List auf Sylt und Ellenbogen

    Ganz oben im Norden der Insel Sylt liegt List, die nördlichste Gemeinde Deutschlands.

    Das Festland gegenüber gehört schon zu Dänemark. Zwischen der dänischen Insel Römö und List gibt es eine Fährverbindung.

    Blidselbucht und Wanderdünen

    Wir machen unsere kleine Listtour aus Richtung Westerland/Kampen. Zum Auftakt bietet sich ein herrlicher Blick auf die romantische Blidselbucht und das Wattenmeer.

    Bald teilt sich die Straße in „die alte“ und „die neue“. Die „alte“ führt in das größte Dünengebiet der Insel und in Deutschland insgesamt.

    Meistens sind die Dünen mit Krähenbeerenheide und Strandhafer bewachsen. Mittendrin liegt die riesige Wanderdüne. Eine Düne im Urzustand, nur Sand, kein geschlossener Bewuchs. Ein überwältigender Anblick.

    Weststrand

    Von der alten Straße führen Strandübergänge an den Weststrand. Das ist klassischer Sylter Badestrand, herrlicher Sand, immer schwimmtiefes Wasser und Wellen, deren Höhe vom Wind bestimmt wird.

    Beim letzten Übergang, hinter der Lister Kurhalle, ist der Zentralstrand. Ebenfalls hinter der Kurhalle eine hohe Düne, von der man einen großartigen Blick hat.

    Ellenbogen

    Sylt hat einen Haken – und der ist mit das Schönste an der Insel. Oben im Norden geht die Insel von West nach Ost in eine Nehrung über, die wie ein angewinkelter Arm aussieht, der „Ellenbogen“.

    Zwischen der Ortschaft List und dem Ellenbogen liegt der eindrucksvolle „Köningshafen“. Die Zufahrt zum Ellenbogen ist gleich neben dem Parkplatz der Lister Strandhalle an der alten Straße nach List.

    Vorn an der Ellenbogenstraße wird eine Gebühr für Fahrzeuge erhoben. Wer den Ellenbogen kennt, liebt ihn in der Regel, zahlt gern und freut sich, dass die Listlandbesitzer dieses schöne Fleckchen Erde für die Allgemeinheit zugänglich halten.

    Die Landschaft ist hier besonders karg, Mondlandschaft sagen manche. Die wenigen Wildblumen sind winzig klein. Schafe grasen in den Dünen. Auf der Straße haben die natürlich Vorfahrt. Das ist besonders charmant, wenn im Frühling die Lämmer da sind.

    Lerchen brüten in dem niedrigen Bewuchs. Ab und zu steigen sie jubilierend hoch in die Luft. Riesige Wildgansscharen bevölkern während der Durchzugzeit die Wattseite wie auch unzählige Knutts ,deren Schwärme beim Fliegen wie wabernde Wolken am Himmel wirken.

    Wunderbarer Strand auf der Nordseite lädt zum Spazierengehen oder zum Sonnen ein. Man findet fast immer ein einsames Plätzchen.

    Aber aufgepasst. Baden ist hier verboten! Hier an der Nordseite der Insel zwischen Sylt und der dänischen Insel Römö presst sich der Gezeitenstrom in das Wattenmeer oder drängt zurück. Die Strömungen sind extrem gefährlich.

    Also besser spazieren gehen. Zum Beispiel einmal um die Spitze Entlang der Straße sind Parkplätze. Je nach dem wo man einsteigt, kann man kurz oder stundenlang wandern.

    Beginnt man am Westfeuer, ist es ein langer Marsch. An der Seeseite, den Blick auf Wolken, Wasser und Sand gerichtet, da wird der Kopf frei und Stress vergessen. Wenn man Glück hat, sieht man mal einen Seehund neugierig aus dem Wasser lugen, oder man findet ein kleines Stückchen Bernstein im Sand.

    Etwa in der Mitte der Nehrung baut sich seit Jahren ein kleines Stück Düne neu auf. So etwas ist selten zu beobachten. Man streift auf diesem Weg auch den nördlichsten Punkt Deutschlands.

    In Höhe des Ostfeuers ist man schon fast an der Spitze angelangt. Nun geht’s am Königshafen zurück. Vorbei an dem einsamen Haus Uthland kommt man auch an einen der beliebtesten Surfplätze.

