Pharma Aktien: welches Unternehmen vertreibt Blockbuster

    Pharma Aktien sind defensive Werte. Der Gesundheitssektor entwickelt sich weitgehend unabhängig von Wirtschaftskrisen.

    Deswegen bleiben Pharma Aktien von Verlusten durch Konjunkturkrisen eher verschont als so genannte zyklische Werte wie beispielsweise Konsumsaktien.

    Im Gegenteil: defensive Werte sind in Zeiten der Konjunkturschwäche gefragt, denn viele Anleger flüchten von zyklischen Aktien gerade in Pharma Aktien, wenn der Konjunkturhimmel sich eintrübt.

     

    Pharmabranche: viele Wachstumsaktien

    Das geschieht aus gutem Grund. Denn viele Aktien aus der Pharmabranche erweisen sich seit Jahren als besonders werthaltig.

    Sie glänzen durch stabiles Wachstum und mit guten Dividenden. Die Ursache: die ständig steigende Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten und Medizintechnik. Sie wird hervorgerufen durch eine längere Lebenserwartung und durch rasante Fortschritte in der Medizinwissenschaft.

    Gelingt die Entwicklung und Zulassung eines neuen Medikaments, wird viel Geld verdient, jedenfalls solange der Patentschutz greift.

    So hat Pfizer  mit dem Cholesterolsenker Lipitor insgesamt 131 Milliarden Dollar umgesetzt, Bristol-Myers mit dem Blutverdünner Plavix immerhin noch 60 Milliarden Dollar.

    Gute Umsätze bringen gute Erträge und setzen Unternehmen dadurch in die Lage, viel Geld in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente zu stecken. Eine breite Produktpalette und eine gute Pipelinemit mit in der Entwicklung befindlichen Medikamenten sind die Folge.

     

    Die umsatzstärksten Blockbuster 2013

    Lipitor und Plavix gehören jedoch nicht zu den umsatzstärksten Blockbustern im ersten Halbjahr 2013. Die Plätze 1 bis 3 nehmen andere Medikamente ein.

    Um das Prädikat „Blockbustern“ zu erreichen, ist eine Zulassung für den amerikanischen Markt durch die FDA praktisch unerlässlich. Besonders vorteilhaft wirkt sich aus, wenn ein Medikament für ein breites Behandlungsspektrum zugelassen wurde.

    Humira von AbbVie

    Spitzenreiter ist Humira (Adalimumab) mit einem Umsatz von 10,1 Milliarden Dollar. Das Medikament ein Antikörper und wird auch als TNF-Blocker bezeichnet.

    Zugelassen ist Humira unter anderem zur Behandlung von bestimmten Formen der Arthritis, von Morbus Crohn und Colites ulcerosa. Eine Zulassung zur Behandlung entzündlicher Krankheiten an der Wirbelsäule hat die FDA allerdings abgelehnt.

    Zulassungsinhaber ist die AbbVie Ltd. Das Unternehmen ist aus einer Aufspaltung von Abbot Laboratories  hervorgegangen. AbbVie erwirtschaftet ca. 54 % seiner Erträge allein mit Humira.

    Das Problem: Einige Patente laufen Ende 2016 aus. Betroffen davon sind nicht alle Anwendungsfälle des Medikaments, aber der hauptsächliche Umsatzträger, die Behandlung von rheumatoider Arthritis.

    Remicade von Johnson & Johnson und Merck

    Mit 8,7 Milliarden Dollar Umsatz besetzt Remicade (Infliximab) Platz zwei. Das Medikament ist in den USA zur Behandlung von acht Krankheiten zugelassen. Der Anwendungsbereich entspricht fast völlig dem von Humira.

    In den USA laufen die Patente im Jahr 2018 aus und in Europa im Februar 2015.

    Beide Pharma-Unternehmen verfügen über ein gut diversifiziertes Angebot an Medikamenten. Merck erwirtschaftet dieses Jahr 5 % seiner Erträge mit Remicade, Johnson & Johnson 10 % der Erträge seiner Pharmaabteilung.

    Vor allem Johnson & Johnson ist unter anderem bei rezeptfreien Medikamenten so breit aufgestellt, dass das Unternehmen einen Wegfall des Patents ohne weiteres verkraften kann.

    Advair von GlaxoSmithKline

    Das Asthmamittel Advair belegt mit einem Umsatz von 8,6 Milliarden Dollar den dritten Platz. Eine Besonderheit ist, dass das Patent bereits abgelaufen ist.

    Die Zusammensetzung des Medikaments ist so komplex, dass die Herstellung eines zugelassenen Generikums bisher keinem Konkurrenten gelungen ist.

    Mittelfristig könnte der Generika-Hersteller Mylan am ehesten eine Zulassung in den USA erhalten. Nach Auffassung von Fachleuten wird dies jedoch noch mindestens drei Jahre dauern.

    GlaxoSmithKline wird das verkraften können. Denn das Pharma-Unternehmen hat eine eindrucksvolle Pipeline neuer Medikamente mit guten Chancen auf mittelfristige Zulassung.

    Dazu gehören Medikamente zur Behandlung von COPD und zwei Medikamente zur alleinigen Therapie von Melanomen.

     

    Empfehlenswerte Pharma Aktien

    Die Beispiele zeigen, dass mit Blockbustern viel Geld verdient werden kann. Auf der anderen Seite sind die Entwicklungskosten für neue Medikamente enorm.

    Nur sehr wenige Forschungsprojekte führen zum Erfolg – einem in den USA und in Europa zugelassenen Blockbuster. Nach Erhebungen sind 5000 – 10.000 „Versuche“ erforderlich, um ein Präparat zur Zulassungsreife zu bringen.

    Eine Investition in Pharma Aktien von Unternehmen, die nur ein oder zwei Medikamente vertreiben, ist nicht zu empfehlen. Das gilt selbst dann, wenn es sich um Blockbuster handelt.

    Aktien kleiner Firmen der Pharmabranche, die eine interessante Pipeline haben aber noch überhaupt keinen Umsatzträger, sind reine Spekulationsobjekte.

    Mit Aktien solcher Unternehmen, oft kleine oder junge Biotech Firmen, kann im Einzelfall viel Geld verdient werden, meistens sind aber eher die Verluste beeindruckend.

    Überlegenswert sind hingegen Aktien der Marktführer in der Pharmabranche, soweit sie über eine breite Produktpalette und eine interessante Pipeline verfügen. Solche Aktien sind echte Wachstumsaktien.

    Dazu gehören Pfizer, Merck, GlaxoSmithKline, Astra Zeneca und vor allem Johnson & Johnson sowie der Insulinspezialist aus Dänemark Novo Nordisk. Der Langfristchart der Pharma Aktie von Johnson & Johnson zeigt eine beeindruckende Kursentwicklung.