Passiv oder aktiv investieren: welche Strategie führt zum Erfolg?

    Stolz weist die Fondsgesellschaft in ihren Veröffentlichungen auf ihre Erfolge hin. Dank besonderer Fähigkeiten des Managements konnte der X-Fonds die Benchmark, den Vergleichsindex, um 20 % schlagen. Was für eine beeindruckende Überrendite!

    Und nicht nur das. Führende Fachzeitschriften haben den Fonds zum besten Fonds des Jahres gekürt.

    Muss da nicht jeder Privatanleger zuschlagen, und dem X-Fonds Geld zur Erwirtschaftung weiterer, noch besserer Anlageerfolge zur Verfügung stellen?

    Vielleicht. Für manche Privatanleger kann ein aktiv gemanagter Fonds attraktiv sein. Aber für die meisten Privatinvestoren sind passive Finanzprodukte die bessere Wahl.

    Soll langfristig gespart und Vermögen aufgebaut werden, sind die Märkte und nicht die Fondsmanager die verlässlicheren Partner.

    Aktive Vermögensverwaltung: die Jagd nach der Überrendite

    Aktiv investieren bedeutet, den Versuch zu unternehmen, durch Anwendung bestimmter Marktstrategien besser zu sein, als andere Marktteilnehmer.

    Aktive Anlagestrategien können zwei Ziele verfolgen:

    Die meisten aktiv gemanagten Fonds oder Vermögensverwaltungen versuchen, eine Überrendite zu erzielen. D. h., es wird versucht, die Wertentwicklung einer bestimmten Benchmark, meistens ist es ein bestimmter Index, auf Dauer zu übertreffen.

    Absolut-Return-Fonds verfolgen einen anderen Ansatz. Sie versuchen, gleichgültig ob der Markt steigt oder fällt, ein bestimmtes, vorgegebenes Ziel zu erreichen.

    Beispielsweise soll unabhängig von der Marktentwicklung eine Rendite in Höhe von 2 % über dem Geldmarktzins erreicht werden.

    Um dieser Zielvorgabe nahezukommen, werden meist hedgefondsähnliche Instrumente eingesetzt.

    Im Wesentlichen sollen zwei Strategieansätze aktiv gemanagte Fonds oder Vermögensanlagen zum Erfolg führen:

    Stock-Picking und/oder der Einsatz von Derivaten, zum Beispiel von Optionsscheinen.

    Market Timing, die Nutzung günstiger Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte.

    Privatanlegern bieten sich zwei Möglichkeiten, aktives Vermögensmanagement zu betreiben.

    Sie können die gesamte Vermögensverwaltung selbst in die Hand nehmen, beispielsweise eigenständig Stockpicking betreiben.

    Sie können das aktive Vermögensmanagement einem Fachmann überlassen und in Fonds investieren. Dies wird der Weg sein, den die meisten Privatanleger beschreiten werden.

    Stock-Picking: Welches Wertpapier verspricht die besten Renditen?

    Stock-Picking bedeutet, aus der Vielzahl der Finanzprodukte diejenigen herauszufinden, die die besten überdurchschnittlichen Renditeaussichten haben.

    Dabei werden sehr verschiedene Strategien angewandt. Analysiert werden immer die gegenwärtige Situation und die mögliche zukünftige Entwicklung. Hier einige Beispiele:

    Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung (volkswirtschaftliche Daten) zusammen mit der Zinspolitik der Notenbanken spielt eine Rolle bei der Frage ob in Anleihen oder in Aktien investiert werden soll.

    Für Anhänger der fundamentalen Aktienanalyse kommt es auf fundamental starke betriebswirtschaftliche Daten an und darauf, ob eine Aktie im Vergleich zu ihrem inneren Wert unterbewertet oder überbewertet ist.

    Für Anhänger der technischen Analyse ist entscheidend, ob nach dem Kursverlauf einer bestimmten Aktie ein Kaufsignal oder ein Verkaufssignal besteht.

    Stock-Picking muss nicht bedeuten, dass Aktien in kurzen Zeitabständen gekauft oder verkauft werden.

    Anhänger der Buy and Hold Strategie beispielsweise werden versuchen, Aktien möglichst so lange zu halten, so lange sie den selbst gesetzten Qualitätsanforderungen entsprechen.

    Stock-Picking bedeutet aber wenigstens, dass volkswirtschaftliche Entwicklungen und die Werthaltigkeit der Aktie selbst ständig überprüft werden müssen.

    Stimmen die Vorgaben nicht mehr, muss verkauft bzw. umgeschichtet werden.

    Market-Timing: Trading vs investieren

    Mit Market-Timing wird versucht, durch das Auffinden der günstigsten Ausstiegs- und Einstiegszeitpunkte besondere Erträge zu erwirtschaften.

