Hausfinanzierung mit Euribor Darlehen

    Wer sich gegenwärtig um eine Hausfinanzierung bemüht, dem wird unter Umständen ein Finanzierungsmix aus Festzinsdarlehen und Euribor Darlehen angeboten.

    Der Kunde wird sich die Augen reiben. Das Euribor Darlehen ist zurzeit für um die 2 % Zinsen zu haben.

    Wie kommt es, dass dieses Darlehen, deren Namen der Kunde vielleicht noch nicht einmal kennt, so günstig ist?

    Worum es beim Euribor geht

    Euribor ist eine Abkürzung und bedeutet Euro Interbank Offered Rate. Es handelt sich um den Zinssatz für Euro-Termingelder im Interbankengeschäft. Der Referenzzinssatz wird täglich aufgrund von Meldungen von ca. 43 großen Kreditinstituten als Durchschnittswert ermittelt.

    Die Banken melden den Zinssatz, zu dem sie bereit sind, kurzfristige Anlagen anderer Banken zu verzinsen (Briefsätze). Der Euribor orientiert sich am Leitzins der EZB. Jedenfalls in der Regel.

    Da die EZB den Leitzins wegen der Finanzkrise kräftig gesenkt hat, ist der dreimonatige Euribor-Zins auf einen Wert zwischen 1,30 und 1,40 % gefallen (6.5.09).

    Der Euribor muss nicht zwangsweise mit dem Leitzins der EZB steigen oder fallen. Schließlich ist seine Höhe vom Geschäftsverhalten der Banken abhängig.

    Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise etwa herrschte Angst unter den Banken und Misstrauen. Die Folge: Die Banken verlangten Risikoaufschläge für Kredite untereinander und der Euribor schnellte auf 5,38 % hoch.

    Euribor Darlehen günstig bei flexiblen Zinsen

    Bei Euribor Darlehen bieten Banken ihren Kunden Geld an, das andere Kreditinstitute bei ihnen kurzfristig zum Euribor angelegt haben. Dabei wird das Kreditinstitut auf den Euribor 0,8 bis 0,9 % aufschlagen.

    Auf diese Weise sind gegenwärtig Zinsen um 2 % möglich. Das ist etwas mehr als die Hälfte dessen, was zurzeit bei einem 10jährigen Festzinsdarlehen an Zinsen zu zahlen ist.

    Bei Euribor Darlehen, die zur Hausfinanzierung angeboten werden, ändert sich der Zinssatz regelmäßig alle 3 Monate. Mit Euribor Darlehen können Bauherren im besonderen Maße von den gegenwärtigen Zinsen profitieren.

    Risiken

    Allerdings sind die Risiken nicht unerheblich. Deswegen empfehlen Fachleute diese Finanzierungsvariante in erster Linie nur für kapitalstarke Bauherren oder Käufer. Jedenfalls sollte eine gewisse Risikofreude vorhanden sein.

    Den Banken ist das Risiko – für sie das Ausfallrisiko – natürlich ebenso bewusst. Sie bieten deshalb grundsätzlich keine reinen Euribor Darlehen zur Hausfinanzierung an, sondern Kombi-Darlehen, deren Bedingungen Mindestbeträge und Mindestanteile von Festzinsdarlehen enthalten.

    Cap-Kredite als Alternative

    Einige Kreditanbieter, z.B. die DKB Bank, bieten so genannte Cap-Kredite an. Der Zinsanstieg wird für einen gewissen Zeitraum, z.B. drei Jahre, auf einen Maximalzinssatz (4,75 %) begrenzt.

    Dafür liegt der anfängliche Zinssatz geringfügig über dem Euribor (bei der DKB zurzeit 2,5 %). Das Euribor Darlehen ist jeweils zum Quartalsende kündbar. Das ist eine gewisse Sicherheit gegen unvorhergesehene Zinssteigerungen.

    Allerdings entstehen hier die gleichen Probleme, wie bei jedem Darlehensmix. Der Kreditnehmer ist in der Regel an die Ersatzangebote der Erstbank gebunden, weil andere Banken grundsätzlich nicht bereit sind, sich mit nachrangigen Sicherheiten zufrieden zu geben.

    Mit gesparten Zinsen tilgen

    Es empfiehlt sich, die durch das Euribor Darlehen gesparten Zinsaufwendungen zur frühzeitigen Tilgung zu verwenden.

    Ein Euribor Darlehen sollte zur Hausfinanzierung nur verwandt werden, wenn man die Finanzierung ohne weiteres auch mit einem normalen Festzinsdarlehen darstellen kann. Andernfalls kann der Kreditnehmer schon bei der ersten Zinserhöhung in große wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

    Möglicherweise kann er in einem solchen Fall durch die vermeintlich günstige Hausfinanzierung mit einem Euribor Darlehen sein Eigenheim schnell wieder verlieren.