Lebensversicherung ja oder nein?

Lohnen sich Lebensversicherungen heutzutage noch? Soll man eine Kapitallebensversicherung neu abschließen, eine vorhandene Lebensversicherung behalten oder doch besser kündigen? Diese Fragen werden in der Finanzpresse kontrovers diskutiert.

Oftmals wird die vorzeitige Auflösung durch Kündigung oder Verkauf empfohlen. Andere Stimmen warnen vor einer unüberlegten Umschichtung des Kapitals in andere Anlageprodukte.

Welcher Weg ist der richtige? Darüber gibt es natürlich keiner allgemeingültigen Antworten. Aber einige Grundsätze können eine Orientierungshilfe sein. Wird ein Neuabschluss in Erwägung gezogen, können ein paar Tipps der Vermeidung von Fallstricken dienen.

Alte Lebensversicherungen kündigen oder behalten?

Unter Renditegesichtspunkten stellen sich zwei Fragen:

  • Kann ich mit dem freiwerdenden Kapital einen besseren Ertrag erwirtschaften als mit der bestehenden Lebensversicherung?
  • Ist der Mehrertrag mit einer Geldanlage möglich, die meiner Risikobereitschaft entspricht? Anders ausgedrückt, kann ich ruhig schlafen, wenn ich mein Kapital in eine renditestarke Geldanlage mit höherem Risiko als bei einer Lebensversicherung stecke?

Vergleich der Renditen

Der Bund der Versicherten stellt auf seiner Webseite ein interessantes Tool zur Verfügung.
Nach Eingabe einiger relevanter Daten aus dem Kapital Lebensvertrag wird automatisch errechnet, wie hoch die Rendite des neuen Finanzprodukts sein muss, damit sich eine Kündigung lohnt.

Die Berechnung erfolgt für zwei Möglichkeiten: Kündigung (auch auf Verkauf anwendbar) und Beitragsfreistellung. Außerdem wird die Möglichkeit berücksichtigt, dass das Vertragsende eventuell vorverlegt werden kann.

Hohe Renditen mit welcher Geldanlage

Die Ergebnisse des Renditerechners werden für manche Inhaber einer Lebensversicherungspolice oder einer Rentenversicherung ernüchternd sein. Gleichgültig ob ein junger Vertrag mit niedriger Garantieverzinsung abgeschlossen wurde oder ob ein gut verzinster Altvertrag besteht, Anleger müssen ungewohnte Risiken eingehen, wenn sie die Rendite ihrer Kapitallebensversicherung schlagen wollen.

Herkömmliche Kapitallebensversicherungen beinhalten so gut wie kein Anlagerisiko. Sie sind vergleichbar mit Festgeld oder Tagesgeld, vielleicht auch noch mit sehr sicheren Rentenpapieren. Gegenwärtig, in Zeiten besonders niedriger Verzinsung, bringen solche Geldanlagen nicht mehr als Lebensversicherungen. Die Renditen älterer Policen sind regelmäßig sogar höher als die Zinsen für Tagesgelder oder Festgelder. Manche Altverträge kommen sogar auf eine Verzinsung in Höhe von 4 %.

Deutlich bessere Renditen als Lebensversicherungen bringen nur Wertpapiere, die mit Aktien unterlegt sind wie beispielsweise Indexfonds. Wer mit einer Kapitalanlage mehr verdienen möchte als er gegenwärtig mit einer Lebensversicherung verdient, der muss immer zu mehr Risiko bereit sein.

Umschichtung von Kapital aus Altverträgen

Kapitallebensversicherungen, die den größten Teil ihrer Laufzeit bereits hinter sich haben, sollten besser bis zum Ende der Laufzeit durchgehalten werden. Ältere klassische Kapitallebensversicherungen sind regelmäßig angemessen verzinst und Anleger profitieren nach wie vor von recht ordentlichen Schlussüberschüssen.

Die Überschussbeteiligungen dieser Verträge sind trotz vom Gesetzgeber im Interesse der Versicherungswirtschaft erlassener Schutzvorschriften, nach denen mehr Überschüsse im Versicherungsvermögen verbleiben müssen als früher, recht attraktiv.

Zudem dürfen die Kosten bei einer Umschichtung nicht vergessen werden. Kosten bei einer erneuten Kapitalanlage in renditestarke Produkte entstehen immer, und je nach ihrer Höhe mindern sie die Rendite spürbar. Ausgabeaufschläge, Verwaltungsgebühren und Handelskosten sind Beispiele.

Bei manchen Wertpapieren sind diese Kosten besonders hoch. Dazu gehören alle aktiv gemanagten Fonds sowie die von Anlageberatern gern verkauften „modernen Finanzprodukte“ wie Zertifikate.