    Regelmäßig findet zu bestimmten Zeitpunkten eine Auswechslung der Anlageinstrumente statt.

    Die Anlageinstrumente haben unterschiedliche Eigenschaften, die es erlauben, während eines Anlagezeitraums immer in der Kapitalanlage mit den besten Renditechancen investiert zu sein.

    Beispiel: Aktien haben eine hohe Ertragserwartung, aber auch eine hohe Varianz. Anleihen oder Tagesgeld haben einen geringen Ertragswert, gepaart mit einer geringen Varianz.

    Die Erträge aus Anleihen/Tagesgeld und Aktien entwickeln sich häufig gegenläufig. Bringen Aktien besonders hohe Renditen, kann man Tagesgeld vergessen und umgekehrt.

    Ein Beispiel ist die gegenwärtige Situation. Der Wertzuwachs bei Aktien ist dank der Niedrigzinspolitik und des anhaltenden Wirtschaftswachstums exorbitant, während Tagesgeld praktisch keine Rendite bringt.

    Wie findet man den richtigen Zeitpunkt zur Auswechslung der Anlageinstrumente?

    Es gibt unterschiedliche Strategien. Manche Anleger schichten um, wenn bestimmte technische Trends anhand von Charts zu erkennen sind. Beispiel: signifikante Abweichungen von gleitenden Durchschnitten.

    Touchscreen mit Charts

    Mit komplizierten Strategien zu Überrenditen?

    Andere Vertreter dieser Anlagestrategie stellen auf die Veränderung fundamentaler Daten wie beispielsweise Veränderungen bei dem Wirtschaftswachstum einer bestimmten Volkswirtschaft ab.

    Manchmal findet die Auswechslung unterschiedlicher Anlageinstrumente in längerem Abstand statt. Oder die Timingstrategie ist sehr kurzfristig angelegt.

    In jedem Fall aber ist Market-Timing das Gegenteil der Buy and Hold Strategie. Immer steht das Trading im Mittelpunkt.

    Eine Extremform des Market-Timings ist die Zeitzonenarbitrage. Dabei werden Abweichungen in den Kursfeststellungen an Börsen unterschiedlicher Zeitzonen genutzt.

    Normalen Anlegern ist diese Form der Spekulation nicht möglich. Auch die überwiegende Anzahl aller aktiv gemanagten Fonds lassen die Finger davon.

    Ist jeder Tag Kauftag?

    Manche Vertreter der passiven Anlagestrategie glauben, dass jeder Tag Kauftag ist. Über sehr lange Zeiträume von zehn Jahren an aufwärts trifft dies sicherlich zu, wenn Erträge und Dividenden sofort wieder reinvestiert werden.

    Allerdings gibt es günstige Einstiegszeitpunkte, in denen die Aktienmärkte deutlich unterbewertet sind.

    Eine gute Einstiegsmöglichkeit boten die Jahre 2008/2009, als die Panik wegen der Finanzkrise besonders groß war.

    Gegenwärtig, Anfang 2018, ist die Situation eine andere.

    Manche halten den Aktienmarkt, vor allem den amerikanischen Aktienmarkt, bereits für überbewertet. Trifft dies zu, wird es über kurz oder lang zu einer Gegenbewegung kommen.

    Keiner kann sagen, wie sich die Aktienkurse in der Zukunft entwickeln werden.

    Aber wer gegenwärtig in Aktien investiert, muss unseres Erachtens mit Rücksetzern eher rechnen als noch vor drei oder vier Jahren.

    Ein Mittel gegen Geldverluste durch Kursrückgänge ist ein gut diversifiziertes Depot. In ein solches Depot gehören neben Aktien auch solide Anleihen.

    Wer jetzt erst mit dem Vermögensaufbau beginnt und Kursrückgänge bei Aktien fürchtet, sollte vielleicht nicht das ganze für den Aktienkauf ursprünglich geplante Kapital auf einmal einsetzen oder dem Anleihekauf Vorrang gewähren.

    Dass mit dem Kauf von Aktien auf Raten und der damit verbundenen Glättung der Anschaffungskosten letztendlich höhere Renditen verbunden sind, ist bei langem Anlagehorizont eher nicht der Fall.

    Aber es beruhigt die Nerven, wenn die Anschaffungskosten durch Nachkaufen bei Kurseinbrüchen minimiert werden können.

    Passive Vermögensverwaltung: Der Markt als Maß der Rendite

    Vertreter der passiven Anlagestrategie gehen davon aus, dass Überrenditen auf längere Sicht nicht möglich sind.

    Gefolgert wird diese Feststellung aus der Rationalität der Finanzmärkte. Überdurchschnittliche Gewinne gleichen sich durch entsprechende Verluste langfristig betrachtet immer aus.

