Riester Rente empfehlenswert?

    Kaum war die Riester Rente eingeführt, da fielen die selbst ernannten Fachleute schon über sie her: zu wenig Rendite, zu unflexibel und in der Abwicklung zu bürokratisch, so lautete die Kritik.

    Meistens hatten die Kritiker auch gleich Alternativen zur Hand, zum Beispiel bestimmte Zertifikate ausgegeben von bestimmten Banken. Ohne Frage, Geld lässt sich gewinnbringender anlegen – mit gutem Glück und einem ausreichenden Maß an Fachwissen.

    Denn viele Riesterprodukte verursachen ebenso wie die unterschiedlichen Typen von Lebensversicherungen Kosten, die durch eine Direktanlage vermieden werden können. Andere Produkte sind kompliziert und undurchsichtig oder die Ausgeber investieren fantasielos nicht in die ertragsstärksten Kapitalanlagen in einer bestimmten Risikoklasse.

    Auf lange Sicht jedoch sorgt die staatliche Förderung für eine Rendite, die nicht unangemessen ist. Sparer können ihre Altersvorsorge relativ einfach und sicher aufstocken. Investiert werden kann je nach dem Geschmack der Anleger in Kapitalanlagen jeglicher Risikoklasse, sofern das entsprechende Produkt für die Riester Rente zertifiziert ist. Anleger haben also die Auswahl; sie können eher auf Sicherheit oder in erster Linie auf mehr Rendite setzen.

    Je früher, desto besser

    Riester lohnt sich richtig, wenn so früh wie möglich damit begonnen wird. Außerdem sollten alle in der aktuellen Situation zur Verfügung stehenden Fördermöglichkeiten ausgenutzt werden, sofern die dazu erforderlichen Eigenmittel bereitgestellt werden können. Dafür gibt es zwei Gründe:

    Wer das 25. Lebensjahr noch nicht überschritten hat, erhält im ersten Jahr zusätzlich zur üblichen Förderung einen Sonderbonus in Höhe von 200 €.

    Darüber hinaus gilt, je länger die Laufzeit, desto höher das Kapital, welches für die Auszahlungsphase zur Verfügung steht. Um die optimale Rendite herauszuholen, ist es allerdings entscheidend, die abgeschlossenen Verträge bis zum Ende durchzuhalten.

    Damit der Zinseszinseffekt voll durchschlägt, ist die Investition in revolvierende Produkte notwendig, bei denen Erträge aus Zinsen und Dividenden sofort reinvestiert werden.

    Deshalb kann sich der Abschluss eines Riestervertrages auch für Studenten und Azubis lohnen. Auszubildende erhalten ohne weiteres neben dem einmaligen Sonderbonus die übliche Förderung in Höhe von gegenwärtig 156 € jährlich, sofern sie 4 % ihres Jahreseinkommens ansparen.

    Da Azubis in der Regel weniger verdienen als ausgebildete Berufstätige, kann mit relativ wenig Kapital der Förderhöchstbetrag abgegriffen werden. Später, nach Eheschließung und der Geburt von Kindern, erhöht sich die Förderung.

    Bei Studenten und Schülern ist die Sachlage etwas komplizierter. Gehen sie neben dem Studium einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nach, ergeben sich keine Besonderheiten.

    Sind sie geringfügig beschäftigt, können sie für die Versicherungspflicht optieren. Der Verzicht auf die Versicherungsfreiheit gilt dann jedoch für alle Minijobs, sofern mehrere nebeneinander ausgeübt werden. Studenten können außerdem von der so genannten mittelbaren Förderung profitieren, wenn sie verheiratet sind und der Ehepartner Riester berechtigt ist.

    In allen Fällen müssen Studenten und Azubis jährlich mindestens 60 € (fünf Euro monatlich) einzahlen, um von der Förderung zu profitieren und damit die Zeiten als vollwertige Versicherungszeiten anerkannt werden.

    Für Beamte möglich und sinnvoll

    Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst haben Anspruch auf staatliche Riesterförderung, obwohl sie nicht gesetzlich versichert sind.

    Beamte können sich über eine sichere Altersvorsorge freuen. Dennoch mag eine Aufstockung der Pension mithilfe von Riester in manchen Fällen sinnvoll sein, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Vor allem für Lehrer stellt sich diese Frage.

