Risikolebensversicherung: welche Versicherungssumme wählen?

    Risikolebensversicherungen kosten doch nichts. Bereits für wenig Geld, im günstigsten Fall unter 10 Euro monatlich, kann die Familie gegen Katastrophen abgesichert werden. Die angeblich geringen Kosten sind ein häufig anzutreffendes Verkaufsargument von Versicherungsmaklern.

    Wer jedoch eine Risikoversicherung abschließt, nur weil sie billig ist, der zäumt das Pferd vom Schwanz auf. Vielmehr ist entscheidend, ob der Abschluss einer Risikolebensversicherung nach den konkreten Lebensumständen sinnvoll ist.

    Wird diese Frage bejaht, geht es um die Höhe der Versicherungssumme, mit der eine angemessene finanzielle Absicherung erreicht werden kann. Schließlich ist über die Dauer des geplanten Versicherungsvertrages zu entscheiden.

    Hinterbliebenenschutz nur während der Vertragslaufzeit

    Risikolebensversicherungen dienen der Hinterbliebenenversorgung, nicht der Kapitalbildung. Stirbt die versicherte Person, zahlt die Versicherung eine zuvor vereinbarte Versicherungssumme an die im Vertrag benannte begünstigte Person aus, aber nur sofern der Tod sich während der Laufzeit des Vertrages ereignet.

    Risikolebensversicherungen können nicht mit einer unbegrenzten Laufzeit abgeschlossen werden. Die Laufzeit, auch Beitragszahlungsdauer genannt, wird vertraglich festgelegt, ebenso wie die Versicherungssumme. Je nach Vertrag beträgt die Laufzeit gewöhnlich zwischen 10 und 30 oder 40 Jahre.

    Risikoversicherungen sind also eine zeitlich begrenzte Vorsorge für die Hinterbliebenenversorgung. In den überwiegenden Fällen kommt es während der Vertragslaufzeit zu keinem Versicherungsfall. Deswegen können die Prämien im Verhältnis zu den relativ hohen Versicherungssummen so günstig ausfallen.

    Wann ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll?

    Der Versicherungsnehmer kann demnach davon ausgehen, dass der Versicherungsfall, sein Tod, mit extrem großer Wahrscheinlichkeit während der Vertragsdauer nicht eintreten wird. Wäre es anders, würden Versicherungsgesellschaften den Vertrag erst gar nicht mit ihm abschließen.

    Nicht umsonst gibt es Altersgrenzen, beispielsweise 55 oder 60 Jahre und natürlich auch Gesundheitsprüfungen. Je älter der Versicherungsnehmer und/oder je länger die Vertragslaufzeit, desto höher ist die Versicherungsprämie.

    Eine Risikolebensversicherung für einen Katastrophenfall, der aller Voraussicht nach nicht eintritt, ist deshalb objektiv betrachtet nur sinnvoll und dann auch dringend zu empfehlen, wenn der mögliche Tod des Versicherungsnehmers für die Hinterbliebenen schwere wirtschaftliche Nachteile verursachen würde.

    Ein junges kinderloses Ehepaar, beide Partner mit guter Berufsausbildung und berufstätig, braucht keine Risikolebensversicherung. Ebenso ist eine Risikolebensversicherung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überflüssig, wenn der Lebensstandard der Hinterbliebenen bei Eintritt des Versicherungsfalles wegen guter Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht wirklich gefährdet ist.

    Singles benötigen rein wirtschaftlich betrachtet bestenfalls in Ausnahmefällen eine Risikolebensversicherung, zum Beispiel wenn Unterhaltsverpflichtungen gegenüber Hinterbliebenen bestehen.

    Anders liegt der Fall bei Familien mit Kindern. Besondere Gründe für eine Risikoversicherung sind Kinder, die noch nicht auf eigenen Füßen stehen und langfristige Verbindlichkeiten beispielsweise zur Finanzierung eines Eigenheims. Auch bei Alleinverdienerehen oder bei Ehen mit einem Hauptverdiener sind Risikolebensversicherungen zur wirtschaftlichen Absicherung der Hinterbliebenen sinnvoll.

    Fällt die Entscheidung für den Abschluss einer Risikolebensversicherung, ist die richtige Bemessung der Versicherungssumme entscheidend. Fachleute vermuten, dass die Versicherungssummen in vielen Fällen zu niedrig bemessen werden, und deshalb der Zweck einer vernünftigen Hinterbliebenenversorgung verfehlt wird.

    Die durchschnittliche Versicherungssumme in Deutschland soll ca. 150.000 Euro betragen. Eine solche Summe reicht aber nicht aus, wenn der Hauptverdiener stirbt und eine Frau mit einem gerade einmal schulpflichtigen Kind hinterlässt.

