Kartoffeln sind gesund, lecker und nützlich

    In Zeiten des Wirtschaftswunders, galt es lange Zeit nicht als schick, Kartoffeln zu essen. Schließlich machen Kartoffeln dick, hieß es. Zu viele Kohlehydrate!

    „Kartoffeln gehören in den Keller“, war nach den 50er Jahren ein beliebter Spruch. In der früheren DDR wurden Kartoffeln als „Sättigungsbeilage“ diskriminiert. Kartoffeln zum Sattmachen und der Rest zum Genießen und für die Ernährung?

    Solche Denkweisen und Vorurteile sind überholt. Kartoffeln machen nur dick, wenn man zu viel ißt und Zutaten und Beigaben zu reichhaltig sind, allen voran reichhaltige Soßen.
    Vielmehr sind Kartoffeln sehr gesund.

    Die Deutschen liegen also total richtig, wenn sie im Durchschnitt zwischen 50 und 60 Kilogramm Kartoffeln im Jahr verspeisen (57 kg in 2012). In vorigen Jahrhunderten halfen die gehaltvollen Knollen sogar, Hungersnöte zu verhindern.

     

    Viele Vitamine – wenig Kalorien

     

    Kartoffeln enthalten so gut wie kein Fett, dafür aber 20 % Stärke, hochwertiges Eiweiß und viele Mikronährstoffe. Kartoffeln sind hervorragende Vitamin Lieferanten. Insgesamt enthalten sie elf verschiedene Vitamine und 15 Mineralstoffe, zum Beispiel Magnesium, Kalium, Eisen, Kalzium und Phosphor.

    Die Kartoffel besteht zu etwa 70 % aus Wasser und eine mittelgroße Frucht hat nur 70 Kalorien. Sie ist eigentlich ideal für Leute, die abnehmen möchten. Das hochwertige Eiweiß hilft, während des Abnehmens fit zu bleiben. Und die vielen Ballaststoffe sorgen für ein lang andauerndes Sättigungsgefühl.

    Besonders gesund sind Pellkartoffeln. Denn gerade in der Schale und direkt darunter befinden sich die meisten Vitamine und Mineralstoffe. Eine ausführliche Nährstoffliste ist bei Wikipedia zu finden. http://de.wikipedia.o/wiki/Kartoffel

     

    Große Sortenvielfalt

     
    Ob man lieber fest kochende Kartoffeln oder mehlige mag, ist Geschmackssache. Die Norddeutschen bevorzugen feste Kartoffeln, während Süd- und Ostdeutsche die mehligen Sorten lieber mögen.

    2000 unterschiedliche Kartoffelsorten gibt es weltweit. 156 Sorten werden in Deutschland verzehrt. Linda und Sieglinde gehören zu den Favoriten.

     

    Export aus den Anden

     

    Die Kartoffeln stammen ursprünglich aus den südamerikanischen Anden. Nachdem die Spanier sie im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht hatten, galt die Kartoffel wegen ihrer Blütenpracht zunächst ausschließlich als Zierpflanze.

    Wann die Kartoffel in den deutschsprachigen Raum gekommen ist, ist regional unterschiedlich. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Knolle zum Grundnahrungsmittel.

     

    Die Kartoffel und „Der Alte Fritz“

     
    Friedrich der Große wird oft gerühmt, die Kartoffel in Deutschland eingeführt zu haben wo sie ihren Siegeszug als Grundnahrungsmittel angetreten hat. Diese Feststellung ist wissenschaftlich so sicher nicht richtig, da beispielsweise bereits im 17. Jahrundert anderweitig Kartoffeln im deutschsprachigen Raum angebaut wurden.

    Fakt ist aber, dass „Der Alte Fritz“ wesentlich zur Verbreitung der nahrhaften und leckeren Feldfrucht beigetragen hat. Er hat Hungersnöte dadurch bekämpft hat, dass er „Kartoffelbefehle“ erlassen und über die preußische Administration herausgegeben hat.

    In diesen wurde zum Beispiel der Anbau und die Verwendung erklärt oder angeordnet, auf alle freien Flächen Tartoffeln, wie sie damals hießen, anzubauen. Beamte, ebenso wie Militär und Pfarrer waren angehalten, Informationen an die Bevölkerung weiterzugeben und teilweise auch zu kontrollieren, ob Kartoffeln angebaut wurden.