    Wer sich dazu entschließt, für den könnten Fondssparpläne besonders attraktiv sein, weil eine solide Grundversorgung für das Alter bereits vorhanden ist. Fondssparpläne versprechen bessere Renditen, allerdings bei einem gewissen Risiko.

    Eine Alternative zu Riester ist die Trennung von Kapitalanlagen und Altersvorsorge. Der Nachteil: die staatliche Förderung entfällt. Der Vorteil: bei Eintritt des Rentenalters oder früher steht das gesparte Kapital sofort in voller Höhe ohne Auflagen zur Verfügung. Das ausgezahlte Kapital kann dann immer noch „verrentet“ werden.

    Bei einem Anlagehorizont von wenigstens 15 Jahren sind Indexfonds auf breit angelegte Aktienindices wie S&P 500 oder MSCI World, auch Euro Stocks 50 oder Dow Jones eine renditestarke Geldanlage mit relativ geringem Risiko.

    Familien profitieren besonders

    Für Familien mit Kindern wirkt sich die Riesterförderung besonders positiv aus. Das ist besonders dann der Fall, wenn ein Ehepartner oder besser noch beide Partner mit dem Riestern früh angefangen haben.

    Neben der üblichen Grundförderung gibt es staatliche Förderung für jedes Kind. Für Kinder, die nach 2008 geboren wurden, beträgt die Zulage 300 €, für ältere Kinder hingegen nur 185 €.

    Für Alleinstehende ist die Riesterrente ebenfalls sinnvoll. Ob verheiratet oder alleinstehend, jeder steht vor der Herausforderung, die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Dabei bietet es sich an, das Angebot des Staates auf Zuschüsse in Anspruch zu nehmen. Gering verdienende Alleinstehende können mit wenig Eigenkapital den gesamten Förderbetrag akquirieren.

    Verhältnis zur betrieblichen Altersversorgung

    Ist die Riesterrente zusammen mit der betrieblichen Altersvorsorge sinnvoll? Viele Experten raten von einer Kopplung ab, obwohl Förderung auch im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge greift.

    Nachteile entstehen sowohl in der Ansparphase als auch in der Auszahlungsphase. In der Ansparphase werden mit der betrieblichen Altersvorsorge gekoppelte Riesterbeiträge aus dem Nettoeinkommen eingezahlt. Die vorher entrichteten Sozialversicherungsbeiträge werden nicht erstattet.

    In der Auszahlungsphase kassiert der Staat Steuer und bei den Mitgliedern gesetzlicher Krankenkassen zusätzlich die allein zu tragenden Sozialabgaben. Sozialabgaben fallen also sowohl in der Ansparphase als auch während der Rentenzeit an.

    Darüber hinaus entfallen bei einer Kopplung sowohl das Wahlrecht unter verschiedenen Riesterprodukten als auch die Möglichkeit der mittelbaren Förderung des Ehepartners.

    Wie funktioniert die Riester Förderung?

    Die Förderhöchstbeträge werden gezahlt, wenn Sparer wenigstens 4 % des brutto Vorjahresgehalts inklusive der Zulagen für die private Altersvorsorge aufwenden. Der absolute Mindestbetrag beläuft sich auf 60 € jährlich.

    Förderfähig sind versicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte, auch Studenten mit Minijobs, wenn sie sich der Versicherungspflicht unterwerfen.

    Eine Ausnahme besteht bei Ehepartnern, wenn einer der Partner eine Riester Rente abgeschlossen hat. In diesem Fall hat auch der nicht versicherte Partner Anspruch auf Zulagen. Voraussetzung ist ein eigener Altersvorsorgevertrag sowie die Zahlung des Mindestbetrages in Höhe von 60 € jährlich.

    Bei Scheidung entfällt die Voraussetzung für die mittelbare Riesterförderung. Der betroffene Ehepartner kann den Rentenvertrag aber beitragsfrei stellen. Kommt es später zur Rentenversicherungspflicht oder ist ein neuer Partner rentenversichert, kann der Vertrag wiederbelebt werden.

    Die Zulagen müssen jährlich bei der Zulagenstelle beantragt werden. Versicherer erledigen diese Aufgabe automatisch, wenn die Einwilligung in einen Dauerzulagenantrag erteilt wird. Änderungen beim Einkommen müssen dem Versicherer rechtzeitig mitgeteilt werden, um Nachteile bei der staatlichen Förderung zu vermeiden.