    Übrig bleibt ein Nullsummenspiel. Der Markt an sich entscheidet über die Rendite.

    „Der Markt ist effizient“ heißt es bei den Anhängern der Effizienzmarkthypothese. Keiner kann ihn schlagen.

    Es kommt also darauf an, den Markt so kosteneffizient und so genau abzubilden wie nur möglich.

    In früheren Zeiten hatten Privatanleger nur sehr eingeschränkte Instrumentarien, um einer echten, passiven Anlagestrategie zu folgen.

    Beispielsweise ist es für Privatanleger nicht realistisch, alle Aktien des DAX entsprechend der jeweiligen Gewichtung innerhalb des Indexes zu halten und bei einer Veränderung auszuwechseln.

    Anleger konnten aber Stock-Picking betreiben und der Buy and Hold Strategie folgen. Natürlich ist diese Strategie heute ebenfalls möglich:

    Es wird ein Depot aus Qualitätsaktien zusammengestellt, wegen der Diversifikation unter Berücksichtigung verschiedener Regionen.

    Die einmal erworbenen Aktien werden so lange gehalten, solange sie die Qualitätskriterien erfüllen.

    Unterdessen haben Privatanleger jedoch weitere Möglichkeiten.

    Sie können in passiv gemanagte Indexfonds investieren, die auf unterschiedlichen Wegen die Marktentwicklung einer bestimmten Benchmark so kostengünstig und so genau wie möglich abbilden.

    Die ersten Indexfonds entstanden in den USA während der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. In Deutschland waren sie lange nicht zugelassen.

    Seit einigen Jahren können aber auch deutsche Privatanleger die Vorteile der Indexfonds nutzen.

    Eine Weiterentwicklung sind sogenannte ETFs. Das sind Indexfonds, die an einer Börse direkt gehandelt werden können.

    Überrenditen nichts als ein frommer Wunsch?

    Wenn die Effizienz des Marktes Sonderrenditen ausschließt, warum gibt es dann überhaupt aktiv gemanagte Fonds?

    Böswillige könnten auf die Idee kommen, ausschließlich geschicktes Marketing nicht aber der Erfolg garantiere die Jobs hochbezahlter Fondsmanager.

    Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.

    Die Manager aktiver Fonds haben eine bestimmte Finanzmarkttheorie auf ihrer Seite.

    Danach ist der Markt keinesfalls effizient, sondern er wird von irrationalem Verhalten der Investoren bestimmt.

    Angst, Gier, Falscheinschätzungen und Wettbewerb bestimmen die Entwicklung des Marktes.

    Kurzzeit-Charts scheinen die Verhaltensökonomen zu bestätigen. Häufig sind erhebliche Kursausschläge festzustellen, die oft keine Rechtfertigung in fundamentalen Daten finden.

    Die Vertreter der sogenannten Verhaltensökonomie versuchen deshalb, durch richtige Einschätzung zukünftiger irrationaler Verhaltensweisen Überrenditen zu erwirtschaften.

    Ist der Fondsmanager gut darin, kann er durchaus Erfolg haben. Und viele aktiv handelnde Fondsmanager sind durchaus erfolgreich, jedenfalls zeitweise.

    Das Problem ist nur, irrationales Verhalten in der Zukunft lässt sich praktisch nicht einschätzen. Anleger müssten genauso irrational sein, wie die Marktteilnehmer in ihrer Gesamtheit, ein praktisch unmögliches Unterfangen.

    Oder anders ausgedrückt: Keiner kann die Zukunft vorhersehen. Ebenso wenig wie man sechs Richtige beim Lotto vorhersehen kann, sind Marktentwicklungen vorhersehbar.

    Diese Aussage trifft jedenfalls für langfristige Marktentwicklungen zu. Kurzfristig hingegen kann durchaus das Gegenteil gelten.

    Die Überlegenheit passiver Investitionsstrategien gegenüber aktiven Strategien bei einem langfristig angelegten Vermögensaufbau lässt sich empirisch belegen.

    Untersuchungen haben gezeigt, dass über längere Zeiträume höchstens 25 % aller aktiv gemanagten Fonds den Markt tatsächlich schlagen können.

    Welche dies sind, können Privatanleger so gut wie niemals vorher sagen.

    Untersuchungen des Vermögensverwalters Vanguard beispielsweise haben gezeigt, dass nur wenige Fonds, die in den vergangenen fünf Jahren Überrenditen erwirtschaftet haben, ihren Erfolg in den folgenden fünf Jahren wiederholen können.

    Ein großes Problem sind die Kosten aktiv gemanagter Vermögensverwaltung. Kosten sind Renditekiller.