Empfehlenswert sind preiswerte Lösungen, nämlich ETFs auf Aktien- und/oder Rentenindizes. Eine Kapitalanlage in solche Anlageformen ist sicher, kostengünstig, und die Rendite ist regelmäßig wenigstens ebenso hoch wie bei komplizierten Zertifikaten, mehr riskanten Unternehmensanleihen oder aktiv gemanagten Fonds.

Gehört der Anleger bereits der Generation 50+ an, ist eine Umschichtung in renditestärkere Finanzprodukte nicht unproblematisch. Damit sich Investitionen in den Aktienmarkt unter Berücksichtigung eines ausgeglichenen Rendite-/Risikoverhältnisses tatsächlich lohnen, sind Laufzeiten von wenigstens 10 bis 15 Jahren zu veranschlagen. Solche Laufzeiten können unrealistisch sein, wenn ein sechzigjähriger Anleger das Kapital aus seiner Lebensversicherung noch umschichten möchte.

Lohnt sich ein Neuabschluss?

Klassische Lebensversicherungen zeichnen sich durch eine Garantieverzinsung und flexible Überschussbeteiligungen aus. Der Garantiezins (Höchstrechnungszins) beträgt gegenwärtig 1,25 %.

Selbst wenn die klassische Lebensversicherung eine Renaissance erleben sollte, und die Garantiezinsen bei veränderten Zinssätzen wieder steigen, mittelfristig eher unwahrscheinlich, profitieren sicherheitsbedachte Anleger, die zu diesen niedrigen Zinssätzen abgeschlossen haben, nicht. Denn der einmal vereinbarte Garantiezins bleibt derselbe.

Wer heute noch mit klassischen Lebensversicherungen liebäugelt, für den gilt Sicherheit deutlich über Rendite. Festgelder mit 2 bis 3-jährigen Laufzeiten, Tagesgelder, vielleicht noch einige Rentenpapiere sind gegenüber klassischen Lebensversicherungen die bessere Alternative.

Diese Anlageformen binden den Sparer nicht über lange Zeiträume. Eine Umschichtung ist einfach und ohne jede Nachteile möglich, wenn sich zukünftig das Zinsniveau wieder verbessert.

Neben klassischen Lebensversicherungen mit Garantieleistungen gibt es fondsgebundene Policen und ähnliche Produkte, die die Anbieter erfunden haben, um trotz der „Krise der Lebensversicherungen“ im Geschäft zu bleiben. Alle diese Produkte sind ähnlich strukturiert.

Wie Vermögensverwalter investiert die Versicherung die Sparbeiträge ihrer Kunden in unterschiedliche Finanzprodukte. Garantierte Ablaufleistungen gibt es nicht mehr. In Einklang mit den gesetzlichen Regeln ist allein das eingesetzte Kapital garantiert.

Manche dieser „modernen Lebensversicherungen“ ähneln Cap-Zertifikaten. Der Kunde wird vor bestimmten Verlusten geschützt, muss jedoch dafür einen Teil anfallender Gewinne an den Versicherer abtreten.

Viele kritisieren diese Produkte, weil sie die für Kapitallebensversicherungen typischen Garantieleistungen nicht mehr enthalten. Sie sind nicht schlecht aber auch nicht unproblematisch.

Wer solche Produkte kauft, schließt praktisch einen Vertrag über die Dienstleistungen eines Vermögensberaters ab. Und dieser Vermögensberater ist besonders teuer. Lange nicht alle Beiträge gehen in die Vermögensbildung. Der Kunde bezahlt die Verwaltung der Lebensversicherung ebenso wie alle Abschlusskosten und Maklergebühren.

Alle diese Kosten mindern die Rendite gegenüber einer Direktinvestition in dieselben Produkte, in die die Versicherung investiert. Wozu benötigen Anleger eine Lebensversicherung in Form von Indexpolicen, wenn sie doch direkt in die gleichen Produkte investieren können, in die der Lebensversicherer investiert.

Zudem taugt die „Vermögensberatung“ in vielen Fällen wenig. Investiert wird in das Nächstliegende, womöglich noch ausschließlich in Finanzprodukte, die von Partnern der Versicherungsgesellschaft zur Verfügung gestellt werden. Bevor ein Abschluss ins Auge gefasst wird, ist deshalb eine Beratung durch einen unabhängigen Fachmann sehr empfehlenswert.

In der Regel können Lebensversicherungen mit vom Anleger selbst vorgenommenen Direktinvestitionen nicht mithalten. ETFs beispielsweise auf gute Indices sind eine sichere und ertragreiche Langfristanlage, und sie können im Rahmen von Sparplänen vorgenommen werden. Das Beste ist, wenn Anleger sich einen eigenen Sparplan zurechtlegen und in regelmäßigen Abständen, beispielsweise jährlich oder halbjährlich, größere Summen direkt in börsengehandelte ETFs investieren.

Kapitalbildung und Risikovorsorge trennen

Oft werden gemischte Lebensversicherungen angeboten, eine Kombination aus Kapitallebensversicherung für die Altersvorsorge und Risikolebensversicherung für den Hinterbliebenenschutz. Darüber hinaus gibt es Paketlösungen. Lebensversicherungen werden beispielsweise mit Unfallversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen kombiniert.