    In der Steuererklärung muss der investierte Betrag ohne Berücksichtigung der staatlichen Zulagen mitgeteilt werden. Dazu wird die Anlage AV ausgefüllt. Das Finanzamt ermittelt daraufhin die individuell zu erstattende Steuerersparnis.

    Es gilt die nachgelagerte Besteuerung. In der Ansparphase werden Steuervergünstigungen gewährt, während der Auszahlungsphase fallen aber Steuern an. Gesamt gesehen profitiert der Sparer aber, weil in der Regel die Rentenbesteuerung niedriger ist als der eingesparte Steuerbetrag in der Ansparphase.

    Mit der staatlichen Zulage soll keine Kapitalanlage, sondern ein Rentenmodell gefördert werden deswegen dürfen bei Fälligkeit des Vorsorgevertrages lediglich höchstens 30 % des Sparbetrages als Kapitalabfindung ausgezahlt werden. Die restlichen 70 % werden in jedem Fall als monatliche Rente ausgezahlt.

    Produktauswahl

    Zulagen werden nur gewährt, wenn in Finanzprodukte investiert wird, die zuvor als Riester geeignet zertifiziert worden sind. Die Zertifizierung besagt jedoch nichts über die Sicherheit oder die Ertragsstärke der einzelnen Produkte.

    Abgesehen vom Erfordernis der Zertifizierung gibt es eine breite Palette von Finanzprodukten, investiert werden kann.

    Beliebt ist die Investition in das selbstgenutzte Eigenheim (Wohnriester). Häufig empfohlen werden Banksparpläne aller Art, vornehmlich von Sparkassen und genossenschaftliche organisierten Banken.

    Fondssparpläne bringen eine bessere Rendite als andere Riesterprodukte. Das Risiko richtet sich nach dem Risiko der unterlegten Wertpapiere. Rentenfonds sind weniger risikoreich als Aktienfonds. Dafür ist die Rendite auf lange Sicht gesehen deutlich geringer.

    Fondssparen ist eine Domäne von privaten Banken und Versicherungsgesellschaften. Ein Beispiel ist der IndexSelect Fonds von der Allianz. Im Kern handelt es sich um einen Indexfonds auf den Aktienindex Euro Stocks 50. Gegenüber richtigen Indexfonds gibt es aber Besonderheiten.

    Förderungen und eingezahltes Kapital werden garantiert. Einmal erzielte Erträge können nicht verloren gehen (Lock-in). Es gibt eine jährliche Wahlmöglichkeit zwischen Indexpartizipation mit der Chance auf überdurchschnittliche Renditen und sichere Verzinsung.

    Für die Indexpartizipation gibt es aber einen Cap, der jährlich in einer bestimmten Höhe festgelegt wird. Das ist die negative Kehrseite dieser Riester geförderten Geldanlage. Cap bedeutet, dass der Anleger nur bis zu einer bestimmten Höchstgrenze an der Wertentwicklung des Indexes partizipiert.

    Unseres Erachtens sind solche Konstruktionen eher unübersichtlich und verursachen manchmal höhere Kosten, die die Rendite schmälern. Empfehlenswert sind eher Produkte, die einfach aufgebaut sind und keine Mischformen darstellen.

    Die Entscheidung über die geeignete Kapitalanlage liegt beim Anleger. Nur er kann seine Risikobereitschaft einschätzen. Wichtig ist, dass der Anleger das ausgewählte Produkt versteht und sich über die Vorteile und Nachteile dieser Form der Geldanlage informiert.

    Dynamik

    Dieser Fachbegriff spielt bei Rentenprodukten eine große Rolle. Man versteht darunter zwei recht unterschiedliche Sachverhalte.

    Möglich ist die Dynamik in der Ansparphase. Wird sie vereinbart, steigen die Beiträge in regelmäßigen Abständen an. Jeder Beitragsanstieg verursacht neue Abschlusskosten. Kosten und Verwaltungsgebühren beeinflussen die Rendite negativ, und zwar in einem erheblichen Ausmaß. Eine solche Dynamik ist schon deshalb nicht zu empfehlen.

    Ein anderes Thema ist die so genannte Volldynamisierung ab Rentenbezug. Dadurch können beispielsweise Inflationsauswirkungen abgefedert werden. Wird eine Volldynamisierung während der Rentenzeit vereinbart, muss von Anfang an ein leicht höherer Beitrag geleistet werden. Eine volldynamisierte Riester Rente wird von vielen Fachleuten als sinnvoll empfohlen.

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