Riskante Geldanlagen: verführerisch und gefährlich

Attraktive Erträge bis zu 12 Prozent und mehr pro Jahr. Eine solch widersprüchliche Formulierung findet man in der Webseitenbeschreibung eines Anbieters, wenn der Suchbegriff „Holzinvestments“ bei Google eingegeben wird.

Viele Anbieter auf dem grauen Kapitalmarkt werben aggressiv für ihre Produkte und spielen dabei das Risiko bewusst herunter. Formulierungen wie „hohe Rendite trifft geringes Risiko“ sind ausgesprochen beliebt.

Gerade Anleger, die das Risiko einer Kapitalanlage in seriöse Aktien scheuen, lassen sich von solcher Werbung zu einer Investition verleiten. Die direkte Ansprache über Medien, Internet, Telefon und Hochglanzbroschüren per Post versandt verfehlt ihre Wirkung offenbar nicht.

Und wer an einer Verkaufsveranstaltung teilnimmt, um sich wirklich gründlich zu informieren, dem wird suggeriert, dass neben fast risikolosen Supergewinnen noch positive Effekte für die Umwelt herausspringen. Schließlich sind Geldanlagen in ökologischen Holzanbau, ökologische Landwirtschaft oder in alternativen Energien „nachhaltig und verantwortlich“.

Grauer Markt: riskante Kapitalanlagen

In Wahrheit sind Investitionen in Produkte des grauen Marktes hoch riskante Geldanlagen, die dem Risikoprofil auf Sicherheit bedachter Privatanleger diametral entgegenlaufen.

Wertpapiere und Geldanlagen werden gemeinhin in fünf Risikoklassen eingeteilt. Die riskanteste Geldanlage wird unter der fünften Risikoklasse unter der Bezeichnung „spekulativ“ zusammengefasst. Sehr hohe Ertragserwartungen stehen extremen Risiken bis zum Totalverlust gegenüber. In der Praxis überwiegen die Risiken deutlich, und die Erträge bleiben fast immer hinter den Erwartungen zurück, wenn überhaupt welche anfallen.

Hoch riskante Geldanlageprodukte des grauen Marktes müssen nicht unseriös oder gar betrügerisch sein und sind es in der Regel auch nicht. Nur sind Privatanleger regelmäßig mit den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nicht in der Lage, die Spreu vom Weizen zu trennen. Selbst für professionelle Anleger ist es nicht einfach, verlässliche Tragfähigkeitsprüfungen durchzuführen.

Aber kein professioneller Anleger stellt Kapital zur Verfügung ohne gründliche eigene Recherchen, nur auf der Grundlage eines Anlageprospekts oder einer zweistündigen Informationsveranstaltung. Professionelle Investoren, die Risikokapital zur Verfügung stellen, haben das zur Beurteilung der Tragfähigkeit erforderliche Fachwissen und den nötigen Apparat.

Irreführende Werbung

Produkte des grauen Marktes unterliegen nicht der Erlaubnispflicht. Das BaFin hat lediglich eine Überwachungsfunktion, soweit es beispielsweise um die Einhaltung von Prospektpflichten und anderer verbraucherrechtlicher Vorschriften geht.

Deshalb ist es irreführend, wenn Vertreiber der Graumarktprodukte davon sprechen, die Kapitalanlage steht im Einklang mit dem BaFin. Mit solchen Äußerungen soll wohl suggeriert werden, die Überwachungsbehörde habe eine Qualitätsprüfung vorgenommen. Doch genau das, nämlich eine Qualitätsprüfung, wird vom BaFin niemals durchgeführt.

Irreführende Werbung findet man nicht nur, wenn es um die Rolle der Aufsichtsbehörde geht. Häufig wird das Produkt entweder ohne Risikohinweis als vollständig sicher dargestellt, oder die Risiken werden in einer klein gedruckten Fußnote, meistens sogar noch verniedlicht, beschrieben.

