Probleme bei der Rentenbesteuerung

    Seit Anfang der neunziger Jahre hat sich das Rentensystem in Deutschland grundlegend geändert. Die gesetzliche Rentenversicherung bietet kaum mehr als eine Basisversorgung. Private Altersvorsorge gewinnt zunehmend an Bedeutung.

    Gleichzeitig gab es neue Regelungen zur Besteuerung von Rentenleistungen. Während in der Ansparphase Steuervorteile gewährt werden, um für die private Altersvorsorge einen Anreiz zu bieten, wird die Rente in gewissem Umfang nun nachrangig besteuert.

    Die nachrangige Besteuerung selbst bietet wenig Stoff für Probleme. Aber es gibt einige interessante Einzelfälle, die einen genaueren Blick lohnen. Manchmal scheint es bei der Umsetzung nicht so ganz problemlos einher gegangen zu sein. Hier eine kleine Problemauswahl.

    Öffnungsklausel hilft Steuern auf Rente sparen

    Die meisten Renten unterliegen der Besteuerung. Zu versteuern sind 50 Prozent und mehr vom Rentenbetrag.

    Das trifft zum Beispiel zu für Altersrenten, Witwen- und Waisenrenten, Renten aus Lebensversicherung und betrieblicher Zusatzversorgung sowie Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

    Freiberufler profitieren

    Sie waren Freiberufler, wollten besonders gut vorsorgen und haben deshalb die Höchstbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung deutlich überschritten durch Beiträge in eine Versorgungskasse oder über eine Höherversicherung?

    Dann ist diese Steuerlast für Sie besonders ärgerlich. Mit der sogenannten Öffnungsklausel nach § 22 Nr. 1 S 3 EStG lassen sich jedoch Steuern sparen.

    Höherversicherung unterliegt Öffnungsklausel

    Das geschieht so: Ein Anteil Ihrer Rente entstand durch Zahlung der gesetzlichen Höchstbeiträge. Ein weiterer Anteil durch die Höherversicherung, also durch zusätzliche Beiträge über die gesetzlichen Höchstbeiträge hinaus. Dieser weitere Anteil unterliegt jetzt der Öffnungsklausel.

    Das bedeutet: Bei der Besteuerung dieses Anteils wird der niedrige Ertragsanteil zugrunde gelegt. Der beträgt z.B. bei einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren nicht 50 % sondern nur 18 %.

    Voraussetzungen für die Steuerermäßigung

    Je nach Einzelfall (Höhe der Rente, Höhe des bevorzugten Rentenanteils, Steuersatz) sind einige Hundert, manchmal sogar deutlich über 1.000 Euro Steuerersparnis drin.

    Voraussetzung für die Steuervergünstigung: Die erhöhten Beiträge – also die Beiträge, die die jeweiligen gesetzlichen Höchstbeiträge überstiegen – wurden bis zum 31. 12. 2004 für einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren gezahlt.

    Dabei muss es sich nicht um einen zusammenhängenden Zehnjahreszeitraum handeln. Treffen die Voraussetzungen zu, muss beim zuständigen Finanzamt ein Antrag auf gesplittete Versteuerung der Rente gestellt werden und zwar im ersten Jahr des Rentenbezuges.

    Steuern, Rente, Chaos und Überzahlung

    Rentner haben zu viel Steuer gezahlt, hieß es Ende 2009 in den Schlagzeilen.

    Im Bereich Steuern und Rente herrscht offenbar ein größeres Chaos als angenommen. Das hat eine Untersuchung von Einkommensteuererklärungen in Nordrhein Westfalen gezeigt.

    Kein Wunder, wer kennt sich schon mit dem Fachchinesisch aus, z.B. mit den kompliziert geänderten Regeln zum „Ertragsanteil Rente“, und dann sind da noch die schwer verständlichen Formulare mit den ebenso schwer verständlichen Erläuterungen.

