Stammaktien: Informationen und Tipps

    Mit dem Begriff Stammaktie wird eine bestimmte Aktiengattung umschrieben. Stammaktien oder einfach nur „Stämme“ sind ihrer Definition nach Wertpapieren, die alle Rechte und Pflichten eines Aktionärs nach dem deutschen Aktiengesetz verbriefen.

    Dazu gehört auch das Stimmrecht. Darin unterscheiden sich Stammaktien von Wertpapieren der anderen Aktiengattung, den Vorzugsaktien, die dem Eigentümer jedenfalls in Deutschland kein Stimmrecht gewähren (stimmrechtslose Vorzugsaktien).

    Stammaktien können als Inhaberaktien oder als Namensaktien ausgegeben werden. Sie sind als junge Aktien oder alte Aktien möglich.

     

    Stammaktien und Vorzugsaktien in Deutschland

     

    In Deutschland sind die meisten an der Börse gehandelten Aktien Stammaktien. Einige Aktiengesellschaften geben daneben stimmrechtslose Vorzugsaktien aus.

    Von manchen Unternehmen sind sogar lediglich Vorzugsaktien an der Börse zugelassen. Meistens handelt es sich dabei um kleinere Aktiengesellschaften, die sich noch weitgehend in Familienbesitz befinden. Durch die Ausgabe von Vorzugsaktien können die Inhaberfamilien ihrer Eigenkapitaldecke verbessern, ohne die Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren.

    Ein interessanter Sonderfall sind die im DAX gelisteten Volkswagen-Aktien. Es handelt sich um Vorzugsaktien und nicht wie sonst im DAX um Stammaktien. Im Dezember 2009 hatte VW die Stammaktien durch Vorzugsaktien ersetzt.

    Dieser Operation war nötig geworden, weil sich die Aktionärsstruktur bei den Stammaktien grundsätzlich geändert hatte. Der Anteil der Qatar Holding an den Stammaktien war von 6,8 % auf 17 % gestiegen. Die Folge: Der Streubesitz dieser Aktiengattung sank unter 10 %. Das hatte nach den Richtlinien der Deutschen Börse zwingend die Entfernung der Stammaktien aus dem DAX zur Folge.

     

    Stammaktie, was ist das?

     

    Mit dem Begriff Stammaktien wird also eine Aktie bezeichnet, die den jeweiligen Inhabern ein Stimmrecht einräumt, und zwar neben allen anderen Rechten aus der Satzung und aus dem Aktiengesetz.

    Das Wertpapier verbrieft eine Beteiligung an der Aktiengesellschaft, genauer: an dem Grundkapital einer Aktiengesellschaft. Das Grundkapital wird gebildet aus der Summe der Nennwerte aller Stammaktien zuzüglich der Summe der Nennwerte aller Vorzugsaktien, sofern solche ausgegeben werden.

    Stammaktien können als Nennbetragsaktien oder als Stückaktien emittiert werden. Stückaktien werden häufig mit dem Zusatz o. N. (Ohne Nennwert) versehen.

     

    Aktionärsrechte und Pflichten

     

    Die mit einer Stammaktie verbundenen Aktionärsrechte und Pflichten ergeben sich aus dem Aktiengesetz und aus der Satzung des jeweiligen Unternehmens.

    Stimmrechte

    Das Stimmrecht ist das wichtigste Aktionärsrecht. Die Stammaktie verbrieft ein umfassendes Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Jede einzelne Stammaktie verfügt über ein Stimmrecht. Mehrstimmrechte sind nach deutschem Recht nicht erlaubt.

    Ausnahmen können die zuständigen Landesminister zur Wahrung überwiegender, gesamtwirtschaftlicher Interessen zulassen. Solche Ausnahmen spielen jedenfalls bei börsengehandelten Publikumsaktien in der Praxis keine Rolle.

    Worauf sich das Stimmrecht bezieht ist im Wesentlichen in Paragraph 119 des Aktiengesetzes geregelt, unter anderen:

    • Die Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern der Eigentümerseite.
    • Die Verwendung des Bilanzgewinns.
    • Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.
    • Die Bestellung von Abschlussprüfern.
    • Satzungsänderungen.
    • Die Kapitalbeschaffung und Kapitalherabsetzung.
    • Die Auflösung der Gesellschaft.