Natürlich spricht nichts dagegen, einen kleinen Teil des Vermögens spekulativ in sehr riskante Geldanlagen zu investieren. Nur sollten Anleger einen Überblick über die mit der Kapitalanlage verknüpften allgemeinen Risiken haben.

Im Folgenden werden die Risiken bei wichtigen Produktkategorien des grauen Marktes wie Investitionen in Agrarprodukte, Immobilien, Edelmetalle und junge Unternehmen sowie in geschlossene Fonds als häufige Anlageform kurz beschrieben.

Geschlossene Fonds

Investoren schließen sich zusammen, um einen bestimmten Sachwert zu finanzieren und Erträge daraus zu erzielen. Immobilien, Schiffe, alternative Energieanlagen, Medienprodukte wie Filme sind besonders beliebt.

Sobald der Sachwert vollständig finanziert ist, wird der Fonds geschlossen. Es kommt kein Anleger mehr rein, aber auch nur noch sehr schwer wieder raus. Die Investition in geschlossenen Fonds ist regelmäßig langfristig. Kündigungen von Fondsanteilen sind ausgeschlossen. In der Regel kann nur die Gesellschafterversammlung eine Auflösung des Fonds beschließen. Risiken:

Da oft nur in ganz bestimmten Projekte investiert wird, hängt der Ertrag ausschließlich vom Erfolg dieses einen Vorhabens ab. Anleger tragen alle Verluste bis zum Totalverlust, wenn das Projekt scheitert.

Wird in Sachwerte investiert, die einem Wertverlust unterliegen, muss der Ertrag wenigstens den Wertverlust übersteigen. Andernfalls werden überhaupt keine Erträge ausgeschüttet. Lange nicht alle geschlossenen Fonds können Wertverluste durch Erträge kompensieren. Oder die Erträge reichen nicht aus, um die hohen Erwartungen zu erfüllen.

Die Kombination aus langen Laufzeiten und Konzentration auf nur ein Projekt erhöht das Verlustrisiko überproportional. Kein vernünftiger Anleger würde in ein Unternehmen investieren, welches laufende Einkünfte nur aus einem einzigen Geschäftsvorgang generiert.

Immobilien

Immobilien sind eine beliebte Kapitalanlage in Deutschland. Viele Deutsche investieren zunächst in eigengenutzte Immobilien. Nach einer älteren Untersuchung verfügen etwa sieben Millionen Bundesbürger über Immobilieneigentum, welches vermietet oder verpachtet also als Geldanlage genutzt wird.

Wer als Immobilieneigentümer spitz rechnet, wird schnell feststellen, dass die Rendite relativ mager ausfällt. Vielleicht sind es 2 Prozent oder 3 Prozent jährlich. In manchen Fällen werden sogar Verluste eingefahren. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe.

Meistens wird zu viel Fremdkapital eingesetzt, so dass die Fremdfinanzierungskosten auf die Rendite drücken. Zudem schlagen der Aufwand für Erhaltung, Verwaltung und andere Nebenkosten zu Buche. Vor allem Eigentumswohnungen rechnen sich häufig nicht. In vielen Fällen wird für die Immobilie auch einfach zu viel bezahlt oder der Standort wird falsch gewählt.

Wer sich ein Haus kauft oder eine Eigentumswohnung, um sie zu vermieten, der investiert natürlich nicht in ein Produkt des grauen Kapitalmarktes. Das geschieht lediglich, sofern Geld in Surrogate, geschlossene Immobilienfonds, offene Immobilienfonds oder Immobilienunternehmen angelegt wird.

Besonders risikoreich sind Immobilienfonds. Neben den oben beschriebenen Risiken entstehen zusätzliche Probleme durch massive Fehlkalkulationen in Bezug auf Kosten und Verwertbarkeit des Fondsausgebers, Misswirtschaft und bewusste Falschinvestitionen.

