Sinnvolle Altersvorsorge trotz niedrigem Zinsniveau

    Schlechte Nachrichten für Sparer, die ihr Geld in gängige private Altersvorsorgeprodukte anlegen möchten. Insbesondere nach der letzten Leitzinssenkung der EZB deutet vieles darauf hin, dass die Zeiten niedriger Zinsen noch lange nicht vorüber sind.

    Niedrige Zinsen bedeuten geringe Renditen für Produkte der klassischen Altersvorsorge. Häufig können nicht einmal Kaufkraftverluste ausgeglichen werden. Das gilt besonders für Verträge zur privaten Altersvorsorge wie Riesterrente, Rürup, Lebensversicherungen und private Altersvorsorge, die nach Auftreten der Finanzkrise abgeschlossen werden.

    Keine Frage, wer jetzt mit dem Sparen beginnt, sollte sich nach alternativen Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge umsehen. Andernfalls wird es nur schwer gelingen, die erwartete Rentenlücke im Alter zu schließen.

     

    Das Dilemma der Anleger

    Jedoch muss auf ein Dilemma hingewiesen werden, vor dem gegenwärtig alle Anleger stehen. Während sichere Anlageformen kaum Rendite abwerfen, verzeichnen eigentlich lukrative Alternativen Höchststände bei den Kursen, weswegen eine Investition gegenwärtig eigentlich nicht sinnvoll erscheint.

    Wichtige Aktienindices wie der Dow Jones sind in jüngster Vergangenheit von einem Allzeithoch zum anderen geklettert.

    Deswegen sind Kursrückgänge und damit Renditeeinbrüche jedenfalls mittelfristig nicht ausgeschlossen. Verabschieden sich die Notenbanken von der lockeren Geldpolitik, wird den Aktienmärkten voraussichtlich viel Kapital entzogen.

    Geschieht dies, fallen auch die Aktienkurse. Anleger brauchen dann einen langen Atem, um die Baisse auszusitzen.

     

    Sinnvolle Altersvorsorge mit Indexfonds

    Legen Sparer auf angemessene Renditen Wert, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als das Sicherheitsdenken etwas zurückzustellen. Gegenwärtig versprechen ausschließlich Anlageprodukte mit einem hohen Aktienanteil vernünftige Renditen, allerdings bei erhöhtem Risiko.

    Die Renditelässt sich stabilisieren, wenn wenigstens ein Teil der für die Altersvorsorge vorgesehenen Mittel direkt in Indexfonds angelegt werden, selbst wenn auf steuerliche Förderungen verzichtet werden muss.

    Indexfonds sind passiv gemanagte Produkte mit wenig Kosten. Sie bilden einen bestimmten Index für Aktien oder andere Wertpapiere ab. Es gibt auch Mischformen.

    Das beste Risiko-/Renditeverhältnis bieten unseres Erachtens Fonds, die klassische Aktienindices wie Dow Jones, S&P 500, DAX oderMSCI Welt abbilden.

    Langfristcharts zeigen bei solchen Indices durchweg eine steigende Kurstendenz. Je länger die Papiere gehalten werden, desto geringer ist das Verlustrisiko. Das Risiko von Kursschwankungen kann außerdem durch eigengebaute langfristige Ratensparpläne verringert werden.

    In andere Fonds zu investieren, ist nach diesseitige Auffassung jedenfalls für Privatanleger eigentlich nicht zu empfehlen. Nur wenige dieser Produkte können mit der Wertentwicklung von Indices mithalten. Dafür zeichnen sie sich aber durch ein höheres Risiko bei höheren Kosten aus.

    Wenn nicht in Indexfonds dann ist es besser, direkt in werthaltige Aktien zu investieren. Dabei sollte auf eine gute Branchenstreuung und auf regionale Ausgewogenheit geachtet werden.

    Eine Direktinvestition setzt allerdings eine genaue Beschäftigung mit dem Aktienmarkt und den Einzelpapieren voraus. Viele Privatanleger dürfte das zeitlich und auch fachlich überfordern. Deshalb sind Indexfonds meistens sinnvoller.

