Pfandbriefe als Geldanlage oft unterschätzt

    Privatanleger haben eine der sichersten Geldanlagen in Deutschland fast völlig aus den Augen verloren, den guten alten Pfandbrief.

    Hatte er in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch Hochkonjunktur, wird er jetzt von anderen Anlageformen, Bundesschatzbriefe oder alle möglichen Fondsprodukte, fast völlig verdrängt. Wer Pfandbriefe kaufen möchte, muss heute oft bei der Hausbank extra nachfragen. Angeboten werden sie selten.

    Zu Unrecht, denn Pfandbriefe gehören zu den sichersten Wertpapieren, und das bei angemessenen Renditen. Gegenwärtig (Mai 2014) sind sie etwa um 0,5 % höher als bei Bundesschatzbriefen.

    Natürlich halten die Renditen mit denen von Aktien nicht mit, aber sie sind doch attraktiv angesichts der geringen Risikoklasse. Kein Wunder also, dass Lebensversicherungen sich gerne mit Pfandbriefen eindecken.

    Pfandbriefe müssen nicht einzeln bei einer Bank erworben werden. Eine Reihe von ihnen ist börsennotiert und kann täglich gehandelt werden. Das gilt vor allem für so genannte Jumbo-Pfandbriefe, die besonders gut an der Börse gehandelt werden können.

    Darüber hinaus gibt es günstige passiv gemanagte Pfandbrieffonds oder ETFs, die einen bestimmten Pfandbrief-Index abbilden. Dadurch kommt eine größere Diversifikation zu Stande, und die Renditechancen können oft noch etwas erhöht werden.

     

    Pfandbrief: was ist das eigentlich

     

    Ein deutscher Pfandbrief ist eine Anleihe (Schuldverschreibung). Die Verzinsung ist garantiert. Der Zinssatz kann aber auch an einen Referenzzinssatz zuzüglich eines Aufschlags gebunden sein (Floater).

    Pfandbriefe werden von Geldinstituten mit einer entsprechenden Lizenz ausgegeben. Die Anleihen sind streng im Pfandbriefgesetz geregelt.

    Für die Banken sind Pfandbriefe ein Instrument zur Refinanzierung von Darlehen, die sie für bestimmte, gesetzlich vorgeschriebene Zwecke vergeben. Die daraus resultierenden Forderungen nennt man Deckungsmasse.

    Man unterscheidet Hypothekenpfandbriefe, öffentliche Pfandbriefe aus Forderungen gegenüber öffentlichen Händen, Schiffspfandbriefe und Flugzeugspfandbriefe.

    Für Privatanleger werden in erster Linie Hypothekenpfandbriefe und öffentliche Pfandbriefe interessant sein.

    Sicherheit und gedeckte Schuldverschreibung

    Als gedeckte Schuldverschreibung bietet der Pfandbrief doppelten Ausfallschutz für den Anleger. Zunächst haftet die ausgebende Stelle (meist eine Banken). Dann haftet außerdem noch die Deckungsmasse selbst. Bei Hypothekenpfandbriefen ist das die zur Sicherheit der Forderung für die Hypothekenbank bestellte Hypothek/Grundschuld.

    Die Pfandbriefbanken selbst unterliegen strengen Regeln. So darf der Nennbetrag der insgesamt ausgegebenen Pfandbriefe die Deckungsmasse nicht überschreiten, und es werden regelmäßige Stresstests durchgeführt.

    Die Deckungsmasse sowie die bei der Deutschen Bundesbank unterhaltene Mindestreserve, soweit sie auf Pfandbriefe entfällt, bilden ein vom allgemeinen Vermögen der ausgebenden Bank getrenntes, insolvenzfreies Vermögen.

    Wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, bleibt dieses Vermögen davon unberührt. Für das insolvenzfreie Vermögen wird ein Sachverwalter bestellt, der für die vollständige und fristgerechte Erfüllung aller Pfandbriefverbindlichkeiten sorgt. Zinsen und Tilgung sind also sicher und laufen normal weiter.

    Der Sachverwalter kann auch schon bei drohender Insolvenz bestellt werden. Insolvenzen bei für die Ausgabe von Pfandbriefen lizenzierte Banken sind extrem selten. Den letzten Insolvenzfall in Deutschland hat es 1901 gegeben.

    Alle Pfandbriefe sind mündelsicher, deckungsstockfähig und lombardfähig.

    Die unterlegte Grundschuld/Hypothek muss sicher sein. Die Beleihungsgrenze beträgt 60 % des nach gesetzlichen Vorschriften vorsichtig geschätzten Beleihungswertes der Immobilie. Die Beleihungsgrenze darf nicht überschritten werden.

    Gleich hoch sind die Beleihungsgrenzen bei Schiffen und Flugzeugen.

    Öffentliche Pfandbriefe beziehen ihre Sicherheit aus der Bonität der öffentlichen Hände im Inland und im europäischen Ausland. Je weniger Bonität vorhanden ist, desto höher sind die möglichen Renditen. Die Finanzkrise hat dafür einige Beispiele aufgezeigt.

    Werden öffentliche Pfandbriefe ausländischer Staaten angeschafft, ist das Rating des jeweiligen Landes von großer Bedeutung.

    Laufzeiten und Kündigung von Pfandbriefen

    Bei den Laufzeiten gibt es große Unterschiede. Sie können zehn Jahre und mehr betragen. Gegenwärtig sind aber deutlich kürzere Laufzeiten, drei bis fünf Jahre, üblich.

    Eine Kündigung durch den Anleger ist nicht möglich. Zum Laufzeitende wird der Pfandbrief fällig und zum Nennwert ausgezahlt, nicht etwa zum Kurswert, der höher oder niedriger sein kann.