Hier ein uns bekannter Fall als Beispiel: Vor einigen Jahren versuchte jemand Kapital für ein recht kostspieliges Umbauvorhaben einzusammeln. Die mit der Post versandte Hochglanzbroschüre zeigte eine alte Jugendstilvilla, die unter Schaffung einer Reihe von Eigentumswohnungen vollständig modernisiert werden sollte. Versprochen wurden Renditen von 5 Prozent jährlich. Auf die üblichen Risiken, zum Beispiel durch Mietausfälle, wurde kurz hingewiesen.

Das Problem war nur, dass diese Immobilie sich in einer Stadt befand, die zum damaligen Zeitpunkt mit ungefähr 15 Prozent Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatte. Zudem gab es immense Leerstände und sowohl das Mietniveau als auch die Hauspreise waren beispiellos niedrig. Die Kommune hatte schließlich mit einem spürbaren Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Einen Hinweis auf all diese negativen Faktoren, die das Umfeld betrafen, suchte man vergebens.

Eine unseres Erachtens gute Möglichkeit, in renditestarke Immobilien zu investieren, stellen die sogenannten REITs (Real-Estate-Investment-Trust) dar. Es handelt sich um börsennotierte Aktiengesellschaften, die sich mit dem Erwerb, der Veräußerung und der Verwaltung von in- und ausländischen Immobilien befassen, die keine Bestandsmietwohnimmobilien sind.

Genussrechte und andere Mezzanine Kapital-Formen

Mezzanine Kapital ist eine Mischform aus Eigenkapital Fremdkapital. Nachrangdarlehen und stille Gesellschaften gehören in diese Kategorie. An ein breites Publikum werden gerne Genussrechte, verbrieft in Genussscheine, ausgegeben.

Die Werthaltigkeit von Geldanlagen in Mezzanine Kapital hängt unmittelbar von der Qualität des ausgebenden Unternehmens ab. Häufig steht es um ein Unternehmen nicht besonders gut, wenn über direkte Vertriebskanäle Geld eingeworben werden muss.

Besonders tückisch sind Nachrangabreden, die üblich sind, oder Nachschusspflichten. Informationen darüber werden oft nur in den kleingedruckten Zusatzvereinbarungen gegeben. Eine Nachrangabrede bedeutet, dass der Anleger im Fall von Zahlungsschwierigkeiten erst Geld erhält, wenn alle anderen Gläubiger vollständig befriedigt worden sind.

Sind Nachschusspflichten vereinbart, verliert der Anleger nicht nur sein Geld, sondern er muss noch zusätzlich für die Befriedigung anderer Gläubiger anteilige Mittel zur Verfügung stellen.

Investitionen in Holz, Agrarprodukte, Viehbestände, Edelmetalle oder Minen

Angeboten werden unterschiedliche Beteiligungsformen sowie direkte Investitionen. Das größte Risiko liegt in der Unberechenbarkeit des Gegenstandes, in den investiert wird. Dabei spielt es im Prinzip keine Rolle ob es sich um eine direkte oder indirekte Investition handelt.

Eine 100 Euro Banknote wird mit einer Schere zerschnitten

Kapitalvernichtung durch hoch riskante Anlageformen

Wer zum Beispiel einem bestimmten Minenbetreiber in Kanada unter welcher rechtlichen Konstruktion auch immer Geld zur Verfügung gestellt, weiß nichts über die künftige Ertragsfähigkeit der Mine. Er kann nicht einmal beurteilen, ob der Betreiber die nötige Kompetenz besitzt, um die Mine fachmännisch auszubeuten.

Hinzu kommt, dass Angebot und Nachfrage auf den Rohstoffmärkten erheblichen Schwankungen unterliegen. Bei ausländischen Minen spielt das Wechselkursrisiko eine Rolle.

Ähnlich sieht es bei Investitionen in Agrarprodukte, Viehbestände oder Wälder aus. Hier kommt es sehr auf die Qualität der Bewirtschaftung an, auf die der Investor praktisch keinen Einfluss hat. Hinzu kommen mögliche Naturkatastrophen und Krankheiten, vor allem in tropischen und subtropischen Ländern, die ganze Ernten oder Holzbestände vernichten können.

