Inflation in Deutschland

    Eine Inflation droht in Deutschland, die Geldentwertung kann nächstes Jahr bis zu 10 % betragen, so manche Prognosen.

    Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über irgendwelche Schreckensszenarien genüsslich berichtet wird. Gegenwärtig allerdings ist von einer galoppierenden Geldentwertung nichts zu spüren.

    Die Preise sind eher erschreckend stabil, ein Zeichen der anhaltenden Wirtschaftsschwäche.

    Kein Grund für Inflationsängste

    Ohne Frage, Inflationsraten unter 1 % sind sehr unwahrscheinlich, wenn die Wirtschaft am Ende des Jahres tatsächlich wieder anspringen sollte.

    Die 19 größten Industrieländer haben bisher im Durchschnitt 43 % ihres Bruttoinlandsprodukts in die Märkte gepumpt, und die Verschuldung der öffentlichen Haushalte ist auch nicht von schlechten Eltern.

    Erreicht diese riesige Geldmenge den Wirtschaftskreislauf, ist selbstverständlich mit zunehmender Geldentwertung zu rechnen. Auch die Inflation in Deutschland wird zulegen, anders ausgedrückt, die Konjunktur wird wieder anspringen.

    In welchem Umfang jedoch, das sind eher Spekulationen als zuverlässige Prognosen. Schließlich wurde nach dem Zusammenbruch einiger Banken im Zuge der Finanzkrise dem Markt weltweit Liquidität entzogen.

    Die Industrieländer haben also eigentlich nichts anderes getan, als einen ausgetrockneten See wieder aufgefüllt.

    Vergessen werden darf übrigens auch nicht, dass die Regierungen und Notenbanken der Geldentwertung in gewissem Umfang gegensteuern können, so wie sie es im umgekehrten Fall gegenwärtig zur Überwindung der Rezession tun.

    Aus der Geschichte lernen: Stagflation

    Ausgelöst durch die Ölkrise erlebte Deutschland in den 1970er Jahren ein bis dahin unbekanntes Phänomen – die Stagflation.

    Stagflation bedeutet Inflation bei gleichzeitig stagnierendem Wirtschaftswachstum. Der Grund dafür lag unter anderem in den ansteigenden Ölpreisen.

    1973 erreichte die Stagflation ihren Höhepunkt. Die Inflation in Deutschland betrug 7,1 %. In den folgenden Jahren normalisierte sich die Geldentwertung wieder.

    Die Stagflation ist eine gefährliche Krise, eine normale Inflation als Folgeerscheinung von Wirtschaftswachstum ist es nicht, auch wenn die Geldentwertung für einen gewissen Zeitraum einmal 3 oder 4 Prozent erreicht.

    Inflationssichere Kapitalanlagen?

    Viel diskutiert wird zurzeit, welche Kapitalanlagen inflationssicher sind und welche nicht. Oder anders ausgedrückt: Worin sollte derjenige, der von einer zukünftigen Inflation größeren Ausmaßes überzeugt ist, investieren?

    Die Antwort ist im Prinzip einfach. Er sollte nicht anders investieren, als sonst auch. Eine vernünftige Mischung der Kapitalanlagen unter Berücksichtigung seiner Risikobereitschaft und seines Alters ist die beste Lösung auch in Krisen- oder Inflationszeiten.

    Unvernünftig ist es, große Beträge in Anlagen zu investieren, die kaum Zinsen oder Dividenden abwerfen, wie das Sparbuch in Zeiten historisch niedriger Zinsen, oder wie irgendwelche niedrig verzinsten, womöglich lange laufenden Staatsanleihen.

    Andererseits ist es klug, immer einen kurzfristig verfügbaren Barbestand zu haben. Gold übt immer noch eine große Anziehungskraft auf Menschen aus. Gold glänzt nicht nur, sondern gibt auch ein (trügerisches) Gefühl der Sicherheit.

    Gold

    Wer in Gold investieren will, sollte sich den derzeitigen Goldpreis anschauen ($ 912,80 am 11.5.2009) und einen Chart über die Entwicklung des Goldpreises in den letzten 30 – 50 Jahren.

    Gold ist ein Liebhaberinvest und eignet sich, Inflation hin oder her, bestenfalls als Beimischung.

    Immobilien & Aktien

    Immobilien sind immer eine sinnvolle Kapitalanlage, als Renditeobjekte sind allerdings nur erstklassige Immobilien zu Schnäppchenpreisen geeignet. Die zu finden setzt Fachwissen voraus und Geduld.

    Es gibt sie eher im Ausland als in Deutschland. REIT (Real Estate Investment Trust) und Immobilienfonds sind Anlageformen, denen man zu jeder Zeit Beachtung schenken sollte.

    Mit Aktien ist es genauso wie mit Immobilien. Werthaltige Aktien, die nicht eklatant überbewertet sind, eignen sich immer zu einer langfristigen Geldanlage.

    Inflationsgeschützte Anleihen

    Seit knapp 20 Jahren gibt es inflationsgeschützte Anleihen in verschiedenen Varianten. Der Schutz gegen Geldentwertung wird vom Anleger mit einer etwas niedrigeren Rendite bezahlt.

    Schon ein Rückblick auf die letzten 50 Jahre zeigt, Inflation ist die Regel, in Deutschland sowieso, aber auch sonst auf der Welt. Deflation ist eher die Ausnahme.

    Inflationsgeschützte Anleihen bilden in der Regel beide Entwicklungen ab und sind deshalb besonders wertbeständig und vor allem geeignet für Anleger mit geringer Risikobereitschaft. Wegen der steuerlichen Auswirkung sollte man in Deutschland nicht in einzelne inflationsgeschützte Anleihen sondern in Fonds investieren.

    Fazit: Richtig ist, das Kapital solide entsprechend seinem Risikoprofil anzulegen und auf eine sinnvolle Mischung zu achten.

    Weniger empfehlenswert ist es, sich von der Inflationshysterie anstecken zu lassen und irgendwelchen Kapitalanlagen hinterher zu jagen, die angeblich besonders inflationssicher sind.

    Inflationsgewinner ist der Staat

    Übrigens sollte es zu der befürchteten Inflation größeren Ausmaßes kommen, steht der Gewinner jetzt schon fest. Es ist der Staat. Seine Einnahmen, die Steuern nämlich, steigen dann überdurchschnittlich.

    Die Mehrwertsteuereinnahmen steigen wegen der höheren Produktpreise und die Einkommensteuer durch die Progression (höhere Steuersätze durch inflationsangepasste Gehälter). Und die Staatsschulden werden einfach weginflationiert. Für den Staat also könnte sich Inflation in Deutschland richtig auszahlen.