Welche Versicherungen braucht man, welche sind überflüssig?

    Über 3.000 € jährlich geben Familien durchschnittlich für Versicherungen aus. Vieles davon ist überflüssig. Laut Stiftung Warentest werden für Versicherungen jährlich im Schnitt 400 € zu viel ausgegeben.

    Unabhängige Versicherungsberater werden fortwährend mit Beispielen  von Falschversicherungen konfrontiert.

    So werden nicht selten mehrere Kapitallebensversicherungen abgeschlossen, obwohl schon eine kapitalbildende Lebensversicherung unter Berücksichtigung der konkreten Lebenssituation des betreffenden Versicherten eigentlich überflüssig wäre.

    Oder ein Versicherungsmakler hat einem Rentner eine neue Unfallversicherung oder eine Rechtsschutzversicherung angedreht.

     

    Vertriebsstruktur führt zur Falschversicherung

    Die häufig anzutreffende Falschversicherung hat im wesentlichen zwei Gründe.

    Viele Versicherungsnehmer schätzen die bei ihnen bestehenden Risiken falsch ein und werden zudem falsch beraten. Wirklich benötigte Versicherungen werden deshalb nicht und stattdessen überflüssige Verträge abgeschlossen.

    Beispielsweise sind private Unfallversicherungen für Versicherungsgesellschaften sehr attraktiv. Denn das versicherte Risiko ist entgegen der landläufigen Meinung von Versicherungsnehmern sehr niedrig. Der Versicherungsfall tritt also relativ selten ein.

    Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Vertriebsstruktur eine hohe Mitverantwortung an Falschversicherungen hat.

    Makler erhalten besonders hohe Provisionen für Versicherungsabschlüsse, die für Versicherungen das geringste Risiko darstellen. Also versuchen sie, genau diese Versicherungen an den Mann zu bringen.

    Die Prämien solcher risikoarmen Versicherungen sind oft sehr gering. Ein Argument mit dem Makler häufig Neukunden ködern.

     

    Welche Versicherungen sollte man haben?

    Welche Versicherungen man unbedingt braucht, hängt von der konkreten Lebenssituation ab.

    Einige Versicherungen gehören allerdings zur „Basisabsicherung“, die sich unabhängig von den Lebensumständen jeder leisten sollte. Manche Versicherungen sind gesetzliche Pflichtversicherungen, deren Abschluss zwingend ist.

    Pflichtversicherungen

    Seit 2006 ist eine Krankenversicherung, gesetzlich oder privat, vorgeschrieben. Abgesehen davon sollte jeder eine solche Versicherung abschließen. Sie gehört zur Grundabsicherung.

    Je nach den Umständen des Einzelfalls kann eine private Zusatzkrankenversicherung empfehlenswert sein. Das gilt vor allem für Zahnzusatzversicherungen.

    Wer ein Kraftfahrzeug führt, benötigt eine Kfz Haftpflichtversicherung.Insassenunfallversicherungen, Vollkasko- oder Teilkaskoversicherungen sind gesetzlich nicht vorgeschrieben.

    Vollkasko- oder Teilkaskoversicherungen empfehlen sich bei Neufahrzeugen oder wertvollen Gebrauchtfahrzeugen. Wird fremdfinanziert, verlangt der Kreditgeber in der Regel den Abschluss einer Vollkaskoversicherung.

    Einige Länder in Deutschland schreiben eine Tierhalterversicherung vor, wenn beispielsweise als gefährlich eingeschätzte Hunderassen (Kampfhunde) gehalten werden. Unabhängig davon, ist eine Tierhaftpflicht immer sinnvoll.

    Daneben gibt es noch weitere Pflichtversicherungen, die unter bestimmten Umständen abgeschlossen werden müssen.

    Dazu gehören Versicherungen bei der Berufsgenossenschaft, Berufshaftpflichtversicherungen, Betriebshaftpflichtversicherungen und Jagdhaftpflichtversicherungen.

    Welche Versicherungen sind außerdem wichtig?

    Abgesehen von den Pflichtversicherungen gibt es eine Anzahl von Policen, die in bestimmten Lebenssituationen ebenso wichtig sind.

    Haftpflichtversicherung

    Zu den Versicherungen, die man unbedingt braucht, gehört die Haftpflichtversicherung. Denn schon eine kleine Fahrlässigkeit kann zu Schadenersatzpflichten führen, die das gesamte Vermögen gefährden.

    Private Berufsunfähigkeitsversicherung

    Private Berufsunfähigkeitsversicherungen sind ebenfalls sehr wichtig, weil keine andere Versicherung die dadurch versicherten spezifischen Schäden vollständig abdeckt.

    Unbedingt empfehlenswert ist der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung für die Alleinverdiener einer Familie.

    Versicherungen stellen an den Abschluss hohe Anforderungen. Können diese nicht erfüllt, werden, hilft manchmal eine Unfallversicherung weiter.

    Risikolebensversicherung

    Junge Familien sollten den Abschluss einer Risikolebensversicherung bedenken. Das ist besonders wichtig, wenn hohe Verbindlichkeiten zum Beispiel Immobilienkredite bestehen.

    Kinderinvaliditätsversicherung

    Viele Fachleute halten eine Kinderinvaliditätsversicherung für unverzichtbar. Sie leistet nicht nur bei Unfall, sondern auch wenn die Invalidität durch eine Krankheit hervorgerufen wird. Dieser Fall ist häufiger als eine Invalidität durch Unfall.