     

    Zurück ins 20. Jahrhundert

     

    Insbesondere in den schlechten Zeiten und Nachkriegszeiten der Weltkriege wußte man den Wert der Kartoffel zu schätzen. Abgesehen von gelegentlich auftretenden Mißernten, hatten Menschen, die Kartoffeln anbauen konnten, ein solides Grundnahrungsmittel.

    Kinder der 40er und 50er Jahre, waren froh, wenn sie zuhause ordentlich Salzkartoffeln und Pellkartoffeln oder sogar Bratkartoffeln, Karoffelsalat und Kartoffelbrei zu essen bekamen und mochten sie normalerweise gern. Viele Leute dieser Jahrgänge können das noch bestätigen.

    Manche wissen spannende Geschichten zu erzählen über Kartoffelfeuer, in die man nach der Ernte rohe Kartoffeln warf. Nachdem das Feuer abgebrannt war, wurde mit Stöckern in der Asche gesucht. Die Kartoffeln waren außen richtig verkohlt aber das Innere schmeckte köstlich, vor allem, wenn man etwas Salz mithatte, um es draufzustreuen.

    Am besten schmeckten die kleineren Kartoffeln, denn sie waren meistens richtig gut gar. Wer den Hals nicht voll kriegen konnte und dicke Kartoffeln ins Feuer geworfen hatte, machte manchmal die schlechte Erfahrung, daß die Frucht nicht ganz durch war, was nicht so gut schmeckte.

    Landkinder waren besser mit Kartoffeln versorgt als Stadtkinder. Die Menschen aus den Städten mußten in schlechten Zeiten oftmals aufs Land fahren, um zu Kartoffeln zu hamstern. Für viele waren Kleingärten ein Ausweg aus solcher Misere.

    In den 50ern machten plötzlich Pommes Frites Karriere. Zusammen mit Currywurst oder Schaschlick wurden sie meist in Imbißbuden verkauft. Aufkommender Wohlstand und wohl auch die Notwendigkeit , mal schnell irgendwo ein sättigendes Mahl zu bekommen, führte zur Gründung vieler Imbißbuden in den Städten.

    Was immer dort an Fleisch serviert wurde, die Kartoffel war dabei, nun meist in Form von „Pommies“, die auch ohne Fleisch gut schmecken, sei es pur oder zusammen mit Mayonnaise und/oder Ketchup.

    Man mag den gesundheitliche Wert von Kartoffeln im allgemeinen und Pommes Frites hinterfragen. Die Kartoffel pur ist gesund. Als Pommes ist sie immer noch sehr beliebt. Allerdings haben Pommies einen schlechten Ruf.

    Der ist aber mehr durch das verwendete Fett, zu viele fett- und zuckerhaltige Beigaben oder die industrielle Fertigung gerechtfertigt als durch die Kartoffel selbst.

     

    Kartoffeln zubereiten – die Vielfalt im 21. Jahrhundert

     

    Wie man am durchschnittlichen Kartoffelverbrauch (siehe oben) sehen kann, werden Kartoffeln auch heute gern gegessen in Deutschland. Man kann behaupten, dass kein anderes Gemüse eine solche Vielfalt and Verwendungsmöglichkeiten bietet. Hier wesentliche Beispiele:

    Salzkartoffeln – Kartoffelbrei

    eignen sich zu allen Bratengerichten mit würziger Soße, auch zu gekochten Fleisch- und Fischgerichten. Ebenso kann man Salzkaroffeln mit zerlassener Butter zu kurz gebratenem Fleich oder Fisch servieren.

    Salzkartoffeln bilden auch die Grundlage für Kartoffelbrei, wo die Kartoffeln mit Milch und Butter püriert werden. Als zusätzliche Würze kann man Brühe, Muskat und Meerettich verwenden.

    Pellkartoffeln

    schmecken mit Butter und Salz oder Speck- und Zwiebelsoße. Sie schmecken gut zu Brathering, Rollmops, Mattjes oder Bismarckhering. Und sie sind unerläßlich für Raclette.