    Viele aktiv gemanagten Fonds bleiben in der Rendite hinter Indexfonds zurück, weil sie auf der Jagd nach der Überrendite einfach zu viel Kosten verursachen.

    Charts zu den Kostenauswirkungen auf die Renditen

    Schließlich ist effizientes Market-Timing so gut wie unmöglich. Untersuchungen belegen, dass Market-Timing im Grunde reine Glückssache ist.

    In einer Untersuchung der Universität Michigan beispielsweise wurde ein Zeitraum von 40 Jahren zugrunde gelegt. Während dieser Zeit, wurden etwa zwei Drittel der Gesamtrendite an 90 Handelstagen erzielt.

    Waren Anleger wegen des praktizierten Market-Timings während dieser 90 Handelstage nicht investiert, konnten sie an der besonderen Wertentwicklung nicht teilhaben.

    Underperformance gegenüber ständig investierten Anlegern ist die Folge.

    Fazit: Passiv investieren für Privatanleger die bessere Alternative

    Für den kontinuierlichen langfristigen Vermögensaufbau eignen sich passive Investitionsstrategien am besten. Kostengünstige Index ETFs sind unseres Erachtens erste Wahl.

    Sind Fondsmanager aktiv gemanagter Fonds erfolgreich, können zeitweise überdurchschnittliche Erträge erzielt werden. Der möglichen Überrendite steht aber ein erhöhtes Risiko gegenüber.

    Rote Zielscheibe mit rotem Wurfpfeil auf der zehn. Passiv investiert, Anlageziel erreicht.

    Mit Indexfonds zum Anlageerfolg

    Hier zwei Empfehlungen für Privatanleger, die dem spekulativen Reiz eines aktiven Investments nicht widerstehen können:

    Ein wesentlicher Grund für das in der Mehrheit schlechte Abschneiden aktiv gemanagter Fonds sind zu hohe Kosten. Empfehlenswert ist deshalb eine Investition in kostengünstige Produkte.

    Das Risiko aktiv gemanagter Fonds kann geglättet, wenn auch nicht total ausgeschlossen, werden durch Diversifikation.

    Beispielsweise kann ein Portfolio zur Hälfte aus aktiven Investments und zur anderen Hälfte aus Indexfonds bestehen.

    Die Warren Buffett Wette

    Zum Abschluss soll noch eine Wette wiedergegeben werden, die Warren Buffett im Jahr 2007 mit Managern des Fonds Protégé Partners abgeschlossen hat.

    Er wettete, dass ein reinvestierender Vanguard Indexfonds auf den S&P 500 in den nächsten zehn Jahren besser abschneiden wird als von den Protégé Partners ausgewählte Fonds.

    Beide Wettpartner zahlten 320.000 Dollar ein und investierten diesen Betrag zunächst in bestimmte Anleihen, später in die B Aktien von Berkshire Hathaway.

    Dabei gingen sie davon aus, dass der Gesamtbetrag nach Ablauf der zehn Jahre Ende 2017 eine Million Dollar betragen würde. In Wirklichkeit wurden 2,2 Millionen Dollar erwirtschaftet.

    Der Gewinner der Wette sollte entscheiden dürfen, wie der Betrag verwendet werden soll. Warren Buffetts Wahl ist die Girls INC. of Omaha, eine gemeinnützige Organisation.

    Anfang 2018 konnte die Girls INC. of Omaha sich über 2,2 Millionen Dollar freuen. Warren Buffett hatte die Wette gewonnen.

    Während der Indexfonds jährlich 7,1 % wuchs, betrug der Wertzuwachs der Hedgefonds lediglich 2,1 %.

    Die Protégé Partners Manager gestanden ihre Niederlage ein. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die exorbitanten Kursgewinne amerikanischer Aktien Warren Buffetts Wettgewinn begünstigt haben.

    Da die Aktienindizes in Amerika überhitzt seien und mit einem Kursrückgang zu rechnen sei, bestünde eine begründete Chance, dass eine Wette für die nächsten zehn Jahre einen anderen Ausgang hat.

    Kurzfristig können Hedgefonds bei zurückgehenden Kursen einmal vorne liegen. Über lange Zeiträume erfüllen sich die Versprechungen der Hedgefonds Manager regelmäßig nicht.

    Selbst in Perioden volatiler Kurse betragen die Renditen des amerikanischen Aktienmarktes im langfristigen Durchschnitt immer noch 5 % bis 6 %.

    Es besteht eine begründete Chance, dass kaum ein Hedgefonds diese Durchschnittswerte erreicht.

    Warren Buffett ist bekannt für seine Kritik an Hedgefonds. Er glaubt nicht daran, dass solche Fonds auf längere Sicht den Markt outperformen können.

    Außerdem ist er der Auffassung, dass die hohen Gebühren einer anständigen Rendite entgegenstehen.