    Gebäudeversicherungen

    Immobilieneigentümer sollten immer Gebäudeversicherungen abschließen, obwohl diese gesetzlich nicht vorgeschrieben sind. Hausratversicherungensind nur vernünftig, wenn besonders wertvoller Hausrat vorhanden ist.

     

    Versicherungen zur Altersvorsorge

    Die Altersvorsorge stellt einen Sonderfall dar. Die gesetzliche Rente reicht schon heute in der Regel nicht, um im Alter ein angemessenes Leben führen zu können. Private Vorsorge ist also notwendig.

    Aber es ist nicht zwingend notwendig, Versicherungsverträge zur privaten Altersvorsorge abzuschließen. Man kann ebenso direkt in Wertpapiere oder andere Geldanlagen investieren.

    Das wird manchmal von Fachleuten empfohlen, die gleichzeitig heftige Kritik an den gesetzlich geförderten Rentenversicherungen üben. Vor allem für die Altersvorsorge genutzte Kapitallebensversicherungen unterliegen wegen angeblich geringer Renditen einer solchen heftige Kritik.

    Andererseits sind Direktversicherung, Riester Rente oder Rürup Rente für viele ein sicherer Weg der Altersvorsorge. Die steuerliche Förderung macht diese Produkte für Otto Normalverbraucher attraktiv, der nicht ständig selbst den Geldmarkt beobachten möchte.

    Sparer müssen nicht in eine Kapitallebensversicherung investieren. Es gibt eine Reihe anderer zertifizierter Finanzprodukte, die sich beispielsweise für die Riesterrente eignen. Die verschiedenen Fondssparpläne sind ein Beispiel. Auch Wohn-Riester gehört dazu.

     

    Überflüssige Versicherungen

    Bei einer Reihe von Versicherungen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht. Schadensfälle sind selten und im Verhältnis zu den meist geringen Schäden sind die Prämien zu hoch.

    Preis-Leistungs-Verhältnis fraglich

    In diese Kategorie fallen Sterbegeldversicherungen, Handyversicherungen, Rechtsschutzversicherungen, Brillenversicherungen, Reisegepäckversicherungen und in der Regel auch Glasbruchversicherungen.

    Insassenunfallversicherungen sind grundsätzlich überflüssig, weil die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung ausreichende Absicherung bietet.

    Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr

    Eine Unfallversicherung sollte nur im Notfall abgeschlossen werden, wenn eine Berufsunfallversicherung nicht möglich ist. In der Regel ist sie überflüssig.

    Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr gelten als Mogelpackung. Der Versicherte zahlt die erstatteten Prämien mit überhöhten Beiträgen vorher ein und die Leistungen lassen zu wünschen übrig.

    Kapitallebensversicherung

    Kapitallebensversicherungen werden von vielen Fachleuten für zu renditeschwach gehalten. Hohe Abschlussgebühren und Verwaltungskosten sowie gegenwärtig niedrige Garantiezinsen lassen kapitalbildende Lebensversicherungen im Augenblick wenig attraktiv erscheinen.

    Das gleiche gilt für Kapitalversicherungen, die einem besonderen Zweck dienen. Ein Beispiel ist die Aussteuerversicherung.

    Bestimmte Risikoversicherungen

    Sind Risikolebensversicherungen auf den Todesfall empfehlenswert, so gilt dies keinesfalls für andere Risikoversicherungen.

    Kreditausfallversicherungen für Konsumkredite erhöhen die Kreditkosten erheblich. Sie sind teuer und der Versicherungsschutz lässt zu wünschen übrig.

    Ein Musterbeispiel für völlig überflüssige Versicherungen ist die so genannte Hochzeitrücktrittskostenversicherung. Sie tritt keinesfalls dann ein, wenn die Partner es sich anders überlegt haben.

    Geld gibt es vielmehr ausschließlich, wenn bestimmte äußere Umstände die Hochzeit unmöglich machen. Dazu gehört Krankheit der Brautleute oder sehr enger Angehöriger und der Wegfall der geplanten Ehewohnung zum Beispiel durch Brand.

     

    Versicherungsabschluss & Versicherungsmanagement

    Der Abschluss welcher Versicherungspakete unter Berücksichtigung der konkreten Lebensumstände wirklich sinnvoll ist, das lässt sich nicht immer so einfach überblicken.

    Insbesondere vor dem Erstabschluss von Versicherungen kann eine fachmännische Beratung hilfreich sein. Sie wird von vielen Verbraucherzentralen gegen eine geringe Gebühr angeboten.

    Versicherungen, die man wirklich benötigt, sollten möglichst frühzeitig abgeschlossen werden. Wer wirklich benötigte Versicherungsverträge in jungen Jahren unterzeichnet, spart Prämien und erhält optimalen Versicherungsschutz.

    Ältere Personen können es beispielsweise wegen gesundheitlicher Probleme schwer haben, eine angemessene Berufsunfallversicherung oder Krankenzusatzversicherung abzuschließen.

    Bei Krankenzusatzversicherungen zum Beispiel besteht für bestehende Erkrankungen kein Versicherungsschutz.

    Einmal jährlich sollten alle Versicherungsverträge auf Notwendigkeit und Kosten überprüft werden.

    Haben sich die Lebensumstände geändert, und werden bestimmte Versicherungen deshalb nicht mehr benötigt, ist eine Kündigung unter Berücksichtigung der vertraglichen Fristen anzuraten.

    Gleiches gilt wenn die Prämien bestehender Verträge gegenüber anderen Angeboten zu hoch sind. Versicherungsvergleiche aus dem Internet können hilfreiche Tools sein, um die besten Versicherungsangebote zu finden.