    Backkartoffeln

    sind beliebt zu Steak oder auch nur mit Butter, Salz, Pfeffer und evtl. saurer Sahne. Die Kartoffeln werden gewaschen und einfach im heißen Ofen gebacken bis sie gar sind.

    Das Backen kann allerdings eine Weile dauern und ist abhängig von der Größe. Mancherorts werden auch spezielle Säckchen angeboten, in denen man die Kartoffeln in wenigen Minuten in der Mikrowelle garen kann.

    Bratkartoffeln

    kann man aus rohen Kartoffeln ebenso zubereiten, wie aus Pell- oder Salzkartoffeln. Man kann sie mit Butter, Speck oder Margarine braten.

    Leckere Variationen sind Gerichte aus geraspelten Kartoffeln wie Rösti, Kartoffelpuffer – auch Reibekuchen genannt – oder der westfälische Pickert.

    Kartoffelsuppe

    wird mit Brühe hergestellt. Die kleingeschnittenen Kartoffeln sind die Hauptzutat. Manchmal werden sie püriert. Ein hervorragendes Beispiel für die Suppenvielfalt ist die Webpage „242 einfache Kartoffelsuppe Rezepte“

    Kartoffelsalat

    gibt es warm oder kalt, mit Öl oder Speck, meist aus Pellkartoffeln aber auch aus Salzkartoffeln. Der Variationsbreite der Soßen sind keine Grenzen gesetzt: Essigsoße mit Öl, Brühe oder ausgelassenem Speck mit Zwiebel, Pfeffer und Salz; Mayonnaise – selbst gemacht oder gekauft; Grundsoße – wie bei Bechamelkartoffeln.

    Man kann Senf in die Mayonnaise tun, Maggiwürze verwenden, was immer der Köchin in den Kopf kommt und was immer gerade verfügbar ist. Neben der nahezu selbstverständlichen Zwiebel, sind kleingeschnittene Gurken oder Äpfel eine gute Zutat. Auch Fleischreste können hinzugefügt werden.

    Haben Sie Appetit bekommen? Hier ist ein schnelles Rezept für einen nicht zu kalorienhaltigen Kartoffelsalat.

    Rohe Kartoffeln würfeln und Salzkartoffeln daraus kochen. Da sie klein geschnitten sind werden sie in 10 bis 15 Minuten gar. Ob Sie die Kartoffeln schälen hängt vom Zustand der Schale ab.

    Während die Kartoffeln kochen, eine gute Handvoll Salat in die Schüssel tun, vorzugsweise Rukola oder in kleine Streifen geschnittenen Endiviensalat. Mit Essig besprenkeln, Salz oder etwas Maggiwürze drüber und eine kleingeschnittene Zwiebeln drauf. Die gegarten Kartoffeln abgießen aber nicht schwenken, sondern glatt lassen und drauftun. Pfeffern, Öl darüber gießen und locker mischen.

    Statt Öl kann man auch ganz klein geschnittenen Speck ausbraten und verwenden.Schmeckt sehr lecker, dauert aber etwas länger und ist normalerweise kalorienhaltiger.

     

    Stimmt es, dass Kartoffeln lecker, gesund und nützlich sind?

     

    Wer will das noch bestreiten? Neben der vielfältigen Verwendung für ein leckeres Mahl ist hier die Bedeutung der Kartoffel zur Stärkegewinnung noch unerwähnt geblieben. Mancher Kuchen und viele Klöße wären ohne Kartoffelstärke nicht denkbar.

    Ebenso blieb unerwähnt, daß Kartoffeln in leckeren Gerichten, wie z.B. Gnocci, enthalten sind oder beim Brotbacken verwendet werden.  Und nicht nur für uns Menschen, sondern auch in der Tiernahrung finden Kartoffeln Verwendung.

    Neben der gesunden Wirkung in Nahrung ist Kartoffelstärke außerdem die Grundlage für manche Puderprodukte. Wer Halsschmerzen und Husten hat, kann zur Linderung einen Wickel aus gekochten Kartoffeln herstellen.

    Ganz zu schweigen von der nützlichen Rolle der Kartoffel in schlechten Zeiten der früheren Jahrunderte. Hoffen wir, dass wir solche Zeiten nie wieder bekommen.