Bullen & Bären – Hausse & Baisse: Kurstendenzen an der Börse

    Jeder Anleger kennt das: An der Börse gibt es ein stetiges Auf und Ab. Besonders die Aktienmärkte sind „volatil“.

    Mehr oder weniger ausgeprägte Kursschwankungen sind nichts Außergewöhnliches. Sie sind eine alltägliche Erscheinung.

    Aber daneben gibt es tief greifende Veränderungen. In solchen Fällen spricht man von Bullenmärkten und Bärenmärkten oder von Hausse und Baisse.

    Die Umstände, unter denen Bullen oder Bären das Sagen haben, können vielfältig sein.

    Sowohl eine Hausse als auch eine Baisse können von weltweiten oder nationalen Konjunkturveränderungen ausgelöst werden. Auch fundamentale Krisen einer bestimmten Branche oder eines Sektors können sie auslösen.

    Und schließlich kann die Spekulation vor allem kapitalkräftiger Marktteilnehmer die Ursache sein, die einen Herdentrieb verursachen. Panik und Gier sind die Hauptgründe für spekulatives Verhalten an der Börse.

    Was versteht man unter Hausse?

    Hausse ist die französische Bezeichnung und bedeutet in etwa erhöhen, ansteigen oder Anstieg und Anhebung. hausse des cours ist das französische Wort für Kurssteigerung.

    In der Börsensprache bedeutet Hausse, dass sich die Kurse von Wertpapieren nachhaltig über einen längeren Zeitraum positiv entwickeln.

    Eine Hausse kann sich weltweit zeigen oder sich nur auf die Papiere einer Region, eines Landes oder einer bestimmten Branche beziehen.

    Eine andere Bezeichnung für diese Börsenentwicklung ist Bullenmarkt.

    Bärenmarkt und Bullenmarkt sind Beschreibungen für Börsentendenzen, die wahrscheinlich von amerikanischen Börsianern erfunden wurden. In Amerika wird eine bildhafte, drastische Sprache bevorzugt, und beide Tierarten kommen dort in der Natur reichlich vor.

    Der Bulle stößt mit seinem Gehörn von unten nach oben. Damit spiegelt sein Kampfverhalten einen Chart steigender Kurse wider. Marktteilnehmer, die an einen Bullenmarkt glauben, verhalten sich „bullish“.

    Eine Hausse entsteht im Allgemeinen dann, wenn breite Kreise der Marktteilnehmer sich in einer optimistischen Grundstimmung befinden.

    In der Regel sind positive fundamentale Daten zur Wirtschaft und zu den Betriebsergebnissen sowie die Aussicht darauf die Basis für den Optimismus. Ebenso können wirtschaftspolitische oder finanzpolitische Entscheidungen mitursächlich sein.

    Ein gutes Beispiel ist die gegenwärtige, an allen Leitbörsen zu beobachtende Hausse. Der Bullenmarkt wird gestützt durch weltweit gute Wirtschaftsdaten und gute Betriebsergebnisse.

    Mitverantwortlich für die lang anhaltende positive Tendenz an den Börsen sind jedoch auch die zinspolitischen Entscheidungen der Notenbanken. Niedrige Zinsen haben die Kapitalanlage in Konkurrenzprodukte unattraktiv gemacht.

    Baisse oder Bärenmarkt

    Das französische Wort Baisse bedeutet in etwa Fallen, Sinken, Rückgang oder Einbuße. Baisse du cours ist das französische Wort für Kursrückgang.

    Mit dem Begriff Baisse wird ein Börsenmarkt umschrieben, der durch anhaltend sinkende Kurse gekennzeichnet ist.

    Die Amerikaner haben für diese Kursentwicklung den Begriff Bärenmarkt erfunden. Dahinter steht die (stark idealisierte) Vorstellung, dass kämpfende Bären sich aufrichten und mit ihren Tatzen von oben nach unten schlagen – ein Symbol für einen Chart mit sinkenden Kursen.

    Eine Baisse wird durch dieselben Faktoren verursacht, die für eine Hausse verantwortlich sind. Nur sind die Vorzeichen entgegengesetzt. Die überwiegende Zahl der Marktteilnehmer erwartet, dass sich Volkswirtschaften abkühlen und Betriebsergebnisse zurückgehen. Gier wird durch Zurückhaltung und Panik ersetzt.

