Japanische Aktien: Lohnt der Kauf?

    Japanische Aktien kaufen? Lange ist es her, dass der Nikkei 225, der japanische Leitindex, Höchststände verzeichnete. Zuletzt geschah dies 1989. Der Jahresschlusskurs damals: knapp 39.000 Punkte.

    Dieser Höchststand war das Ergebnis einer beispiellosen Spekulationsblase an den japanischen Aktien- und Immobilienmärkten. Sie platzte im Jahr 1990. Der Nikkei 225 Jahresschlusskurs betrug nur noch 23.849 – ein Minus von 38,72 %.

    Die Folgen für die japanische Wirtschaft waren verheerend. Das nächste Jahrzehnt war gekennzeichnet durch Deflation, Stagnation und durch verpuffte Konjunkturprogramme angeheizte Staatsverschuldung. Die Aktienmärkte stagnierten auf niedrigem Niveau. Japanische Aktien waren aus der Mode, sie waren einfach kein Kauf.

    Doch seit 2015 hat sich das Blatt wieder gewendet. Analysten raten bisweilen geradezu euphorisch zur Investition in den japanischen Aktienmarkt, den sie für unterbewertet oder doch relativ niedrig bewertet halten. Japanische Aktien sollen eine ertragsstarke Alternative zu den hochbewerteten amerikanischen und europäischen Aktienmärkten sein.

    Woher kommt dieser Sinneswandel und sollten sich private Investoren, die einen langfristigen Vermögensaufbau im Blick haben, tatsächlich am japanischen Aktienmarkt engagieren? Wir stellen die verschiedenen Aktienindices in Japan vor und erklären, weswegen viele Analysten gegenwärtig dem japanischen Aktienmarkt positiv gegenüberstehen.

    Die japanischen Aktienindices: Nikkei 225, Topix und MSCI Japan

    Alle Indices sind Kursindices. Anders als Performance-Indices (Total Return Indices) berücksichtigt diese Indexvariante weder Dividenden und Bezugsrechte noch andere Sonderzahlungen. Bisweilen werden die japanischen Aktienindices auch als Performance-Indices dargestellt.

    Auf diese Weise kann deren Wertentwicklung besser mit der Performance bekannter Total Return Indices (zum Beispiel DAX) verglichen werden.

    Nikkei 225

    Der Nikkei 225 ist der japanische Leitindex. Er gilt als der wichtigste asiatische Aktienindex. Als preisgewichteter Kursindex wird der aktuelle Indexstand jeweils aus der Addition der Kurswerte einzelner Aktien berechnet.

    Im Nikkei 225 sind die wichtigsten und größten Aktiengesellschaften Japans enthalten. Insofern liefert dieser Index ein gutes Bild über die strukturelle Zusammensetzung der japanischen Wirtschaft. Finanzwerte und zyklische Konsumwerte, wie Autoindustrie oder Elektronik, sind stark vertreten. Hier der Chart des Kursindexes:

     

    Die Daten für den Nikkei 225 Aktienchart stammen von Investing.com.

    Der Ende 1989 erzielte Höchststand mit über 38.000 Punkten wurde bis heute nicht wieder erreicht. Gegenwärtig liegt der Kursindex bei knapp über 20.000 Punkten.

    Manchmal wird der Total Return Index angegeben. Dieser Index zeigt gegenwärtig einen Stand von ca. 30.600 Punkten.

    Topix

    Im Topix sind knapp 2000 Einzelwerte enthalten. Der Index wird nach Marktkapitalisierung und Streubesitz gewichtet.

    Der Topix deckt fast den gesamten Aktienmarkt in Japan ab. Er umfasst neben den im Nikkei 225 enthaltenen meist international agierenden Großunternehmen kleine und mittlere Aktiengesellschaften, die vornehmlich den inländischen Markt abdecken oder nur auf dem asiatischen Markt tätig sind.

    Manche professionellen Anleger bevorzugen Wertpapiere auf den Topix wie Indexfonds oder ETFs gegenüber Anlageprodukten auf den Nikkei 225. Während viele im Nikkei 225 enthaltene Unternehmen stark exportabhängig sind, berücksichtigt der marktbreitere Topix darüber hinaus Unternehmen, die jedenfalls gegenwärtig besonders vom inländischen Wachstum profitieren.

    Dazu gehören beispielsweise Transportunternehmen und Betriebe der Konsumgüterindustrie. Hier ein Chart des Kursindexes auf der Basis von Schlusskursen:

     

    Ein Vergleich mit dem Chart des Nikkei 225 zeigt eine sehr ähnliche Kursentwicklung. Jedoch hat sich der Nikkei 225 seit 2014 etwas besser entwickelt. Der Topix hingegen erreichte die Höchststände von 1999 und 2005 bisher nicht.

    MSCI Japan

    Im MSCI Japan Index sind etwa 319 mittlere und große börsennotierte Unternehmen enthalten. Sie repräsentieren etwa 85 % der Marktkapitalisierung des gesamten japanischen Aktienmarktes.

    Die am höchsten gewichteten Sektoren sind Industrie, Konsum, Finanzen, Informationstechnologie und Gesundheitswesen. Die drei größten Schwergewichte sind Toyota (Konsum, Auto), Mitsubishi (Finanzen) und Softbank (Telekommunikation).

    Der Chart berücksichtigt die Jahresschlusskurse und gibt einen Überblick über die Performance des MSCI Japan seit 2010.

     

    Die Wertentwicklung unterscheidet sich nicht sonderlich von der Performance des Nikkei 225. Der MSCI Japan performte allerdings etwas besser als der Topix.