    Besonders schön ist der Rückweg in der Abenddämmerung, wenn sich der Blick nach Westen richtet und die Sonne hinter den Dünen untergeht. Und woher hat dies herrliche Stück Natur den Namen „Königshafen“?

    Das geht zurück auf die Zeit, als hier noch der dänische König herrschte. 1644 fand hier sogar eine Seeschlacht statt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts versandete der Hafen.

    Alt List

    Am Ortseingang links gelangen wir zum kleinen alten Ortskern, die Kirche und die Häuser der Listlandbesitzer.

    Sonst ist List baulich stark geprägt von Militärbauten aus weniger erfreulichen Zeiten Deutschlands und natürlich zunehmend von neueren Reetdachbauten.

    Lister Hafen

    Der Hafenbereich ist ein Erlebnis und nach der Umgestaltung ein Schmuckstück. Vorneweg Gosch. Fischessen an Stehtischen draußen, in der urigen Bootshalle, im Restaurant mit weitem Blick oder ein Fischbrötchen auf die Faust.

    Wer denkt noch an die Ursprungsfischbude Wer keinen Fisch mag: Vom Steak im Piratennest bis zum Eis in die Hand ist alles möglich. In pastellfarbigen Häuschen oder in der alten Tonnenhalle vielfältige bunte Möglichkeiten zum Schoppen.

    Und der Hafen? Der Seenotrettungskreuzer Minden liegt hier, mit dem unsinkbaren Beiboot „Margarete“. Außerdem gibt es die Adlerschiffe, die Palucca, einige Kutter, Segler und manchmal den Forschungskatamaran Mya vom Alfred-Wegener-Institut zu sehen.

    Immer wieder ein Erlebnis: Das Landemanöver der Dänemarkfähre gleich neben dem Hafenbecken. Als kleinen (Verdauungs-)Spaziergang empfehle ich die neue Ostpromenade an der Lister Wattseite. Dort ist es am schönsten bei Vollmondaufgang.

    Nebenbei bemerkt: Parken ist auf dem großen Parkplatz kostenlos. Und am Rande des Parkplatzes befindet sich das beeindruckende „Erlebniscenter Naturgewalten“.

    Wir verlassen List über die „neue“ Straße. Man kann sehen: In diese Richtung wandert ein Teil der Wanderdüne. Und wenn es richtig weht, sieht man sie auch „wandern“.

    Algen  auf Sylt – Algenfarm in List

    Dass es auf Sylt Algen gibt, weiß man oder kann man sich denken. Schließlich ist Sylt an der Nordsee.

    Beim Strandspaziergang findet man natürlich Algen und würde nicht auf die Idee kommen, sie als Nahrungsmittel einzuplanen.

    Wenn bei einer Führung im Wattenmeer der „Meeressalat“ gezeigt wird, mit dem Kommentar: „Das kann man auch essen“, ruft das meistens noch ein „Iii“ bei den Teilnehmern hervor.

    Tatsächlich sind Algen essbar, lecker und gesund. Sie sind fettarm und enthalten Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, darunter auch Jod, an dem es sonst in der Ernährung oft mangelt.

    Durch Sushi-Restaurants sind Algen als Nahrungsmittel schon bekannter geworden. In Asien und auch in Frankreich ist der Verzehr von Algen schon lange eine Selbstverständlichkeit.

    Seit einiger Zeit werden auch auf Sylt essbare Algen gezüchtet. Professor Lüning, ein pensionierter Meeresbiologe, hat in List eine Algenfarm gegründet.

    Die dort gezüchteten Algen finden ihren Absatz als Delikatesse in guten Restaurants. Ein Spezialbetrieb in der Lüneburger Heide verarbeitet sie zu Algenwurst, Algenbrot und mehr, eine leckere und gesunde Alternative nicht nur für Vegetarier.

    Fachleute vermuten, dass Algenprodukte in den nächsten Jahren an Beliebtheit zulegen und sowohl in Delikatessengeschäften als auch in Supermärkten zu finden sein werden.

    Besonders erfreulich und ein Tipp für Regentage auf Sylt: Man kann die Algenfarm in List von April bis August besichtigen.

    Bei den Führungen bekommt man einen Eindruck, wie das maritime Gewächs zum Nahrungsmittel wird. Man bekommt eine Vorstellung von Meeres-Aquakultur. Ein „Grabbelbecken“ ist nicht nur für Kinder interessant. Wer möchte, kann auch Algen probieren.

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