    Rentenbezugsmitteilungsverfahren

    Mit der Einführung des „Rentenbezugsmitteilungsverfahrens“, nach dem alle Renten mit Hilfe der neu eingeführten TIN (Steueridentifikationsnummer) an die Finanzämter gemeldet wurden, sollten Rentner ausfindig gemacht werden, die ihre Steuern nicht ordentlich gezahlt haben. Was sicher auch geschehen ist.

    Die Untersuchung in Nordrhein Westfalen hat aber gezeigt, dass auch sehr häufig das Gegenteil der Fall ist.

    Viele Rentner haben zu viel Steuern gezahlt. Das liegt offenbar meistens daran, dass das überladene Formular nicht richtig verstanden wird.

    Zwei Fehler führten zur Überzahlung

    Zwei Fehler scheinen die Hauptursache für die zu hohe Steuerzahlung der Rentner zu sein: Viele Rentner hatten die Einnahmen aus der gesetzlichen Rente bei Betriebsrente eingetragen. Statt nur den Ertragsanteil der Rente zu versteuern, wurde so eine volle Betriebsrente besteuert.

    Häufig wurden Beiträge zur Krankenkasse und Pflegeversicherung nicht geltend gemacht.
    Was sollen Rentner jetzt machen? „Gar nichts“, konnte man der Presse entnehmen.

    Angeblich werden die Finanzämter von sich aus tätig, „wenn noch die Möglichkeit besteht“.

    Wenn anerkannt wird, dass beim falschen Ausfüllen der Erklärung eine „offenbare Unrichtigkeit“ vorliegt, ist der eigentlich rechtskräftige Steuerbescheid noch anfechtbar und die zu viel gezahlte Steuer muss bis zu 5 Jahre zurückgezahlt werden.

    Rentner sollten sich nicht darauf verlassen, sondern schnell fachlichen Rat einholen. Steuerberater sind nicht allzu teuer, Lohnsteuerhilfevereine meist noch günstiger, und das Finanzamt vor Ort kann kostenlos weiterhelfen.

    Sie alle kennen sich mit TIN, Ertragsanteil, Steuern, Rente & Co. bestens aus und können helfen, die überzahlte Steuer soweit wie möglich und so schnell wie zurück möglich zuholen.

    Erforderlich ist außerdem eine Bestätigung des Rentenversicherungsträgers über die Jahre mit den höheren Beiträgen.

    Renten, Steuern und Kontrolle

    Das Thema Versteuerung der Renten ist mal wieder aktuell. Mit der Einführung der neuen Steueridentifikationsnummern, die seit August 2008 versandt werden, haben die Finanzämter gleichzeitig ein neues Kontrollsystem.

    Es ist insbesondere geeignet zu kontrollieren, ob steuerpflichtige Rentner ihre Einkünfte richtig erklärt haben.

    Die meisten steuerpflichtigen Rentner wissen zwar, was zu tun ist. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass Rentner, die ihr Leben lang gearbeitet und ihre Nettolöhne empfangen haben, davon ausgehen, dass auch ihre Rente netto ist und sie nicht steuerpflichtig sind, selbst wenn sie einen kleinen Nebenverdienst haben.

    Rentner sollten jetzt aufpassen, ob sie betroffen sind.

    Steueridentifikationsnummer TIN

    Was ist neu? Alle Steuerzahler bekommen eine Steueridentifikationsnummer, kurz TIN genannt, zugeschickt. Diese Nummer müssen die betroffenen Rentner ihrer Rentenversicherung mitteilen, egal ob sie in der Sozialversicherung oder privat versichert waren.

    Alle gemeldeten TIN werden bei der Deutschen Rentenversicherung registriert. Außerdem kann sich die Deutsche Rentenversicherung Bund die TIN all ihrer Rentner direkt von der Bundeszentrale für Steuern holen.

    Das gibt den Finanzämtern künftig die Möglichkeit, jederzeit zu erfahren, wer wann wo welche Renten ausgezahlt bekommt, und zwar rückwirkend bis 2005.