    Positive Entwicklung japanischer Aktien

    Analysten, die seit etwa 2014 eine Investition in japanische Aktien empfehlen, scheinen Recht behalten zu haben. Tatsächlich ist die Wertentwicklung der Indices bis in die Gegenwart positiv.

    Das ist aber nichts Außergewöhnliches. Nicht zuletzt wegen der lockeren Geldpolitik haben sich die Aktienmärkte aller Industrienationen seit der Überwindung der Finanzkrise im Jahr 2009 überdurchschnittlich gut entwickelt.

    Bulle und Bär unter grünem und roten Pfeil

    Nikkei 225: Bulle oder Bär?

    Viele Analysten glauben, dass die gute Performance der letzten Jahre auf eine nachhaltige Stabilisierung der japanischen Wirtschaft zurückzuführen ist und sich deshalb fortsetzen wird.

    Tatsächlich hat sich die wirtschaftliche Situation in Japan deutlich verbessert. Der Konsum zog an, die Wirtschaft wächst, die Inflationsraten erreichen ein vernünftiges Ausmaß, und es herrscht praktisch Vollbeschäftigung.

    Ohne Frage haben die wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung Abe die Voraussetzung für die Kursrallye geschaffen. Daneben spielen die lockere Geldpolitik von Notenbankchef Kurada und die Abwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar eine entscheidende Rolle.

    Massive Aktienkäufe durch die Bank of Japan heizten die Kurse an. Der schwache Yen hat Kapital in die japanischen Aktienmärkte gespült.

    Zudem beflügelte die besonders durch die Zinserhöhungen in den USA verursachte Währungsaufwertung den Export. Wegen der starken Exportabhängigkeit der japanischen Wirtschaft war dies ein wesentlicher Faktor.

    Die Regierung Abe versucht seit 2015, die Wirtschaftsstruktur durch den Corporate Governace Code zu verbessern. Ziel ist es, die Struktur von Unternehmen an den Grundsätzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit auszurichten.

    Ineffiziente Überkreuzbeteiligungen japanischer Unternehmen beispielsweise sollen zurückgeführt werden. Die traditionell hohen Cashbestände sollen nicht mehr nur für Krisenzeiten zurückgelegt werden. Vielmehr sollen sie für Investitionen, höhere Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe verwendet werden.

    In japanische Aktien investieren?

    Analysten sind gegenwärtig nicht mehr ganz so positiv eingestellt, wie noch im letzten Jahr. Die Risiken werden durchaus gesehen. Ob sich die Reformbemühungen der jetzigen Regierung langfristig durchsetzen, ist nicht sicher.

    Gleiches gilt für die Stützungsmaßnahmen der japanischen Zentralbank. Die lockere Geldpolitik wird sich nicht auf Dauer etablieren können, und der Yen kann wieder an Stärke gewinnen.

    Wegen der starken Exportabhängigkeit wird schließlich die wirtschaftliche Entwicklung in den asiatischen Nachbarländern eine Rolle spielen. Kühlt sich zum Beispiel die Wirtschaft in China ab, hat das sicher negative Folgen für die noch nicht vollständig stabilisierte Wirtschaft in Japan.

    Last but not least: Die japanischen Aktienmärkte sind unterdessen recht hoch bewertet, allerdings immer noch günstiger als amerikanische Aktien. Ende Januar 2017 betrug das Shiller KGV des Nikkei 225 bei einem Punktestand von ca. 19.041 etwa 24,5. Der zehnjährige Durchschnitt lag bei 31,6.

    Hin und wieder findet man die Prognose, dass der Nikkei 225 noch Kurspotenzial bis zu 22.000 Punkte hat. Analysten die dies glauben, raten weiterhin zu einem Kauf japanische Aktien.

    Solche Überlegungen mögen interessant sein für professionelle Investoren oder eher spekulativ denkende Anleger. Privatanleger, die langfristig Vermögen aufbauen möchten, sollten die Wertentwicklung des Nikkei 225 mit der Performance des S&P 500 vergleichen:

     

    Wertentwicklungen aus der Vergangenheit sind keine Garantie dafür, wie sich die Kurse in Zukunft entwickeln werden. Aber sie sind ein wichtiger Anhaltspunkt.

    Solange die japanischen Aktienindices keine über längere Zeiträume bestehende positive Performance aufweisen können, sollten unseres Erachtens Privatanleger mit einer Investition eher vorsichtig sein. Noch ist keinesfalls sicher, wohin die Reise mit der japanischen Wirtschaft wirklich geht.

    Für Privatanleger gibt es noch einen weiteren Grund, eher vorsichtig zu sein. Unter den japanischen Aktien findet man kaum Papiere, die den Namen Valueaktie wirklich verdienen. Abgesehen von Canon und einigen kleineren Unternehmen fällt einem wenig ein. Andererseits ist der Anteil zyklischer Aktien relativ hoch.

    Die hier dargestellten Überlegungen sollen nicht als Empfehlung missverstanden werden. Sie stellen die persönliche Meinung der Verfasser dieses Artikels dar. Eine Möglichkeit, japanische Aktien zu berücksichtigen, ist die Investition in einen ETF auf den MSCI World.

    Wer einen Teil seines Vermögens trotz aller Unwägbarkeiten ausschließlich in japanische Werte investieren möchte, der kann abgesehen von Einzelwerten auf ETFs zurückgreifen, die einen japanischen Aktienindex abbilden. Auf der Webseite von Justetf.com finden Anleger zur ersten Orientierung einen Überblick.

    Währungsrisiken beeinflussen zwar die Rendite bei Aktienanlagen, ihre Auswirkungen sind aber weniger gravierend als häufig angenommen wird. Wer sich dennoch gegen Verluste durch Währungsschwankungen absichern möchte, kann auf währungsgesicherte Indexfonds zurückgreifen.