    Ein Beispiel für eine besonders nachhaltige Baisse sind die Aktienmärkte nach dem schwarzen Donnerstag im Jahr 1929. Der Crash sorgte für eine jahrelange Kursschwäche.

    Eine Baisse ist häufig die Folge eines durch Überhitzung bestimmter Märkte hervorgerufenen Börsencrashs. Ein Beispiel ist das Platzen der Technologieblase im Jahr 2000.

    Seitwärtsmarkt: richtungslose Kursentwicklung

    Seitwärtsmärkte sind gekennzeichnet durch wellenartige Kursbewegungen innerhalb eines bestimmten Kanals.

    Die Kurse prallen an einer bestimmten Obergrenze oder Untergrenze ab und bewegen sich dann in die entgegengesetzte Richtung nicht selten um einen bestimmten „Schwerpunkt“ herum.

    Diese Form der Kursbewegungen kann zu einer relativ hohen Volatilität führen.

    Die Preisschwankungen sind Ausdruck einer gewissen Unsicherheit der Marktbeteiligten über die Faktoren, die die Kurse bewegen.

    Diese Unsicherheit produziert eine neutrale Haltung gegenüber der Marktentwicklung. Die Marktteilnehmer wissen nicht genau, wie sie die Entwicklung einschätzen sollen. Müssen sie von steigenden Erträgen oder doch eher von Verlusten ausgehen?

    Börsenzyklus: Hausse und Baisse

    Ein Börsenzyklus besteht aus einer Hausse und einer Baisse. Sowohl für den Bärenmarkt als auch für den Bullenmarkt werden bestimmte Zeiträume definiert.

    Zeichnet sich ein Zeitraum durch eine besonders lange Dauer aus, spricht man von einem säkularen Markt.

    Das Ende der einen Markttendenz und den Beginn der anderen Markttendenz zu bestimmen, ist ebenso kompliziert, wie die Feststellung, wann der vollständige Börsenzyklus beendet ist.

    Manche versuchen dies durch die Auswertung fundamentaler Daten, andere durch die Analyse von technischen Signalen.

    Gleichgültig welcher Methode man folgt, verlässliche Ergebnisse sind schwer zu erzielen. Die sogenannte Markteffizienztheorie geht sogar davon aus, dass die einzelnen Kursphasen überhaupt nicht bestimmbar sind.

    Beginn und Ende von Marktphasen lassen sich noch am ehesten am Verhalten wichtiger Marktteilnehmer feststellen.

    Danach ist eine Baisse zu Ende, wenn das Kapital von den zittrigen Händen in die hart gesottenen Hände gelangt ist – so jedenfalls lautet die Definition von Kostolany.

    Eine Hausse hingegen wäre zu Ende und eine Baisse würde beginnen, wenn die hart gesottenen Hände aussteigen und das Kapital in zittrigen Hände gelangt.

    Boom und Crash

    Unter einem Boom versteht man einen Markt, der durch ungewöhnlich stark ansteigende Kurse gekennzeichnet ist. Oft beschleunigt sich der Kursanstieg innerhalb eines Booms. Man spricht dann von einer Kursrallye.

    Eine Kursrallye bzw. eine Beschleunigung des Kursanstiegs entsteht, weil nach anfänglichem Zögern immer mehr Marktteilnehmer von der Gier ergriffen werden und in den Markt einsteigen.

    Die Kursrallye kann zu einer Situation führen, in der die Kurse überhaupt nicht mehr durch fundamentale Daten gerechtfertigt sind.

    Die Folge kann ein Crash sein. Ein Crash kann auch entstehen, wenn sich die gesamtwirtschaftliche Situation plötzlich verschlechtert oder ein besonderes Ereignis auftritt, welches eine grundlegende Verschlechterung zur Folge haben kann.

    Ein Crash ist eine Phase stark sinkender Kurse, häufig infolge eines plötzlichen Kurszusammenbruchs.

    Beispiel für einen Crash sind die Kurseinbrüche im Zuge der Finanzkrise, vor allem nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers.

    Die heftigen Kursrückgänge im Februar 2018 wurden von einigen Marktbeobachtern ebenfalls als Crash bezeichnet.