    Recht auf anteilige Dividende

    Über die Verwendung des Bilanzgewinns entscheidet die Hauptversammlung. Er kann als Dividende ausgeschüttet oder/und in eine Rücklage überführt werden und damit die Eigenkapitalausstattung verbessern.

    Entsprechend ihres in der Stammaktie verbrieften Anteils am Grundkapital enthalten die Aktionäre einen Bruchteil der Gesamtdividende.

    Recht auf Information

    Aktionäre haben ein Informationsrecht gegenüber dem Vorstand über Umstände, die zur Beurteilung unternehmenspolitischer Belange erforderlich sind.

    Allerdings gibt es wichtige Ausnahmen die in dem Paragraphen 121 Abs. 3 Aktiengesetz geregelt sind. Beispiel: die Erteilung der Auskunft würde dem Unternehmen erhebliche Nachteile zufügen.

    Bezugsrecht der Aktionäre

    Bezugsrechte bestehen nach §§ 186, 222 Aktiengesetz bei der Ausgabe junger Aktien, von Wandelanleihen, von Optionsanleihen, von Gewinnsschuldverschreibungen und von Genussrechten.

    Beim Bezugsrecht für junge Aktien muss dem Aktionär ein seinem Anteil am bisherigen Grundkapital entsprechender Teil der neuen Aktien angeboten werden. Das Bezugsrecht muss nicht ausgeübt werden, d.h. in neue Aktien eingetauscht werden. Möglich ist auch ein Verkauf an der Börse.

    Das Bezugsrecht soll einer Verwässerung des Anteils an der Aktiengesellschaft und einer Stimmrechtseinschränkung durch die Ausgabe der oben genannten Wertpapiere entgegenwirken.

    Anteiliger Liquidationserlös

    Jeder Aktionär erhält bei einer Liquidation einen seinem Aktienanteil entsprechenden Vermögensanteil, sofern nach Begleichung aller Verbindlichkeiten noch etwas übrig ist.

    Pflichten des Aktionärs

    Der Stammaktionär muss den entsprechenden Anteil am Grundkapital aufbringen zuzüglich eines möglichen Agios (Aufgeld). Praktisch geschieht das durch Erwerb der entsprechenden Aktien.

    Weitere Verpflichtungen zur Haftung bestehen nicht. Das Risiko ist auf die Erbringung des Anteils am Grundkapital beschränkt. Allerdings sind Ansprüche der Aktionäre gegenüber anderen Gläubigern nachrangig. Im Liquidationsfall kann der Aktionär also das gesamte eingesetzte Kapital verliehen.

     

    Stammaktien oder Vorzugsaktien kaufen?

     

    Der Vorteil der Vorzugsaktien besteht in Deutschland in der höheren Dividendenrendite gegenüber den Stammaktien. Inhaber von Vorzugsaktien werden nach den Regelungen in der Satzung bei der Dividendenvergabe auf unterschiedliche Weise bevorzugt behandelt.

    Der Vorteil der Stammaktie liegt im Stimmrecht und in der grundsätzlich besseren Performance an der Börse.

    Stammaktien sind in Deutschland der Regelfall. Viele Unternehmen im DAX haben nur Stammaktien ausgegeben. Andererseits werden von kleineren Unternehmen manchmal nur Vorzugsaktien (auch Vorzüge genannt) an der Börse gehandelt.

    Wer also Aktien eines bestimmten Unternehmens kaufen möchte, hat meistens keine Wahl zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien.

    Ob es sich um Stammaktien oder Vorzugsaktien handelt, wird im Kurszettel häufig ausdrücklich erwähnt. Außerdem unterscheidet sich die WKN. Bei Vorzugsaktien ist die letzte Ziffer immer eine drei.

    Welche Aktiengattung beim Kauf bevorzugt werden soll, hängt vom Einzelfall ab. Bei der Beurteilung eines Aktienkaufs sollte nicht die Frage der Aktiengattung im Vordergrund stehen. Wichtig ist immer, ob das Unternehmen selbst werthaltig ist, so dass sich eine Investition lohnt.

