Keitum – das grüne Herz der Insel Sylt

    Keitum gilt als der schönste Ort der Insel. Keiner ist so historisch gewachsen. Liebevoll gepflegte alte Friesenhäuser bestimmen das Ortsbild.

    Grüne Gärten, bunte Blumen und steinerne Friesenwälle unterstreichen die Schönheit der alten Häuser.

    Viele Jahre war Keitum der Hauptort Sylts. Erst Anfang des letzten Jahrhunderts übernahm Westerland diese Rolle.

    Die Friesenhäuser der Kapitäne

    Sagenhaft schöne alte Friesenhäuser aus der Walfangzeit und viele Bäume prägen Keitum auf Sylt. Bunte Blumen in den Gärten erfreuen das Auge des Betrachters.

    Es lohnt sich, auf Details zu achten. Die Türen der einzelnen Häuser bilden Kunstwerke für sich in Farben und Holzverarbeitung.

    Die tief heruntergezogenen Reetdächer strahlen Behaglichkeit und Gastlichkeit aus. Einige bergen erstklassige Restaurants oder Geschäfte mit geschmackvollen Warenangeboten.

    Altfriesisches Haus

    Im 18. Jahrhundert haben viele wohlhabende Kapitäne ihre schönen Häuser hier in Keitum gebaut. Im Altfriesischen Haus (1739) kann man besichtigen, wie die Menschen damals gelebt und welche Kostbarkeiten die Seefahrer mitgebracht haben.

    Das Sylter Heimatmuseum (1759) informiert über friesische Kultur, Frühgeschichte, Geschichte der Seefahrt und Sylter Persönlichkeiten, wie den Freiheitskämpfer Uwe Jens Lornsen. Beide Museen liegen Am Kliff.

    Grünes Kliff

    Das ,,Grüne Kliff“ begrenzt Keitum zum Wattenmeer. Herrlich, ein Spaziergang auf dem verwunschenen Weg, der oben an der Kliffkante entlang führt. Ein anderer empfehlenswerter Spaziergang:

    Vom Parkplatz Am Tipkenhoog kurz die Straße ortsauswärts das große Steingrab anschauen und an die Küste gehen. Zurück geht’s kurz durch den Sand bis zur asphaltierten Uferpromenade.

    Die führt unterhalb des Kliffs bis Nielsen’s Kaffeegarten. Wem das genug ist, der kann bei Kaffee und Kuchen den zauberhaften Blick auf das Watt genießen.

    Wer länger gehen will: Einfach den Sandweg weitergehen. Bald ist man in Höhe der berühmten Keitumer Kirche St. Severin, die wie ein Wahrzeichen weithin zu sehen ist. Aktive können endlos am Watt weitergehen.

    St. Severin – die Kirche in Keitum auf Sylt

    Massiv und unverkennbar thront sie auf einem der höchsten Punkte der Geest mitten auf Sylt: Sankt Severin, die Keitumer Kirche.

    Sie ist ein Wahrzeichen der Insel und ein Ort der Besinnung zugleich. Wer sie besucht, wird eingefangen in eine besondere Atmosphäre des Glaubens und der Zeitgeschichte.

    St. Severin in Keitum ist die größte der alten Kirchen auf Sylt. Kaum ein Syltbesucher, der sie nicht kennt. Gottesdienste, Orgelkonzerte, stille Einkehr oder Eintauchen in die Geschichte durch eine Besichtigung von Kirche und Friedhof gehören für die meisten Syltbesucher dazu.

    Die Grabsteine auf dem Friedhof berichten über manche alte Sylter Familie; manch namhafter deutscher Mitbürger hat hier seine letzte Ruhe gefunden.

    Geschichte

    1240 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, stammt die Kirche St. Severin wahrscheinlich schon aus dem 12. Jahrhundert. Das Langhaus wurde später angefügt und der Turm wurde im 15. Jahrhundert erbaut.

    In den frühen Jahren war sie nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Ort der Zuflucht für Kinder, Frauen und Alte, wenn Piraten oder Marodeure die Insel bedrohten, während die Männer auf See waren.

    Wegen ihrer exponierten hohen Lage auf dem Geestkern, am Rand des Ortes und nahe zum Wattenmeer diente sie gleichzeitig als markantes Seezeichen.

    Beeindruckende Innenarchitektur

    Man betritt St. Severin durch eine Tür an der Nordseite des Turms. Die Backsteinmauern lassen ihr Alter ahnen. Große moderne Glastüren mit bronzenen Walfischen als Griffe führen in die schöne friesische Kirche.

    Der Blick fällt auf den spätgotischen Flügelaltar aus dem späten 15. Jahrhundert am Ende des Innenraums. Baumaterialien wie der Tuffstein aus dem Rheinland und weitere Kostbarkeiten wie die niederländischen Kronleuchter aus dem 17. Jahrhundert lassen ahnen, welch weitreichende Handelsbeziehungen vor Jahrhunderten bestanden haben.

    Vieles mehr ist zu bewundern. Der Taufstein aus dem 11./12. Jahrhundert ist das älteste Stück. Eines der neuesten dürfte die herrliche Mühleisen-Orgel sein, die 1999 erbaut wurde. Alles zusammen schafft die Atmosphäre, in der man Andacht und innere Ruhe findet.

    St. Severin Keitum – Taufstein

    Die kurzen Berichte über St. Severin, die Kirche in Keitum auf Sylt, sind auf viel Interesse gestoßen. Deshalb will ich auf die einzelnen Sehenswürdigkeiten eingehen. Heute Taufstein und Schnitzaltar.

    Schon von außen beeindruckt die romanische Kirche aus rheinischem Tuff, Granit, Feld- und Ziegelsteinen. Innen birgt Sie einige Schätze.
    Taufstein

    Durchschreitet man den Mittelgang, ist der Blick auf den spätgotischen Flügelaltar gerichtet. Kurz davor fällt der Blick auf den Taufstein.

    Der Taufstein wurde in der Gegend um Bentheim gefertigt und hat eine quadratische Sockelplatte mit 4 Löwen. Die Verwitterung entspricht seinem Alter.

    Er ist das älteste Stück in der Kirche. Ob er aus dem 11., 12. oder 13. Jahrhundert stammt, ist nicht genau bekannt.

    Der Stein selbst mit seinen Rankenelementen und Symbolen ist gut erhalten. Am Boden des Messingeinsatzes ist die Taufe Christi eingraviert.

    Über dem Taufstein an der Wand ist der Taufdeckel zu sehen. Er zeigt die Darstellung der Taufe Jesu in einer Flusslandschaft.
    Schnitzaltar

    Der Schnitzaltar am Ende des Innenraums stammt aus der Zeit um 1480. Im Mittelschrein liebevoll dargestellt Gottvater mit dem auferstandenen Christus, seitlich Maria mit dem Jesuskind und der Bischof St. Severin.

    Bei dem Kirchenpatron handelt es sich vermutlich um den heiligen Bischof Severinus um 1400 in Köln. Die zwölf Apostel sind mit markanten Gesichtern im Seitenflügel abgebildet.

    Es soll weitere weniger gut erhaltene Abbildungen geben, die nur bei zugeklapptem Hauptaltar zu sehen sind.

    In der Predella unter dem Schrein sieht man das Abendmahlsgeschehen und die Einsetzungsworte. Diese Malerei stammt vermutlich aus dem Jahre 1705.

    PS: Vor Keitum ist ein großer Parkplatz. Am besten dort das Auto abstellen und zu Fuß losgehen.

    Verantwortlich für diesen Beitrag: Wilma Lojewski