Agrarprodukte unterliegen zudem immensen Preisschwankungen. Weltweite Überproduktion kann die Preise unter Herstellungskosten sinken lassen, erntevernichtende Katastrophen in bestimmten Regionen können zu großen Gewinnen führen.

Rohstoffe selbst werfen keine Erträge ab. Holz und Gold erwirtschaften keine Dividende. Der Ertrag einer Direktinvestition in Rohstoffe aller Art speist sich allein aus Wertsteigerungen. Auch das ist ein ernst zu nehmendes Risiko.

Edelmetall-Sparpläne oder Zertifikate

Eine Geldanlage in Edelmetalle an sich ist schon spekulativ. Durch Sparpläne oder Zertifikate werden weitere Risiken aufgesammelt. Die Emittenten solcher Finanzprodukte investieren häufig nicht selbst in ein physisches Edelmetall. Oft schließen sie lediglich schuldrechtliche Verträge mit einem weiteren Kontrahenten ab, die die Herausgabe der Edelmetalle zu bestimmten Zeitpunkten zum Inhalt haben.

Das Schicksal der Investition hängt dann von der Fähigkeit des schuldrechtlichen Vertragspartners ab, das Edelmetall zur Verfügung zu stellen. Eine Insolvenz des Kontrahenten kann zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Optionen und Optionsscheine – Termingeschäfte

Optionen beinhalten das Recht, eine bestimmte Sache zu einem späteren Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Termingeschäfte sind Wetten auf die zukünftige Preisentwicklung. Optionsgeschäfte können auf alles abgeschlossen werden, was einen bestimmten Geldwert haben kann: Wertpapiere, Rechte, Gegenstände, Produkte und anderes.

Optionen werden an bestimmten Terminbörsen gehandelt, in Deutschland oft an der Stuttgarter Börse. Optionsscheine sind verbriefte Optionen, die von einem Emittenten, meistens einer bestimmten Bank, ausgegeben werden, und über eine Börse gekauft und verkauft werden können.

Gleichgültig, auf was die Option lautet, Optionen und Optionsscheine gehören immer der größten Risikoklasse an. Geht die Wette nicht auf, läuft die Option „aus dem Geld“, besteht die Gefahr des Totalverlusts.

Crowdfunding

Crowdfunding findet über Internetplattformen statt. Investoren können sich mit kleinsten Beträgen an der Ausfinanzierung eines bestimmten Projekts beteiligen. Crowdfunding dient nicht unbedingt der Erwirtschaftung von Erträgen, sondern auch zur Realisierung sozialer oder ökologischer Projekte, für die auf diese Weise Spenden eingesammelt werden.

Bei Geldanlagen mit dem Ziel, einen Ertrag zu erwirtschaften, spricht man manchmal von Crowdinvesting. In Deutschland gibt es wohl unterdessen Crowdinvesting für so ziemlich alles, was auch sonst auf dem grauen Kapitalmarkt vertrieben wird. Beispielsweise können sich Anleger im Rahmen von Crowdinvesting für Immobilien schon mit 250 Euro oder 500 Euro an der Direktinvestition in eine Immobilie beteiligen. Ein anderes Beispiel ist Crowdfunding für bestimmte Filmprojekte oder für Start-ups.

Meistens wird über Crowdfunding Mezzanine Kapital eingesammelt. Bei Immobilien sind die Laufzeiten zudem oft sehr lang.

Eine besondere Form des Crowdinvestings stellen Kredite von privat für privat dar. Kreditbörsen stellen im Internet Portale zur Verfügung, auf denen Kreditnehmer ihre Kreditwünsche einstellen können, die daraufhin von privaten Investoren, allerdings unter Zwischenschaltung von Banken, finanziert werden.

Seriöse Kreditbörsen wie smava, Lendico oder Auxmoney versuchen das Ausfallrisiko durch ausgeklügelte Bonitätsprüfungen so weit wie möglich auszuschließen. Die Renditechancen der Anleger korrespondieren mit den Bonitätsrisiken bei den Kreditnehmern.