    Anfang Februar 2018 verloren beispielsweise amerikanische Indices zwischen 4 und 5,5 % ihres Wertes. Das bedeutete Kursverluste von über 1 Billion Dollar.

    Hervorgerufen wurde der Kurseinbruch unter anderem durch die Angst über ansteigende Leitzinsen.

    Letztlich stellte sich der Kursrückgang aber eher als eine kurzzeitige Korrektur und weniger als Crash dar.

    Bullenfalle und Bärenfalle

    In die Bullenfalle bzw. in die Bärenfalle geraten Spekulanten, wenn sie bestimmte Kurssignale missverstehen.

    Häufig handelt es sich dabei um nichts weiter als um kurzzeitige Korrekturen in einem Markt, der sich aber weiter in eine bestimmte Richtung entwickelt.

    Bei einer Bullenfalle missverstehen Marktteilnehmer bestimmte Kursverläufe oder andere Ereignisse und glauben deshalb an ein Ende der Baisse und den Beginn einer Hausse.

    In dieser Erwartung kaufen sie Wertpapiere. Nach kurzer Zeit ist das Zwischenhoch zu Ende und der Markt verliert wieder an Wert.

    Bei der Bärenfalle ist es umgekehrt. In Phasen steigender Kurse gibt es eine Korrektur, die die Marktteilnehmer an den Beginn einer Baisse glauben lassen.

    Sie verkaufen deshalb oder gehen „short“.

    Das Gemeine an Bullenfallen und Bärenfallen ist, Investoren verstärken sie durch ihr hektisches Verhalten und versuchen, ihren Irrtum durch Eingehen von Shortpositionen oder Longpositionen zu korrigieren.

    Dadurch geraten sie immer tiefer in die Falle. Diese Entscheidung nennt man positive Rückkopplung.

    Ein Beispiel ist die sogenannte Bärenmarktrallye. Während einer Phase langanhaltender Kursrückgänge entsteht plötzlich ein kräftiges Zwischenhoch, das aber keine Umkehr von einer Baisse zu einer Hausse bedeutet. Vielmehr fallen die Kurse danach weiter.

    Bärenmarktrallyes hat es beispielsweise während der Baisse im Nachgang zum Börsencrash von 1929 gegeben. Die Baisse dauerte mehrere Jahre. Sie wurde aber unterbrochen durch kräftige Zwischenhochs mit Kurssteigerungen bis zu 25 %.

    Hausse und Baisse: Thema für Spekulanten

    Langfristig orientierte Anleger müssen auf Börsenzyklen nur wenig Rücksicht nehmen. Sie werden während der Kapitalanlage voraussichtlich mehrere Börsenzyklen erleben.

    Allenfalls gilt: Kaufen, wenn die Kanonen donnern, und verkaufen, wenn alle glücklich sind.

    Spekulanten hingegen werden versuchen aus dem Wechsel der einzelnen Kursphasen Kapital zu schlagen.

    Wer auf eine Hausse spekuliert, geht „long“. Gekauft werden Wertpapiere oder Terminkontrakte zum gegenwärtigen Preis in der Hoffnung, sie später mit Gewinn wieder zu veräußern.

    Wer auf eine Baisse spekuliert, geht „short“. Das geht so: Der Spekulant verkauft Terminkontrakte zum gegenwärtigen Kurs. Er besitzt diese Papiere aber entweder überhaupt nicht bzw. er leiht sie sich gegen eine Gebühr.

    Bei Fälligkeit erwirbt er die Kontrakte zu einem niedrigeren Kurs. Die Differenz vom höheren Verkaufskurs zum niedrigeren Kaufkurs ist der Gewinn.

    Diese Spekulation wird Leerverkauf genannt. Leerverkäufe können Kurseinbrüche verstärken oder hervorrufen. Deswegen werden sie in Krisensituationen häufig eingeschränkt oder sogar verboten.

    Sowohl die Spekulation auf eine Hausse als auch die Spekulation auf eine Baisse können aus sich heraus das gewünschte Ergebnis künstlich herbeiführen. Voraussetzung ist, dass der Kapitaleinsatz dafür ausreicht.

    Hedgefonds stehen häufig im Verdacht, durch ihr Spekulationsverhalten künstlich eine Baisse oder eine Hausse hervorzurufen, oder bestehende Tendenzen künstlich zu verstärken.