Besonders empfehlenswert sind solche Paketlösungen in der Regel nicht. Risikovorsorge und Kapitalvorsorge sollten strikt getrennt werden:

  1. Bei Kombiverträgen wirken sich vorzeitige Vertragsveränderungen, die den Kapitalanteil betreffen, (vorzeitige Kündigung, Verkauf, Beitragsfreistellung oder ruhen lassen beispielsweise) oft negativ auf die Risikovorsorge aus. Die Nebenverträge erschweren Veränderungen beim Kapitalanteil.
  2. Der in solchen Nebenverträgen verbriefte Versicherungsschutz (Unfall und anderes) ist oft nicht umfassend genug. Die Qualität gesondert abgeschlossener Verträge zum Risikoschutz ist besser.
  3. Eine Hinterbliebenenversorgung in Kombination mit einer Kapitalversicherung ist häufig unzureichend, oder die Prämien sind bei ausreichendem Schutz einfach zu hoch. Isolierte Risikolebensversicherungen sind deutlich günstiger bei vernünftiger Risikovorsorge.

Beitragsrendite

Prämien haben unterschiedliche Komponenten: Risikoanteil, Kostenanteil, Sparbeitrag. Nur der Sparbeitrag wird am Kapitalmarkt angelegt und erwirtschaftet Renditen.

Manche Anbieter oder Versicherungsvermittler sind nicht so genau in ihren Angaben, wenn es um die Erträge geht. Häufig beziehen sie die Rendite ausschließlich auf den Sparbeitrag und nicht auf das gesamte eingesetzte Kapital des Anlegers – die Bruttobeiträge.

Damit Kapitallebensversicherungen mit alternativen Geldanlagen verglichen werden können, müssen Anleger aber wissen, welche Rendite der gesamte Kapitaleinsatz erwirtschaftet. Alle Beitragskomponenten müssen zusammengerechnet werden. Also immer nach der Beitragsrendite Fragen.

Dynamik vermeiden

Dynamische Kapitallebensversicherungen werden in der Regel als Inflationsausgleich besonders empfohlen. Doch meistens nutzen solche Vereinbarungen mehr dem Versicherer oder dem Vermittler als dem Versicherten.

Denn jede Beitragserhöhung im Rahmen der Dynamik kann zu zusätzlichen Abschlusskosten führen. Das ist einträglich für Makler und Versicherungsgesellschaften, aber überhaupt nicht einträglich für den Versicherungskunden.

Getarnte Lebensversicherungen meiden

Viele Verbraucher durchschauen nicht, was alles in Wirklichkeit Kapitallebensversicherungen sind. Ausbildungsversicherungen, Aussteuerversicherungen, Sterbeversicherungen, Schutzbriefe aller Art, Kapitalaufbaupläne – hinter diesen klangvollen Bezeichnungen verbergen sich banale Kapitallebensversicherungen, die teuer sind und sich regelmäßig wenig lohnen.

Soll für Zwecke wie diese Geld gespart werden, geschieht dies besser über Direktanlagen. Sparpläne auf alle möglichen Finanzprodukte lohnen sich hier besonders.

Beitragsintervalle

Monatliche Prämienzahlungen machen das Ansparen einer kapitalbildenden Lebensversicherung optisch erträglicher. Die Raten sind niedriger und deshalb besser zu verkraften.

Es gibt aber einen negativen Nebeneffekt. Je kürzer die Beitragsintervalle, desto höher der Kostenanteil. Die beste Rendite wird erreicht, wenn lange Beitragszeiträume, etwa jährliche Beitragszahlungen, vereinbart werden.

Vor Abschluss vergleichen

Lebensversicherer arbeiten unterschiedlich gut. Deswegen lohnt sich ein Vergleich am besten in Verbindung mit einer Beratung durch einen unabhängigen Versicherungssachverständigen.

Kapitallebensversicherungen lassen sich nur sehr schwer vergleichen, da der Anlageerfolg, die Rendite, im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bestenfalls grob geschätzt werden kann.

Ein Vergleichsmaßstab ist die Kostenstruktur beim Versicherungsgeber. Wer in der Vergangenheit sparsam gewirtschaftet hat, wird dies in der Regel in der Zukunft ebenfalls tun.

Der Anlageerfolg in der Vergangenheit ist kein wirklich zuverlässiger Maßstab. Aber wer mit den Sparbeiträgen über lange Zeiträume in der Vergangenheit überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet hat, wird auch zukünftig nicht allzu schlecht abschneiden.

Anhaltspunkte bieten auch die Empfehlungen von Fachzeitschriften wie Test.de. Viele Lebensversicherer, die ihre Dienstleistungen online anbieten, haben günstige Konditionen. Ein Onlineabschluss kann sich also lohnen.