    Steuerpflicht steigt von Jahr zu Jahr

    Klar ist, dass diese Neuerung für viele Rentner überhaupt keine Wirkung hat.

    Früher waren nur 27 % der Rente steuerpflichtig. Bei einer beachtlichen Rente von z.B. 20.000 Euro im Jahr waren also nur 5.400 Euro steuerbar. Damit blieb der Rentner unter dem steuerlichen Grundfreibetrag. Wenn keine weiteren Einkünfte bestanden, war Steuererklärung kein Thema für ihn.

    Ab 2005 wurde der steuerpflichtige Anteil in der Rente deutlich erhöht. Wer dann Rentner wurde, muss 50 % der Rente versteuern. Jedes weitere Jahr des Rentenbeginns führt zu 2 % höherem steuerbarem Anteil in der Rente: 2006/52 %, 2007/54 % und so weiter.

    So wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen von Jahr zu Jahr. Hinzu kommt, dass manch ein Rentner noch weitere Einkünfte hat, wie Zinsen und Mieteinnahmen.

    Wer als Einzelperson mehr als den Grundfreibetrag von 7.664 Euro im Jahr (Stand 2008) bekommt, sollte sich unbedingt informieren, ob er der Steuerpflicht unterliegt.

    Wer – auch unbewusst – seiner Steuerpflicht nicht nachgekommen ist, muss mit Steuernachzahlungen und möglicherweise auch mit Strafen rechnen.

    Strafen können mit einer „Selbstanzeige“ vermieden werden. Das kann man z.B. machen, indem man einfach die versäumten Steuererklärungen einreicht, bevor man vom Finanzamt dazu aufgefordert wird.

    Riester Rente und Steuer

    Zunächst argwöhnisch beäugt, dann zunehmend als sinnvolle Ergänzung der Altersvorsorge anerkannt – die Meinung über die Riester Rente hat sich überraschend schnell gewandelt. Dennoch wissen viele nur wenig über die Riester Rente.

    Wie steht es z.B. mit der Besteuerung der Riester Rente und mit steuerlichen Vergünstigungen im Zusammenhang mit der Riester Rente?

    In der Regel wird die Rente in voller Höhe versteuert (nachgelagerte Besteuerung). Also sämtliche bezogenen Leistungen unterliegen der Besteuerung.

    Etwas anders gilt nur, wenn Sie die staatliche Zulage und/oder den Sonderausgabenabzug nach § 10 a EStG nicht in Anspruch genommen haben.

    Mit § 10 a EStG sind die steuerlichen Vorteile der Riester Rente bereits angesprochen. Eigenbeiträge und Zulagen können als Sonderausgaben geltend gemacht werden, allerdings nur in Höhe von 1.575 Euro, ab 2008 sind es 2.100 Euro.

    Ist der Vorteil durch Sonderausgabenabzug größer als die staatliche Zulage, wird die Differenz gutgeschrieben. Im umgekehrten Fall gibt es aber keine Gutschrift. Der Höchstbetrag ist zusätzlich; er gilt also auch, wenn der allgemeine Sonderausgaben-Höchstbetrag schon erreicht ist.

    Die nachgelagerte Besteuerung der Riester Rente hat besondere Auswirkungen auf Personen, die zu Rentenbeginn im Ausland leben.

    Die müssen einen Abschlag in Höhe von 15 % in Kauf nehmen. Der Grund: Im Ausland lebende Begünstigte unterliegen nicht der Steuer. Ohne Abschlag hätten sie einen doppelten Vorteil. Sie hätten staatliche Förderung erhalten, ohne Steuern auf die Rente zahlen zu müssen.

    Die Riester Rente ist gut als Altersvorsorge geeignet. Sie ist aber nicht einfach zu handhaben, wie schon die Fragen zur Besteuerung zeigen. Vor Abschluss einer Riester Rente ist eine ausführliche Beratung zu empfehlen.

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