     

    Immobilien als Altersvorsorge

    Häufig wird die Anschaffung einer Immobilie als Alternative zu klassischen Produkten angesehen. Immobilieneigentum vermittelt ein gutes Gefühl der Sicherheit.

    Ob die Anschaffung einer Wohnimmobilie als Altersvorsorge wirtschaftlich ist, steht aber auf einem anderen Blatt.

    Zwar kann es die staatliche Förderung über Wohnriester geben, aber genauso wie Gold wirft eigengenutztes „Betongold“ keine Zinsen oder Dividenden ab. Verdient wird ausschließlich durch eine Wertsteigerung höher als der Kaufkraftverlust durch Inflation.

    Muss die Immobilie verwertet werden, um Liquidität in Ergänzung der staatlichen Rente zu schaffen, bleibt die Frage nach der Finanzierung von Ersatzwohnraum.

    Eher kommt die Anschaffung fremdgenutzter Immobilien als Altersvorsorge in Betracht. Zur Finanzierung vermieteten Wohneigentums lohnen sich nach wie vor Bausparverträge.

    Kann eine vermietete Immobilie so bewirtschaftet werden, dass nach Abzug der Werbungskosten und eventueller Finanzierungskosten noch von der Miete etwas übrig bleibt, ist eine Zusatzrente möglich.

     

    Hat die klassische Altersvorsorge ausgedient?

    Ob Riesterrente, Rüruprente oder klassische Lebensversicherung; Fachleute aus dem Anlagegeschäft werden nicht müde, diese Finanzprodukte zu kritisieren. Das war von Anfang an so und die Finanzkrise scheint die Vorbehalte zu bestätigen.

    Die Kritikpunkte lauten: zu kompliziert, zu teuer, zu wenig Rendite. Diese pauschale Ablehnung der klassischen privaten Altersvorsorge ist in der Sache nicht gerechtfertigt.

    Die Produkte der staatlich geförderten Altersvorsorge sind so ausgelegt, dass jeder Verbraucher sie bei kalkuliertem Risiko und ohne große Fachkenntnisse steuerbegünstigt ansparen kann. Natürlich können bessere Renditen erzielt werden, aber nur bei höherem Risiko und mit größerem persönlichen Aufwand.

    Guthaben sind insolvenzgeschützt und Hartz IV sicher. Außerdem erhöhen die Steuervorteile die Spardisziplin.

    Ein vorzeitiges Aussteigen ist bei keinem Sparplan empfehlenswert. Das gilt für staatlich geförderte Produkte ebenso wie für die Finanzprodukte, die Kritiker empfehlen und anbieten.

    In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase ist vor allem eine neue Einrichtung von Sparverträgen über gesetzlich subventionierte Altersvorsorgeprodukte allerdings wenig empfehlenswert. Doch ändern sich die Zinsverhältnisse, können sich staatlich geförderte Rentenprodukte wieder besser rechnen.

    Durch die niedrigen Zinsen besonders gebeutelt sind klassische Lebensversicherungen. Gerade die, zum Teil gesetzlich vorgeschriebene, vorsichtige Anlagestrategie hauptsächlich in risikoarme Rentenpapiere machen den Lebensversicherungen zu schaffen.

    Einige Lebensversicherer drängen auf Gesetzesänderungen, damit Sparer nicht mehr in demselben Umfang wie bisher (50 %) an den Bewertungsreserven beteiligt werden müssen. Andere Versicherer entwickeln neue Produkte, die so gut wie keine Garantieleistungen mehr vorsehen.

    Bereits Anfang 2013 haben manche Versicherer Schlussüberschüsse gestrichen, wenn Verträge eine Garantieverzinsung von vier Prozent und darüber vorsahen.

    Solange solche Unsicherheiten bestehen, sind Lebensversicherungen als Möglichkeit zur privaten Altersvorsorge nicht sonderlich empfehlenswert.