Rentenlücke schließen trotz fortgeschrittenen Alters

    Statistiken zeigen, dass viele Berufstätige das Thema „Rentenlücke“ verdrängen. Deshalb versäumen sie es, rechtzeitig neben der gesetzlichen Rentenversicherung in private oder gesetzlich geförderte Rentenprodukte zu investieren.

    Erst mit zunehmendem Alter wird manchen bewusst, dass zu wenig Rente vorhanden sein wird, um den Lebensstandard einigermaßen zu halten. Das Schicksal seinen Lauf nehmen zu lassen, ist in einer solchen Situation die denkbar schlechteste Lösung.

    Auch mit 50 Jahren und älter lohnt es sich noch, Geld für die Zeit nach der Berufstätigkeit zurückzulegen, wenn die Rente sonst nicht reicht. Allerdings müssen die Sparbeiträge relativ hoch sein, um einen nennenswerten Kapitalstock anzusparen.

    In der Regel wird es der Generation 50+ nicht mehr gelingen, die Rentenlücke vollständig zu schließen. Aber es ist möglich, die Versorgungslücke zu minimieren. Wenig ist immer noch besser als nichts.

     

    Was ist die Rentenlücke?

    Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen den gesetzlichen Rentenzahlungen und den zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards nach der Pensionierung erforderlichen Geldmitteln.

    Allgemein wird angenommen, dass der Lebensstandard bei ca. 70 % des früheren Einkommens gehalten werden kann. Das ist allein mit gesetzlichen Rentenzahlungen schon heute nicht mehr möglich. Ein Durchschnittsverdiener kann damit gerade mal den Grundbedarf absichern.

    Gegenwärtig liegt die durchschnittliche gesetzliche Rente bei 50 % des letzten Bruttoeinkommens. Im Jahr 2035 werden es etwa 40 % sein. 10 % bis 20 % sind es also, die über gesetzlich geförderte oder private Zusatzrenten aufgebracht werden müssen.

     

    Mit Zusatzrenten gegen Altersarmut

    Welche Beträge erforderlich sind, um die monatliche Rentenlücke zu schließen, hängt von vielen Faktoren wie Einkommen und Familienstand der betreffenden Person ab.

    Welche Rentenhöhe nach dem gegenwärtigen Stand zu erwarten ist, lässt sich aus den jährlichen Rentenauskünften entnehmen. Unter dem Suchbegriff „Rentenlücke berechnen“ findet man in jeder Suchmaschine eine Vielzahl kostenloser Rechner.

    In jedem Fall sind es immer wenigstens einige hundert Euro monatlich, die zusätzlich fließen müssen, und zwar bis zum Lebensende. Dabei ist zu berücksichtigen dass sich die Rentenlücke mit zunehmendem Zeitablauf in der Regel vergrößert.

    Besonders Personen mit geringem Einkommen sind gut beraten, so früh wie möglich eine Zusatzrente anzusparen. In diesen Fällen geht es häufig nicht um die Aufrechterhaltung des Lebensstandards sondern darum, die Basisversorgung sicherzustellen und Altersarmut zu verhindern.

     

    Ausreichender Kapitalstock entscheidend

    Ob eine private Zusatzrente ausreichend, um die Rentenlücke zu schließen, hängt von der Höhe des angesparten Kapitals ab. Während des Berufslebens wird das Kapital unter Konsumverzicht aufgebaut, während es im Ruhestand zum Bestreiten des Konsums dient.

    Häufig werden die Erträge aus dem Kapitalstock nicht für die gesamte Zeit des Ruhestands ausreichen, und es wird irgendwann auf die Substanz zurückgegriffen werden müssen. Für 300 Euro Zusatzrente wird ein Kapitalstock von ca. 100.000 € benötigt, wenn sich damit eine Rendite von etwa 4 % erzielen lässt.

    Je früher mit dem Ansparen eines Kapitalstocks begonnen wird, desto mehr Geld kann angespart werden, und desto geringer können die Sparraten sein.

    Hinzu kommt, dass die meisten Rentenprodukte Geldanlagen sind, die sich nur bei einem langen Anlagehorizont lohnen. Dazu gehören Lebensversicherungen und vor allem Geldanlagen, die richtig Rendite bringen können, wie beispielsweise die regelmäßige Investition in Indexfonds.