    Anleger müssen das Laufzeitende aber nicht abwarten. Vielmehr können sie Pfandbriefe jederzeit an der Börse veräußern, sofern sie börsennotiert sind.

    Rendite und Zinsen

    Sicherheit hat immer einen Preis. So ist die Verzinsung bei Pfandbriefen verhältnismäßig niedrig, aber immer noch besser als bei Spareinlagen oder Bundesschatzbriefen.

    Verzinst wird der Nennbetrag. Nennbeträge von 1.000 €, 10.000 € oder höher sind heute üblich. Ein 1.000 Euro Pfandbrief bringt bei 2 % Zinsen also zwanzig Euro.

    Von den Zinsen ist die Rendite zu unterscheiden. In die Rendite fließen die Anschaffungskosten des Pfandbriefs mit ein. Eventuelle Depotkosten und Maklergebühren gehören zu den Anschaffungskosten.

    Betragen sie über 1000 €, verringert sich die Rendite. Sind die Kosten niedriger als der Nennwert, wirkt sich das positiv auf die Rendite aus.

     

    Jumbo-Pfandbriefe

     

    Es handelt sich um einen Pfandbrief, der mit bestimmten Merkmalen ausgestattet ist, die das Wertpapier besonders börsenfähig und für Anleger interessant machen. Die Merkmale des Jumbo-Pfandbriefs sind nicht gesetzlich geregelt. Die wichtigsten Eigenschaften sind:

    • Jumbo-Pfandbriefe müssen über ein Mindestemissionsvolumen von 1 Milliarde € verfügen.
      Market Making ist Pflicht und zwar durch mindestens fünf Banken.
    • Geld- und Briefkurse müssen für Abschlüsse bis zu 15 Millionen € während der üblichen Handelszeiten gestellt werden, auch durch den Emittenten selbst.
    • Der Pfandbrief muss festverzinslich, endfällig und mit nachträglichen jährlichen Zinszahlungen ausgestattet sein.
    • Die Einführung des Pfandbriefes an einem EU Markt oder einem Markt in einem Vertragsstaat des Europäischen Wirtschaftsraumes muss unverzüglich nach seiner Begebung erfolgen.

    Market Making bedeutet in diesem Fall, dass sich mindestens fünf Banken verpflichten, mit festgelegten Geld-Brief-Spannen während festgelegter Handelszeiten Zwei-Wege-Preise gegenüber anderen Marktteilnehmern zu quotieren.

    Jumbo-Pfandbriefe haben sehr oft eine Laufzeit von fünf Jahren.

     

    Pfandbriefe kaufen und verkaufen

     

    Viele Pfandbriefe werden an der Börse gehandelt. Sind sie börsennotiert, können sie ohne weiteres zum aktuellen Kaufpreis erworben und zum aktuellen Verkaufspreis veräußert werden.

    In diesen Fällen ist es also nicht nötig, nach dem Erwerb die Fälligkeit des Pfandbriefs abzuwarten. Allerdings können Kosten durch die Lagerung in einem Depot und durch Maklergebühren entstehen.

    Bei einem Erwerb von Pfandbriefen an der Börse empfiehlt es sich, auf ein ausreichendes Handelsvolumen zu achten. Bei Jumbo-Pfandbriefen ist diese wichtige Voraussetzung in der Regel gegeben. Ein großes Handelsvolumen verringert die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs.

     

    Was sind Pfandbrieffonds

     

    Es handelt sich um Fonds, die in eine Anzahl verschiedener Pfandbriefe investieren. Anleger können Anteile an diesen Fonds erwerben. Sie kaufen damit nicht nur einen bestimmten Pfandbrief, sondern werden entsprechend ihrem Anteil Miteigentümer am gesamten Portfolio.

    Fonds werden an der Börse gehandelt. Sie streuen das Risiko und können auf diese Weise die Ertragschancen verbessern. Wichtig ist, dass der Fonds über ein ausreichendes Handelsvolumen verfügt. Am sinnvollsten erscheint es deshalb, Jumbo-Pfandbrieffonds zu kaufen.

    Am besten sind passiv gemanagte Fonds oder ETFs, die in einem Pfandbriefindex investieren. Bei dieser Anlageform sind die renditeschädlichen Kosten minimiert. Meistens betragen sie nur den Bruchteil eines Prozents.

    Ein Beispiel für einen Pfandbriefindex, auf den es Fonds und ETFs gibt, ist der „eb. rexx(R) Jumbo Pfandbriefe Auswahlindex“. In ihm sind die größten und liquidesten Jumbo-Pfandbriefe Europas enthalten.

     

    Vorteile und Nachteile von Pfandbriefen

     

    Pfandbriefe sind etwas für sicherheitsbewusste Anleger. Ihr Vorteil liegt in der geringen Risikoklasse bei einer Rendite, die merklich höher sein kann als bei Bundesschatzbriefen oder anderen Produkten derselben Risikoklasse.

    Der Gewinnvorsprung gegenüber Bundesanleihen ist allerdings nicht konstant, sondern kann sich ständig verändern.

    Wer Pfandbriefe kauft, bleibt mit seiner Geldanlage außerdem recht flexibel, sofern die Briefe an der Börse gehandelt werden können. Für Privatanleger eignen sich ETFs am besten.

    Der Nachteil besteht in den niedrigen Renditen, die trotz eines Gewinnvorsprungs zu ähnlichen Papieren bestehen. Vorsicht ist geboten, wenn durch die Anschaffung oder den Verkauf Kosten entstehen. Sie können die sowieso schon niedrigen Renditen nochmals kürzen.

    Das gilt vor allem für Verwaltungskosten bei Pfandbrieffonds. Eigentlich so lohnen sich ausschließlich passiv gemanagte Fonds mit jährlichen Gebühren im hundertstel Prozentbereich.