    Für Privatanleger, die nur über kleine Aktienpakete verfügen, dürfte das Stimmrecht nicht ausschlaggebend sein, eher kommt es auf eine gute, sichere Dividende aber auch auf eine gute Wertentwicklung an der Börse an.

    Gleichgültig ob in Stammaktien oder in Vorzugsaktien investiert wird, Privatanleger sollten sich immer über die Dividendenrenditen und über die Wertentwicklung an der Börse informieren, bevor sie kaufen. Bei Vorzugsaktien ergibt sich aus der Satzung, inwieweit eine Bevorzugung bei der Dividende besteht.

    Hat ein Unternehmen beide Aktiengattungen ausgegeben, gleichen sich die Kurse häufig an, jedenfalls über einen langen Zeitraum betrachtet. Allerdings sollte immer auf ausreichendes Handelsvolumen geachtet werden.

    Als Beispiel soll der Sonderfall der VW Aktie dienen. Der Kurs der im DAX gesichteten Vorzugsaktien betrug am 6. August 2014 168,40 €, die Stammaktie schloss bei 166,64 €. Der Kurs der Vorzugsaktien war also in diesem Fall höher, weil die Vorzugsaktien im DAX gelistet ist und deshalb mehr gehandelt wird.

    Während die Anzahl der gehandelten Stammaktien 567 Stück betrug, wurden 36.248 Vorzugsaktien gehandelt. Klar ist, dass jedenfalls Privatanleger nur VW Vorzugsaktien kaufen sollten und wahrscheinlich auch nur können.

    Bei BMW ist es genau umgekehrt. Die Stämme sind im DAX gelistet, der Kurs betrug am 6.8.2014 88,04 € bei 17.299 gehandelten Stücken. Vorzüge notierten hingegen bei 71,14. Allerdings wurden auch nur 780 Vorzugsaktien gehandelt.

     

    Warum notierten Stammaktien höher als Vorzugsaktien?

     

    Das ist nicht immer der Fall, wie das obige Beispiel der VW Aktie zeigt. Werden sowohl Vorzugsaktien als auch Stammaktien derselben Gesellschaft an der Börse gehandelt, entwickeln sich die Kurse der Stammaktie jedoch grundsätzlich besser.

    Der Hauptgrund dürfte im Kaufverhalten institutioneller Anleger liegen. Profis und große Investmentgesellschaften wollen Kontrolle und damit Stimmrecht, wenn sie umfangreiche Aktienpakete eines bestimmten Unternehmens erwerben. Sie favorisieren also Stammaktien und treiben damit den Kurs.

    Außerdem sind Vorzugsaktien sehr selten in den bekannten Aktienindices gelistet. Viele Fondsgesellschaften bieten aber Produkte an, die mehr oder weniger bestimmte Indices abbilden, und müssen deshalb gelistete Stammaktien erwerben.

    Ein weiterer Grund für die bessere Kursentwicklung von Stammaktien liegt schließlich im Stimmrecht selbst. Kommt es zu Übernahmen, vor allem zu feindlichen Übernahmen, spielt das Stimmrecht eine entscheidende Rolle.

    Stammaktien sind in solchen Situationen hoch begehrt. Manchmal reichen sogar Übernahmegerüchte, um den Kurs von Stammaktien jedenfalls vorübergehend überdurchschnittlich steigen zu lassen.

    Ein gutes Beispiel für außergewöhnliche Kursgewinne von Stammaktien während eines Übernahmekampfes ist die Kursentwicklung der Mannesmann Aktie während der feindlichen Übernahme durch Vodafone in den 1990iger Jahren.

     

    Umwandlung von Stammaktien in Vorzugsaktien

     

    Der umgekehrte Fall, die Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien kommt in der Praxis oft vor. Eine Umwandlung von Stammaktien in Vorzugsaktien mag theoretisch möglich sein und vielleicht auch im Einzelfall Sinn machen, beispielsweise bei Familiengesellschaften.

    Allerdings ist eine Satzungsänderung erforderlich, da die verschiedenen Aktiengattungen und auch die Anzahl der Aktien der beiden Aktiengattungen in der Satzung fixiert sein müssen. Jede Satzungsänderung bedarf der notariellen Beurkundung.