     

    Rentenlücke schließen mit 50+

    Deswegen ist es für die Generation 50+ keineswegs einfach, die Rentenlücke vollständig zu schließen. Dazu müssen im Verhältnis zum Einkommen beträchtliche Mittel aufgebracht werden.

    Werden 30 Jahre lang 105 € angespart bei einer Verzinsung von 4 %, stehen am Ende ca. 100.000 € zur Verfügung. Um den gleichen Kapitalstock in 15 Jahren anzusparen, sind über 300 € monatlich erforderlich, 4 % Zinsen unterstellt.

    Aber selbst, wenn durch Sparanstrengungen die ermittelte Rentenlücke nicht vollständig geschlossen werden kann, ein Kapitalaufbau lohnt sich immer, selbst wenn bis zum geplanten Rentenalter nur noch einige Jahre zur Verfügung stehen.

    Für Personen, die spät mit dem Aufbau einer Zusatzrente beginnen, gibt es außerdem noch eine weitere Möglichkeit.

    Auch wenn es in Deutschland weitgehend verpönt und im Einzelfall nur schwer umzusetzen ist; manchmal ist es nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll, nach Eintritt in das Rentenalter zunächst noch eine Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung wahrzunehmen.

     

    Welche Geldanlagen sind empfehlenswert?

     

    Wer nicht gerade Anlageprofi ist, sollte zunächst einmal in gesetzlich geförderte Renten, beispielsweise Riester, unter Ausschöpfung der Förderungshöchstgrenzen investieren.

    Die Riester-Rente wird vor allem von Finanzdienstleistern häufig heftig kritisiert wegen geringer Renditen und hoher Kosten. Aber sie gibt Planungssicherheit und unter den ca. 2000 Produkten findet man auch kostengünstige Varianten.

    Für die Generation 50+ ist der Aufbau einer Riester-Rente mit Banksparplänen am ehesten zu empfehlen, trotz gegenwärtig sehr niedriger Renditen.

    Wurde mit einem risikoarmen Riester Banksparplan unter Ausnutzung der Fördererhöchstbeträge ein solider Grundstock gelegt, kann man, soweit wirtschaftlich möglich, über weitere Anlagemöglichkeiten nachdenken.

    Hierbei spielen drei Komponenten eine Rolle: das Alter, die Rendite und die Risikobereitschaft. Eine Rendite von 4 % beispielsweise ist gegenwärtig (Januar 2014) wegen der niedrigen Zinsen nicht einfach zu erwirtschaften. Ohne einen relativ hohen Aktienanteil dürfte eine solche Rendite nicht zu schaffen sein.

    Andererseits sollte der Aktienanteil im Portfolio mit zunehmendem Alter wegen des Anlagerisikos verhältnismäßig gering sein, selbst wenn die Gesamtrendite dadurch deutlich zurückgeht.

    Wer noch 10 – 15 Jahre Zeit hat, einen Kapitalstock aufzubauen, sollte es vielleicht bei einem Aktienanteil von 30 % belassen; bei kürzeren Zeiträumen entsprechend weniger.

    Vermieden werden sollte die kostspielige Investition in aktiv gemanagte Aktienfonds, die Vermögensberater und Bankmitarbeiter gerne aufschwatzen. Abgesehen von den hohen Kosten, erwirtschaften Fonds nur in den seltensten Fällen die gleiche Rendite wie einzelne Indices.

    Deshalb sind Indexfonds, die einen bekannten Aktienindex abbilden, eher empfehlenswert. Geeignet sind beispielsweise der Dow Jones, der S&P 500 oder der sehr breit gestreute MSCI World.

    Wichtig ist schließlich eine ausreichende Diversifikation der Geldanlage zum Beispiel 40 % Banksparplan, 30 % Indexfonds, 20 % kurzfristiges bis mittelfristiges Festgeld und 10 % Tagesgeld.

    Die besten Konditionen für Festgeld und Tagesgeld findet man bei Internetbanken. Online Vergleichsportale helfen beim Auffinden der günstigsten Angebote.