    Faustformeln für die empfohlene Versicherungssumme

    Häufig werden Schätzwerte für eine angemessene Versicherungssumme angegeben. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Versicherungssumme den Wegfall der Einkünfte des Versicherungsnehmers für eine gewisse Übergangszeit ausgleichen soll.

    Danach sind für Singles Versicherungssummen ausreichend die in etwa dem dreifachen eines gegenwärtigen Jahresbruttoeinkommens entsprechen. Bei Verheirateten soll die Versicherungssumme hingegen das Fünffache des Jahresbruttoeinkommens betragen.

    Eine andere Methode geht von dem monatlichen Mindestbedarf aus. Das soll der Betrag sein, den die Hinterbliebenen wenigstens benötigen, um die Lebenshaltung ohne fremde Hilfe bestreiten zu können. Der so ermittelte Betrag, für eine Mutter mit Kind beispielsweise 1.200 Euro, wird mit der Zahl 300 multipliziert. In diesem Beispiel ergibt dies eine Versicherungssumme in Höhe von 360.000 Euro.

    Orientierung am prognostizierten Bedarf

    Pauschale Schätzungen der Versicherungssumme können zur Überversicherung ebenso führen wie zur Unterversicherung. Besser ist es, den nach den Lebensumständen tatsächlichen Bedarf zu prognostizieren und danach die Versicherungssumme auszurichten. Anders ausgedrückt: wie groß ist die Versorgungslücke, durch die ein angemessener Lebensstandard der Hinterbliebenen infrage gestellt werden kann.

    In manchen Fällen wird der Lebensstandard nur durch zu hohe Verbindlichkeiten aus Immobilienkrediten gefährdet. Ansonsten besteht keine Versorgungslücke, weil die Hinterbliebenen ein ausreichendes Einkommen haben. Die empfehlenswerte Versicherungssumme orientiert sich dann an der Höhe der Restverbindlichkeit gegebenenfalls zuzüglich eines Aufschlages für Unvorhergesehenes. Eventuell kommt eine Risikolebensversicherung mit fallender Versicherungssumme in Betracht.

    Geht es um die Absicherung einer generellen Versorgungslücke, weil ohne dass weggefallene Gehalt des Versicherungsnehmers ein als angemessen empfundener Lebensstandard nicht mehr eingehalten werden kann, empfiehlt sich eine Haushaltsrechnung vorzunehmen. Dabei sollten die jährlichen Kosten ebenso berücksichtigt werden wie die realistischen zukünftigen Einkünfte des Hinterbliebenen.

    Ein wichtiger Posten sind die Kosten für die Lebenshaltung und die Berufsausbildung der Kinder. Häufig müssen wenigstens diese Kosten durch die Versicherungssumme abgedeckt werden, um den Lebensstandard der hinterbliebenen Familie in etwa zu halten.

    Versicherungssumme: Barwert-Berechnung

    Wie hoch eine angemessene Versicherungssumme sein kann, soll ein Beispiel verdeutlichen. Ein Familienvater möchte im Falle seines Todes seine Ehefrau und seine 10-jährige Tochter wirtschaftlich absichern. Das Familieneinkommen beträgt 80.000 Euro, wozu die halbtags beschäftigte Ehefrau 20.000 Euro beiträgt. In etwa diesen Betrag wird die Ehefrau auch in Zukunft verdienen können. Möglich ist eine ganztägige Beschäftigung, sobald die Tochter etwas älter ist. Für die Tochter ist ein Studium geplant.

    Die Eheleute gehen davon aus, dass bis zum Abschluss der Berufsausbildung der gemeinsamen Tochter etwa das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Bundesbürgers, ca. 30.000 Euro, durch eine Risikolebensversicherung abgesichert werden soll. Die Ausbildung der Tochter wird in ca. 15 Jahren beendet sein. Der benötigte Betrag beläuft sich auf 450.000 Euro.

    Wie hoch die Versicherungssumme sein muss, um diesen Bedarf abzudecken, richtet sich nach dem Barwert. Die Risikolebensversicherung wird in einer Summe ausgezahlt, die dann sicherheitsorientiert in Sparbriefe, Tagesgeld oder ähnliches angelegt werden kann. Den regelmäßigen Entnahmen stehen also Einkünfte aus Zinszahlungen gegenüber. Deshalb ist der Barwert niedriger als der insgesamt benötigte Betrag.

    Bei einer angenommenen Verzinsung in Höhe von 2 Prozent beträgt der Barwert, monatliche Entnahmen und jährliche Zinsperiode vorausgesetzt, ungefähr 364.000 Euro. Über diesen Betrag müsste die Risikolebensversicherung abgeschlossen werden. Im Internet findet man diverse Rechner, mit denen der Barwert ermittelt werden kann.