Spargelschälen richtig versteuern

    Keine Bange, das ist keine neue Steuer für Hausfrauen, die in der Regel den Spargel schälen. Aber Spargelbauern, die einen Teil des Spargels geschält verkaufen möchten, sollten über das Thema Spargelschälen und Lohnsteuer Bescheid wissen.

    Gerade zu Anfang der diesjährigen Spargelsaison – am 8. Mai 2008 – hat der Bundesfinanzhof mit Urteil VI R 76/04 für Recht erkannt, dass „Das Schälen von Spargel durch Aushilfskräfte eines landwirtschaftlichen Betriebs (zählt) nicht zu den typisch land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten i.S. des § 40a Abs. 3 Satz 1 EStG.“ zählt.

    Demzufolge können für Aushilfskräfte, die mit dieser Tätigkeit befasst sind, nicht die in der Landwirtschaft üblichen 5 % Lohnsteuer abgeführt werden. Vielmehr sind für diese Tätigkeit 20 % Lohnsteuer abzuführen oder mehr.

    Bei der Entscheidung geht es um das Ergebnis einer Lohnsteuer-Außenprüfung. Der betroffene Landwirt musste Lohnsteuer für Löhne in Höhe von DM 4.695 (1998) und DM 5,760 (1999) mit ca. DM 2.400 (ca. 1.240 Euro) nachzahlen.

    Zweifellos ist das Urteil korrekt und entspricht der deutschen Gesetzeslage. Aber was so generell abstrakt in Gesetzen fein reguliert geregelt ist, führt im Alltag manchmal zu absurd wirkenden Blüten. Dies ist so eine.

    Zum Glück sorgen Landwirte dafür, dass dieses köstliche und gesunde Gemüse auf den Tisch kommt. Schon allein der Anbau ist nicht einfach. Dann kommt die wetterabhängige Saison hinzu.

    Beginnt die Saison Mitte April oder Anfang Mai? Sind genau passend Arbeitskräfte zu haben, wenn der Spargel zu schießen beginnt?

    Bekannt ist die Diskussion um ausländische Arbeitskräfte, denen heimische Arbeitslose vorzuziehen sind, die dann aber nicht die Erfahrung haben und die Leistung bringen können. Schon allein das muss den Spargelbauern die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

    Jeder weiß, dass Landwirt sein alles andere als einfach ist. Geregelte Arbeitszeit und Urlaub, davon kann er träumen. Macht er das aus Idealismus für uns Verbraucher oder weil er seinen Acker liebt? Vielfältige Fördermaßnahmen insbesondere seitens der EG geben reichlich Ausdruck dafür, dass viele Landwirte ohne Subventionen gar nicht überleben können.

    Vor diesem Hintergrund wirkt das gewiss korrekte Urteil wirklich wie eine Stilblüte. Bürdet die Überregulierung dem Spargelbauern doch zusätzliche bürokratische Arbeit auf, nämlich zu erfassen, wer wann was macht. Diese Bürokratie wirkt zurück in die Finanzämter und in die Gerichte.

    Auch Richter essen Spargel. Ob sie solch ein Urteil gern anfertigen? Sie sind offensichtlich manchmal auch nicht zu beneiden.

    Bekanntlich sind die Gerichte meistens überlastet. Ähnliches gilt für die Finanzämter.

    Wird das Geld, was die Verfolgung solcher „Fehler“ dem Staat einbringt, nicht durch den bürokratischen Arbeitsaufwand in Ämtern und Gerichten doppelt und dreifach wieder ausgegeben?

    Geht die aufgewandte Zeit nicht in allen Bereichen stets zu Lasten der wesentlichen Aufgaben? Vom ungesunden Stress, der durch Überbelastung entsteht, mal ganz abgesehen.

    Hoffen wir, dass das Thema „Überregulierung abbauen“ weiter aktuell bleibt. Hoffen wir, dass Landwirte die Lust behalten, Spargel anzubauen und gelegentlich auch zu schälen.

    Verantwortlich für diesen Beitrag: Wilma Lojewski