während der fest vereinbarten Laufzeit innerhalb einer vorher festgelegten Bandbreite bewegt. Im Falle von Goldzertifikaten kann der Basiswert beispielsweise das Edelmetall selbst oder eine oder mehrere Goldaktien sein.

    Bleibt der Kurs innerhalb der vereinbarten Bandbreite, wird zum Laufzeitende ein Bonus ausgezahlt. Die Emittenten finanzieren diesen Bonus in der Regel durch die ausgeschütteten Dividenden.

    Die untere Kursgrenze nennt man Sicherheits- oder Risikoschwelle. Die obere Grenze wird als Bonusschwelle bezeichnet.

    Wird die Bonusschwelle überschritten, richtet sich die Auszahlung am Ende der Laufzeit nach dem Kurs des Basiswerts. Wird die Risikoschwelle berührt oder unterschritten, dann verfällt der Bonus und der Wert des Zertifikates orientiert sich allein am Kurswert des Goldes oder der Goldaktie.

    Anleger profitieren bei Bonuszertifikaten von steigenden Kursen. Aber auch bei Seitwärtsbewegungen und leicht sinkenden Kursen innerhalb der vereinbarten Marge können noch Gewinne erzielt werden.

    Sinkende Kurse führen hingegen zu Verlusten als hätte der Anleger in den jeweiligen Basiswert investiert.

    Neben den normalen Bonuszertifikaten gibt es auch die so genannten Reverse Bonuszertifikate. Mit ihnen erzielt man Gewinne, wenn der Basiswert fällt und erhebliche Verluste, wenn der Basiswert steigt.

    Professionelle Anleger nutzen Reverse Bonuszertifikate, um sich gegen Kursverluste des im Depot befindlichen Basiswerts abzusichern.

    Discountzertifikate auf Gold

    Discountzertifikate sind Wertpapiere mit fester Laufzeit. Durch sie können Anleger das Verlustrisiko bei sinkenden Kursen etwas minimieren. Gleichzeitig aber werden Gewinne durch steigende Kurse eingeschränkt (Cap).

    Bei Ausgabe des Zertifikats wird ein Rabatt (Discount) gewährt. Beispiel: der Goldpreis beträgt 1.800 $. Daraus errechnet sich ein Zertifikatspreis von 180 $. Der Anleger bezahlt aber nur 160 $.

    In diesem Fall ist der Anleger gegen Verluste abgesichert, sofern der Goldpreis 1.600 $ nicht unterschreitet.

    Der Wert des Zertifikats steigt aber andererseits niemals über 180 $, selbst wenn der Goldpreis bei Laufzeitende deutlich darüber liegt. Der Gewinn ist also immer auf 20 $ pro Zertifikat begrenzt.

    Herkömmliche Goldzertifikate

    Diese Goldpreiszertifikate, auch lineare Zertifikate genannt, bilden den Preis des Basiswertes, Gold oder Goldaktien, in einem bestimmten Verhältnis (zum Beispiel 1:10) ab.

    Die Wertentwicklung entspricht damit vollständig der Wertentwicklung des Basiswerts.

    Es gibt Goldzertifikate mit und ohne Endfälligkeitstermine. Wird ein Endfälligkeitstermin vereinbart, dann ist der zu diesem Zeitpunkt gültige Basiswert entscheidend.

    Zertifikate ohne Endfälligkeit laufen theoretisch unendlich lange. Eigentlich hat der Anleger damit die Möglichkeit, die Zertifikate jederzeit einzulösen. Er könnte also einen Zeitpunkt abpassen, an dem der Goldpreis besonders hoch ist.

    Allerdings hat der Emittent in den meisten Fällen ein Kündigungsrecht. Deswegen kann der Anleger den Zeitpunkt des Ausstiegs in der Praxis lange nicht in allen Fällen selbst bestimmen.

     

    Sind Goldzertifikate empfehlenswert?

    Für Goldzertifikate gilt, was für Zertifikate auf jeden anderen Basiswert ebenfalls gilt. Die sind immer ein sicheres Geschäft für den Emittenten. Anleger verzichten entweder auf Gewinnschancen oder gehen verhältnismäßig hohe Risiken ein.

    Manche Formen wie beispielsweise Optionsscheine oder Reverse Bonuszertifikate eignen sich zur Absicherung von Kursverlusten beim Basiswert. Solche Operationen sind aber eher etwas für professionelle Anleger, weniger für Privatanleger.

    Ähnlich wie Investmentfonds wirken sich die Kosten der Goldzertifikate negativ auf mögliche Erträge aus. Es können Ausgabeaufschläge und Managementgebühren entstehen.

    Außerdem ist die Spanne zwischen Geldkurs und Briefkurs also zwischen Kaufpreis und Verkaufspreis zu beachten.

    Der Anleger trägt schließlich das Konkursrisiko des Emittenten. Wer sich entschließt, Goldzertifikate zu erwerben, sollte sich auf standardisierte Produkte solider Finanzdienstleister beschränken.

    Häufig ist eine Direktinvestition in den Basiswert empfehlenswerter. Interessant sind auch Gold ETCs, wenn nicht Goldbarren oder Goldmünzen gekauft werden sollen. Diese Anlageform funktioniert ähnlich wie passiv gemanagte in Indexfonds.

    Andere Möglichkeiten sind Goldfonds, Goldaktienfonds, ETFs oder Direktinvestitionen in Goldaktien.

    Immer gilt: Wer nicht in Goldaktien investiert, sondern in Goldzertifikate oder andere Produkte oder in Gold direkt, muss mit hohen Kosten rechnen, die mögliche Erträge deutlich schmälern. Selbst die einfache Lagerung von Gold ist verhältnismäßig teuer.

    Goldaktien gehören aber keineswegs zu werthaltigen Aktien, die langfristig solide Kurssteigerungen erwarten lassen. Sie sind für Privatanleger eigentlich kaum zu empfehlen.

    Geld in Gold anzulegen, gleichgültig ob direkt oder über Goldzertifikate und andere Wertpapiere empfiehlt sich deshalb bestenfalls als kleine Depotbeimischung.